Evangelische Akademie

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Eine Evangelische Akademie ist eine Einrichtung einer evangelischen Landeskirche oder eines mit ihr verbundenen Vereins, welche in einer eigens bestehenden Tagungsstätte Konferenzen, Tagungen, Symposien, Konsultationen, Werkstätten und Projekte zu verschiedenen gesellschaftlichen, kirchlichen, religiösen oder ethischen Themen anbietet. Trotz der Verbundenheit mit ihrer Landeskirche haben die Akademien jedoch eine weitreichende Autonomie. Sie finanzieren sich aus kirchlichen und öffentlichen Mitteln sowie durch Teilnehmerbeiträge und Spenden.

Die Evangelischen Akademien entstanden nicht wie normale Akademien als gelehrte Forschungsanstalten oder wissenschaftliche Ausbildungsstätten, sondern knüpften an die ursprünglich griechische Idee der Akademie Platos an und wollten Stätten des kultivierten Gesprächs sein:

„Die Wahrheit über das Wesen der Dinge, der Menschen und Gottes im gemeinsamen Gespräch zu ergründen“

Eberhard Müller: Evangelische Akademien im Evangelischen Soziallexikon[1]

Die Evangelischen Akademien entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg u. a. als Antwort auf die Zerstörung des Geistes und den Vertrauensbruch staatlicher Macht während der Zeit des Nationalsozialismus. Sie gingen aus einer Laienbewegung hervor. Als erste Evangelische Akademie wurde am 29. September 1945 die Evangelische Akademie Bad Boll durch Eberhard Müller und Landesbischof Theophil Wurm gegründet.

Innerhalb der Bundesrepublik Deutschland haben sich aktuell (Stand 19. August 2013) 17 Akademien im Verein Evangelische Akademien in Deutschland e. V. (EAD) zusammengeschlossen, dessen Geschäftsstelle sich in Berlin befindet. Er ist die Nachfolgeeinrichtung der 1947 in Echzell gegründeten Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Akademien und vereinigt seit 1991 die Evangelischen Akademien aller Landeskirchen in Ost und West-Deutschland. Der Verein arbeitet als Teil einer weltweiten christlichen Laienbewegung eng mit anderen kirchlichen Zentren und Tagungsstätten in Europa und mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen zusammen.

Die Evangelischen Akademien werden in der Regel von einem Direktor bzw. einer Direktorin geleitet. Für die inhaltliche Arbeit sind Studienleiter/innen verantwortlich.

Die einzelnen Akademien in Deutschland:

Evangelische Landjungendakademie Altenkirchen[Bearbeiten]

Die Evangelische Akademie Altenkirchen wurde am 28. Oktober 2012 von der Mitgliederversammlung der Evangelischen Akademien als 17. ordentliches Mitglied in den Verein aufgenommen. Direktorin der Akademie ist Anke Kreutz. Die Evangelische Landjugendakademie wird getragen vom Verein zur Förderung der Evangelischen Jugend auf dem Lande e. V. Sie arbeitet EKD-weit auf dem Gebiet der Jugend- und Sozialarbeit. Ihre Tagungsstätte befindet sich in der Kreisstadt Altenkirchen in Rheinland-Pfalz. Die Akademie Altenkirchen bietet Veranstaltungen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren an, darüber hinaus aber auch Tagungen für ein allgemeines Publikum.

Evangelische Akademie Bad Boll[Bearbeiten]

Die Evangelische Akademie Bad Boll wurde am 29. September 1945 im Kurhaus Bad Boll auf Einladung vom damaligen württembergischen Landesbischof Theophil Wurm als erste kirchliche Akademie in Deutschland gegründet. Sie hat bis heute ihre Tagungsstätte im Ortsteil Bad Boll, in der gleichnamigen Gemeinde im Landkreis Göppingen und ist eine Einrichtung der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sie ist die größte kirchliche Akademie in Europa und wird von Pfarrer Jörg Hübner als geschäftsführendem Direktor geleitet.

