Ellis Island

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Ellis Island
Ellis Island
Ellis Island
Ellis Island (USA)
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40.698611111111-74.04Koordinaten: 40° 41′ 55″ N, 74° 2′ 24″ W
Lage: New York, Vereinigte Staaten
Nächste Stadt: Jersey City, New Jersey
Fläche: 0,2 km²
Gründung: 15. Oktober 1965, Datum der Aufnahme in das Statue of Liberty National Monument
Besucher: 3.555.244 (2008, schließt die Freiheitsstatue mit ein)
Museumsgebäude vom Wasser
Museumsgebäude vom Wasser
Ellis Island vom Westen gesehen (Herbst 1996)
Ellis Island vom Westen gesehen (Herbst 1996)
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Ellis Island ist eine Insel im vom Hudson River gebildeten Hafengebiet bei New York. Seit dem 11. Mai 1965 wird die Insel zusammen mit der Freiheitsstatue als Teil des Statue of Liberty National Monument als Gedenkstätte durch den National Park Service verwaltet. Seit 1990 ist die Insel als Museum zur Geschichte der Einwanderung in die Vereinigten Staaten für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Insel war lange Zeit Sitz der Einreisebehörde für den Staat und die Stadt New York und über 30 Jahre die zentrale Sammelstelle für Immigranten in die USA. Über sie kamen zwischen 1892 und 1954 etwa 12 Millionen Einwanderer an und wurden abgefertigt.

Die Insel liegt in der Upper New York Bay in Jersey City und hat eine Fläche von 11,1 ha, die zum größten Teil auf künstliche Landgewinnung zurückzuführen ist.[1]

Geschichte

Frühgeschichte und Vorbesitzer

Vor der künstlichen Landanreicherung war die Insel um ein vielfaches kleiner und wurde unterschiedlich genutzt. Auch war sie oft von einer Namensänderung betroffen. Die indianischen Ureinwohner Amerikas nannten die Insel Kioshk (gull island, „Möweninsel“). Niederländische Einwanderer nannten die Insel aufgrund ihrer Muschelbänke um 1630 oyster island („Austerninsel“), später wurde sie gibbet island („Galgeninsel“) genannt, da zu der Zeit viele Piraten am Galgen gehenkt wurden.[2] Samuel Ellis erwarb das Land 1770 während der amerikanischen Revolution, fortan wurde der Ort als öffentlicher Picknickplatz genutzt. 1785 versuchte er, das Land zu verkaufen[3]. Sein Vorhaben blieb jedoch ohne Erfolg.

Übernahme durch die Regierung und Nutzung als Immigrantensammelstelle

Nach Ellis' Tod 1807 übernahm der Bundesstaat New York die Insel und verkaufte sie ein Jahr später für 10.000 $ an die Bundesregierung der Vereinigten Staaten. Fortan wurde die Insel als Verwahrungsstätte für Verbrecher und später als Lagerstätte für Munition der Armee benutzt. Ab 1861 lautete der offizielle Name der Insel Ellis Island. Als die Einwanderungszahlen ab 1890 enorm anstiegen, wurde Ellis Island als zentrale Sammelstelle für Personen benutzt, die im Begriff waren, in New York sesshaft zu werden.[2]

Ellis Island zur Zeit des Ersten und Zweiten Weltkrieges

Während der beiden Weltkriege dienten Teile der Insel als Internierungslager für Ausländer aus einem Land, mit dem sich die USA im Krieg befanden (enemy aliens). Im Zweiten Weltkrieg wurde sie auch als Lazarett/Sammelstelle für verletzte US-Soldaten gebraucht [4].

1956 bis heute

1956 wurde Ellis Island unter die Verwaltung des National Park Service gestellt. Nach der Renovierung, die 1980 begann und 156 Mio. Dollar kostete, wurde das Hauptgebäude am 10. September 1990 als Ellis Island Immigration Museum wiedereröffnet. Ellis Island gehört sowohl zum Staat New York als auch zu New Jersey. Dabei gehört New York das Land der ursprünglichen Insel, auf dem das Hauptgebäude steht und New Jersey der Rest, der später aufgeschüttet wurde.[5]

Der Hurrikan Sandy beschädigte 2012 die Gebäude und Einrichtungen erheblich. Die Ausstellung wurde erst im Oktober 2013 wieder geöffnet, weitere Reparaturen werden bis 2014 erfolgen.

Die Rolle von Ellis Island bei der Immigration in die USA

Geschichte

Einwanderungswelle ab 1880

Vor Beginn der Immigrationspolitik der USA war es jedem Bundesstaat selbst überlassen, wie mit den Einwanderern umzugehen war. Die Immigrantenzahlen waren anfangs gering. Erst 1820 begann man die Einwanderer zu zählen. Zwischen 1820 und 1830 kamen lediglich 152.000 Immigranten ins Land. In dem Jahrzehnt 1840 bis 1850 stieg die Zahl auf 1,7 Mio. Im Zeitraum von 1820 bis 1880 kamen mit 3,1 Mio. die meisten Immigranten aus Deutschland, gefolgt von den Iren mit 2,8 Mio. und den Engländern mit 1,9 Mio. In den 1880er Jahren kam es zur so genannten "Neuen Einwanderung", einer verstärkten Immigration aus Süd- und Osteuropa, was Kulturkonflikte hervorrief. Den neuen Zuwanderern ging der Ruf voraus, nicht assimilierungswillig und generell unfähig zu sein, die amerikanische Welt zu verstehen. Es wurden Schreib- und Lesetests eingeführt. Die Beschränkungen wurden immer schärfer. Nach und nach untersagten die Behörden Kranken, Polygamisten, Prostituierten, Armen, Anarchisten, Chinesen (1882), Japanern (1907) und Analphabeten (1917) die Einreise.

Ellis Island als notwendige Sammelstelle für Immigranten

Filmaufnahmen von Immigranten auf Ellis Island

Bis 1892 waren die Immigranten mehrere Jahrzehnte lang über Castle Clinton in die Stadt eingereist, eine ehemalige Konzerthalle am Fuße Manhattans, die als Lager umgebaut worden war. Um 1890 war das Lager von der Flut der Einwanderer überlastet und man beschloss die Einrichtung einer größeren Sammelstelle außerhalb des Stadtgebiets von New York. Die sich verschärfenden Immigrationsgesetze verlangten eine gründlichere Überprüfung und so bot sich Ellis Island an, da die Einwanderer von hier aus nicht ungesehen in das Stadtgebiet gelangen konnten. Bis zum 17. Dezember 1900 wurden die erforderlichen Gebäude auf Ellis Island fertiggestellt. Sie waren für eine Gesamtkapazität von ca. 500.000 Immigranten pro Jahr ausgelegt, zeitweise mussten aber jährlich fast doppelt so viele abgefertigt werden. Spitzen lagen bei 12.000 Menschen pro Tag, es gab allerdings auch Tage mit nur wenigen Einreisewilligen, insbesondere bei schlechter Wetterlage, wenn keine Schiffe anlandeten. Allein 1907 wurden 1.285.349 Einwanderer abgefertigt.[6]

Mit dem Immigration Act von 1924 wurde die Zahl der Einwanderer begrenzt. Später lohnte sich der Aufwand für die wenigen Aufgaben, die noch zu bewältigen waren, nicht mehr und Ellis Island wurde 1954 geschlossen.

Nachwirkungen der Einwanderungswelle

Etwa 43 Millionen Amerikaner – also jeder sechste Einwohner – gaben bei der Volkszählung im Jahr 2000 an, deutsche Vorfahren zu haben. Fast jeder zweite Amerikaner (40 %) hat Vorfahren, die über Ellis Island ins Land kamen.

Aufnahme der Einwanderer

Die Einwanderer nannten Ellis Island die Träneninsel (engl. isle of tears), da sich hier nach einer 2-minütigen Befragung und einer medizinischen Untersuchung ihr weiteres Schicksal entschied. Die Einwanderer mussten gleich zu Beginn eine 50-stufige steile Treppe zum Registrierraum emporsteigen, wobei sie von Ärzten beobachtet wurden. Hatte jemand Probleme, deutete das auf ein Herzleiden hin und er wurde intensiver untersucht. Die Mediziner prüften auf Infektionskrankheiten, schauten sich Hände, Gesicht und Haare an; falls jemand verdächtig war, bekam er ein Kreidezeichen auf die rechte Schulter gemalt (ein S stand für Senilität, ein Ct für die Augenkrankheit Trachom und ein X für eine psychische Erkrankung). Die anderen gingen durch eine Tür mit der Aufschrift „Push to New York“ und waren aufgenommen.

