Goldenstedt

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Dieser Artikel behandelt den Ort in Niedersachsen. Siehe auch: Goldenstädt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Goldenstedt
Goldenstedt
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Goldenstedt hervorgehoben
52.7833333333338.416666666666727Koordinaten: 52° 47′ N, 8° 25′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Vechta
Höhe: 27 m ü. NHN
Fläche: 88,5 km²
Einwohner: 9347 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 106 Einwohner je km²
Postleitzahl: 49424
Vorwahlen: 04444 (Goldenstedt), 04441/04445 (Lutten)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: VEC
Gemeindeschlüssel: 03 4 60 004
Gemeindegliederung: Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstr. 39
49424 Goldenstedt
Webpräsenz: www.goldenstedt.de
Bürgermeister: Willibald Meyer (CDU)
Lage der Gemeinde Goldenstedt im Landkreis Vechta
Nordrhein-Westfalen Landkreis Cloppenburg Landkreis Diepholz Landkreis Oldenburg Landkreis Osnabrück Bakum Damme (Dümmer) Dinklage Goldenstedt Holdorf (Niedersachsen) Lohne (Oldenburg) Neuenkirchen-Vörden Steinfeld (Oldenburg) Vechta VisbekKarte
Über dieses Bild

Goldenstedt ist eine Gemeinde im Landkreis Vechta in Niedersachsen.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde Goldenstedt, die sich rund 12 km südlich von Wildeshausen im Süden des Naturpark Wildeshauser Geest befindet, wird im Osten von der Hunte, im Westen vom Staatsforst „Herrenholz“ und im Süden vom Großen Moor eingerahmt.

Klima[Bearbeiten]

Gemäßigtes Seeklima beeinflusst durch feuchte Nordwestwinde von der Nordsee. Im langjährigen Mittel erreicht die Lufttemperatur in Goldenstedt 8,5° – 9,0 °C und es fallen ca. 700 mm Niederschlag. Zwischen Mai und August kann mit durchschnittlich 20-25 Sommertagen (klimatologische Bezeichnung für Tage, an denen die Maximaltemperatur 25 °C übersteigt) gerechnet werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gemeinde wird 1080 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Einer von Carl Heinrich Nieberding erzählten Sage zufolge[2] soll der Name des Ortes ebenso wie der der „Goldenen Brücke“ über die Hunte bei Goldenstedt auf eine Begebenheit im Jahr 1011 zurückzuführen sein. Die 1974 im Zuge der niedersächsischen Gemeindegebietsreform wider Willen der Bevölkerung eingemeindete Ortschaft Lutten wird bereits 872 genannt.

Bekannt wurde Goldenstedt durch das Simultaneum mixtum. Es entstand in der Zeit von 1650 bis 1850. In dieser Zeit lag der Ort an der Grenze zweier Herrschaftsbereiche mit unterschiedlichen Konfessionen: dem katholischen Niederstift Münster und den protestantischen Gebieten Braunschweig-Lüneburg bzw. Hannover. 1817 endete die Zweiherrigkeit, und 1850, nach dem Bau einer evangelischen Kirche in Goldenstedt, auch das Simultaneum mixtum. Über dieses Thema schrieb der Schriftsteller Bernd Kessens den Aufsehen erregenden Roman "und an den Füßen eine goldene Uhr".

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. März 1974 wurde die Nachbargemeinde Lutten eingegliedert.[3]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die 24 Sitze des Gemeinderates verteilen sich wie folgt:

Partei Anteil in % Stimmen Sitze
CDU 63 % 7.866 15 Sitze
SPD 9,8 % 1.224 2 Sitze
FDP 11,8 % 1.472 3 Sitze
IGG 14,9 % 1.865 4 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 11. September 2011)

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: In Gold eine blaue Axt mit der Schneide nach rechts zeigend von 6 roten Kugeln begleitet.

Symbolik: Das Wappen der Gemeinde Goldenstedt zeigt eine Holzaxt mit 6 Münzen. Die Axt deutet auf ein in alter Zeit bestehendes Holzgericht. Die rechts und links der Axt geführten Münzen weisen auf eine Sage hin, die zur Erklärung des Namens „Goldenstedt“ dient. Danach empfingen die Untertanen des Grafen aus dem benachbarten Diepholz diesen mit seiner jungen Gemahlin, Tochter eines Schwedenkönigs, an der Grenze des Kirchspiels, dort, wo noch heute die Brücke über die Hunte führt. Die Jungvermählten warfen hier eine Menge Goldmünzen unter das Volk. Seit dieser Zeit führt die Brücke den Namen „Goldene Brücke“ und die goldene Stätte den Namen „Goldenstedt“.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Stahlskulptur „Goldregen“

Blasorchester Ellenstedt[Bearbeiten]

Das Blasorchester wurde 1928 in Ellenstedt, einem Ortsteil der Gemeinde Goldenstedt, gegründet. Das Orchester leistet jährlich ca. 35-40 Einsätze zu verschiedenen Anlässen. Das Repertoire reicht von klassischer Marschmusik über Volksmusik bis hin zu Medleys aus bekannten Musicals. Vorstand und Dirigent des Vereins erwarten von den Mitgliedern eine Ausbildung an einer kommunalen Musikschule. Die weitere Ausbildung und die spätere Eingliederung von Jugendlichen in das Orchester ist ein Hauptanliegen des Vereins.

