Ebolafieber

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Klassifikation nach ICD-10
A98.4 Ebola-Viruskrankheit
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Ebolafieber ist eine meldepflichtige Infektionskrankheit, die durch das Ebolavirus hervorgerufen wird. Die Bezeichnung geht auf den Fluss Ebola zurück, an dem das Virus zuerst aufgetreten ist. Die Erkrankung verläuft in 50 bis 90 % aller Fälle tödlich. Bis jetzt wurden noch keine erfolgreichen Therapien gefunden.[1] In Deutschland ist die Erkrankung noch nie aufgetreten.[2]

Erreger[Bearbeiten]

Hauptartikel: Ebolavirus
Elektronenmikroskopische Aufnahme von Ebolaviren

Es werden fünf Spezies des Ebolavirus (Zaire [ZEBOV], Sudan [SEBOV], Reston [REBOV], Elfenbeinküste [CIEBOV] und Bundibugyo [BEBOV]) unterschieden, von denen außer dem Reston-Ebolavirus alle anderen vier Serogruppen beim Menschen hämorrhagisches Fieber auslösen. 50 bis 90 % der Erkrankten sterben daran. Diese hohe Letalität deutet wie beim Marburg-Virus darauf hin, dass das Ebolavirus noch nicht an den Menschen angepasst ist. Für einen Virus ist es unvorteilhaft, seinen Wirt, also seinen eigenen Lebens- und Vermehrungsraum, zu töten.

Es gibt Hinweise darauf, dass als natürliches Reservoir des Virus (Hauptwirt, Reservoirwirt) Nilflughunde in Frage kommen. In jüngster Zeit konnten Forscher aus dem Centre International de recherches Médicales de Franceville in Gabun entweder Virusbruchstücke oder Virusantikörper in sechs selbst nicht erkrankten Flughundearten nachweisen. Es handelte sich dabei um die Flughundearten Epomops franqueti, Hammerkopf (Hypsignathus monstrosus), Schmalkragen-Flughund (Myonycteris torquata), Micropteropus pusillus, Mops condylurus und Nilflughund (Rousettus aegyptiacus), aus einer Gegend, in der zuvor Schimpansen und Gorillas an Ebolafieber gestorben waren.[3]

Deshalb sehen die Forscher diese Tierarten als Reservoirwirte des Virus an und empfehlen, dass diese Tiere nicht mehr von der einheimischen Bevölkerung in West- und Zentralafrika gegessen werden sollten, um eine Übertragung des Erregers vom Tier auf den Menschen zu vermeiden.[4]

Der Subtyp Reston löst in Makaken die Krankheit aus, eine Krankheitsauslösung beim Menschen wurde jedoch bislang nicht festgestellt.[5]

Übertragung[Bearbeiten]

EM-Aufnahme eines Ebolavirus

Von Mensch zu Mensch wird das Ebolavirus bei direktem Körperkontakt und bei Kontakt mit Körperausscheidungen infizierter Personen per Kontaktinfektion bzw. Schmierinfektion übertragen. Weiterhin ist eine Übertragung per Tröpfcheninfektion (aerogene Transmission), durch Sexualverkehr und nach der Geburt (neonatale Transmission) möglich, wobei diese Übertragungswege jedoch bislang nur eine untergeordnete Rolle spielen. Da der aerogenen Transmission nur eine geringe Bedeutung zukommt, lassen sich durch geeignete Maßnahmen Ebolaepidemien relativ leicht eindämmen.[6]

Eine Übertragung von mit dem Ebolavirus infizierten, aber nicht erkrankten Tieren auf den Menschen ist in gleicher Weise und durch den Verzehr dieser als Reservoirwirte dienenden Tiere möglich.

Diagnose[Bearbeiten]

Klinisch ist eine Ebolainfektion in ihrem Erscheinungsbild nicht eindeutig von einer Infektion mit dem Marburg-Virus zu unterscheiden. Das Virus kann nur im Labor im Blut, im Urin oder im Speichel zweifelsfrei nachgewiesen werden. Als Goldstandard hat sich die Reverse Transkriptase-PCR etabliert, bei der bereits sehr wenige Viruskopien für einen sicheren Nachweis ausreichen. Auch ein Nachweis der speziellen Antikörper ist möglich, allerdings werden diese häufig erst im späteren Verlauf der Erkrankung gebildet, ihre Abwesenheit kann daher nicht als Ausschlusskriterium einer akuten Infektion gelten.

Symptome[Bearbeiten]

Hinsichtlich der Inkubationszeit sind verschiedene Angaben veröffentlicht worden.[7][8] Im Allgemeinen wird sie mit 2 bis 21 Tagen angegeben.[9][10] Nach Ablauf der Inkubationszeit treten Symptome ähnlich wie bei einer beginnenden Grippe auf. Dann folgen hämorrhagisches Fieber (hohes Fieber mit > 38,5 °C in Verbindung mit Blutungen), Leber- und Nierenfunktionsstörungen mit Ödemen, innere Blutungen, Blutungen ins Gewebe (blaue Flecken), blutiger Stuhl und Urin, Schockzustände und Kreislaufzusammenbrüche, Krämpfe und Lähmungserscheinungen und Übelkeit mit Erbrechen, Durchfall, Haut- und Schleimhautblutungen. Die Infektion breitet sich auf den ganzen Organismus aus und zerstört die kapillaren Blutgefäße. Insbesondere führen Blutungen im Magen-Darm-Kanal, der Milz und in der Lunge zum Tode.

Therapie[Bearbeiten]

Isolationsgerät für Ebola-Infizierte 1976 in Zaire. Hersteller: Vickers Medical Ltd.

Zur Behandlung wird eine symptomatische Therapie durchgeführt. Im Frühstadium gibt es vereinzelt Erfolge mit Rekonvaleszentenserum.

Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und an der Charité in Berlin werden Sonderisolierstationen für hochinfektiöse Patienten vorgehalten.

Forscher des US-Militärs haben 2010 ein Medikament, das die Virusreplikation hemmt, indem es an die RNA des Virus bindet, erfolgreich an Affen getestet. Dabei überlebten 60 % der Rhesusaffen und 100 % der vorher infizierten Makaken.[11]

2011 verkündeten Forscher des Scripps Research Institute Erfolge mit einem von ihnen entwickelten Antikörper. „Forscher haben erstmals einen Antikörper entdeckt, der den tödlichen Sudan-Stamm des Ebolavirus außer Gefecht setzt. Der Antikörper verhindert, dass das Virus in das Innere der Zellen gelangt. Das eröffne eine Möglichkeit, einen Impfstoff gegen die Krankheit zu entwickeln, berichten Forscher im Fachmagazin Nature Structural & Molecular Biology.“[12]

Vorbeugung[Bearbeiten]

Wissenschaftlern des USAMRIID gelang es im Jahre 2003, Mäuse durch Injektion von virusähnlichen Partikeln zu immunisieren. Anfang 2005 entdeckten Forscher um Steven Jones und Heinz Feldmann (Universität von Manitoba, Winnipeg, Kanada) eine erfolgreiche Impfung (aktive Immunisierung) bei Javaneraffen (Macaca fascicularis) mit einem abgeschwächten, lebenden, rekombinanten Vesiculären-Stomatitis-Virus (VSV), das auf seiner Oberfläche ein so genanntes Glycoprotein des Zaire-Ebolavirus-Stammes „Kikwit“ produziert. Nunmehr erhofft man sich eine baldige vorbeugende Impfmöglichkeit auch beim Menschen.

Ausbrüche[Bearbeiten]

Jahr Ort Erkrankte Tote Anmerkungen
1972 Zaire / heute Demokratische Republik Kongo 1 0
1976 Yambuku in Zaire 318 280 Letalität von 88 %
1976 Nzara im Sudan 284 150
1976 Birmingham in Großbritannien 1 0 Laborinfektion
1977/1978 Zaire 1 1
1979 Sudan 34 22
1989 Reston, USA 4 0 Für den Menschen ungefährlicher Stamm
1994 Elfenbeinküste 1 0
1994 Gabun 44 28
1995 Kikwit in Zaire 315 245 Letalität von 80 %
1996 Gabun 37 21
1996 Gabun 61 45
1996 Südafrika 1 1 Patient kam aus Gabun
Oktober bis 19. Dezember 2000 Uganda 425 224
bis Oktober 2001 Gesamt Afrika 1.479 988
bis 17. Mai 2005 Republik Kongo  ? 9 laut WHO
Mai 2007 Kampungu, Demokratische Republik Kongo ~ 384 Verdachtsfälle 176 laut WHO[13][14]
November 2007 Bundibugyo, Uganda 121 35 laut WHO[15]
Januar 2009 Mweka (Westkasai), Demokratische Republik Kongo 36 12 laut WHO[16][17]
Mai 2011 Bombo, Uganda (35 km nördl. v. Kampala) 1 1 33 Menschen vorsorglich isoliert[18][19]
Juli - Oktober 2012 Distrikt Kibaale, Uganda 59 Verdachtsfälle 17 24 Menschen vorsorglich isoliert[20][21][22]
September 2012 Provinz Orientale, Demokratische Republik Kongo 46 Fälle (davon 14 bestätigt) 19 laut WHO[23]
Februar - April 2014 Guinea, Liberia, Verdachtsfälle in Sierra Leone und Mali bisher etwa 224 Fälle
(17. April 2014)
mind. 135[24] [25][26][27][28][29]

Immunität[Bearbeiten]

