Bentheimer Eisenbahn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bentheimer Eisenbahn AG
Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft (AG)
Gründung 14. März 1895
Sitz Nordhorn
Leitung Joachim Berends (Vorstand)
Mitarbeiter 222 (2008)
Bilanzsumme 27,3 Mio. € (2008)Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Bilanzsumme
Branche Logistik
Website http://www.bentheimer-eisenbahn.de

Die Bentheimer Eisenbahn AG (BE) ist eine Verkehrsgesellschaft mit Sitz in Nordhorn, die sich überwiegend im Eigentum des Landkreises Grafschaft Bentheim befindet. Sie tritt im Eisenbahnverkehr als Eisenbahninfrastrukturunternehmen (EIU) und als Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) auf. Weitere Geschäftszweige sind die Personenbeförderung mit Omnibussen, die Spedition und die Logistik.

Geschichte[Bearbeiten]

Ehemaliges Logo

Die Bentheimer Eisenbahn AG wurde am 1. April 1895 als Bentheimer Kreisbahn AG gegründet, aber schon am 16. April 1896 in einen Eigenbetrieb des Kreises Grafschaft Bentheim in der preußischen Provinz Hannover verändert. Am 7. März 1935 wurde der kreiseigene Betrieb, der sich allerdings schon seit dem 1. Januar 1924 „Bentheimer Eisenbahn“ nannte, wieder in eine Aktiengesellschaft umgebildet, deren Kapital der Kreis zu fast 100 % übernahm. Noch heute sind nur die Städte Neuenhaus und Nordhorn mit 0,01 % bzw. 6 % neben dem Landkreis an der AG beteiligt, der 93,99 % des Kapitals hält.

Zweck des Bahnbaus war es, den Kreis nahe der niederländischen Grenze mit Eisenbahnlinien zu erschließen; denn zunächst war nur die 1865 im Süden des Kreises von der niederländischen Eisenbahn-Gesellschaft Almelo-Salzbergen erbaute Hauptbahn Osnabrück–Rheine–Hengelo vorhanden.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Gronau (Westf)–Coevorden
Kursbuchstrecke (DB): ehem. 224k (1970)
Streckennummer (DB): 9203
Streckenlänge: 75,7 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Strecke – geradeaus
Strecke von Emmen
Bahnhof, Station
76,1 Coevorden
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
Strecke nach Zwolle
Bahnhof ohne Personenverkehr
75,1 Coevorden-Heege
Grenze
74,4 Staatsgrenze NL / D
Bahnhof ohne Personenverkehr
71,3 Laarwald
   
68,3 Vorwald
Bahnhof ohne Personenverkehr
64,6 Emlichheim
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
nach Emsland Stärke
   
61,1 Klein-Ringe
   
59,6 Groß-Ringe
Bahnhof ohne Personenverkehr
56,8 Hoogstede
   
54,2 Berge
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
52,6 Abzw Esche nach Osterwald
Bahnhof ohne Personenverkehr
49,3 Veldhausen
Bahnhof ohne Personenverkehr
46,7 Neuenhaus
   
42,4 Grasdorf
   
39,3 Frenswegen
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
37,3 nach Nordhorn GIP
Bahnhof ohne Personenverkehr
36,2 Nordhorn
Bahnhof ohne Personenverkehr
33,1 Nordhorn Süd
   
30,8 Brandlecht
Bahnhof ohne Personenverkehr
28,2 Hestrup
   
25,3 Neerlage
Straßenbrücke
A 30
   
22,4 Quendorf
Bahnhof, Station
18,7 Bad Bentheim Nord
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
zur Strecke nach Almelo
Planfreie Kreuzung – oben
Strecke Almelo–Salzbergen
Bahnhof, Station
16,7 Bad Bentheim Süd
Bahnhof ohne Personenverkehr
13,6 Gildehaus
Bahnhof ohne Personenverkehr
11,2 Achterberg
   
nach Ochtrup-Brechte (Bundeswehr)
   
8,3 Bardel
   
Landesgrenze Nds / NRW
   
5,1 Driland
   
1,7 Bauverein
   
Dinkel
   
Strecke von Münster
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
Strecke von Coesfeld
Bahnhof, Station
0,0 Gronau (Westf)
   
ehem. Strecke nach Oldenzaal (NL)
Strecke – geradeaus
Strecke nach Enschede (NL)

Von dieser Bahnstrecke Almelo–Salzbergen aus wurden in der Station Bentheim (seit 1979 Bad Bentheim) abzweigend normalspurige Strecken nach Norden und Süden errichtet. Als erster Teil wurde am 16. Dezember 1895 der Abschnitt bis nach Nordhorn für den Güterverkehr in Betrieb genommen. Mit der Verlängerung bis Neuenhaus am 16. April 1896 kam auch der Personenverkehr in Gang. Durch den Weiterbau der Strecke nach Nordwesten, die stets dem Lauf der Vechte folgt, wurde am 23. Dezember 1909 Emlichheim und am 1. September 1910 der Grenzbahnhof Laarwald erreicht. Schon am 12. September 1910 fuhren Personenzüge bis Coevorden in den Niederlanden, Güterzüge jedoch erst ab dem 2. Januar 1911. Der Abschnitt Laarwald–Coevorden gehörte bis 1990 einer holländischen Gesellschaft und war von der BE nur gepachtet.

Inzwischen hatte man am 21. Juni 1908 auch die Querverbindung nach Gronau in Westfalen zur Hauptbahn Münster (Westfalen)–Enschede in Betrieb genommen und damit eine durchgehende Strecke von 74 km Länge geschaffen.

Geringfügigen Zuwachs bekam das Netz noch durch einige Anschlussbahnen, die allein dem Güterverkehr dienen. Die bedeutendste wurde am 17. September 1986 von Achterberg nach Ochtrup-Brechte in Westfalen eröffnet (8,3 km, Streckennummer 9209), die von der damals bereits nicht mehr befahrenen „Südbahn“ Bad BentheimGronau abzweigt.

Der Personenverkehr zwischen Gildehaus und Gronau wurde am 29. Mai 1965 stillgelegt, der Güterverkehr endete auf diesem Abschnitt am 25. September 1981.

Auf der „Nordstrecke“ (Streckennummer 9203) fuhren planmäßige Personenzüge und Triebwagen bis zum 25. Mai 1974; allerdings war der grenzüberschreitende Personenverkehr zwischen Laarwald und Coevorden bereits mit Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 eingestellt und nach dem Krieg nicht wieder aufgenommen worden. An die Stelle der Personenzüge und Triebwagen traten nun die eigenen Omnibuslinien.

Schienenverkehr[Bearbeiten]

Lok D22
Lok D24 und D23
221 147-2 als D20 der Bentheimer Eisenbahn mit dem Güterzug DGS 95013 in Herborn (Dillkreis) auf der Dillstrecke (Februar 2013)

Der Güterverkehr erlebte nach starken Rückschlägen in den Jahren nach den beiden Weltkriegen in den letzten Jahrzehnten einen außerordentlich starken Aufschwung und wird bis heute weitergeführt. Seit den vierziger Jahren war der Erdöltransport aus den im Kreis gelegenen Ölquellen ein bedeutender Verkehrszweig geworden, der jedoch nach dem Bau einer Pipeline drastisch zurückging. Deshalb musste ein anderes Standbein gefunden werden. Nach 1980 nahm der Durchgangsverkehr nach den Niederlanden und vor allem die Beförderung von Zement aus Westfalen zum Umladebahnhof Laarwald einen erheblichen Umfang an. Im Jahr 2011 stieg das Gütertransportaufkommen auf rund 1,15 Millionen t an; rund 70 % des Volumens wird dabei im grenzüberschreitenden Industriegebiet Europark zwischen Laar und Coevorden generiert.[1] Schwerpunkte im Güterverkehr der Bentheimer Eisenbahn sind Sand- und Kiestransporte, Agrarprodukte, Erdöltransporte, Torftransporte, Stahltransporte, Tierfutter und Sendungen im Kombinierten Verkehr.[1]

Zwischen Dezember 2010 und Dezember 2013 betrieb die Bentheimer Eisenbahn AG in Kooperation mit dem niederländischen Verkehrsunternehmen Syntus im Rahmen eines Pilotprojektes eine Regionalbahnlinie (bezeichnet als Grensland Express)[2] zwischen Bad Bentheim und Hengelo über Oldenzaal.[3]. Das Projekt wurde wegen zu geringer Fahrgastzahlen eingestellt.[4]

