Ebolavirus

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Ebolavirus
Ebola virus em.png

Ebolavirus

Systematik
Reich: Viren
Ordnung: Mononegavirales
Familie: Filoviridae
Gattung: Ebolavirus
Taxonomische Merkmale
Genom: (–)ssRNA linear
Baltimore: Gruppe 5
Symmetrie: helikal
Hülle: vorhanden
Wissenschaftlicher Name
Ebolavirus (engl.)
Links

Das Ebolavirus ist eine Gattung aus der Familie der Filoviridae. Diese Gattung umfasst fünf Spezies, deren Vertreter behüllte Einzel(−)-Strang-RNA-Viren sind. Die Ebolaviren verursachen das Ebolafieber. Neben dem Menschen infizieren sie andere Primaten (Gorillas, Schimpansen) und lösen bei ihnen ein hämorrhagisches Fieber aus. Ebolaviren sind Auslöser der Ebolafieber-Epidemie 2014 in Westafrika.

Merkmale

Das Ebolavirus besitzt eine fadenförmige (lateinisch filum ‚Faden‘), manchmal auch bazillusförmige Gestalt. Es kann in seiner Grundstruktur aber auch gelegentlich U-förmig gebogen sein.

In seiner Länge variiert es bis zu maximal 14.000 Nanometer (nm; 14 µm; 0,014 mm), jedoch beträgt der Durchmesser konstant 80 nm und es gehört damit zusammen mit der Gattung Marburgvirus aus derselben Familie zu den größten bekannten RNA-Viren. Als weitere Besonderheit besitzt dieser Erreger auch die Matrixproteine VP40 und VP24.

Ebolaviren sind fähig, sich in fast allen Zellen des Wirtes zu vermehren. Dabei kommt es aufgrund der schnellen Virensynthese zu einem Viruskristall (Crystalloid), der vom Bereich des Zellkerns nach außen dringt und einzelne Viren nach Auflösung beziehungsweise Zerfall der Zelle (Lyse) freilässt.

Herkunft allgemein

Die Viren stammen aus den tropischen Regenwäldern Zentralafrikas und Südostasiens (Spezies Reston-Ebolavirus). Von Wissenschaftlern wurden sie zum ersten Mal 1976 in Yambuku, Zaire (seit 1997 Demokratische Republik Kongo) entdeckt; sie traten nahezu gleichzeitig im Sudan auf. Die Gattung wurde nach dem kongolesischen Fluss Ebola benannt, in dessen Nähe es zum ersten allgemein bekannten Ausbruch kam. In 55 Dörfern entlang dieses Flusses erkrankten 318 Menschen, von denen 280 starben, was einer Sterberate von 88 Prozent entspricht. Der erste Fall trat in einem belgischen Missionskrankenhaus der Zusters van het H. Hart van Maria auf und wurde anfangs als „Gelbfieber mit hämorrhagischen Merkmalen“ beschrieben.[1] Kurz darauf waren fast alle Nonnen und Krankenschwestern – sowie die meisten, die das Krankenhaus besucht hatten oder noch dort waren – erkrankt. Die Schwestern besaßen nur fünf Injektionsnadeln, die sie, ohne sie zwischendurch zu desinfizieren oder zu sterilisieren, für Hunderte Patienten verwendet hatten. Ein mit dem Ebolavirus verwandtes Virus wurde 1967 mit Affen aus Uganda in wissenschaftliche Labore in Marburg eingeschleppt.

Reservoir

Das natürliche Reservoir der Ebolaviren (Hauptwirt, Reservoirwirt) konnte bisher nicht zweifelsfrei gefunden werden. Fledermausarten gerieten in das Visier der Wissenschaftler, da diese bereits in anderen Kontinenten als mögliche Reservoirwirte für ebenfalls ungewöhnliche Virusinfektionen identifiziert worden waren, so beispielsweise für das Hendra-Virus in Australien[2] und das Nipah-Virus in Malaysia.[3][4] Mittlerweile gibt es starke Hinweise auf verschiedene Arten von Flughunden, die in Afrika weit verbreitet sind und eine Infektion mit Ebolaviren überleben.[5][6][7]

In einer großangelegten Untersuchung von Fledermäusen zwischen 2003 und 2008 haben Wissenschaftler zudem festgestellt, dass sehr wahrscheinlich der Nilflughund (Rousettus aegyptiacus) und der Hammerkopf (Hypsignathus monstrosus) als Reservoirwirte sowohl für das Ebolavirus als auch für das Marburgvirus dienen. Allerdings war Rousettus aegyptiacus die einzige Spezies, in der gleichzeitig Antikörper gegen das Ebola- wie auch gegen das Marburgvirus in hoher Konzentration nachweisbar waren. Weiterhin wurden bei dieser Untersuchung Antikörper gegen das Ebolavirus in den Flughundarten Epomops franqueti, Schmalkragen-Flughund (Myonycteris torquata), Micropteropus pusillus und Mops condylurus gefunden.[5] 2010 wurden ebenfalls entsprechende Antikörper bei Palmenflughunden (Eidolon helvum) nachgewiesen.[8] Vermutlich sind insbesondere in Höhlen lebende Arten betroffen, wobei die weitere Übertragung durch Fallenlassen von angefressenen und anschließend zumeist von Affen verzehrten Früchten als wahrscheinlich erscheint.[5]

Übertragung

Infektionsquellen und Infektionswege

Eine Übertragung des Virus vom Reservoirwirt auf den Menschen ist bislang ein eher seltener Vorgang, und der genaue Übertragungsweg ist noch nicht vollends geklärt.[9][10] Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine Übertragung des Virus auf den Menschen auch durch Körperkontakt mit infizierten, kranken oder toten Wildtieren aufgetreten, als Beispiele werden Schimpansen, Gorillas und andere Affen, Flughunde, afrikanische „Waldantilopen“ und Stachelschweine genannt.[11] Eine in Teilen Afrikas gängige Art solcher Kontakte stellt das Jagen, der Handel, die Zubereitung und der Verzehr von als Reservoirwirten in Betracht kommenden Wildtieren („Buschfleisch“) dar.[8][12] Daher wird davon abgeraten.[13][14]

Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung der Ebolaviren erfolgt durch direkten Körperkontakt und bei Kontakt mit dem Blut, anderen Körperflüssigkeiten oder entnommenen Organen infizierter Personen per direkter Kontaktinfektion.[15] Dabei werden Blut, Kot und Erbrochenes durch die WHO als besonders infektiös bezeichnet.[16] Weiterhin wurde das Virus in der Muttermilch, im Urin und in der Samenflüssigkeit Infizierter nachgewiesen.[16] An Ebolafieber erkrankte Menschen können nach Auftreten der ersten Symptome das Virus solange übertragen, wie in ihrem Blut und anderen Körperflüssigkeiten, einschließlich Samenflüssigkeit und Muttermilch, Ebolaviren nachweisbar sind.[15] Männer, welche die Infektion überlebt haben, können das Virus noch bis zu zehn Wochen nach ihrer Genesung in ihrem Ejakulat übertragen.[16] Auch eine Übertragung durch Speichel und Tränenflüssigkeit wird durch die WHO nicht ausgeschlossen, allerdings lieferten bisherige Studien hierzu keine eindeutigen Ergebnisse.[16] Laut WHO konnte das Ebolavirus im Schweiß bisher nicht nachgewiesen werden.[16]

Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) werteten verschiedene Berichte über vergangene Epidemien (u. a. in Kikwit, Demokratische Republik Kongo, 1995) hinsichtlich der maximalen Dauer der Nachweisbarkeit der Virus-RNA in verschiedenen Körperflüssigkeiten aus. Die Virus-RNA wird im Labor mittels Reverser Transkriptase-PCR untersucht. Nach Beginn der Symptome war in Samenflüssigkeit bis zu 101 Tagen, in Vaginalabstrichen bis zu 33 Tagen, in Abstrichen des Rektums bis zu 29 Tagen, im Urin bis zu 23 Tagen, in Bindehautabstrichen bis zu 22 Tagen, im Blut bis zu 21 Tagen, in Muttermilch bis zu 15 Tagen, im Speichel bis zu acht Tagen und auf der Haut bis zu sechs Tagen Virus-RNA zu finden.[17] Der Nachweis in Muttermilch bezieht sich allerdings auf nur einen dokumentierten Erkrankungsfall, so dass daraus keine Empfehlung abgeleitet werden kann, nach welchem Zeitraum die Muttermilch wieder als Säuglingsnahrung geeignet ist.[17]

Eintrittspforten für das Ebolavirus sind Schleimhäute und verletzte Hautbereiche.[15] Eine Übertragung durch sexuelle Kontakte ist nachgewiesen, wobei aber dieser Übertragungsweg eine untergeordnete Rolle spielt.[18][17] Das Robert Koch-Institut (RKI) berichtet, „es gibt bisher keine Hinweise auf eine Übertragung von Filoviren auf den Menschen durch die Atemluft“[19] und bezieht sich dabei auf die von der WHO herausgegebenen Empfehlungen.[11] Dies wurde auch während der Ebolafieber-Epidemie 2014 von der WHO[16] und den CDC[17] bestätigt. Ein „hohes Expositionsrisiko“ sieht das RKI für eine Person, die „engen Kontakt ohne Schutzkleidung zu einem schwer mit Ebola-/ Marburgvirus- Erkrankten hatte, der z. B. gehustet […] hatte.“[19] Auch die WHO geht davon aus, dass eine Übertragung durch Spritzer (“splashes”) erfolgen kann.[12] Dem medizinischen Personal und sonstigen Kontaktpersonen empfiehlt die WHO die Einhaltung entsprechender Hygienemaßnahmen und das Tragen von Gesichtsschutz (Gesichtsschild oder Mundschutz und Schutzbrille), langärmeligem Schutzkittel und Schutzhandschuhen.[11] Die Empfehlungen des RKI sehen Handschuhe, Schutzbrillen, mindestens FFP3-Halbmasken, Kopfhauben und wasserabweisende Schutzkittel vor.[19] Während der Behandlung wird außerdem eine seuchenhygienische Isolation des Patienten mit „Barrier Nursing“ empfohlen.[19][11] Transporte erkrankter Personen sollten vorsichtshalber in „Hochkontagiös-Rettungswagen“ erfolgen.[20]

Auch eine Übertragung durch kontaminierte Gegenstände ist möglich. Das Virus hält seine Infektiösität bei Raumtemperatur und hinunter bis 4 °C stabil über mehrere Tage aufrecht. Bei –70 °C kann es unbegrenzte Zeit überdauern.[21] Daher kann eine Ansteckung auch als Schmierinfektion über Spritzen und andere Gegenstände erfolgen, die mit infektiösen Körperflüssigkeiten kontaminiert wurden.[19][11][22] Nach einer Einschätzung der WHO ist das Risiko einer Schmierinfektion gering und kann durch entsprechende Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen weiter reduziert werden.[16]

Infektion auf zellulärer Ebene

Nach Eintritt in den Körper infizieren die Ebolaviren im Frühstadium vor allem Makrophagen, Leberzellen sowie Zellen in den Lymphknoten und in der Milz, im Spätstadium eine ganze Reihe von weiteren Wirtszellen.[23][24][25] Auf zellbiologischer Ebene konnte erst kürzlich entschlüsselt werden, wie das Ebolavirus in das Zellinnere eindringt. Das Zaire-Ebolavirus aktiviert über einen bislang unbekannten Membranrezeptor der Rezeptor-Tyrosinkinase-Klasse die sogenannte Phosphoinositid-3-Kinase (PI3K) und bewirkt so seine Internalisierung in die Zelle in Form von Endosomen. Inhibitoren der PI3K und nachgeschalteter Enzyme verhinderten die Infektion in Zellkulturversuchen, was Hoffnung auf zukünftige Behandlungsmöglichkeiten gibt. Weitergehend ist bekannt, dass die Expression des Glykorezeptors „liver and lymph node sinusoidal endothelial cell C-type lectin“ (LSECtin) auf myeloischen Zellen dem Ebolavirus seine Bindungskapazität verleiht.[26][27][28]

Nicht abschließend untersuchte, mögliche Infektionsquellen

Bei Nagetieren,[29] Hunden,[30][31] Pferden,[32] Schweinen,[33] Antilopen[29] und Buschschweinen[34] wurden bisher Antikörper gegen das Ebolavirus festgestellt.

In einem Versuch 2012 übertrugen Wildschweine nur durch Tröpfcheninfektion und ohne direkten Kontakt Ebolaviren an Primaten, ohne dabei selbst tödlich zu erkranken. Damit gerieten sie auch in Verdacht, größere, alljährliche Epidemien in Afrika auszulösen.[35]

Anlässlich der Ebolafieber-Infektionen 2014 in den USA und Spanien wurde auch eine mögliche Übertragung durch Haustiere diskutiert. Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) teilten mit, dass bisher keine Berichte bekannt sind, dass Hunde oder Katzen an Ebolafieber erkrankt sind oder das Ebolavirus auf den Menschen oder andere Tiere übertragen haben.[36] Dies gilt auch für Gebiete in Afrika, in denen Ebolafieber-Ausbrüche stattfanden.[36] Bei einem Ausbruch in Gabun (2001–2002) zeigte eine Untersuchung an Hunden, dass zwischen 10 und 30 % der untersuchten Tiere – je nachdem in welchen Gebieten sie lebten – Antikörper gegen das Ebolavirus gebildet hatten. Sie zeigten jedoch keine Krankheitssymptome.[37] Für den Fall, dass eine in den USA infizierte Person ein Haustier besitzt, empfehlen die CDC eine Abschätzung der Exposition des Tieres und darauf folgende, zusammen mit Veterinärmedizinern festgelegte Maßnahmen.[36] Im Fall der in Spanien infizierten Krankenschwester wurde ihr Hund vorsorglich eingeschläfert.[38]

Inkubationszeit

Die Inkubationszeit variiert normalerweise zwischen 2 und 21 Tagen,[11] am häufigsten beträgt sie 8–10 Tage.[22] Anlässlich der Ebolafieber-Epidemie 2014 in Westafrika durchgeführte Studien haben gezeigt, dass bei 95 % der laborbestätigten Erkrankungsfälle die Inkubationszeit zwischen einem bis 21 Tagen beträgt, bei weiteren 3 % liegt die Inkubationszeit in einem Zeitintervall von 22 bis 42 Tagen, zu den verbleibenden 2 % der Fälle werden keine Angaben gemacht.[39]

Ein Vergleich der Angaben aus bisherigen Epidemien mit gesicherten Angaben während der Epidemie 2014[40] ergibt, dass die Annahme einer Inkubationszeit von maximal 21 Tagen für einen Teil der Infizierten möglicherweise nicht ausreichend ist. Nach diesem Vergleich liegt bei 0,2 bis 12 % der untersuchten Fälle die Inkubationszeit darüber.[41] Die Angabe, dass die Inkubationszeit bei etwa 95 % der laborbestätigten Erkrankungsfälle zwischen einem bis 21 Tagen beträgt, wird daher als Kompromiss zwischen den Kosten der verlängerten Quarantäne-Maßnahmen und der Reduzierung des Risikos, noch infektiöse Patienten zu entlassen, gedeutet.[41] Das Deutsche Ärzteblatt sieht diese 95-Prozent-Grenze als vernünftigen Kompromiss an.[42]

Infektionsdosis

Dieser Wert gibt an, wie viele Erreger notwendig sind um die Infektion des Wirtes auszulösen. Die Infektionsdosis für die Ansteckung mit hämorrhagischem Fieber reicht von 1 bis 10 Viruspartikeln. Dieser Wert wurde mittels Tierversuchen an Primaten im Zuge der Biowaffenforschung ermittelt. Die Viruspartikel wurden den Versuchstieren in Form eines Aerosols über die Atemluft zugeführt. Bei Milzbrand (Anthrax) liegt die Infektionsdosis zum Vergleich bei 8.000–50.000 Bakteriensporen.[43]