Evangelische Akademie Baden[Bearbeiten]

Hauptartikel: Evangelische Akademie Baden

Die Evangelische Akademie Baden wurde durch Beschluss des Oberkirchenrats der Vereinigten Evangelisch-protestantischen Landeskirche Baden (heute Evangelische Landeskirche in Baden) vom 19. Juni 1947 mit Sitz in Herrenalb eingerichtet. Sie hat bis heute ihren Sitz und ihre Tagungsstätte in Bad Herrenalb, einer Kleinstadt im Landkreis Calw. Hier tagt auch regelmäßig die badische Landessynode.

Evangelische Akademie zu Berlin[Bearbeiten]

Die Akademie wurde 1951 als Akademie Berlin-Brandenburg unter der Leitung des Historikers Erich Müller-Gangloff gegründet. Ab 1953 gab es Büros in beiden Teilen der Stadt. Das gemeinsame Tagungshaus war dann bis 1961 das auf der Insel Schwanenwerder nach Adam von Trott benannte Haus, später ein Haus am Kleinen Wannsee. Nach der Teilung der Stadt 1961 behielt die „Ost-Akademie“ den Namen Evangelische Akademie Berlin-Brandenburg bei, während im Westen die Akademie ab 1977 als Teil des Evangelischen Bildungswerkes unter dem Namen Evangelische Akademie West-Berlin weiterarbeitete. 1989 begann der Wiedervereinigungsprozess beider Akademien. 1993 fand ein Gründungskuratorium statt und 1999 konnte der Prozess abgeschlossen werden. Seither fungiert die Akademie in der Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH. Gesellschafter ist neben der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz nun auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Die Tagungsstätte am Kleinen Wannsee zog wieder in das Adam-von-Trott-Haus auf der Havelinsel Schwanenwerder um. Seit 2006 ist der evangelische Theologe Rüdiger Sachau Direktor der Akademie. Ehrenamtlicher Präsident der Akademie ist seit 2009, als Nachfolger des Journalisten Robert Leicht, der Historiker Paul Nolte.[2]

Evangelische Akademie Frankfurt[Bearbeiten]

Die Akademie wurde ursprünglich mit Sitz in Schmitten-Arnoldshain (Hochtaunuskreis) 1946 gegründet unter dem Namen „Evangelische Akademie in Hessen und Nassau“, firmierte allerdings unter dem Namen „Evangelische Akademie Arnoldshain“. 2012 fusionierte sie mit der Evangelischen Stadtakademie Römer9 in Frankfurt am Main. Die neue Akademie firmiert unter dem Namen „Evangelische Akademie Frankfurt“ und wird seit dem Jahr 2013 von Thorsten Latzel geleitet.

Evangelische Sozialakademie Friedewald[Bearbeiten]

Die Akademie wurde 1949 als Evangelische Sozialschule Friedewald gegründet und erhielt 1951 ihren heutigen Namen. Sie arbeitet EKD-weit auf dem Gebiet der Wirtschaft und Arbeitswelt und ist die einzige Aus- und Fortbildungseinrichtung für evangelische Sozialsekretäre und Sozialsekretärinnen. Seit 2004 ist die Akademie zudem Sitz der Stiftung Sozialer Protestantismus. Ihre Tagungsstätte befindet sich auf Schloss Friedewald (Westerwald) im Landkreis Altenkirchen.

Evangelische Akademie Hofgeismar[Bearbeiten]

Die Evangelische Akademie Hofgeismar wurde 1947 als Einrichtung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck gegründet. Sie lädt ein zu Begegnungen, Tagungen, Seminaren, Kongressen und Fachgesprächen.[3] In der Akademiearbeit geht es um die Fragen unserer Zeit, unter anderem um die Themenfelder Gesellschaft, Religion, Politik, Ökologie, Bildung, Kinderakademie, Schülerakademie, Psychologie oder Wirtschaft. Die Ev. Akademie steht auch für Gasttagungen zur Verfügung. Als Direktor wird sie von Pfarrer Karl Waldeck geleitet. [4]

Evangelische Akademie Loccum[Bearbeiten]

Die Evangelische Akademie Loccum wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Einrichtung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers vom damaligen Landesbischof Hanns Lilje gegründet. Ihre Tagungsstätte befindet sich in Loccum (heute ein Ortsteil der Stadt Rehburg-Loccum) im Landkreis Nienburg/Weser.

Evangelische Akademie Meißen[Bearbeiten]

Die Evangelische Akademie Meißen ist eine Einrichtung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Ihre Tagungs- und Begegnungsstätte befindet sich in der Kreisstadt Meißen, nördlich von Dresden. Das Tagungshaus im Klosterhof St. Afra liegt in der Altstadt von Meißen in unmittelbarer Nähe des Meißner Doms. Im Klosterhof befindet sich auch das Pastoralkolleg Meißen und die Ehrenamtsakademie der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Hauptbereich 2 der Nordelbischen Kirche (künftig: Nordkirche).

Evangelische Akademie der Nordkirche[Bearbeiten]

Die Evangelische Akademie der Nordkirche wurde Pfingsten 2012 gegründet. Mit der Gründung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) am 27. Mai 2012 schlossen sich auch die Evangelische Akademie der Nordelbischen Kirche und die Evangelische Akademie Mecklenburg-Vorpommern zusammen. Die Evangelische Akademie der Nordkirche hat eine gemeinsame Leitung und zwei Geschäftsstellen in Hamburg und Rostock. Die bisherigen Leiter der Akademien, Jörg Herrmann (Hamburg) und Klaus-Dieter Kaiser (Rostock), verantworten das Programm gemeinsam.

Akademie in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg[Bearbeiten]

Die Akademie mit Sitz in Oldenburg (Oldenburg) führt seit September 2000 die Arbeit der „Evangelischen Akademie Oldenburg“ in Rastede (Landkreis Ammerland) fort, die bereits nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet worden war. Sie bietet aktuell Seminare, Studientage, Vorträge, kulturelle Veranstaltungen und Studienreisen zu den Themengebieten Politik und Gesellschaft, Frauen, Spiritualität, Kultur/Kulturelle Bildung sowie Kirchenpädagogik, an. Außerdem wird eine zweijährige Ausbildung in Spiel- und Theaterpädagogik /Playing Arts angeboten. Die Akademie der Ev. Luth. Kirche in Oldenburg wird von Pfarrerin Brigitte Gläser und dem Geschäftsführer Dipl. Päd. Uwe Fischer geleitet.[5]

Evangelische Akademie der Pfalz[Bearbeiten]

Die Einrichtung der Evangelischen Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche) hat in Landau ihre Tagungsstätte.

Evangelische Akademie im Rheinland[Bearbeiten]

Die Evangelische Akademie im Rheinland ist eine Einrichtung der Evangelischen Kirche im Rheinland. Sie wurde am 7. Dezember 1952 gegründet. Nach dem Ort ihrer Gründung und ihrem ersten Sitz hieß sie bis 2004 "Evangelische Akademie Mülheim an der Ruhr". Aufgrund eines Beschlusses der Landessynode zog die Akademie zum 1. Januar 2004 nach Bonn-Bad Godesberg um. Das "Haus der Begegnung" auf dem Heiderhof ist jetzt gemeinsame Tagungsstätte für das Pädagogisch-Theologische Institut der Evangelischen Kirche im Rheinland und die Evangelische Akademie im Rheinland. Akademiedirektor ist seit 2005 Dr. Frank Vogelsang.

Mit ihrem Tagungsangebot wendet sich die Akademie an Laien ebenso wie an Fachleute und Multiplikatoren. Die Tagungen greifen aktuelle gesellschaftliche, ethische oder kirchliche Fragen auf, für die es noch keine endgültigen und ausformulierten Antworten gibt. Dabei konzentriert sich die Akademie auf die fünf Themenfelder Wissenschaft, Religion, Politik, Wirtschaft und Kultur. Vor dem Hintergrund eines tief greifenden gesellschaftlichen Wandels möchte die Evangelische Akademie im Rheinland den Dialog zwischen Kirche und Gesellschaft stärken und Impulse geben, die sowohl gesellschaftliche als auch kirchliche Debatten bereichern.

Die Tagungen begleitet die Akademie mit themen- und fachspezifischen Dialogen in den Medien und macht damit Denkanstöße einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. Mit Buchveröffentlichungen und mit ihren Angeboten im Internet bietet sie weitere Möglichkeiten zu Information, Diskussion und Vernetzung über die Tagungen hinaus.[6]

Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt e. V.[Bearbeiten]

Die Akademie wurde 1948 vom damaligen Präses der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen Lothar Kreyssig gegründet. Sie nahm Anfang Dezember 1948 in Wittenberg ihre Arbeit auf. Später hatte sie mehrere Tagungsorte, bis sie 1997 wieder nach Lutherstadt Wittenberg zurückkehrte. Als gemeinnütziger Verein organisiert ist sie ein kirchliches Werk, getragen von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und der Evangelischen Landeskirche Anhalts

Seit 2001 ist die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt Träger von ConAct, dem Koordinierungszentrum Deutsch-Israelischer Jugendaustausch. Das Kirchliche Forschungsheim gehört seit 2005 zur Akademie.

Evangelische Akademie Thüringen[Bearbeiten]

Evangelische Akademie Thüringen, Blick vom Garten

Die Akademie[7] wurde 1947 von der Evangelisch-Lutherische Kirche in Thüringen gegründet. Sie hat ihren Sitz im Zinzendorfhaus,[8] dem ehemaligen Schwesternhaus der Herrnhuter Brüdergemeine in Neudietendorf, Landkreis Gotha.

Zur Geschichte der Akademie[Bearbeiten]

Die Gründung (1947)[Bearbeiten]

Der Beginn der Arbeit der Evangelischen Akademie Thüringen (EAT) lässt sich auf das Jahr 1947 zurückverfolgen. Die Thüringer evangelische Kirche war bestrebt, wie andere Landeskirchen auch, unter dem Eindruck von Krieg und Nationalsozialismus deutliche Zeichen zur gesellschaftlichen Neuorientierung zu setzen. Dazu gehörte auch, dass sich die christliche Bildungswelt zu Wort meldete. Die Anregung für eine Zusammenkunft christlicher Akademiker in Thüringen geht auf den Jenaer Philosophen Gottfried Martin zurück. Der zuständige Dezernent im Kirchenamt, Erich Hertzsch, griff Martins Vorschlag auf und organisierte für August 1947 eine Tagung unter dem Motto „Glauben und Wissenschaft“. Nach erfolgreichem ersten Treffen wurden neue Zusammenkünfte im Rahmen einer „Thüringer evangelischen Forschungsakademie“ geplant. Interdisziplinäre Tagungsthemen waren u. a. „Erziehungswissenschaft und Evangelium“, „Das Menschenbild“ und „Das Todesproblem“. Jedoch hatte das Konzept einer „Thüringer evangelischen Forschungsakademie“ nur wenige Jahre Bestand, da einige tragende Personen als Angehörige einer bürgerlichen Bildungselite von ihren Lehrstühlen und aus der DDR verdrängt wurden.

Akademie in der DDR-Diktatur (1953–1961)[Bearbeiten]

Nachdem der Bestand Theologischer Fakultäten in der DDR gesichert war, traten akademische Ambitionen für die Akademie in den Hintergrund. Sie wurde zu einer bescheidenen kirchlichen Tagungseinrichtung umgestaltet, für die ein hauptamtlicher Leiter angestellt wurde. 1953 wurde die Akademiearbeit in den Gemeindedienst der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen eingegliedert.

Die Leitung übernahm Pressepfarrer Hans Waldmann. Waldmann sammelte um sich ein relativ großes Team ehrenamtlicher Mitarbeiter, die Tagungen organisierten und durchführten. Während der Amtszeit von Hans Waldmann standen der EAT Räume im Wartburgverlag Jena für kleinere Veranstaltungsformen zur Verfügung. Für Wochenendtagungen nutzte man häufig das Zinzendorfhaus in Neudietendorf. Es bildeten sich fünf Schwerpunkte heraus: überregionale berufsständische Tagungen, Weiterbildungen für der Kirche nahestehende Berufe (wie z. B. Steinmetze oder Friedhofspfleger), themenorientierte Tagungen, Akademie-Mitarbeitertagungen und Veranstaltungen in Kirchgemeinden. Die Angebote konnten ein breites Publikum ansprechen. Im Februar 1955 wurde ein ständiger Akademie-Beirat ins Leben gerufen.

Nach dem Ausscheiden von Waldmann übernahm der Historiker Waldemar Wucher die Leitung der Akademie. Mit Wucher profilierte sich die Institution in Richtung eines offenen Gesprächsforums. „Es kommt nicht nur darauf an, dass man eine Sache verstehen lernt, sondern dass man einander versteht“, so hatte Wucher formuliert. Akademiearbeit war nun stärker kommunikationsorientiert und gemeinschaftsbezogen. Um einer staatlichen Begrenzung auf den binnenkirchlichen Raum entgegenzuwirken, lud Wucher für jede Tagung westdeutsche Gäste ein. Neben Tagungen zum Problemfeld „Moderne Gesellschaft und christlicher Glaube“ gab es Tagungen zu Kunst- und Literaturfragen, Jugendtagungen, Einkehrtage und Meditationskurse. Eine Auswahl von auf Akademietagungen gehaltenen Referaten konnte unter dem Titel „Offen für Gott und die Welt“ als Buch erscheinen. Wuchers weitreichende gesamtdeutsche Kontakte, beispielsweise zum „Leiterkreis Evangelischer Akademien in Deutschland“, wurden ihm schließlich zum Verhängnis. Im Oktober 1961 wurde er für mehrere Jahre inhaftiert. Im Jahr des Mauerbaus endete so die Blütezeit der Evangelischen Akademie Thüringen.

Akademie in der demokratischen Gesellschaft (1989/90)[Bearbeiten]

Nach dem Zusammenbruch der DDR bot die EAT einen Ort der sozialen und persönlichen Neuorientierung. 1991 wurde die EAT unter ihrem neuen Leiter, dem Theologen Götz Planer-Friedrich, als Institution wiederbelebt. Sie profitierte unter den nun gesamtdeutschen, demokratischen Verhältnissen von der öffentlichen Anerkennung als freier Bildungsträger. Studienleiter und Angestellte sowie ein eigenes Haus auf dem Gelände des Zinzendorfhauses in Neudietendorf kamen hinzu.

Mit ihren Studienleiterstellen Theologie/ Geschichte/ Politik, Gesellschaftspolitische Jugendbildung und Medien- und Öffentlichkeitsarbeit bestimmt sich das Profil der EAT. Sie verknüpft evangelische Bildung und Verkündigung mit aktuellen gesellschaftlichen Debatten und Entscheidungsprozessen, bietet aber auch Raum für Einkehr und Besinnung.[9]

Akademie in der Nische (1961–1989)[Bearbeiten]

Um Konflikte mit staatlichen Stellen zu vermeiden, wurden die Aktivitäten der EAT von der Kirchenleitung nicht weiter entwickelt. In den folgenden Jahren sank die Zahl der Akademieveranstaltungen erheblich. Unter dem neuen Leiter und späteren Ökumenik-Professor an der Sektion Theologie in Jena, Walter Saft, wurden Beirat und Mitarbeiterstab schrittweise abgeschafft. Die Evangelische Akademie verschwand aus der öffentlichen Wahrnehmung und führte forthin ein Schattendasein. Trotzdem wurden verschiedene Tagungen angeboten, die sich mit wissenschaftsethischen, medizinethischen oder literarischen Themen befassten.

Ab 1985 gab es unter der Leitung von Kerstin Zitzmann (verheiratete Voigt), Wissenschaftliche Sekretärin an der Theologischen Fakultät, wieder ein reguläres Jahresprogramm. Die Besucher schätzten die Akademie als einen geschützten Raum des freien Meinungsaustauschs und der christlichen Werte. Christliche Kunst und Spiritualität spielten eine größere Rolle als kirchenpolitische Themen jener Zeit, wie etwa die Frauenordination oder das Rassismusprogramm des Ökumenischen Rates der Kirchen, die in den ostdeutschen Schwester-Akademien behandelt wurden.

Evangelische Akademie Tutzing[Bearbeiten]

Schloss Tutzing, Haupthaus

Die Evangelische Akademie Tutzing wurde am 15. Juni 1947 vom damaligen Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern Hans Meiser gegründet. Ihre Tagungsstätte befindet sich im Schloss von Tutzing, am Starnberger See, in Oberbayern. Deutschlandweit wurde die Akademie im Jahr 1961 bekannt, als sie einen Wettbewerb für neue religiöse Lieder ausschrieb. Den 1. Preis gewann das Lied Danke für diesen guten Morgen von Martin Gotthard Schneider, interpretiert vom Botho-Lucas-Chor.

Evangelische Akademie Villigst[Bearbeiten]

Die Evangelische Akademie Villigst, vormals Evangelische Akademie Iserlohn, ist eine Einrichtung der Evangelischen Kirche von Westfalen und hat ihre Tagungsstätte im Haus Villigst in Schwerte. Bis Ende 2007 hatte sie ihren Sitz im Haus Ortlohn in Iserlohn.

Evangelische Akademie Görlitz[Bearbeiten]

Die Akademie hatte ihre Tagungsstätte in Markersdorf, Ortsteil Jauernick im Landkreis Görlitz.

Ehemalige evangelische Akademie Bad Segeberg

Bis 2003 gab es auch noch die Evangelische Akademie Nordelbien mit Tagungsstätten in der Kreisstadt Bad Segeberg in Schleswig-Holstein und in Hamburg. Mit Ablauf des Jahres 2003 stellte sie ihren Betrieb ein. 2007 wurde die Evangelische Akademie der Nordelbischen Kirche gegründet. Diese fusionierte - im Rahmen der Gründung der Nordkirche - mit der Evangelischen Akademie Mecklenburg-Vorpommern Pfingsten 2012 zur Akademie der Nordkirche mit Sitz in Hamburg und Rostock.

Die Evangelische Akademie Mecklenburg-Vorpommern war eine Einrichtung in Trägerschaft der beiden evangelischen Landeskirchen in Mecklenburg-Vorpommern, der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs und der Pommerschen Evangelischen Kirche. Vorgängereinrichtungen waren die Evangelische Akademie Greifswald und die Mecklenburgische Evangelische Akademie in Rostock. Im Rahmen der Gründung der Nordkirche fusionierte die Evangelische Akademie Mecklenburg-Vorpommern Pfingsten 2012 mit der Evangelischen Akademie der Nordelbischen Kirche zur Evangelischen Akademie der Nordkirche mit Büros in Rostock und Hamburg.

Evangelische Akademien die nicht Mitglied sind im Dachverband "Evangelische Akademien in Deutschland"[Bearbeiten]

Im Dachverband "Evangelische Akademien in Deutschland" sind alle von den Landeskirchen getragene großen Evangelischen Akademien vereinigt. Darüber hinaus gibt es allerdings zahlreiche weitere Evangelische Bildungseinrichtungen die ähnliche Namen tragen, sowie die sogenannten Evangelischen "Stadtakademien".

Evangelische Akademie im Saarland[Bearbeiten]

Die Akademie wird unterhalten von einem Verein gleichen Namens mit Sitz in Völklingen (Stadtverband Saarbrücken). Die Akademie arbeitete als so genannte Flächenakademie, d. h. ihre Studienleiter sind unterwegs in den Gemeinden und Kirchenkreisen im Saarland. Die Akademie ist nicht Mitglied des Vereins Evangelische Akademien in Deutschland e. V. (EAD).

Evangelische Akademien außerhalb Deutschlands[Bearbeiten]

Zentrum Boldern oberhalb von Männedorf

Schweiz[Bearbeiten]

Österreich[Bearbeiten]

Es gibt darüber hinaus noch weitere Evangelische Akademien außerhalb Deutschlands, die hier jedoch nicht alle aufgeführt sind.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Eberhard Müller: Evangelische Akademien. In: Friedrich Karrenberg (Hrsg.): Evangelisches Soziallexikon / Im Auftrag des deutschen evangelischen Kirchentages. Stuttgart: Kreuz-Verlag 1954, S. 14.
  2. Neuer Präsident der Evangelischen Akademie zu Berlin. Website der Evangelische Akademie zu Berlin, abgerufen am 15. Mai 2011.
  3. ekkw.de
  4. ekkw.de
  5. Webseite der Akademie: http://www.akademie-oldenburg.de/index.php?menuid=8
  6. http://www.ev-akademie-rheinland.de/index.php
  7. Homepage der Evangelische Akademie Thüringen
  8. Homepage des Evangelischen Zentrums Zinzendorfhaus Neudietendorf
  9. Nach: Susanne Böhm: Die Evangelische Akademie Thüringen; in: Martha Friedenthal-Haase (Hrsg.): Evangelische Akademien in der DDR; Leipzig 2007; S. 209–252.