Eine überstandene Erkrankung nach Infektion macht die betroffene Person gegen die spezielle Erregerart immun.[30]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. GesundheitPro - Infektionskrankheiten: Ebolafieber
  2. Tierseuchenbericht 2011 des BMELV. In: Deutsches Tierärzteblatt. (DTBL) 60. Jahrgang, Mai 2012, S. 714–715.
  3. Xavier Pourrut et. al.: Large serological survey showing cocirculation of Ebola and Marburg viruses in Gabonese bat populations, and a high seroprevalence of both viruses in Rousettus aegyptiacus. In: BioMed Central (BMC) Infectious Diseases. 28 September 2009, Nr. 9, S. 159, doi:10.1186/1471-2334-9-159 (Volltext als PDF-Datei).
  4. Eric M. Leroy et al.: Fruit bats as reservoirs of Ebola virus. Nature, 1. Dezember 2005, Band 438, S. 575–576, doi:10.1038/438575a
  5. Molekularbiologische Untersuchungen der Ebola-Viren Zaire und Reston mit Hilfe reverser Genetik. (Dissertation) Abschnitt: 6. Zusammenfassung, S. 119.
  6. Ebola-Ausbruch im Kongo
  7. G. Darai, M. Handermann, H. G. Sonntag, C. A. Tidona, L. Zaller (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen: Erreger, Symptome, Diagnose, Therapie und Prophylaxe. 3. Aufl., Springer, Heidelberg 2009, ISBN 978-3-540-39005-3, S. 308.
  8. Wolfgang R. Heizmann: Kurzlehrbuch medizinische Mikrobiologie und Immunologie. 2. Ausgabe, Schattauer, Stuttgart, New York 1999, ISBN 3-7945-1961-2, S. 217.
  9. Nina Friederike Seiler: Inkubationszeit und Übertragungsparameter der Ebolaviruskrankheit. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Medizin, Institut für Medizinische Biometrie – Medizinische Fakultät, Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Stuttgart 2008, S. 7. PDF-Datei
  10. WeltgesundheitsorganisationWeltgesundheitsorganisation WHO 2010: Fact sheet N°103 / Ebola haemorrhagic fever
  11. T. K. Warren, K. L. Warfield et al.: Advanced antisense therapies for postexposure protection against lethal filovirus infections.Nature medicine, 22. August 2010, Vol. 16, S. 991–994, doi:10.1038/nm.2202 PMID 20729866
  12. National Geographic: Antikörper gegen tödliches Ebolavirus entwickelt, abgerufen 21. November 2011 auf: http://www.nationalgeographic.de/aktuelles/antikoerper-gegen-toedliches-ebolavirus-entwickelt
  13. Ebola Outbreak Confirmed in Congo. In: NewScientist.com, 11. September 2007. Abgerufen am 25. Februar 2008. 
  14. Ebola outbreak in Congo, CDC news. 12. September 2007. Abgerufen am 31. Mai 2009. 
  15. Uganda: Deadly Ebola Outbreak Confirmed - UN. In: UN News Service, 30. November 2007. Abgerufen am 25. Februar 2008. 
  16. Epidemie Jan. 2009 auf Spiegel Online
  17. Ebola haemorrhagic fever in the Democratic Republic of the Congo auf WHO.int (Englisch)
  18. Mädchen in Uganda an Ebola-Virus gestorben, orf.at, 15. Mai 2011
  19. 33 Menschen unter Quarantäne - Mädchen stirbt an Ebola, n-tv.de, 14. Mai 2011
  20. WHO bestätigt Ebola-Ausbruch in Uganda, tagesschau.de, 29. Juli 2012
  21. Ärzte Zeitung: Ebola-Epidemie unter Kontrolle
  22. Uganda: Wieder Ebola-frei (aerztezeitung.de)
  23. Ebola outbreak in Democratic Republic of Congo – update (who.int)
  24. Ebola Hemorrhagic Fever Outbreak in Guinea and Liberia - Outbreak Update April 17, 2014 cdc.gov
  25. Ebola-Epidemie breitet sich aus
  26. Ebola haemorrhagic fever in Guinea – update. WHO, 30. März 2014, abgerufen am 31. März 2014 (englisch).
  27. Westafrika: Mediziner können Ebola-Epidemie nicht stoppen. Auf spiegel.de vom 1. April 2014.
  28. Deadly Ebola virus on the move in Africa washingtonpost.com
  29. Mali reports three suspected Ebola cases telegraph.co.uk
  30. Pierre Becquart, Nadia Wauquier et al.: High Prevalence of Both Humoral and Cellular Immunity to Zaire ebolavirus among Rural Populations in Gabon. In: PLoS ONE 9. Februar 2010, Bd. 5, Nr. 2, e9126, doi:10.1371/journal.pone.0009126.
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