Die BE, die schon seit dem 1. Dezember 1931 den Betrieb der Ahaus-Enscheder Eisenbahn und seit dem 1. Januar 1933 auch den der Meppen-Haselünner Eisenbahn geführt hatte, übernahm nach der Auflösung des Niedersächsischen Landeseisenbahnamts 1959 die Betriebsführung von sechs weiteren Kleinbahnen im westlichen Niedersachsen. 1990 hat die BE diesen Geschäftszweig aufgegeben.

Die Bentheimer Eisenbahn ist Mitglied im Tarifverband der Bundeseigenen und Nichtbundeseigenen Eisenbahnen in Deutschland (TBNE).

Busverkehr[Bearbeiten]

Die Bentheimer Eisenbahn ist Mehrheitsgesellschafterin der Verkehrsgemeinschaft Grafschaft Bentheim (VGB), der Konzessionsnehmerin (nach § 42 Personenbeförderungsgesetz (PBefG)) für den allgemeinen Linienverkehr im Landkreis Grafschaft Bentheim. Im Rahmen dieser Konzession bedient das Unternehmen vor allem sechs Regional- und mehrere Schulbuslinien. Die VGB befördert pro Jahr mehr als fünf Millionen Fahrgäste.

Des Weiteren unterhält das Unternehmen eine Linie im Schülersonderlinienverkehr (nach § 43 PBefG) und betreibt eine Reisebusflotte.

Projekte[Bearbeiten]

Zur Zeit plant die Bentheimer Eisenbahn, ihr Schienennetz (neue Gleise) mit (Steuer-)Mitteln der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen zu modernisieren und den Schienenpersonennahverkehr nach Nordhorn und Neuenhaus wieder in Betrieb zu nehmen.

Für heftige Kritik von Naturschutzverbänden, Parteien und aus der Bevölkerung sorgte der Plan des Landkreises Grafschaft Bentheim und der Bentheimer Eisenbahn, durch das FFH-Naturschutzgebiet „Bentheimer Wald“ eine Kurve von 2,2 km Länge zu bauen, mit der das Rangieren am Bentheimer Bahnhof überflüssig, Bad Bentheim umfahren und der direkte Anschluss nach Rheine ermöglicht wird. Hintergrund ist der schnellere (kostengünstigere) Gütertransport vom niederländischen Euro-Park in Coevorden ins Schienennetz der Deutschen Bahn[5].

Literatur[Bearbeiten]

  • Ludger Kenning, Klaus Wilmsmeyer: Die Bentheimer Eisenbahn. Verlag Kenning, Nordhorn 1987, ISBN 3-9800952-4-X
  • Wolfgang Herzog: Moderne Privatbahn in der Grafschaft Bentheim: Bentheimer Eisenbahn AG. Zeunert, Gifhorn 1991, ISBN 3-924335-12-5
  • Bentheimer Eisenbahn AG: 100 Jahre Bentheimer Eisenbahn 1895-1995. Druckerei Hellendoorn, Bad Bentheim 1995
  • Hans Wolfgang Rogl: Archiv deutscher Klein- und Privatbahnen. Niedersachsen einschließlich Bremen. Transpress, Stuttgart 1996, S. 261–271, ISBN 3-344-71022-2
  • Gerd Wolff: Deutsche Klein- und Privatbahnen. Band 6 Nordrhein-Westfalen [!], Nordöstlicher Teil. Eisenbahn Kurier, Freiburg 2000, S. 182–222, ISBN 3-88255-664-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bentheimer Eisenbahn AG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Grafschafter Nachrichten vom 30. Dezember 2011: BE weiter auf gutem Kurs. Tonnage steigt auf 1,15 Millionen Tonnen – Europark bleibt Dreh- und Angelpunkt.
  2. Homepage Grenslandexpress, abgerufen am 8. Dezember 2010.
  3. Pressemitteilung der Landesnahverkehrsgesellschaft vom 15. November 2010 (PDF; 35 kB)
  4. GN-online vom 7. Februar 2013
  5. GN-online vom 1. Dezember 2012