Bad Boll
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Baden-Württemberg | |
| Regierungsbezirk: | Stuttgart | |
| Landkreis: | Göppingen | |
| Höhe: | 427 m ü. NN | |
| Fläche: | 10,95 km² | |
| Einwohner: |
5.205 (31. Dez. 2010)[1] |
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| Bevölkerungsdichte: | 475 Einwohner je km² | |
| Postleitzahlen: | 73085–73087 | |
| Vorwahl: | 07164 | |
| Kfz-Kennzeichen: | GP | |
| Gemeindeschlüssel: | 08 1 17 012 | |
| LOCODE: | DE BBO | |
| Gemeindegliederung: | 3 Ortsteile | |
| Adresse der Gemeindeverwaltung: |
Hauptstraße 94 73087 Bad Boll |
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| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Hans-Rudi Bührle | |
| Lage der Gemeinde Bad Boll im Landkreis Göppingen | ||
Bad Boll (bis 31. Mai 2007: Boll) ist eine Gemeinde im Landkreis Göppingen in Baden-Württemberg.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geographie
Bad Boll liegt am Nordrand der Schwäbischen Alb rund zehn Kilometer südlich von Göppingen zwischen den Gemeinden Aichelberg, Dürnau, Gruibingen und Zell u. A. Im Südosten von Bad Boll liegt der zur Gemarkung Gruibingen gehörende Kornberg (779 m ü. NN). Mit Gruibingen teilt die Gemeinde das südlich liegende ca. 122 ha große Naturschutzgebiet Teufelsloch-Kaltenwang.
[Bearbeiten] Geologie
Am Fuße der Schwäbischen Alb liegt Bad Boll im Bereich des schwarzen Juras, speziell dem Posidonienschiefer. Die Gegend zwischen Holzmaden und Boll bildet eines der fossilienreichsten Gebiete dieser Schicht des Juras. So wurde z. B. der erste Fischsaurier 1749 dort gefunden. Viele Fossilien, die in Bad Boll entdeckt wurden, tragen den Zusatz bollensis. Beispiele davon sind z. B. im Urwelt-Museum Hauff in Holzmaden oder im Museum am Löwentor in Stuttgart zu sehen. Die Gemeinde ist Teil des 1979 gebildeten Grabungsschutzgebiets Holzmaden. Höher gelegene Gebiete des Gemarkungsgebiets liegen im Bereich des Unteren Braunen Juras.
Im Bereich des Ortsteils Bad Boll befinden sich gesundheitsfördernde Schwefelthermalquellen.
[Bearbeiten] Gemeindegliederung
Bad Boll besteht aus den beiden Ortsteilen Boll mit Bad Boll und Eckwälden. Letzterer Ort wurde 1933 eingemeindet. Die offizielle Benennung der Ortsteile erfolgt durch vorangestellten Namen der Gemeinde und durch Bindestrich verbunden nachgestellt der Name der Ortsteile.[2] Gelegentlich wird noch der mit dem Hauptort verschmolzene, nicht offizielle Ortsteil Sehningen unterschieden. Die Gesamtgemeinde trug bis 31. Mai 2007 den Namen Boll. Nach Zustimmung des baden-württembergischen Ministerrates führt die Gemeinde seit dem 1. Juni 2007 offiziell die Bezeichnung „Bad Boll“.[3]
Zusammen mit den Gemeinden Aichelberg, Dürnau, Gammelshausen, Hattenhofen und Zell u. A. bildet Bad Boll seit 1970 den Gemeindeverwaltungsverband Raum Bad Boll.
[Bearbeiten] Geschichte
Erste urkundliche Erwähnung: 1155 (Erwähnung der Stiftskirche durch Friedrich Barbarossa).
Die ersten menschlichen Spuren stammen aus der Zeit keltischer Besiedelung (ca. 700–200 v. Chr.) in Form einer Anlage (vermutlich einer Fliehburg) im Bereich Bertaburg auf dem Kornberg. Spuren römischer Besiedelung in Form eines Gutes wurden durch Scherbenfunde im Bereich des Ortsteils Bad Boll nachgewiesen. Nach dem Fall des Limes im dritten Jahrhundert wurde die Gegend durch Alemannen besiedelt und der heutige Ortsteil Sehningen gegründet.
Vermutlich um 800 n. Chr. wurde eine erste Kirche gebaut, deren Spuren in Form der Krypta der heutigen Stiftskirche zu finden sind. Anfang des 12. Jahrhunderts wurde dann die Stiftskirche St. Cyriakus vermutlich durch Berta von Boll auf der vorigen Kirche erbaut. Diese wurde zum ersten Mal 1155 urkundlich erwähnt.
1595 wurden die Schwefel- und Thermalquellen im Bereich des Ortsteils Bad Boll gefunden. 1596 wurde das heutige Kurhaus in seiner ersten Form von Heinrich Schickhardt erbaut. 1823–1825 wurde das Kurhaus in seine heutige Form umgebaut.
1945 wurde als erste kirchliche Akademie in Deutschland die Evangelische Akademie Bad Boll gegründet.
[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung
Die Einwohnerentwicklung zwischen 1837 und 2005.
| Datum | Einwohner |
|---|---|
| 1837 | 1461 |
| 1907 | 1364 |
| 17. Mai 1939 | 1529 |
| 13. September 1950 | 2426 |
| 27. Mai 1970 | 3692 |
| 31. Dezember 1983 | 4286 |
| 31. Dezember 2000 | 5149 |
| 31. Dezember 2005 | 5270 |
[Bearbeiten] Politik
Bad Boll ist Sitz des Gemeindeverwaltungsverbands Raum Bad Boll.
[Bearbeiten] Bürgermeister
Bad Boll gilt als Hochburg der Grünen, jedoch konnten sie noch keinen Bürgermeister stellen. Der amtierende Bürgermeister ist derzeit Hans-Rudi Bührle, (parteilos bzw. FWV).
[Bearbeiten] Gemeinderat
Der Gemeinderat hat 14 Mitglieder. Die Wahlbeteiligung lag bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 bei 58,26 %, und brachte folgendes Ergebnis:
| Grüne Liste Bad Boll | 5 Sitze | (31,85%) | |
| CDU | 4 Sitze | (25,62%) | |
| Unabhängige Wählervereinigung | 2 Sitze | (18,72%) | |
| Freie Wählervereinigung | 2 Sitze | (16,57%) | |
| SPD | 1 Sitz | (7,25%) |
Weiteres Mitglied des Gemeinderates und dessen Vorsitzender ist der Bürgermeister.
[Bearbeiten] Wappen
Die Blasonierung des Gemeindewappens von Bad Boll lautet: In Grün ein mit einer liegenden schwarzen Hirschstange belegtes silbernes Brunnenbecken mit aufsteigenden silbernen Wasserstrahlen.
Der Brunnen im Ortswappen weist auf das Schwefelbad des Ortes hin. Darunter weist die Hirschstange auf die württembergische Zugehörigkeit hin. Das Wappen wurde am 25. Januar 1961 vom Innenministerium verliehen. Die Farben des Ortes sind Weiß-Grün.
[Bearbeiten] Gemeindepartnerschaften
Es besteht eine Partnerschaft mit der Stadt Herrnhut in Sachsen.
[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten
Die sich im Ortskern befindliche Stiftskirche St. Cyriakus ist eine sehenswerte, typisch romanische Kirche, die Teil der Straße der Staufer ist.
Während der Grabungen nach den Thermalquellen wurden auch in Bad Boll Fossilien gefunden. Diese befinden sich zum Teil in öffentlichen Gebäuden wie dem Rathaus, der Rehaklinik (Kurhaus) oder der Schule in Bad Boll. Außerhalb Bad Bolls sind Boller Fossilien auch im Urwelt-Museum Hauff in Holzmaden und dem Museum am Löwentor in Stuttgart zu finden.
[Bearbeiten] Infrastruktur und Einrichtungen
Im Ortsteil Bad Boll befindet sich die Evangelische Akademie Bad Boll, die erste ihrer Art in Deutschland, mit einem Tagungszentrum. Ein weiteres großes Tagungszentrum ist das Seminaris Hotel Bad Boll. Weiterhin gibt es eine Kur- und Rehaklinik, die die Thermalquellen nutzt. Bad Boll ist neben Herrnhut Sitz der Kirchenleitung der europäisch-festländischen Brüder-Unität, auch Herrnhuter Brüdergemeine genannt. Der Ortsteil Eckwälden ist Sitz des von Rudolf Hauschka gegründeten Kosmetik- und Arzneimittelbetriebs Wala Heilmittel sowie vieler weiterer anthroposophischer Einrichtungen.
[Bearbeiten] Bahnhof Boll
Am 30. Mai 1926 wurde der Bahnhof Boll mit einem Volksfest eröffnet.[4]Bis Ende der 1980er Jahre war Boll Endstation der Voralbbahn, auf der stündlich Züge zum Bahnhof Göppingen und zurück fuhren. Der Betrieb wurde aus Rentabilitätsgründen eingestellt. Im ehemaligen Empfangsgebäude (48° 38′ 35″ N, 9° 37′ 4″ O48.643119.6177), einem traufständigen zweigeschossigen Bau mit Walmdach, befindet sich heute ein Hotel.[5] Umfangreiche Gleisanlagen sowie ein Güterschuppen und eine Fahrzeugwaage sind erhalten.[6] Eine Interessensgemeinschaft bemüht sich um die Wiederaufnahme des Verkehrs.[7]
[Bearbeiten] Persönlichkeiten
[Bearbeiten] Söhne und Töchter der Gemeinde
- Theodor Niemeyer (1857–1939), Völkerrechtler
- Ernst Wall (1903–1985), Prähistoriker
- Rolf-Dieter Heuer (* 1948), Physiker
- Martin Semmelrogge (* 1955), Schauspieler
[Bearbeiten] Mit der Gemeinde in Verbindung stehen
- Johann Christoph Blumhardt (1805–1880), Theologe; wirkte im Ortsteil Boll, verstorben und beerdigt ebendort
- Christoph Friedrich Blumhardt (1842–1919), Theologe; wirkte im Ortsteil Boll, beerdigt ebendort
- Elisabeth von Ardenne (1853–1952), Urbild der Effi Briest, Krankenpflegerin in Eckwälden
- Max Reger (1873–1916), Komponist und Dirigent; heiratet am 7. Dezember 1902 in Boll
- Margarethe Hauschka (1896–1980), anthroposophische Ärztin, wirkte in Eckwälden und Boll
- Helmut Stellrecht (1898–1987), nationalsozialistischer Politiker und Autor, lebte ab 1960 in Boll, verstorben ebendort
- Eberhard Müller (1906–1989), Theologe; Gründungsdirektor der Evangelischen Akademie Bad Boll
- Margret Hofheinz-Döring (1910–1994), Malerin und Grafikerin; lebte zuletzt in Boll
- Bernhard Kempa (* 1920), Handballspieler und Trainer des Frisch Auf Göppingen; lebt in Bad Boll
- Günther C. Kirchberger (1928–2010), Maler und Künstler; lebte von 1996 bis zu seinem Tod in Bad Boll
- Johann-Henrich Krummacher (1946–2008), evangelischer Geistlicher, Publizist und Politiker (MdB); war 1996 bis 2005 Direktor der Evangelischen Akademie Bad Boll
- Klaus Pavel (* 1953), Politiker (CDU); war von 1984 bis 1996 Bürgermeister von Boll
[Bearbeiten] Literatur
- Gemeinde Boll, Klaus Pavel, Walter Ziegler: Boll : Dorf und Bad an der Schwäbischen Alb. Weissenhorn 1988.
- Gemeinde Boll, Klaus Pavel: Bad Boll : 1595 - 1995; vom herzoglichen Wunderbad zum Kurort. Weissenhorn 1995.
- Christa Maria Reinert: In Boll, um Boll, und um Boll herum! : ein Heimatbuch der Gegenwart und Bild-Band. Eislingen/Fils 1993.
- Walther Günther: Bad Boll : Geschichte und Gegenwart. Stuttgart 1980.
- Eckhard Christof: Heimatbuch Eckwälden : ein Streifzug durch die Jahrhunderte; 1933 - 1983; 50 Jahre Eckwälden bei Boll. Gemeinde Boll, Dorfgemeinschaft Eckwälden 1983.
- Claus Anshof: Boll - Dürnau - Gammelshausen : drei Dörfer, eine Kirchengemeinde; die historische Entwicklung der katholischen Gemeinde. Boll 1981.
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2010 (Hilfe dazu)
- ↑ Hauptsatzung der Gemeinde Bad Boll vom 10. Mai 2001, zuletzt geändert am 8. Dezember 2005
- ↑ StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2007
- ↑ Michael Ott: Die Geschichte der Nebenbahn Göppingen - Boll: Kapitel 5: Die Eröffnung 1926, abgerufen am 6. Oktober 2011
- ↑ Hotel im Bahnhof Bad Boll: Rosa Zeiten, abgerufen am 6. Oktober 2011
- ↑ Nebenbahnen einst und jetzt: Die ehemalige Nebenbahn Göppingen - Bad Boll „Boller Bähnle”, abgerufen am 6. Oktober 2011
- ↑ Webseite des Vereins Ein neuer Zug im Kreis, abgerufen am 6. Oktober 2011
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