Bauwerke[Bearbeiten]

Seit 2008 liegt Goldenstedt an der Niedersächsischen Mühlenstraße. Eine Station bildet die Dampfmühle in Einen.[4] Als sehenswertes Kulturdenkmal gilt der Burgwall[5] „Arkeburg“.[6] In Einen und Lahr sind vorgeschichtliche Hügelgräber zu finden. Die Ostdeutschen Heimat- und Trachtenstuben befinden sich in Ambergen. Seit 2013 überspannt die Stahlskulptur „Goldregen“ des Schmiedekünstlers Alfred Bullermann aus Friesoythe die Hunte südlich der „Goldenen Brücke“.[7]

Blick auf einen Bereich des Goldenstedter Moors, den nördlichsten Teil des Großen Moors

Natur[Bearbeiten]

Am Rande des Naturschutzgebietes Goldenstedter Moor befindet sich das überregional bekannte Naturschutzinformationszentrum mit dem Haus im Moor, kurz NIZ genannt. Dem NIZ ist ein Garten angeschlossen, in dem vom Aussterben bedrohte, regional bedeutsame Obstsorten angebaut werden. Große Teile der Gemeinde Goldenstedt gehören zum Naturpark Wildeshauser Geest.

Zwischen dem NIZ in Goldenstedt und dem „Barnstorfer Umwelt-Erlebnis-Zentrum (BUEZ)“ verkehrt in der warmen Jahreszeit regelmäßig die Bimmelbahn Jan Spieker.[8]

Sport[Bearbeiten]

Seit 2003 findet jährlich der Moormarathon statt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Goldenstedt liegt direkt an der Bahnstrecke Delmenhorst–Hesepe. Es gibt Bahnhöfe in Goldenstedt und Lutten, die jeweils im Stundentakt durch die Züge der NordWestBahn bedient werden.

Seit August 2006 ist die Ortsdurchfahrt durch Goldenstedt für den Schwerlastverkehr gesperrt. Die Ortsdurchfahrt Lutten (Kreisstraße 254) ist hingegen stark vom LKW Verkehr belastet, weshalb die Bevölkerung nun ein Bürgerbegehren zum Durchfahrtsverbot anstrebt. Der Lieferverkehr ist davon ausgenommen.

Die in West-Ost Richtung verlaufende Landesstraße 881 verbindet, von Twistringen (Kreis Diepholz) kommend, Goldenstedt mit Lutten und führt, bevor von ihr die Nordumgehung Vechta abzweigt, weiter bis in die Vechtaer Innenstadt.

Unternehmen und Branchenstruktur[Bearbeiten]

Die Wirtschaftsstruktur in Goldenstedt ist geprägt durch Kleine und mittlere Unternehmen aus den Branchen Holz (u.a. Fensterbau, Sägereien, Gastronomieeinrichtungen), Maschinenbau und metallverarbeitende Industrie (u.a. Förder- und Anlagentechnik, Edelstahlverarbeitung, Landmaschinen- und Fahrzeugbau), sowie durch zahlreiche Handwerksbetriebe. Die ehemals dominante Agrarwirtschaft hat sich durch einen zunehmenden Konzentrationsprozess in einige hochspezialisierte Segmente differenziert. Sie stellt weiterhin ein bedeutenden Anteil der Wirtschaftskraft Goldenstedts dar, ist aber auf Grund der sinkenden Betriebzahlen und sinkenden Beschäftigtenzahlen keine Zukunftsbranche in der Gemeinde Goldenstedt.

Energie[Bearbeiten]

In Ellenstedt existiert ein Windpark. Dort stürzte im Jahr 2002 eine Windkraftanlage mit 70 Metern Nabenhöhe um.[9]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die mit der Gemeinde in Verbindung zu bringen sind[Bearbeiten]

  • Klaus von Klitzing, geboren am 28. Juni 1943 in Schroda/Posen, aufgewachsen in Lutten, einem inzwischen eingemeindeten Ortsteil von Goldenstedt, und Essen (Oldb), 1985 Nobelpreis für Physik zum Thema „Quanten-Hall-Effekt

Literatur[Bearbeiten]

In Goldenstedt spielen Teile des 1670 erschienenen Romans „Dietwald und Amelinden“ von Grimmelshausen sowie der 2000 veröffentlichte Roman „und an den Füßen eine goldene Uhr“ von Bernd Kessens.

  • Elisabeth Reinke: Gemeinsamer lutherisch-katholischer Gottesdienst in Goldenstedt 1650–1850. In: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 1976'. Vechta 1975, S. 170–175

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Fortgeschriebene Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2012 (Hilfe dazu)
  2. Carl Heinrich Nieberding: Graf Rudolph von Diepholz. In: Mitteilungen des Historischen Vereins zu Osnabrück. Jg. 3. 1853. S. 50ff. online in der Google-Buchsuche
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 276.
  4. Arbeitsgruppe Mühlenstraße in der Mühlenvereinigung Niedersachsen-Bremen e.V.: Dampfmühle Einen
  5. Steinzeitreise: Wallanlagen – Burgen ohne Burg?
  6. Steinzeitreise: Burgwall „Arkeburg“. Goldenstedt, Gemeinde Goldenstedt
  7. Gemeinde Goldenstedt: „Goldregen“ spannt sich über Hunte. Neue Stahlskulptur bei der Goldenen Brücke eingeweiht. 8. Oktober 2013
  8. Faltblatt des „Niedersächsischen Bildungsservers“ zu Jan Spieker (PDF; 2,2 MB)
  9. http://mitglied.multimania.de/WilfriedHeck/ellenst.htm

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Goldenstedt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien