Emlichheim

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Emlichheim
Emlichheim
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Emlichheim hervorgehoben
52.6063888888896.853611111111114Koordinaten: 52° 36′ N, 6° 51′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Grafschaft Bentheim
Samtgemeinde: Emlichheim
Höhe: 14 m ü. NHN
Fläche: 48,52 km²
Einwohner: 7195 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 148 Einwohner je km²
Postleitzahl: 49824
Vorwahl: 05943
Kfz-Kennzeichen: NOH
Gemeindeschlüssel: 03 4 56 002
Webpräsenz: www.emlichheim.de
Bürgermeister: Sigrun Mittelstädt-Ernsting (CDU)
Lage der Gemeinde Emlichheim im Landkreis Grafschaft Bentheim
Landkreis Grafschaft Bentheim Niedersachsen Königreich der Niederlande Landkreis Emsland Nordrhein-Westfalen Bad Bentheim Ohne Samern Schüttorf Schüttorf Quendorf Isterberg Engden Nordhorn Wietmarschen Georgsdorf Osterwald Lage (Dinkel) Halle (bei Neuenhaus) Uelsen Getelo Wielen Itterbeck Wielen Ringe Emlichheim Laar (Grafschaft Bentheim) Wilsum Gölenkamp Esche (Grafschaft Bentheim) Neuenhaus HoogstedeKarte
Über dieses Bild
Deutsch-plattdeutsches Ortsschild in Emlichheim

Emlichheim ist eine Gemeinde im Landkreis Grafschaft Bentheim in Niedersachsen (Deutschland) und Sitz der gleichnamigen Samtgemeinde.

Geographie[Bearbeiten]

Emlichheim (niederdeutsch Emmelkamp) liegt in der Nähe der deutsch-niederländischen Grenze. Der Ort wird im Süden durch die Vechte und im Norden durch den Coevorden-Piccardie-Kanal eingegrenzt. Die Gemeinde ist Verwaltungssitz der Samtgemeinde Emlichheim mit den Gemeinden Emlichheim, Hoogstede, Laar und Ringe. In den letzten Jahren erfuhr Emlichheim massives Wachstum, vor allem bedingt durch den Zuzug niederländischer Staatsangehöriger.

Geschichte[Bearbeiten]

Emlichheim besteht mindestens schon seit der Zeit Karls des Großen. In einer Urkunde aus dem Jahre 1312 wird der Ort unter dem Namen Emminchem erwähnt.

Im umgangssprachlichen Dialekt ist bis heute der Name Emmelkamp üblich. Der hochdeutsche Name Emlichheim leitet sich von den ursprünglichen niederdeutschen Formen Emminchem oder Emmenheim ab. Seit der Zeit des Dreißigjährigen Krieges wurde das Hochdeutsche in der Grafschaft Bentheim für offizielle Urkunden verwendet. Von offizieller Seite wurde so der Name aus dem bis dahin verwendeten Niederdeutschen ins Hochdeutsche als Emlichheim übertragen. Aufgrund der engen kulturellen und ökonomischen Verflechtungen mit den Niederlanden war, insbesondere in der Niedergrafschaft, seit dem 16. Jh. das Niederländische die gängige Verkehrs-, Kirchen- und Schriftsprache. Bis in die zwanziger Jahre des 19. Jh. wurde in den Schulen der Grafschaft Niederländisch als erste Sprache verwendet. Die Umgangssprache war der lokale niederdeutsche Dialekt, der stark von der niederländischen Schriftsprache beeinflusst war.

In der hiesigen Umgangssprache setzte sich mit der Zeit die Form Emlenkamp für Emlichheim durch. Über die Umgangssprache gelangte diese Form dann auch in die niederländische Schreibung. In der Praxis kam es so, dass fortan im Hochdeutschen von Emlichheim die Rede ist, in niederländischsprachigen Urkunden des 16.–19. Jahrhunderts von Emlenkamp.[2]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. März 1974 wurde die Nachbargemeinde Volzel eingegliedert.[3]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Aktuelle Zusammensetzung des insgesamt 19 Sitze zählenden Gemeinderates seit dem 1. November 2011:

  • CDU - 8 Sitze
  • SPD - 7 Sitze
  • Grafschafter Bürger Forum (gbf) - 2 Sitze
  • FDP - 2 Sitze

(Stand: Kommunalwahl vom 11. September 2011)

Bürgermeister/-in[Bearbeiten]

Zur ehrenamtlichen Bürgermeisterin wurde in der konstituierenden Sitzung des Gemeinderates am 8. November 2011 Sigrun Mittelstädt-Ernsting (CDU) gewählt.

Partnergemeinden[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Vechte bei Emlichheim

In Emlichheim ist die Emsland Group mit ihrer Tochter Emsland-Stärke GmbH als größter europäischer Stärkeproduzent ansässig. Im Hauptwerk Emlichheim werden jährlich über ein Million Tonnen Kartoffeln, die aus einem Umkreis von etwa 150 km angeliefert werden, verarbeitet. Emsland-Stärke ist nicht nur der größte Arbeitgeber von Emlichheim, sondern auch wichtiger Existenzfaktor für die ganze Region.

Etwa acht Kilometer westlich von Emlichheim liegt innerhalb der Gemeinde Laar und der angrenzenden niederländischen Gemeinde Coevorden das grenzüberschreitende Industriegebiet Europark (Europark Emlichheim-Coevorden). Dort besteht ein großer Güter- bzw. Containerumschlagplatz mit der Bezeichnung EuroTerminal, welcher von einer Tochterfirma der Bentheimer Eisenbahn AG und niederländischen Partner-Firmen betrieben wird.[4] Ein im Auftrag der Bentheimer Eisenbahn angefertigtes Gutachten aus dem Jahr 2009 empfahl, dem Europark den Status eines Güterverkehrszentrums (GVZ) zu geben,[5] was mittlerweile auch geschehen ist.[6] Des Weiteren besteht im Europark unter anderem die von einem privaten niederländischen Investor gebaute und umstrittene Müllverbrennungsanlage Emlichheim.

Ein weiterer wirtschaftlicher Faktor der Samtgemeinde ist die kunststoffverarbeitende Industrie, hierzu zählt in Emlichheim das Unternehmen Synco. Zu den weiteren bedeutenden Unternehmen und großem Arbeitgebern im Ort gehören HRD-Trailer-Engineering GmbH (Fahrzeugbau), RoKaTec GmbH (Kabelkonfektion), Oldekamp GmbH & Co. KG (Garten- und Landschaftsbau), Stahl Bauunternehmen GmbH (Bau) und Theodor Arens GmbH & Co. KG (Haustechnik).

Erdölförderung der Wintershall in Emlichheim

In Emlichheim wird in einem eher kleinen Umfang Erdöl und Erdgas gefördert.[7] Die Erdölförderung wurde durch die Wintershall GmbH im Jahr 1943 aufgenommen.[8] Ferner betreibt im Bereich der erneuerbaren Energien N.prior energy seit 2005 ein Biomasseheizkraftwerk mit einer Leistung von 20 MWel, das hauptsächlich mit Holz befeuert wird. Ferner befindet sich in Emlichheim ein weiteres Biomasseheizkraftwerk in Bau, das mit Stroh (Halmgutartige Biomasse) befeuert werden soll und die erste Anlage ihrer Art in Deutschland ist.[9] Neben Strom wird das Kraftwerk auch Prozesswärme und Hochtemperatur-Dampf für die Emsland Group produzieren sowie Heizwärme in ein Nahwärmenetz einspeisen (Kraft-Wärme-Kopplung).[10]

Verkehr[Bearbeiten]

Emlichheim liegt an der Bundesstraße 403, die von Ochtrup über Nordhorn nach Coevorden in den Niederlanden führt.

Der Ort ist an das Eisenbahnnetz der Bentheimer Eisenbahn angeschlossen. Es besteht ein sehr reger Güterverkehr; der Schienenpersonennahverkehr (SPNV) wurde 1974 eingestellt. Geplant ist, die Strecke Coevorden—Emlichheim—Nordhorn—Bad Bentheim für den SPNV zu reaktivieren. In einem ersten Schritt ist beabsichtigt, die Strecke zwischen Neuenhaus und Bad Bentheim zu reaktivieren.

An allen Tagen verkehren im Stundentakt barrierefreie Busse mit Niederflurtechnik der Verkehrsgemeinschaft Grafschaft Bentheim (VGB) von Emlichheim über Uelsen, Neuenhaus und Nordhorn nach Bad Bentheim und umgekehrt (Regionalbuslinie 100). In Bad Bentheim bestehen Anschlüsse zu Bahnen, die regelmäßig in Richtung Osnabrück, Hannover und Berlin sowie in Richtung Hengelo und Amsterdam fahren. Im übrigen betreibt die VGB ein Rufbusnetz, das Emlichheim sowohl mit der Gemeinde Laar (Rufbuslinie 11) als auch mit den Gemeinden Ringe und Hoogstede (Rufbuslinie 12) verbindet. Von Frühjahr bis Herbst führen zu bestimmten Zeiten Busse auf der Linie Emlichheim—Nordhorn—Bad Bentheim Fahrradanhänger mit (Fietsenbus).[11]

Bildung[Bearbeiten]

In Emlichheim gibt es eine Grund-, eine Haupt- und eine Realschule, ein Gymnasium für die Sekundarstufe I und eine Förderschule. Die weitere schulische Ausbildung erfolgt entweder in Neuenhaus (Lise-Meitner-Gymnasium) oder in der Kreisstadt Nordhorn. In Nordhorn stehen den Schülern allgemeinbildende Gymnasien, Fachgymnasien und Berufsbildende Schulen zur Verfügung.

Sport[Bearbeiten]

Die 1. Damenmannschaft des Sportvereins SCU Emlichheim spielt derzeit in der 2. Volleyball-Bundesliga der Frauen Staffel Nord.

Bauwerke[Bearbeiten]

Reformierte Kirche
evangelisch-lutherische Friedenskirche

Die Reformierte Kirche zu Emlichheim liegt an dem Abfall einer sandigen Geestebene zu den Vechtewiesen, wurde auf scheitrecht behauenen verschieden großen Quadern aus Bentheimer Sandstein errichtet, der Turm mit seinen drei gegeneinander abgesetzten Geschossen ist ohne Verband der Westand der Kirche vorgebaut. Das Schiff hat drei Hoche mit breiten, spitzbogigen Gurten und Kreuzgewölben in Backstein, die auf das Ende des 15. Jahrhunderts hinweisen. Die älteste der insgesamt vier Glocken ist mit 1487 datiert, ohne den Gießer zu nennen.[12]

Daneben erhielt Emlichheim zwischen 1952 und 1954 einen Kirchenneubau für die evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde. Die „Friedenskirche“ wurde von Max H. Berling aus Osnabrück als Nagelbinderkonstruktion entworfen und gebaut. Als eine der ersten in der Nachkriegszeit gebauten Kirchengebäuden steht sie mittlerweile unter Denkmalschutz.[13]

Ebenfalls in den 1950er Jahren entstand als Jugend-Freizeiteinrichtung das Grenzlandheim.[13]

In der Hauptstraße 24 steht das Rathaus des Ortes, ein moderner dreistöckiger Zweckbau.[14]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Bekannte Persönlichkeiten, die in Emlichheim gelebt und gewirkt haben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Albert Arends, Heimatfreunde Emlichheim und Umgebung e. V. (Hrsg.): Emlichheim und Umgebung im 3. Reich. Emlichheim 2005 (ohne ISBN).
  •  Geert Koopsingraven, Albert Rötterink, Jan Wilde: Emlichheim in alten Bildern. Emlichheim 1982 (ohne ISBN).
  •  Herbert Wagner: Die Gestapo war nicht allein ... Politische Sozialkontrolle und Staatsterror im deutsch-niederländischen Grenzgebiet 1929–1945. LIT, Münster 2004, ISBN 3-8258-7448-6 (Enthält u. a. illegale Grenzübertritte, Kirchenkampf. Zugleich Dissertation an der Fernuniversität Hagen, 2002).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 102 Bevölkerung - Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2013 (Tabelle K1020014) (Hilfe dazu)
  2. Abbildung eines alten niederländischen Buches über die Geschichte der Grafschaft Bentheim (PDF; 3,5 MB)
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 255.
  4. Über uns. EuroTerminal Coevorden b.v., 2012, abgerufen am 24. März 2014 (deutsch).
  5. Pressemitteilung. Bentheimer Eisenbahn AG, 3. Dezember 2009, abgerufen am 24. März 2014 (deutsch).
  6. GVZ-Standorte. Link zum GVZ Europark befindet sich unten links. Deutsche GVZ-Gesellschaft mbH, 2012, abgerufen am 24. März 2014 (deutsch).
  7. Michael Pasternak, ERDÖL ERDGAS KOHLE 2009, S. 272 ff.
  8. Homepage von Wintershall: Geschichte der Erdölgewinnung in Emlichheim. (Downloadbar als PDF), abgerufen am 21. September 2012.
  9. Handelsblatt: Mehr als nur ein Strohfeuer, abgerufen am 23. Juli 2012.
  10. Agrar Heute: Erstes Strohkraftwerk Deutschlands, abgerufen am 23. Juli 2012.
  11. Informationen zum Fietsenbusangebot
  12. Arnold Nöldecke: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover. Heft 14: Die Kreise Lingen und Grafschaft Bentheim. Provinzialverwaltung 1919. S. 136–138
  13. a b Detaillierte Darstellung zur Friedenskirche Emlichheim (PDF; 3,4 MB), abgerufen am 2. März 2013
  14. Homepage von Emlichheim