Bad Boll

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Bad in der Wutachschlucht siehe Boll (Bonndorf).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Bad Boll
Bad Boll
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bad Boll hervorgehoben
48.6459.6033333333333411Koordinaten: 48° 39′ N, 9° 36′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Göppingen
Höhe: 411 m ü. NHN
Fläche: 10,95 km²
Einwohner: 5054 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 462 Einwohner je km²
Postleitzahl: 73087
Vorwahl: 07164
Kfz-Kennzeichen: GP
Gemeindeschlüssel: 08 1 17 012
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 94
73087 Bad Boll
Webpräsenz: www.bad-boll.de
Bürgermeister: Hans-Rudi Bührle
Lage der Gemeinde Bad Boll im Landkreis Göppingen
Alb-Donau-Kreis Landkreis Esslingen Landkreis Heidenheim Landkreis Reutlingen Rems-Murr-Kreis Ostalbkreis Ostalbkreis Adelberg Aichelberg (Landkreis Göppingen) Albershausen Bad Boll Bad Ditzenbach Bad Überkingen Birenbach Böhmenkirch Börtlingen Deggingen Donzdorf Drackenstein Dürnau (Landkreis Göppingen) Eislingen/Fils Heiningen (Landkreis Göppingen) Ebersbach an der Fils Eschenbach (Württemberg) Eschenbach (Württemberg) Gammelshausen Geislingen an der Steige Gingen an der Fils Göppingen Gruibingen Hattenhofen (Württemberg) Heiningen (Landkreis Göppingen) Hohenstadt Kuchen (Gemeinde) Lauterstein Mühlhausen im Täle Ottenbach (Württemberg) Rechberghausen Salach Schlat Schlierbach (Württemberg) Süßen Uhingen Wäschenbeuren Wangen (bei Göppingen) Wiesensteig Zell unter AichelbergKarte
Über dieses Bild
Die Boller Ortsmitte mit der Kirche St. Cyriakus und der alten Schule
Fossiler Fisch Ptycholepis bollensis

Bad Boll (bis 31. Mai 2007: Boll) ist eine Gemeinde im Landkreis Göppingen in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten]

Bad Boll liegt am Nordrand der Schwäbischen Alb rund zehn Kilometer südlich von Göppingen zwischen den Gemeinden Aichelberg, Dürnau, Gruibingen und Zell u. A. Im Südosten von Bad Boll liegt der zur Gemarkung Gruibingen gehörende Kornberg (779 m ü. NN). Mit Gruibingen teilt die Gemeinde das südlich liegende ca. 122 ha große Naturschutzgebiet Teufelsloch-Kaltenwang. Südlich der Gemeinde liegt die Höhenwiese Boller Heide, ein beliebtes Ausflugsziel.

Geologie[Bearbeiten]

Am Fuße der Schwäbischen Alb liegt Bad Boll im Bereich des schwarzen Juras, speziell des Posidonienschiefers. Die Gegend zwischen Holzmaden und Boll bildet eines der fossilienreichsten Gebiete dieser Schicht des Juras. So wurde z. B. der erste Fischsaurier 1749 dort gefunden. Viele Fossilien, die in Bad Boll entdeckt wurden, tragen den Zusatz bollensis. Beispiele davon sind z. B. im Urwelt-Museum Hauff in Holzmaden oder im Museum am Löwentor in Stuttgart zu sehen. Die Gemeinde ist Teil des 1979 gebildeten Grabungsschutzgebiets Holzmaden. Höher gelegene Gebiete des Gemarkungsgebiets liegen im Bereich des Unteren Braunen Juras.

Im Bereich des Ortsteils Bad Boll befinden sich gesundheitsfördernde Schwefelthermalquellen.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Bad Boll besteht aus den beiden Ortsteilen Boll mit Bad Boll und Eckwälden. Letzterer Ort wurde 1933 eingemeindet. Die offizielle Benennung der Ortsteile erfolgt durch vorangestellten Namen der Gemeinde und durch Bindestrich verbunden nachgestellt der Name der Ortsteile.[2] Gelegentlich wird noch der mit dem Hauptort verschmolzene, nicht offizielle Ortsteil Sehningen unterschieden. Die Gesamtgemeinde trug bis 31. Mai 2007 den Namen Boll. Nach Zustimmung des baden-württembergischen Ministerrates führt die Gemeinde seit dem 1. Juni 2007 offiziell die Bezeichnung „Bad Boll“.[3]

Zusammen mit den Gemeinden Aichelberg, Dürnau, Gammelshausen, Hattenhofen und Zell u. A. bildet Bad Boll seit 1970 den Gemeindeverwaltungsverband Raum Bad Boll.

Geschichte[Bearbeiten]

Erste urkundliche Erwähnung: 1155 (Erwähnung der Propstei durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa).[4]

Die ersten menschlichen Spuren stammen aus der Zeit keltischer Besiedelung (ca. 700–200 v. Chr.) in Form einer Anlage (vermutlich einer Fliehburg) im Bereich Bertaburg auf dem Kornberg. Spuren römischer Besiedelung in Form eines Gutes wurden durch Scherbenfunde im Bereich des Ortsteils Bad Boll nachgewiesen. Nach dem Fall des Limes im dritten Jahrhundert wurde die Gegend durch Alemannen besiedelt und der heutige Ortsteil Sehningen gegründet.
siehe auch Burg Landsöhr

Vermutlich um 800 n. Chr. wurde eine erste Kirche gebaut, deren Spuren in Form der Krypta der heutigen Stiftskirche zu finden sind. In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts soll Berta von Boll,[5] eine Schwester von König Konrad III., die ihren Witwensitz auf der Bertaburg gehabt haben soll, eine Propstei gestiftet haben, die 1155 urkundlich erwähnt wurde.[4] In diesem Zusammenhang wurde die Stiftskirche St. Cyriakus auf der vorigen Kirche erbaut.

1595 wurden die Schwefel- und Thermalquellen im Bereich des Ortsteils Bad Boll gefunden. 1596 wurde das heutige Kurhaus in seiner ersten Form von Heinrich Schickhardt erbaut. 1823–1825 wurde das Kurhaus in seine heutige Form umgebaut.

1945 wurde als erste kirchliche Akademie in Deutschland die Evangelische Akademie Bad Boll gegründet.

Historische Ansichten[Bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Diagramm der Einwohnerentwicklung seit 1837

Die Einwohnerentwicklung zwischen 1837 und 2010.

Datum Einwohner
1837 1461
1907 1364
17. Mai 1939 1529
13. September 1950 2426
27. Mai 1970 3692
31. Dezember 1983 4286
31. Dezember 1990 4803
31. Dezember 2000 5149
31. Dezember 2005 5270
31. Dezember 2010 5205

Politik[Bearbeiten]

Bad Boll ist Sitz des Gemeindeverwaltungsverbands Raum Bad Boll.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Von 1974 bis 1983 war Hans H. Pfeifer Bürgermeister von Bad Boll. Bad Boll gilt als Hochburg der Grünen, jedoch konnten sie noch keinen Bürgermeister stellen. Der amtierende Bürgermeister ist derzeit Hans-Rudi Bührle, (parteilos bzw. FWV).

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat hat 14 Mitglieder. Die Wahlbeteiligung lag bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 bei 58,26 %, und brachte folgendes Ergebnis:

  Grüne Liste Bad Boll 5 Sitze (31,85%)
  CDU 4 Sitze (25,62%)
  Unabhängige Wählervereinigung     2 Sitze  (18,72%)
  Freie Wählervereinigung 2 Sitze (16,57%)
  SPD 1 Sitze (7,25%)

Weiteres Mitglied des Gemeinderates und dessen Vorsitzender ist der Bürgermeister.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens von Bad Boll lautet: In Grün ein mit einer liegenden schwarzen Hirschstange belegtes silbernes Brunnenbecken mit aufsteigenden silbernen Wasserstrahlen.

Der Brunnen im Ortswappen weist auf das Schwefelbad des Ortes hin. Darunter weist die Hirschstange auf die württembergische Zugehörigkeit hin. Das Wappen wurde am 25. Januar 1961 vom Innenministerium verliehen. Die Farben des Ortes sind Weiß-Grün.

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Es besteht eine Partnerschaft mit der Stadt Herrnhut in Sachsen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die sich im Ortskern befindliche evangelische Stiftskirche St. Cyriakus ist eine in reiner Form erhaltene romanische dreischiffige flachgedeckte Pfeilerbasilika aus dem 12. Jahrhundert. In ihr wurde 1902 der Komponist Max Reger mit Elsa von Bercken getraut. Unter dem Chor befindet sich eine Krypta der Vorgängerkirche.

Auf dem Kornberg südöstlich von Bad Boll befinden sich Geländevertiefungen, die als Wehrgräben einer früheren Bertaburg gedeutet werden, in der einst Berta von Boll ihren Witwensitz gehabt haben soll.[5]
siehe auch Burg Landsöhr

Während der Grabungen nach den Thermalquellen wurden auch in Bad Boll Fossilien gefunden. Diese befinden sich zum Teil in öffentlichen Gebäuden wie dem Rathaus, der Rehaklinik (Kurhaus) oder der Schule in Bad Boll. Außerhalb Bad Bolls sind Boller Fossilien auch im Urwelt-Museum Hauff in Holzmaden und dem Museum am Löwentor in Stuttgart zu finden.

Der Tag der Deutschen Einheit ist seit dem Jahr 2000 in Bad Boll ein verkaufsoffener Feiertag. 2005 wurde man anlässlich des 850. Jubiläums der ersten Nennung des Ortes in einer Urkunde von Kaiser Friedrich I. Barbarossa sensibilisiert für dessen Tante Berta von Boll.[5] Im selben Jahr wurde das Theaterstück Frau Berta auf dem Bollen aufgeführt.[6] Seit 2010 wird der Tag der Deutschen Einheit in Bad Boll als Berta-Tag gefeiert. Zu diesem Anlass hat der Boller Bildhauer Alois Wild eine Berta-Säule geschaffen, die seither jedes Jahr am Berta-Tag beim Rathaus aufgestellt wird.[4]

Vor der Stiftskirche wurde am 3. Oktober 2013 eine von Markus Wolf geschaffene Stauferstele errichtet, die an die erste urkundliche Erwähnung des Ortes in einer Urkunde von 1155 sowie an Berta von Boll erinnert.[5]

Galerie[Bearbeiten]

Infrastruktur und Einrichtungen[Bearbeiten]

Im Ortsteil Bad Boll befindet sich die Evangelische Akademie Bad Boll, die erste ihrer Art in Deutschland, mit einem Tagungszentrum. Ein weiteres großes Tagungszentrum ist das Seminaris Hotel Bad Boll.

Weiterhin gibt es eine Kur- und Rehaklinik, die die Thermalquellen nutzt. Am südlichen Ende der Gemeinde befindet sich in Hanglage ein Freibad mit drei Becken und Kinderrutsche.

Bad Boll ist neben Herrnhut und Zeist Sitz der Direktion (Kirchenleitung) der Europäisch-Festländischen Provinz der Herrnhuter Brüdergemeine.

Der Ortsteil Eckwälden ist Sitz des von Rudolf Hauschka gegründeten Kosmetik- und Arzneimittelbetriebs Wala Heilmittel sowie vieler weiterer anthroposophischer Einrichtungen.

Bahnhof Boll[Bearbeiten]

Am 30. Mai 1926 wurde der Bahnhof Boll mit einem Volksfest eröffnet.[7] Bis Ende der 1980er Jahre war Boll Endstation der Voralbbahn, auf der stündlich Züge zum Bahnhof Göppingen und zurück fuhren. Der Betrieb wurde aus Rentabilitätsgründen eingestellt. Im ehemaligen Empfangsgebäude (48° 38′ 35″ N, 9° 37′ 4″ O48.643119.6177), einem traufständigen zweigeschossigen Bau mit Walmdach, befindet sich heute ein Hotel.[8] Umfangreiche Gleisanlagen sowie ein Güterschuppen und eine Fahrzeugwaage sind 2011 abgerissen worden.[9] Eine Interessensgemeinschaft bemüht sich um die Wiederaufnahme des Verkehrs.[10]

Wasserversorgung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Bad Boll bezieht ihr Trinkwasser ausschließlich über den Zweckverband Uhinger Wasserversorgungsgruppe. Die Uhinger Wasserversorgungsgruppe wurde 1907 durch die Gemeinden Uhingen, Faurndau, Jebenhausen, Dürnau, Bezgenriet, Boll, Hattenhofen, Sparwiesen, Albershausen und Schlierbach gegründet. Das Wasser wurde zwischen Uhingen und Faurndau gefasst und dort eine Pumpstation errichtet. Heute erhält der Zweckverband sein Wasser von der Landeswasserversorgung.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Mit der Gemeinde in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gemeinde Boll, Klaus Pavel, Walter Ziegler: Boll: Dorf und Bad an der Schwäbischen Alb. Weissenhorn 1988.
  • Gemeinde Boll, Klaus Pavel: Bad Boll: 1595–1995; vom herzoglichen Wunderbad zum Kurort. Weissenhorn 1995.
  • Christa Maria Reinert: In Boll, um Boll, und um Boll herum! Ein Heimatbuch der Gegenwart und Bild-Band. Dischner, Eislingen/Fils 1993.
  • Walther Günther: Bad Boll. Geschichte und Gegenwart. Steinkopf, Stuttgart 1980, ISBN 3-7984-0382-1
  • Eckhard Christof: Heimatbuch Eckwälden: ein Streifzug durch die Jahrhunderte; 1933–1983; 50 Jahre Eckwälden bei Boll. Gemeinde Boll, Dorfgemeinschaft Eckwälden 1983.
  • Claus Anshof: Boll – Dürnau – Gammelshausen: drei Dörfer, eine Kirchengemeinde; die historische Entwicklung der katholischen Gemeinde. Boll 1981.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bad Boll – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Hauptsatzung der Gemeinde Bad Boll vom 10. Mai 2001, zuletzt geändert am 8. Dezember 2005 (PDF-Datei; 44 kB)
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2007
  4. a b c Stauferstele Bad Boll auf stauferstelen.net mit historischen Hintergrundinformationen. Abgerufen am 22. März 2014.
  5. a b c d e Gemeinde Bad Boll: Gräfin Berta von Boll (PDF-Datei; 1,9 MB)
  6. Frau Berta auf dem Bollen, abgerufen am 6. Oktober 2013
  7. Michael Ott: Die Geschichte der Nebenbahn Göppingen - Boll: Kapitel 5: Die Eröffnung 1926, abgerufen am 6. Oktober 2011
  8. Hotel im Bahnhof Bad Boll: Rosa Zeiten, abgerufen am 6. Oktober 2011
  9. Nebenbahnen einst und jetzt: Die ehemalige Nebenbahn Göppingen - Bad Boll „Boller Bähnle”, abgerufen am 6. Oktober 2011
  10. Webseite des Vereins Ein neuer Zug im Kreis, abgerufen am 6. Oktober 2011