Risikogruppe, behördliche Einstufung

In Deutschland ist in der Verordnung über anzeigepflichtige Tierseuchen die Ebolavirus-Infektion als anzeigepflichtige Tierseuche aufgeführt (§ 1 TierSeuchAnzV). In der Europäischen Union wird das Ebolavirus durch die Richtlinie 2003/99/EG als Zoonoseerreger klassifiziert.[44]

Aufgrund der hohen Letalität (50–90 %)[11] und Infektionsgefahr wird der Erreger in die höchste Risikogruppe 4 nach der Biostoffverordnung eingeordnet. Die Einstufung gemäß Biostoffverordnung in Verbindung mit der TRBA (Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe) 462 gilt für die vier Spezies Bundibugyo Ebolavirus (früher BEBOV), Côte d’Ivoire Ebolavirus (früher CIEBOV, aktuelle Bezeichnung ist Taï Forest Ebolavirus), Sudan Ebolavirus (früher SEBOV) und Zaire Ebolavirus (früher ZEBOV), während das Reston Ebolavirus (früher REBOV) der Risikogruppe 2 zugeordnet wird.[44]

Durch die Biostoffverordnung werden für biologische Arbeitsstoffe vier Risikogruppen definiert. Das Arbeiten hat unter Berücksichtigung entsprechender Schutzmaßnahmen zu erfolgen, die durch die Biostoffverordnung in vier biologische Schutzstufen (englisch: biosafety level, BSL) eingeteilt werden. Demzufolge müssen Arbeiten mit dem Ebolavirus (Ausnahme Reston Ebolavirus, s. o.) unter den strengen Vorgaben der Schutzstufe 4 erfolgen. Weltweit werden Filoviren an 20 Laboratorien erforscht (Stand 2013). Diese müssen daher die Schutzstufe 4 beachten und werden auch als BSL-4-Laboratorien bezeichnet. Für Deutschland trifft dies auf das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und das Institut für Virologie der Universität Marburg zu.[45] Die CDC klassifizierten Ebolaviren als mögliche biologische Waffe.[46][47]

Virusspezies

Phylogenetischer Baum des Ebolavirus und Marburg-Virus (Stand November 2008)[48]

In der Gattung Ebolavirus werden fünf Spezies unterschieden, die jeweils nach den Orten ihres ersten bekannten Auftretens benannt wurden: Zaire Ebolavirus (früher ZEBOV, 6 Subtypen), Sudan Ebolavirus (früher SEBOV, 3 Subtypen), Côte d’Ivoire Ebolavirus (früher CIEBOV, 1 Subtyp), Bundibugyo Ebolavirus (früher BEBOV) und das Reston Ebolavirus (früher REBOV, 4 Subtypen).

Die ICTV Filoviridae Study Group hat 2010 eine aktualisierte Systematik und Nomenklatur der Vertreter der Filoviridae vorgeschlagen,[49] die in dem 9th ICTV Report von 2011 umgesetzt wurde.[50][45] Demnach soll die folgende Nomenklatur verwendet werden, die auch bereits in entsprechenden Veröffentlichungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO)[11] und der Centers for Disease Control and Prevention (CDC)[22] Anwendung findet:

Anmerkungen: Das Côte d’Ivoire Ebolavirus wurde umbenannt in Taï Forest Ebolavirus, auch die Schreibweise als Tai Forest Ebolavirus ist zu finden. Die Spezies Zaire Ebolavirus (auch mit der Schreibweise Zaïre Ebolavirus zu finden) hat als einzigen Vertreter das Ebola Virus, das als EBOV abgekürzt wird. Im Englischen ist die Schreibweise Ebola virus (nicht kursiv gesetzt), die Getrenntschreibung unterscheidet dieses Virus von der Gattung, die im Englischen Ebolavirus geschrieben wird. Vom Ebola Virus (EBOV) sind mehrere Varianten bekannt, z. B. Mayinga (abgekürzt als EBOV/May). Hier wird von der zuständigen Expertengruppe geraten, auf die Bezeichnung als „Stamm“ („Virusstamm“) oder „Subtypus“ zu verzichten und sie stattdessen als Variante (engl. variant) zu benennen.[49][45]

Speziesunterschiede

Die vier Spezies Taï Forest Ebolavirus, Sudan Ebolavirus, Zaire Ebolavirus und Bundibugyo Ebolavirus verursachen beim Menschen ein hämorrhagisches Fieber mit einer Letalitätsrate von etwa 50 bis 90 %. In Einzelfällen z. B. bei Erkrankungen durch das Bundibugyo Virus (BDBV), ist die Letalitätsrate auch geringer.[11] Diese hohe Sterblichkeit deutet wie bei den Marburgviren darauf hin, dass die Ebolaviren mit ihren Varianten noch nicht an den Menschen angepasst und neu in die Population eingedrungen sind. Die Schädigung seines Wirts bis hin zu seinem Tod ist für ein Virus nicht vorteilhaft, da es zur eigenen Vermehrung auf diesen Wirt angewiesen ist. Die dennoch beim Wirt ausgelösten Symptome sind Nebenwirkungen der Infektion. Die bei den Ebolaviren vorliegende Verbreitungsstrategie des Erregervirus wird als Hit and Run bezeichnet. Ist ein Virus besser an seinen Wirt angepasst, ist auch seine Chance größer, sich weiter zu verbreiten, denn von einem solchen Virus wird der Wirt nicht mehr in der akuten Erkrankungsphase getötet. Für den Fall, dass der Wirt nicht sofort wirksame Antikörper entwickelt, welche das Virus neutralisieren, kann das Virus den Wirt viel länger für seine eigene Vermehrung benutzen, wobei es hiermit die sogenannte Infect-and-persist-Strategie anwendet.

Zaire Ebolavirus

Hauptartikel: Zaire Ebolavirus

Diese Spezies ist mit einer Letalitätsrate von 60 bis 90 % die gefährlichste aus der Familie der Filoviridae. Wie alle Ebolaviren hat das früher als Subtyp Zaïre bezeichnete Virus einen Durchmesser von etwa 80 nm und eine Länge von 990 bis 1086 nm. Das Genom des Virus besteht aus etwa 19.000 Basen.

Erstmals beobachtet wurde das Zaire Ebolavirus 1976 in Zaire (1997 in Demokratische Republik Kongo umbenannt) und verursachte 280 Tote bei 318 Infizierten (Letalität 88 %). Ein Jahr später erkrankte und verstarb eine weitere Person in Zaire. 1994 erkrankten 52 Menschen, 31 von ihnen verstarben (Letalität 60 %). 1995 infizierten sich 315 Bewohner, 250 von ihnen verstarben (Letalität 81 %). 1996–1997 wurden in Gabun in zwei Wellen 21 von 37 Menschen (Letalität 57 %) bzw. 45 von 60 (Letalität 75 %) getötet. Dazu kam noch ein Todesfall aus Südafrika. 2001–2002 kam es wieder in Gabun zu einer Epidemie, der 53 von 65 Menschen zum Opfer fielen (Letalität 82 %). Gleichzeitig kam es auch in der Demokratischen Republik Kongo zu 44 Toten bei 59 Infizierten (Letalität 75 %). 2002–2003 verstarben 128 von 143 Personen an dem Virus, als es in der Demokratischen Republik Kongo erneut zu einer Epidemie kam (Letalität 89 %). Von Dezember 2008 bis Januar 2009 gab es einen Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo. Dort infizierten sich 32 Menschen (Verdachts-, wahrscheinliche und bestätigte Fälle), 15 von ihnen starben (Letalität 46 %).[51] Im Mai 2011 bestätigte die WHO einen Todesfall in Uganda. Im Sommer 2014 erkrankten (Stand: 14. September 2014, ohne Fälle der DR Kongo) 5400 Menschen in Guinea, Liberia, Sierra Leone, Nigeria und Senegal, von welchen 2600 verstarben (Letalität 49 %).[52]

Reston Ebolavirus

Diese Spezies löst in Makaken und Schweinen eine Erkrankung aus. Diese beiden Arten stellen die Hauptwirte des Virus dar. Aufgrund der unterschiedlichen geographischen Verbreitung von infizierten Schweinen und Makaken geht man von zwei unabhängigen Anpassungsschritten des Virus auf die beiden Wirte aus. Beim Menschen findet lediglich eine subklinische Infektion statt, das heißt, es treten keinerlei Krankheitszeichen auf. Es werden jedoch Antikörper gegen das Virus gebildet.[53]

Infektionskrankheiten und Auftreten

Die nach einer Virusinfektion auftretende Infektionskrankheit beim Menschen wird als Ebolafieber bezeichnet. Ein typisches Symptom ist ein hämorrhagisches Fieber, gekennzeichnet durch hohes Fieber mit > 38,5 °C in Verbindung mit Blutungen. Seit 1976 kam es wiederholt zu Ausbrüchen des Ebolafiebers. Insbesondere im tropischen Teil Afrikas kosteten diese Ausbrüche zahlreichen Personen das Leben,[54] siehe Dokumentiertes Auftreten und Epidemien der Ebola-Viruskrankheit. In Westafrika erfolgte 2014 die bisher größte dokumentierte Ebolafieber-Epidemie.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

 Wiktionary: Ebolavirus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Ebolavirus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. A virologist's tale of Africa's first encounter with Ebola. Auf: sciencemag.org vom 11. August 2014.
  2. K. Halpin, P. L. Young, H. E. Field, J. S. Mackenzie: Isolation of Hendra virus from pteropid bats: a natural reservoir of Hendra virus. In: Journal of General Virology. 2000, Bd. 81, Nr. 8, S. 1927–1932.
  3. Outbreak of Hendra-like virus–Malaysia and Singapore, 1998–1999. In: Morbidity and Mortality Weekly Report. (MMWR) 9. April 1999, Bd. 48, Nr. 13, S. 265–269.
  4. S. Wacharapluesadee, T. Hemachudha: Duplex nested RT-PCR for detection of Nipah virus RNA from urine specimens of bats. In: Journal of Virological Methods. April 2007, Bd. 141, Nr. 1, S. 97–101, doi:10.1016/j.jviromet.2006.11.023.
  5. a b c Xavier Pourrut et al.: Large serological survey showing cocirculation of Ebola and Marburg viruses in Gabonese bat populations, and a high seroprevalence of both viruses in Rousettus aegyptiacus. In: BMC Infectious Diseases. 28. September 2009, Nr. 9, S. 159, doi:10.1186/1471-2334-9-159, (Artikel als PDF-Datei).
  6. Eric M. Leroy et al.: Fruit bats as reservoirs of Ebola virus. In: Nature. 1. Dezember 2005, Band 438, S. 575–576, doi:10.1038/438575a.
  7. Eric Leroy et al.: Recent Common Ancestry of Ebola Zaire Virus Found in a Bat Reservoir. In: PLoS Pathogens. 27. Oktober 2006, Bd. 2, Nr. 10, S. 885–886, doi:10.1371/journal.ppat.0020090.
  8. a b D. T. Hayman, P. Emmerich u. a.: Long-term survival of an urban fruit bat seropositive for Ebola and Lagos bat viruses. In: PloS one. Band 5, Nr. 8, 2010, S. e11978, ISSN 1932-6203. doi:10.1371/journal.pone.0011978. PMID 20694141. PMC 2915915 (freier Volltext).
  9. A. Townsend Peterson, John T. Bauer, James N. Mills: Ecologic and Geographic Distribution of Filovirus Disease. In: Emerging infectious diseases. Januar 2004, Band 10, Nr. 1, S. 40–7, ISSN 1080-6040, PMID 15078595 (Artikel als PDF-Datei).
  10. F. A. Murphy, M. P. Kiley, S. P. Fisher-Hoch: Filoviridae: Marburg and Ebola viruses. In: B. N. Fields, D. M. Knipe (Hrsg.): Virology. Raven Press, New York 1990, S. 933–42.
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  13. European Centre for Disease Prevention and Control: Factsheet for health professionals. Auf: ecdc.europa.eu vom 21. August 2012, abgerufen am 17. Juli 2014.
  14. Facts About Bushmeat and Ebola. In: CDC: Ebola (Ebola Virus Disease), What's New. 7. Oktober 2014, abgerufen am 7. Oktober 2014 (PDF, 68 kB, englisch).
  15. a b c WHO: Ebola virus disease. Fact sheet Nr. 103, Updated September 2014. Abschnitt: Transmission. Auf: who.int; abgerufen am 26. September 2014.
  16. a b c d e f g What we know about transmission of the Ebola virus among humans. In: WHO: Situation assessments: Ebola virus disease. 6. Oktober 2014, abgerufen am 6. Oktober 2014.
  17. a b c d Review of Human-to-Human Transmission of Ebola Virus. Centers for Disease Control and Prevention (CDC), 17. Oktober 2014, abgerufen am 25. Oktober 2014 (englisch).
  18. Marc Silver: Why Is This Ebola Outbreak Spreading? Auf: National Geographic. vom 27. März 2014, zuletzt abgerufen am 26. September 2014.
  19. a b c d e RKI: Ebolavirus-Infektionen. Auf: rki.de Stand: 11. August 2014, zuletzt abgerufen am 14. August 2014.
  20. Münchner Feuerwehr zum Transport von Ebola-Verdachtsfällen. Bayerischer Rundfunkt (br.de/mediathek) , Video, vom 12. August 2014, zuletzt abgerufen am 24. August 2014.
  21. Ebola Virus, Pathogen Data Sheet. Auf: www.phac-aspc.gc.ca , letzte Aktualisierung: 1. August 2014, zuletzt abgerufen am 14. August 2014.
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  24. Asuka Nanbo, Masaki Imai, Shinji Watanabe et al: Ebolavirus Is Internalized into Host Cells via Macropinocytosis in a Viral Glycoprotein-Dependent Manner. In: PLoS Pathog. Bd. 6, Nr. 9, 23. September 2010, e1001121, doi:10.1371/journal.ppat.1001121
  25. R. J. Wool-Lewis, P. Bates: Characterization of Ebola virus entry by using pseudotyped viruses: identification of receptor-deficient cell lines. In: Journal of virology. (J Virol) Bd. 72, Nr. 4, April 1998, S. 3155-60, PMID 9525641.
  26. M. Shimojima et al.: Tyro3 family-mediated cell entry of Ebola and Marburg viruses. In: Journal of virology. Oktober 2006, Bd. 80, Nr. 20, S. 10109–10116, PMID 17005688, doi:10.1128/JVI.01157-06, PMC 1617303 (freier Volltext).
  27. M. F. Saeed et al.: Phosphoinositide-3 Kinase-Akt Pathway Controls Cellular Entry of Ebola Virus. In: PLoS Pathogens. 2008, Bd. 4, Nr. 8, e1000141, doi:10.1371/journal.ppat.1000141 PDF-Datei.
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  29. a b http://www.20min.ch/schweiz/news/story/-Tiere-verbreiten-Ebola-besser-als-Menschen--11951040
  30. Übertragen Hunde Ebola?. Auf: Welt.de , zuletzt abgerufen am 17. Oktober 2014.
  31. Loïs Allela, Olivier Bourry, Régis Pouillot et al.: Ebola Virus Antibody Prevalence in Dogs and Human Risk. In: Emerging Infetious Deseases. (EID) Bd. 11, Nr. 3, März 2005, Research doi:10.3201/eid1103.040981.
  32. B. P. Krasnianskiĭ, V. V. Mikhaĭlov, I. V. Borisevich et al.: Preparation of hyperimmune horse serum against Ebola virus. In: Voprosy virusologii. Bd. 40, Nr. 3, Mai-Juni 1995, S. 138-40, PMID 7676681.
  33. Hana M. Weingartl, Carissa Embury-Hyatt, Charles Nfon et al.: Transmission of Ebola virus from pigs to non-human primates. In: Scientific Reports. Nr. 2, Artikel Nr. 811, doi:10.1038/srep00811.
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