Einwanderer, 1931

Der ganze Prozess der offiziellen Einwanderung konnte mehrere Tage dauern. Während dieser Zeit konnten die Einreisewilligen jederzeit aussortiert werden. Teilweise mussten die Passagiere noch tagelang auf ihren Schiffen bleiben, bevor sie überhaupt an Land gelassen wurden. Passagiere der ersten und zweiten Klasse, also Leute mit Geld oder Reputation, kamen jedoch nicht über Ellis Island an Land, sondern nach einer kurzen Visitation direkt nach Manhattan.

An Land, d.h. auf der Insel wurden die Familien nachts getrennt, Männer und Frauen schliefen in verschiedenen Abteilungen. 3.000 Menschen sind insgesamt auf Ellis Island gestorben und 350 Kinder dort geboren worden. Angeblich sollen zehn Prozent aller Reisenden bereits während der Überfahrt gestorben sein, weil sie in völlig unzureichenden hygienischen Verhältnissen zusammengepfercht wurden. Ansteckende Krankheiten konnten sich besonders schnell verbreiten. Aufgrund dieser Todesfälle nannten die Einwohner New Yorks die Einwandererschiffe auch „Sargschiffe“.

Ausweitung des Immigrantenstroms

Die Einwanderer begaben sich zumeist direkt in die Stadtgebiete, in denen es schon andere Einwanderer ihrer Nation gab. Für deutsche Immigranten war das vor allem Kleindeutschland an der Lower East Side. Dort angekommen, blieben viele Familien nur für kurze Zeit und bereiteten sich auf die Weiterreise in die Siedlungsgebiete vor. Oft folgten sie bereits früher eingereisten Bekannten oder Verwandten oder gingen auf staatliche Angebote ein, die mit Vergünstigungen den Strom der Arbeitskräfte in bestimmte Gebiete lenkten. Kalifornien beispielsweise bot den Einwanderern ein verbilligtes Bahnticket an, um die Ansiedlung in diesem Gebiet schmackhafter zu gestalten. Auch war es den Immigranten möglich, verbilligt Ausrüstungsgegenstände zu kaufen oder günstigere Kredite aufzunehmen. Viele Neuankömmlinge blieben auch nach der Einreise in die USA lange Zeit unter sich oder zogen im Trupp als Wanderarbeiter über Land. Gegen diese als „Überfremdung“ durch andere „Rassen“ empfundene Invasion wehrten sich zunehmend viele etablierte Amerikaner und entwickelten die Idee einer noch heranzuzüchtenden nordischen Rasse, die das rasant wachsende Amerika besiedeln sollte.[7]

Waren zunächst Gesundheit und dann wirtschaftliche Selbständigkeit alleinige Aufnahmekriterien wurde später eine Pass- und Visumspflicht und ein Quotensystem nach Herkunftsländern eingeführt. New York konnte durch die Immigration seinen Bedarf an Arbeitskräften jederzeit decken. Etwa vier Millionen Immigranten aus Ellis Island blieben dauerhaft in der Stadt. Überschüsse wurden durch Weiterleitung von Arbeitskräften in andere Bundesstaaten abgebaut.

Ellis Island heute

Ellis Island ist seit 1965 ein Teil des Statue of Liberty National Monument und seit 1990 sind die Bauten als Museum zugänglich.

Zum Museum gehört ein elektronisches Archiv mit allen auf der Insel abgefertigten Einwanderern, das auch über das Internet verfügbar ist. Auf der American Immigrant Wall of Honor findet man die Namen von Einwanderern, sofern die Nachfahren eine Spende von 100 Dollar getätigt hatten. Sie ist nach eigener Aussage die weltgrößte mit Namen beschriftete Mauer.[8]

Die Gebäude gliedern sich in vier Abschnitte: nördlich des Landungsbeckens befindet sich das Hauptgebäude mit den Museumsgebäuden. Am Kopfende des Beckens liegt das Empfangsgebäude, auf dem südlich davon gelegenen Inselteil zwei Gebäudeblocks: der südlichere an der Wasserfront wird von 18 Gebäuden gebildet, die über überdachte Gänge pavillonartig miteinander verbunden sind.

Für Annie Moore, die erste Immigrantin auf Ellis Island am 1. Januar 1892, wurde 1993 auf der Insel und in ihrer Heimat im irischen Cobh zwei Bronzestatuen errichtet. 2005 wurde das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven eröffnet, das in Kooperation mit Ellis Island entstand.

Von der Südspitze Manhattans aus, dem Battery Park und vom Liberty State Park in Jersey City verkehren täglich Fähren, um Besucher zur Insel zu bringen, die nach der Besichtigung von Ellis Island von dort aus auch zur Freiheitsstatue auf Liberty Island gelangen können[9]. Eintrittsgeld wird für den Zugang zur Insel nicht verlangt, sondern als Pauschale auf die Teilnahme an der Bootsfahrt zu Liberty Island aufgeschlagen.

Durch eine Autobrücke nach Jersey City ist die Insel mit dem Festland verbunden. Sie ist jedoch für Besucher nicht passierbar.

Siehe auch

Literatur

Sachbücher
  • Joachim Baur: Die Musealisierung der Migration. Einwanderungsmuseen und die Inszenierung der multikulturellen Nation. Verlag Transcript, Bielefeld 2009, S. 79–198, ISBN 978-3-8376-1264-6.
  • Simone Blaschka-Eick: In die Neue Welt! Deutsche Auswanderer in drei Jahrhunderten. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2010, ISBN 978-3-498-01673-9.
  • Heike Götz und Christiane Greve: Unsere Stadt war New York. Friesen in Amerika. Edition DAH, Bremerhaven 2011, ISBN 978-3-00-035787-9.
Reiseführer
  • Lester Brooks, Patricia Brooks, Susan Farewell: New York („New York - Eyewitness travel guide“, 1993). Neuaufl. RV-Verlag, München 1997, S. 78, ISBN 3-89480-902-7.
  • Jutta Westmeyer (Red.): New York (DuMont visuell). 4. Aufl. Dumont, Köln 1999, S. 148, ISBN 3-7701-3247-5 (EA Köln 1994).

Filme

  • Michaela Kirst: Zum Nazi verdammt. Das Schicksal deutschstämmiger US-Familien im Zweiten Weltkrieg, die in amerikanischen Lagern interniert wurden. Dokumentation, Deutschland, Bayr. Rundfunk, 2007, 52 Min.
  • Michaël Prazan, Regie: Ellis Island. Insel des amerikanischen Traums. Dokumentarfilm, F, 104 Min, 2013. Senderinformation und Mediathek. Originaltitel: ellis island, une histoire du reve americain.

Einzelnachweise

  1.  Hagstrom Map Company, Inc. 2008, ISBN 0-8809-7763-9.
  2. a b Oysters, Pirates and ammunition: The early Days of Ellis Island. abcteach.com, 2005, abgerufen am 27. September 2011 (PDF; 69 kB, englisch).
  3. Passenger Ship Manifests: The immigrant journey. Abgerufen am 27. September 2011 (englisch, via libertystatepark.com): „To Be Sold By Samuel Ellis, no. 1 Greenwich street, at the north river near the Bear Market. That pleasant situated Island, called Oyster Island, lying in York Bay, near Powles’ Hook, together with all its improvements, which are considerable…“
  4. Ellis Island - Timeline. ellisisland.org, abgerufen am 27. September 2011 (englisch).
  5. Gerichtsurteil zu der Aufteilung
  6.  Raeithel, Gert: Geschichte der nordamerikanischen Kultur. 1600 bis 2002. 4. Auflage. 2, Frankfurt am Main 2003, ISBN 0-8809-7763-9, S. 267.
  7.  Edwin Black: War Against the Weak. 2004.
  8. http://www.statueofliberty.org/Wall_of_honor.html
  9. Ferry System Map. nps.gov / National Park Service - HFC, abgerufen am 27. September 2011 (englisch).

Weblinks

 Commons: Ellis Island – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien