Hiddensee

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt die Insel Hiddensee und die Gemeinde Insel Hiddensee. Für das ehemalige Fahrgastschiff der Weißen Flotte in Stralsund siehe Insel Hiddensee (Schiff).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Insel Hiddensee
Hiddensee
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Insel Hiddensee hervorgehoben
54.52638888888913.0869444444442Koordinaten: 54° 32′ N, 13° 5′ O
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Vorpommern-Rügen
Amt: West-Rügen
Höhe: 2 m ü. NHN
Fläche: 19,02 km²
Einwohner: 1010 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 53 Einwohner je km²
Postleitzahl: 18565
Vorwahl: 038300
Kfz-Kennzeichen: VR, GMN, NVP, RDG, RÜG
Gemeindeschlüssel: 13 0 73 040
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Amt West Rügen
Dorfplatz 2
18573 Samtens
Webpräsenz: Webpräsenz der Gemeinde
Bürgermeister: Thomas Gens (HIDDENSEEpartei)
Lage der Gemeinde Insel Hiddensee im Landkreis Vorpommern-Rügen
Rostock Landkreis Mecklenburgische Seenplatte Landkreis Rostock Landkreis Vorpommern-Greifswald Landkreis Vorpommern-Greifswald Landkreis Vorpommern-Greifswald Altenpleen Groß Mohrdorf Groß Mohrdorf Groß Mohrdorf Klausdorf (bei Stralsund) Kramerhof Preetz (bei Stralsund) Prohn Saal (Vorpommern) Barth Divitz-Spoldershagen Fuhlendorf (Vorpommern) Fuhlendorf (Vorpommern) Fuhlendorf (Vorpommern) Fuhlendorf (Vorpommern) Karnin (bei Barth) Kenz-Küstrow Löbnitz (Vorpommern) Lüdershagen Pruchten Saal (Vorpommern) Trinwillershagen Bergen auf Rügen Buschvitz Garz/Rügen Gustow Lietzow Parchtitz Patzig Poseritz Ralswiek Rappin Sehlen Ahrenshoop Born a. Darß Dierhagen Prerow Wieck a. Darß Wustrow (Fischland) Franzburg Glewitz Gremersdorf-Buchholz Millienhagen-Oebelitz Papenhagen Richtenberg Splietsdorf Velgast Weitenhagen (Landkreis Vorpommern-Rügen) Wendisch Baggendorf Elmenhorst (Vorpommern) Sundhagen Wittenhagen Baabe Gager Göhren (Rügen) Lancken-Granitz Middelhagen Sellin Thiessow Zirkow Groß Kordshagen Jakobsdorf Kummerow (bei Stralsund) Lüssow (bei Stralsund) Lüssow (bei Stralsund) Neu Bartelshagen Niepars Pantelitz Steinhagen (Vorpommern) Wendorf Zarrendorf Altenkirchen (Rügen) Breege Dranske Glowe Lohme Putgarten Sagard Wiek (Rügen) Bad Sülze Dettmannsdorf Deyelsdorf Drechow Eixen Grammendorf Gransebieth Hugoldsdorf Lindholz Tribsees Ahrenshagen-Daskow Schlemmin Ribnitz-Damgarten Semlow Altefähr Dreschvitz Dreschvitz Gingst Hiddensee Kluis Neuenkirchen (Rügen) Neuenkirchen (Rügen) Rambin Samtens Schaprode Schaprode Trent (Rügen) Ummanz (Gemeinde) Ummanz (Gemeinde) Ummanz (Gemeinde) Binz Grimmen Marlow Putbus Putbus Sassnitz Stralsund Stralsund Süderholz Zingst Zingst ZingstKarte
Über dieses Bild

Die Insel Hiddensee liegt westlich von Rügen in der Ostsee. Sie gehört zum Landkreis Vorpommern-Rügen in Mecklenburg-Vorpommern. Die Gemeinde Insel Hiddensee (bis zum 2. Februar 1993 Hiddensee) umfasst die Insel sowie die ihr östlich vorgelagerte Fährinsel und gehört seit 2005 zum Amt West-Rügen mit Sitz in der Gemeinde Samtens.

Hiddensee ist ein beliebter Urlaubsort. Von privaten Kraftfahrzeugen darf die Insel nicht befahren werden.

Name[Bearbeiten]

Der Name „Hedinsey“ taucht bereits in der Prosa-Edda und in den Gesta Danorum des Saxo Grammaticus auf und bedeutet so viel wie „Insel des Hedin“. Der legendäre Norwegerkönig Hedin soll hier um eine Frau oder auch nur um Gold gekämpft haben. Unter dänischer Herrschaft war offiziell „Hedins-Oe“ gebräuchlich. Bis 1880 hieß die Insel auch in deutschen Karten noch „Hiddensjö“, 1929 in deutschen Reiseführern noch „Hiddensöe“. Die vollständige Eindeutschung und Umdeutung zu „Hiddensee“ ist also relativ jung.

Übersichtskarte von Hiddensee
Luftbild der Steilküste am Leuchtturm Dornbusch, Nordhaken der Insel Hiddensee

Geografie[Bearbeiten]

Hiddensee ist etwa 16,8 Kilometer lang, an der schmalsten Stelle etwa 250 Meter und an der breitesten etwa 3,7 Kilometer breit. Innerhalb des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft ist sie die größte Insel und gehört zum Landkreis Vorpommern-Rügen im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist der Insel Rügen westlich vorgelagert und unterteilt sich in einen hügeligen, über 70 Meter hohen Nordteil (Dornbusch, höchster Punkt ist der Bakenberg mit 72 m ü. NN), eine Dünen- und Heidelandschaft im zentralen (Dünenheide) und einen flachen, nur wenige Meter hohen Südteil, den Gellen. Im Nordosten befinden sich die beiden drei Kilometer langen Sandhaken Alter Bessin und Neuer Bessin. Begrenzt wird die Insel durch den Schaproder Bodden und Vitter Bodden im Osten, den Gellenstrom (die Fahrrinne nach Stralsund) im Süden und die offene Ostsee nach Westen und Norden.

Geologie[Bearbeiten]

Landveränderungen von 1886 bis 2000

Die Insel Hiddensee ist geologisch gesehen eine sehr junge Landschaft und entstand während der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren. Diese hinterließ hier eine Jungmoränenlandschaft. Durch das abtauende Inlandeis hob sich das darunter liegende Land und die Senken wurden mit Wasser gefüllt, der Vorgänger der späteren Ostsee, der Ancylussee entstand. So blieben nur noch die herausragenden Höhenrücken wie der Dornbusch als Inseln bestehen. Die Großformen der Küsten im südlichen Bereich der Ostsee formten sich durch die Littorina-Transgression vor etwa 7000 bis 2500 Jahren. Vor zirka 5.000 Jahren erreichte der Meeresspiegel sein heutiges Niveau und der Dornbusch und zwei weitere Inselkerne wurden zu Inseln. Vor 4500 Jahren wurde der Salzwasserzustrom aus der Nordsee stark eingeschränkt. Die Ostsee süßt seitdem langsam aus. Durch die Küstenerosion (Landabtragung, Verdriftung und Ablagerung) erlangten die damaligen Inseln im Laufe der Zeit ihre heutige Gestalt. So wurden die ehemaligen drei Inselkerne durch Anschwemmungen miteinander verbunden. Dieser Prozess trägt im Norden am Dornbusch immer noch Sand ab. Im Jahr 2000 brachen an der Nordspitze Hiddensees im Bereich des „Toten Kerls“ zweimal 60.000 m³ Geschiebemergel ab und rutschten ins Meer. Im Durchschnitt verliert die Kliffkante des Dornbusch etwa 30 cm jährlich. Mitte März 2004 rutschten dann nochmals rund 10.000 m³ ins Meer. Geologisch gesehen ist Hiddensee ein sich in stetem Wandel befindendes Gebiet. Die an der Nordspitze abgetragenen Landmassen werden an der Südspitze und an der Ostseite zum Schaproder Bodden wieder angespült. So entstanden an der Südspitze der Gellen und auf der Ostseite die beiden geologisch sehr jungen Sandhaken (Landzungen) Alter Bessin und Neuer Bessin. Der Alte Bessin begann sich vor etwa 300 bis 400 Jahren herauszubilden und war schon Mitte des 19. Jahrhunderts über drei Kilometer lang. Seit damals ist er kaum noch gewachsen. Dagegen wächst der um 1900 entstandene benachbarte Neue Bessin jährlich um 30 bis 60 Meter und erreicht auch schon eine Länge von drei Kilometern. Inzwischen ist ein dritter Bessin im Entstehen. Auch die Südspitze wächst als sogenanntes Windwatt weiter in den Bodden.

Klima[Bearbeiten]

Klimadiagramm von Kap Arkona

Auf Hiddensee herrscht makroklimatisch Ostseeküstenklima mit häufigem Wechsel zwischen maritimen und kontinentalen Einflüssen. Charakteristisch sind dabei häufige, lebhafte und wechselnde Winde und eine lange Sonnenscheindauer. Diese beträgt im Durchschnitt 1850 Stunden pro Jahr. Damit nimmt Hiddensee eine Spitzenstellung in Deutschland ein. Eine Besonderheit ist bei schwachen, ablandigen Windverhältnissen die so genannte transperiodische Windzirkulation, die durch die unterschiedlichen Temperaturen über dem Meer und dem Land entsteht. Dabei setzt ein Seewind am späten Vormittag ein, der am Nachmittag oder Abend wieder nachlässt.

Die langjährige Jahresmitteltemperatur liegt auf der Insel bei 8 °C. Die mittlere Windgeschwindigkeit in Kloster beträgt 7 m/s. Im Vergleich zur nahe gelegenen Insel Rügen ist die jährliche Niederschlagsmenge auf Hiddensee deutlich geringer und liegt bei 540 Millimeter.

Im Jahr 2008 war, wie der Wetterdienst Meteomedia mitteilte, Hiddensee-Dornbusch mit 2168 Sonnenstunden der sonnenreichste Ort in Deutschland.[2] Die Daten wurden durch eine Meteomediaeigene Wetterstation (54° 36′ 0″ N, 13° 7′ 12″ O54.613.12; 69 m ü. NN) gesammelt.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Blick von Hiddensee in Richtung Rügen

Hiddensee ist die größte Insel des Nationalparkes Vorpommersche Boddenlandschaft und vereinigt eine alte Kulturlandschaft mit den Hutungen der ursprünglich vorhandenen Dünenheide. Die großen Neulandbildungen im Nordosten (Alter und Neuer Bessin) und Süden (am Gellen) Hiddensees bieten Lebensraum für zahlreiche wirbellose Tiere, wie Würmer und Muscheln. Diese dienen dann vielen Zugvögeln als Nahrung. So ist die Inselumgebung einer der bedeutendsten Kranichrastplätze Deutschlands. Die Südspitze der Insel sowie der Neue Bessin wurden deshalb der Schutzzone I des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft zugeordnet und dürfen nicht betreten werden. Auf der Insel gibt es zwei Naturschutzgebiete, das NSG Dünenheide zwischen Neuendorf und Vitte und das NSG Dornbusch und Schwedenhagener Ufer im Norden.

Die Naturschutzgesellschaft Hiddensee und Boddenlandschaft unterhält in Vitte im Nationalparkhaus eine ständige Ausstellung zur Fauna und Flora.

Seit 1936 arbeitet die Vogelwarte Hiddensee auf der Insel.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Insel Hiddensee hat vier Ortsteile (von Nord nach Süd):

Ortsteil Grieben[Bearbeiten]

Grieben ist das älteste, nördlichste und kleinste Dorf auf Hiddensee und liegt am östlichen Rand des Hochlandes der Insel. Der Name leitet sich vom slawischen „grib“ (für „Pilz“) ab. Grieben hat keinen eigenen Hafen.

Luftaufnahme zwischen Vitte und Kloster

Ortsteil Kloster[Bearbeiten]

Der Ortsteil Kloster hat seinen Namen vom ehemaligen Kloster der Zisterzienser, das von 1296 bis 1536 in der Nähe des heutigen Hafens von Kloster lag. Es wurde mit der Reformation aufgelöst. Heute gilt Kloster mit dem Gerhart-Hauptmann-Haus, der Inselkirche und dem Inselfriedhof mit den Grabstätten von Gerhart Hauptmann, Walter Felsenstein und Gret Palucca als das kulturelle Zentrum von Hiddensee. Es liegt direkt am Hochland, dessen höchste Erhebung der Dornbusch ist. In Kloster befinden sich die „Biologische Station Hiddensee“ und die „Vogelwarte Hiddensee“ als Außenstellen der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, welche beide aus der 1930 entstandenen „Biologischen Forschungsanstalt Hiddensee“ hervorgegangen sind. Wegen der günstigen Lage der Insel weitab vom Festland besteht im Dornbuschwald eine Bienenbelegstelle.

Ortsteil Vitte[Bearbeiten]

Vitte (sprich: Fitte) wurde erstmals 1513 urkundlich erwähnt, ist der Hauptort und zugleich der größte und zentrale Ort der Insel. Der Name ist eine Ableitung von „vit“; damit bezeichnete man früher Fischverkaufsstellen (zur Wortherkunft siehe auch Vitten). In Vitte steht das Rathaus mit der Gemeindeverwaltung. Außerdem ist hier der Fähranleger für die Lastenfähre, mit der die Fahrzeuge für die Ver- und Entsorgung von Schaprode auf der Insel Rügen aus übersetzen. Der Güterverkehr wird auf Anhänger, die von Elektroschleppern gezogen werden, umgeschlagen und auf der Insel an die Lebensmittelmärkte und Gaststätten verteilt. Teilweise werden kleinere Güter auch noch mit Pferdefuhrwerken ausgeliefert. Die Heidelandschaft auf Hiddensee, zwischen Vitte und Neuendorf gelegen, zählt ebenso zu Vitte. In Vitte steht das älteste noch erhaltene Haus der Insel, das „Hexenhaus“ (ehemals Sommerhaus von Adolf Reichwein). Darüber hinaus befinden sich in Vitte das (wohl letzte) Zeltkino und die Seebühne Hiddensee (Figurentheater).

Hafen von Neuendorf

Ortsteil Neuendorf[Bearbeiten]

Neuendorf ist der südlichste Ort auf Hiddensee. Die Einwohner von Neuendorf werden vom Rest der Insel als „Die Süder“ bezeichnet. Obwohl Neuendorf nur sechs Kilometer von Vitte entfernt liegt, sprechen die Einwohner einen anderen Dialekt. Große Teile von Neuendorf gleichen einer großen Wiese, auf der die Häuser wie an einer Schnur gezogen aufgereiht sind. Es gibt teilweise keine angelegten Wege, so dass einzelne Adressen nur direkt über die Wiese zu erreichen sind. Auch Neuendorf hat einen eigenen Hafen.

Neuendorf besteht aus zwei ursprünglich eigenständigen Ortsteilen: Dem älteren, wohl schon aus dem 13. Jahrhundert stammenden Plogshagen im Süden und dem eigentlichen Neuendorf, das um 1700 durch die Absiedlung aus der Siedlung Glambek entstand. Überreste dieser Siedlung sind noch heute nordöstlich des Neuendorfer Ortsgebietes zu erkennen.

Südlich von Neuendorf liegt der so genannte Gellen, dessen Südteil, ein bedeutendes Vogelschutzgebiet, zur Schutzzone I des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft gehört und somit für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Satellitenbild von Hiddensee

Bis 1800[Bearbeiten]

Die ersten Besiedlungen der Insel erfolgten in der mittleren und jüngeren Steinzeit. Nachdem im 6. Jahrhundert n. Chr. die germanische Bevölkerung den südlichen Ostseeraum verlassen hatte, nahmen die Ranen (Slawen), die 1168 von König Waldemar I. von Dänemark durch die Eroberung der Festung Jaromarsburg am Arkona auf Rügen besiegt, christianisiert und unter dänische Lehnsabhängigkeit gebracht wurden, Besitz von der Insel. Hiddensee stand damit unter dänischer Hoheit. Am 13. April 1296 wurde die Insel Hiddensee so wie sie vom Salzmeere umflossen vom Rügenfürsten Wizlaw II. dem Kloster Neuenkamp geschenkt. Hier entstand eine Zisterzienserabtei namens Nikolaikamp, benannt nach dem Heiligen Nikolaus als dem Schutzpatron der Seefahrer. Tatsächlich hieß das Kloster aber während der gesamten Zeit des Bestehens Kloster Hiddensee. Zeitgleich mit dem Aufbau des Klosters wurden in den Jahren 1302 bis 1306 auf dem Gellen im Süden der Insel die Gellenkirche, ein kleines Leuchtfeuer, Luchte genannt, sowie der erste Hafen gebaut. Die Fundamente dieser Bauwerke befinden sich heute westlich des Gellens in der Ostsee.

1332 wurde die noch heute bestehende Inselkirche, bestimmt für die Bauern und Fischer der Insel, im heutigen Ortsteil Kloster außerhalb der Klostermauern geweiht. Mit der Überführung des Taufsteines aus der Gellenkirche in die neue Kirche wurden seitdem seelsorgerische Aufgaben von dort ausgeführt. Das um 1781 eingebaute Tonnengewölbe erhielt 1922 durch den Berliner Maler Nikolaus Niemeier eine Ausmalung mit Rosendekor.

Kreuz des Hiddenseer Goldschmucks in Stralsund

Im Verlauf der Reformation wurde das Kloster 1536 aufgelöst. Während des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648 wurde auf Anordnung von Wallenstein im Jahr 1628 der Eichenmischwald auf dem Dornbusch abgebrannt. Damit wollte man den Dänen die Insel als Möglichkeit zur Nutzholzgewinnung entziehen. Auch heute kann man an den Wegrändern in der Nähe des Leuchtturms wenige Zentimeter unter der Grasnarbe noch die Ascheschicht von damals erkennen. In den Jahren von 1648 bis 1815 befand sich Hiddensee wie das gesamte Vorpommern unter schwedischer Verwaltung. Von 1754 bis 1780 war Joachim Ulrich Giese Eigentümer der Insel und begann mit dem Abbau von Ton für die von ihm gegründete Stralsunder Fayencenmanufaktur.

1801 bis 1944[Bearbeiten]

Ausschnitt Special Charte Insel Rügen (1829)
Reusenfischer vor Hiddensee 1963
Erdölbohrturm im Mai 1967 nördlich von Grieben

Ab 1815 gehörte Hiddensee mit Vorpommern bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges zu Preußen und war dem Landkreis Rügen (bis 1939 Kreis Rügen) zugeordnet. Im Jahr 1835 erwarb das Stralsunder Kloster zum Heiligen Geist die Insel, und 1837 bzw. 1840 wurden in Plogshagen und Kloster die ersten Schulen auf der Insel gebaut. In den Jahren zwischen 1854 und 1864 kam es im Rahmen der Ablösung der Reallasten (Bauernbefreiung) auch auf Hiddensee zu einer Neuordnung der Grundstücksverhältnisse. Während dieser Zeit, ab 1861, wurde mit der Wiederaufforstung des Dornbuschs begonnen.

Jeweils in den Jahren 1864 und 1872 wurde die Insel von schweren Sturmhochwassern heimgesucht. Beim Ersteren zerbrach Hiddensee durch eine vollständige Überflutung des Mittelteils in zwei Teile, was nur durch umfangreiche Aufbaumaßnahmen wieder rückgängig gemacht werden konnte. Nach dem zweiten Sturmhochwasser soll der bis heute berühmte Hiddenseer Goldschmuck (eine Wikingerarbeit aus dem 10. Jahrhundert) gefunden worden sein. Eine Replik davon kann man heute im „Heimatmuseum Hiddensee“ besichtigen, das Original wird im Kulturhistorischen Museum Stralsund verwahrt.

Im Jahr 1874 wurde der Amtsbezirk Hiddensee gebildet. 1888 wurden in Kloster der Leuchtturm auf dem Dornbusch, der Hafen sowie die Seenotrettungsstation fertiggestellt. Von 1892 an verkehrten erstmals regelmäßig Dampfer zwischen Stralsund und Kloster. Ab 1905, mit Gründung des Arztzweckverbandes, wurde der erste Arzt auf Hiddensee eingestellt. 1927 wurde die Insel an das Stromnetz angeschlossen. Drei Jahre später wurde die Biologische Forschungsstation gegründet, aus der 1936 zusammen mit einer Vogelwarte die „Biologische Forschungsanstalt Hiddensee“ entstand. Zwischen 1937 und 1939 wurden die drei Gemeinden auf der Insel zur „Gemeinde Hiddensee“ zusammengefasst.

1945 bis 1989[Bearbeiten]

Im Jahr 1945 wurde Hiddensee am 4. und 5. Mai von sowjetischen Truppen besetzt. Im selben wie im folgenden Jahr wurde im Rahmen der Bodenreform der Gutshof Hiddensee in 18 Neubauernstellen aufgeteilt. 1952 wurde die Fährverbindung zwischen Seehof auf Rügen und der Fährinsel eingestellt. In den Jahren von 1952 bis 1955 war es dem Kreis Bergen zugehörig.

Im Jahr 1953 flüchteten während der Aktion Rose einige Hoteliers in den Westen, andere wurden verhaftet. Nach dieser Aktion wurden alle Hotels auf der Insel durch den FDGB übernommen. In den fünfziger Jahren eröffneten das Heimatmuseum und das Gerhart-Hauptmann-Haus; die LPG „Dornbusch“ wurde gegründet. 1962 begann der Deichbau zwischen Kloster und Vitte. Die Genossenschaftsreederei wurde durch die „Weiße Flotte“ Stralsund übernommen und die Fischer durch die Gründung der FPG „De Süder“ in Neuendorf und „Swantevit“ in Vitte eingebunden.

Am 10. April 1967 begann im Ergebnis seeseismischer Untersuchungen im Norden der Insel Hiddensee mit der Forschungsbohrung „E Rügen 2/67“ die Erdölerkundung. Diese 4.602 m tiefe Bohrung erbrachte ebenso wie die bis Dezember 1968 folgenden Bohrungen „E Hiddensee 3/67, 4/68 und 5/68“ kein verwertbares Erdölvorkommen. Daher wurde die bereits vorbereitete 5. Bohrung abgesagt, alle Bohrungen wurden im Sommer 1971 verfüllt.[3]

Hiddensee galt als Nische für Andersdenkende und Aussteiger, die im Sommer oft in Hotels, Restaurants oder als Rettungsschwimmer arbeiteten. Auf der kleinen Insel waren sie gut zu kontrollieren, und trotz teilweise offener Stasi-Beobachtung wurden manche Vorfälle und Treffen hingenommen. Auf Hiddensee herrschte ein intellektuelles Klima, und Künstler, Schriftsteller, Schauspieler, Musiker und Wissenschaftler zogen sich hierhin zurück, wie Jo Harbort, Christine Harbort, Günter Kunert, Kurt Böwe, Harry Kupfer, Inge Keller, Günther Fischer, Armin Mueller-Stahl, Christoph Hein, Robert Rompe oder Mitglieder der Punkband Feeling B. Nina Hagen gibt zwar an, nie auf Hiddensee gewesen zu sein, ihr berühmter Schlager Du hast den Farbfilm vergessen drückt jedoch ein „Sehnsuchtsmotiv nach dieser ungewöhnlichen Insel“ aus.[4] Am 7. Mai 1989 gab es bei der DDR-Kommunalwahl auf Hiddensee 4,7 Prozent Gegenstimmen.

1989 bis heute[Bearbeiten]

Im Jahr 1992 wurden die Forschungseinrichtungen „Versuchsstelle Schwedenhagen“ des Berliner Zentralinstitutes für Elektronenphysik und die „Versuchsstelle Fährinsel“ des Jenaer Zentralinstitutes für Mikrobiologie und experimentelle Therapie aufgegeben. 1996 erkämpfte sich die Insel die Amtsfreiheit, die sie jedoch im Jahr 2005 im Zuge der Gebietsreform in Mecklenburg-Vorpommern wieder verlor. Seitdem gehört sie zum Amt West-Rügen.

Die Gemeinde gehörte bis 1990 zum Kreis Rügen im Bezirk Rostock und wurde im selben Jahr Teil des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Sturmhochwasser[Bearbeiten]

Immer wieder wurde Hiddensee von Sturmhochwassern heimgesucht. So soll im Jahr 1304 die Insel durch die Allerheiligenflut von der Insel Rügen getrennt worden sein. Dies ist aber umstritten. In den Jahren 1864 und 1865 wurde die Insel dreimal von Sturmhochwassern zwischen Hohen Dünschen Garn und Peterbergschen Garn, einer sehr flachen und dünnen Stelle, durchbrochen. Vom 12. zum 13. November 1872 wurde Hiddensee bei Plogshagen erneut überflutet. Auch heute noch droht die Teilung der Insel in einen Süd- und einen Nordteil, welche nur durch umfangreiche Küstenschutzmaßnahmen verhindert werden kann.

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 wurde im November 2009 durch das Verwaltungsgericht Greifswald für ungültig erklärt. Der damalige Bürgermeister Manfred Gau (Bürger für Hiddensee) habe unerlaubt Einfluss auf den Wahlausgang genommen, da er versprach, die Fahrtkosten mit dem Inselbus zum einzigen Wahllokal persönlich zu übernehmen.[6][7][8] Darum stand den zehn Gemeindevertretern bis zur Wiederholungswahl kein ehrenamtlicher Bürgermeister vor. Am 19. September 2010 wurde der mittlerweile aus seiner Partei ausgetretene CDU-Politiker Thomas Gens (HIDDENSEEpartei) mit 51,76 % der Stimmen gegen Gau (48,24 %) gewählt.[9]

Die Sitzverteilung lautet:

  • achtsame Demokraten-Die HIDDENSEEpartei: 4
  • Freie Wähler Hiddensee: 2
  • Bürger für Hiddensee: 4

Stand: 20. September 2010

Wappen[Bearbeiten]

Das durch den Weimarer Michael Zapfe gestaltete Wappen wurde am 29. Januar 1998 durch das Innenministerium genehmigt und unter der Nr. 141 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Blasonierung: „Gespalten von Blau und Gold; rechts ein nach links gewendetes goldenes Seepferdchen; links eine blaue Hausmarke, bestehend aus Sparrenkopfschaft, Mittelkreuzsprosse und erhöhter Mittelkreuzsprosse sowie einer vorderen Fußabstrebe.“ [10]

Die linke Flanke hat einen hellblauen Hintergrund mit einem gelben Seepferdchen (Silhouette der Insel), die rechte Flanke hat einen gelben Hintergrund, auf dem eine für Hiddensee typische Hausmarke in hellblau erscheint. Die Farbgebung Blau-Gelb dokumentiert die Zugehörigkeit zum schwedischen Königreich zwischen 1648 bis 1815.

Bürgerliche Flagge? Flagge der Gemeinde Insel Hiddensee

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge der Gemeinde ist gleichmäßig und quer zur Längsachse des Flaggentuches von Gold (Gelb) und Blau gestreift. Auf der Mitte des Flaggentuchs liegt, auf jeweils ein Drittel der Länge des goldenen (gelben) und blauen Streifens übergreifend, das Gemeindewappen. Die Länge der Flagge verhält sich zur Höhe wie 5:3.[11]

[Bearbeiten]

Das offizielle Signet des Seebades Hiddensee beruht auf einem Entwurf des Berliner Malers Torsten Schlüter aus dem Jahr 1996. Es stellt den Schriftzug Hiddensee und eine abstrahierte Küstenlinie auf weißem Grund dar.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Bewohner der Insel leben hauptsächlich vom Tourismus. Der Großteil der Besucher sind Tagestouristen.

Bildung[Bearbeiten]

Auf der Insel wird seit 1788 unterrichtet. Am Anfang übernahm dies der Küster. Die erste Schule in Vitte wurde am 2. November 1887 gegründet. 1990 wurde die Vitter Schule zu einer Realschule. Zurzeit werden rund 50 Schüler in der ersten bis zehnten Klasse unterrichtet.

Verkehr[Bearbeiten]

Personentransport mit einer Pferdekutsche

Der private Kfz-Verkehr ist auf der gesamten Insel verboten. Für öffentliche Aufgaben und landwirtschaftliche Nutzung sind nur wenige Kraftfahrzeuge zugelassen. Dadurch ist die Insel nahezu autofrei. Ein Teil der zugelassenen Fahrzeuge ist mit Elektroantrieb ausgestattet. Der Großteil des Personenverkehrs sowie ein Teil des Warenverkehrs werden mit Pferdefuhrwerken durchgeführt. Zwischen den Ortsteilen Grieben, Kloster, Vitte und Neuendorf verkehrt ein Linienbus der Rügener Personennahverkehrs GmbH (RPNV). Zu erreichen ist die Insel von Stralsund sowie von Schaprode auf Rügen mit Personenfähren der „Reederei Hiddensee“, die in Kloster, Vitte und Neuendorf anlegen. In der Sommersaison bestehen weitere Verbindungen mit Ralswiek, Breege, Wiek und Zingst. Außerdem gibt es noch Wassertaxiverbindungen mit dem Festland und der Insel Rügen.

Sehenswürdigkeiten und Museen[Bearbeiten]

Kloster[Bearbeiten]

Leuchtturm auf dem Dornbusch

Leuchtturm Dornbusch

Hauptartikel: Leuchtturm Dornbusch

Im Norden der Insel, auf dem Schluckswiek im so genannten Hochland von Hiddensee, steht das Wahrzeichen der Insel, der Hiddenseer Leuchtturm. 102 Stufen führen in den seit 1994 für Besucher offenen Turm. Damit es dort oben nicht zu eng wird, können jedoch nur 15 Besucher gleichzeitig den Turm besteigen. Ab Windstärke 6 bleibt der Turm aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Das Gerhart-Hauptmann-Haus

Gerhart-Hauptmann-Haus

Hauptartikel: Gerhart Hauptmann

Gerhart Hauptmann erwarb 1930 das ehemalige Haus Seedorn auf Hiddensee. Heute befindet sich darin ein Museum und es ist Schauplatz für Kulturveranstaltungen.

Inselkirche Hiddensee

Hauptartikel: Inselkirche Hiddensee

Die Inselkirche Hiddensee in Kloster ist Teil eines ehemaligen Klosters. Sie wurde im Jahre 1332 geweiht und diente jahrhundertelang als Pfarrkirche für die Bewohner der Insel. Heute ist die Inselkirche Sitz der evangelischen Kirchengemeinde Hiddensee.

Lietzenburg

Hauptartikel: Lietzenburg

Die Lietzenburg ist eine unter Denkmalschutz stehende Jugendstilvilla, die der Maler Oskar Kruse in den Jahren 1904/1905 errichten ließ. Sie ist ein Backsteinbau mit Natursteinfundament auf einem Hügel in der Nähe des Dornbuschs.

Heimatmuseum Hiddensee

Das Heimatmuseum Hiddensee ist ein schlichter Putzbau in Kloster. Es bietet eine Dauerausstellung zur Inselgeschichte mit etwa 450 Ausstellungsgegenständen, Akten, etwa 2.500 Fotografien, Postkarten und Dias sowie eine umfangreiche Bibliothek. Einige Werke bekannter Vertreter der Künstlerkolonie Hiddensee befinden sich ebenfalls im Bestand des Museums. Im Gebäude befindet sich auch die Ausstellung zu den Klostergrabungen im Jahr 2008 und die Sonderausstellung zum 100. Geburtstag von Eggert Gustavs (Stand 2008).

Vitte[Bearbeiten]

Nationalparkhaus Hiddensee

Das Nationalparkhaus wurde 1998 eröffnet. Das Haus im Norden von Vitte ist ein reetgedecktes Gebäude mit trapezförmigem Grundriss. Es beinhaltet eine Dauerausstellung über den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft mit dem Schwerpunkt Hiddensee. Die Ausstellung steht unter dem Leitspruch „Panta Rhei – Alles fließt“.

Asta-Nielsen-Haus

Das runde Gebäude, nach dem dänischen Wort für Karussell auch Karusel genannt, wurde von Asta Nielsen bewohnt.

Die Blaue Scheune

Blaue Scheune

Hauptartikel: Blaue Scheune

Die Blaue Scheune ist in ihrer ursprünglichen Anlage ein niederdeutsches Fachhallenhaus aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Seit den 1970er Jahren beherbergt es die Galerie des Besitzers Günter Fink.

Henni-Lehmann-Haus

Das Landhaus Lehmann wurde von 1907 bis 1937 als Sommersitz der Familie Henni Lehmann genutzt. Entworfen wurde der Bau durch den Schweriner Architekten Paul Ehmig. Nach einem Umbau diente das Gebäude zwischen 1938 und 1991 als Rathaus von Vitte. Seit 5. Juni 2000 heißt das Haus offiziell Henni-Lehmann-Haus und wird für Veranstaltungen und Ausstellungen sowie die örtliche Bibliothek genutzt.

Stolpersteine

Sechs Stolpersteine in Vitte erinnern an Henni Lehmann und vier weitere Malerinnen jüdischer Herkunft sowie an den Pädagogen und Politiker Adolf Reichwein, die Opfer des nationalsozialistischen Herrschaft wurden.

Neuendorf[Bearbeiten]

Leuchtfeuer Gellen-Hiddensee

Leuchtfeuer Gellen

Das 12,30 m hohe Bauwerk (Feuerhöhe 10 m), ein Leit- und Quermarkenfeuer, befindet sich südlich von Neuendorf an der nördlichen Grenze des Gellen. Es hat die Leuchtturmnummer C2586 und die Koordinaten 54° 30′ 29″ N, 13° 4′ 28″ O54.50805555555613.074444444444. Das Leuchtfeuer trägt die amtlichen Bezeichnung „Leuchtfeuer Gellen/Hiddensee”. Der weiße Stahlturm mit roter Galerie und kegelförmigen Dach steht auf einem Natursteinsockel. Er wurde 1904 von der Firma Julius Pintsch (Berlin) aus Gusssegmenten (Tübbings) gebaut und ist seit 1905 im Probe-, seit 1907 im Dauerbetrieb. Aus derselben Produktionsstätte (Zweigwerk Fürstenwalde/Spree) stammen u.a. die in gleicher Bauweise ausgeführten Leuchtfeuer Ranzow und Kolliker Ort (Insel Rügen) sowie der Leuchtturm Norddorf (Amrum). Das Leuchtfeuer Gellen/Hiddensee markiert die nördliche Einfahrt zum Gellenstrom, im Westen die Fahrrinne des Gellenstroms und leitet im Osten durch den Schaproder Bodden. Der Leuchtturm war auf einem 5 Millionen Mark Notgeldschein von 1923 des Kreises Rügen abgebildet. In der Briefmarken-Sonderserie der DDR "Leucht-, Leit- und Molenfeuer" aus dem Jahr 1975 zierte das Leuchtfeuer Gellen als Motiv die 10 Pfennig Briefmarke.

Gemeindehaus „Uns Tauflucht“

Damit auch in Neuendorf das Abhalten von Gottesdiensten möglich wurde, hat man vor einigen Jahren das Gemeindehaus „Uns Tauflucht“ (Unsere Zuflucht) neu errichtet. Neben ökumenischen Gottesdiensten wird es aber auch für Gemeindeveranstaltungen wie Vorträge und Konzerte genutzt.

Fischereimuseum „Lütt Partie“

In den Jahren 2006/2007 wurde ein ehemaliger Netz- und Geräteschuppen zum Fischereimuseum Lütt Partie (Kleine Einheit) umgebaut. Der Name ist noch aus Zeiten, als er noch in seiner damaligen Bestimmung war. Es gab damals einen großen und einen kleinen Netz- bzw. Geräteschuppen, der eine hieß im Volksmund Grod Partie, der kleinere Lütt Partie. Seit 2007 präsentieren und erklären Fischer der Insel dort Fischereigeräte und erzählen zur Fischereigeschichte und Geschichten aus dem Arbeitsalltag von früher und heute.

Kultur[Bearbeiten]

Die Insel Hiddensee genoss ab Anfang des 20. Jahrhunderts den Ruf einer Künstlerkolonie. Künstler aller Art verbrachten hier die Sommermonate und hielten ihre Eindrücke in ihrer Arbeit fest. In der Blauen Scheune in Vitte, dem Sommersitz von Henni Lehmann, traf sich von 1922 bis 1933 der „Hiddenseer Künstlerinnenbund“. Auch während der Zeit der DDR hielten sich zahlreiche Künstler regelmäßig auf Hiddensee auf und reflektierten den Alltag und die einmalige Landschaft in ihren Gemälden, Blättern und Büchern. Des Weiteren gibt es ein Zeltkino und die Seebühne (Figurentheater) in Vitte und die Galerien Am Seglerhafen in Vitte und Am Torbogen in Kloster.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

die auf Hiddensee wohnten oder häufig weilten oder hier arbeiteten oder noch immer auf der Insel leben (alphabetisch):

  • Erich Arendt (Lyriker und Übersetzer) hatte ein Haus auf Hiddensee
  • Elisabeth Büchsel (Malerin) Sommerwohnung im Haus der Familie Gau am südlichen Ende von Vitte
  • Werner Buhss, (Dramatiker und Übersetzer) ist den größten Teil des Jahres in Kloster mit dem Verfassen von Nachdichtungen der Dramen Gorkis, Shakespeares oder Tschechows befasst
  • Hanns Cibulka (Schriftsteller) zwischen 1970 und 1985 häufiger Gast in Kloster; Verfasser gern gekaufter Bücher über Hiddenseer Landschaften, z. B. „Sanddornzeit“, „Seedorn“
  • Manfred Domrös (Pastor) – Inselpastor von 1986 bis 2008, Mitbegründer der Initiative „Schwerter zu Pflugscharen“ in der DDR
  • Albert Einstein (Physiker) – von seinen Aufenthalten kündet eine metallene Gedenkplatte an der Vogelwarte der Universität Greifswald in Kloster: Hier weilte Albert Einstein mehrfach während seiner Besuche auf Hiddensee.
  • Felix Emmel erwarb 1921 ein Haus in Vitte am Hafen, welches nach 1989 in den Besitz seiner Nachkommen gelangte.
  • Alexander Ettenburg (Schauspieler, Dichter) – bekannt als „Einsiedler von Hiddensee“
  • Hans Fallada (Schriftsteller) schrieb 1933 im Gasthaus Freese „Hotel am Meer“ im Örtchen Neuendorf seinen Roman Kleiner Mann – was nun?.
  • Walter Felsenstein (Opernregisseur – in Kloster auf Hiddensee begraben). Landhaus „Pjerregard“ Hügelweg 19 am Ortsrand von Kloster.
  • Günter Fink (Maler) stellte seit 1949 in Vitte am Norderende und in der Blauen Scheune aus, die er 1955 erwarb. Die Blaue Scheune gehört heute seiner Witwe Helga Fink.
  • Otto Gebühr (Schauspieler) – Haus in Kloster, 1934 erstmals auf Hiddensee als „Kaffeetrinker“ im „Gasthaus zur Heiderose“
  • Arnold Gustavs, der „alte Pastor“ – Heimatchronist und Autor, sowie sein Sohn, der Maler Eggert Gustavs
  • Gerhart Hauptmann (Schriftsteller) wohnte zwischen 1896 und 1899 jeden Sommer im „Gasthof zur Ostsee“ in Vitte, danach in der ehemaligen Pension „Haus am Meer“ (ist heute die Vogelwarte in Kloster); erwarb 1930 das Haus „Seedorn“ in Kloster, das heute als Gedenkstätte dient; er ist auf dem Inselfriedhof begraben.
  • Erich Heckel (Maler, Mitglied der „Brücke-Gruppe“) – verbrachte 1912 einen erholsamen Sommerurlaub in Grieben, schuf insgesamt 35 Bilder nach Landschaften von Hiddensee.
  • Hanns Dieter Hüsch (Kabarettist, Schauspieler, Autor) – weilte in den Sommern seit den 90er Jahren mehrfach auf Hiddensee, div. Programme in der Inselkirche
  • Werner Klemke (Maler und Illustrator) mit eigenem Haus auf Hiddensee.
  • Käthe Kollwitz weilte in den 1920er Jahren oft auf Hiddensee und war zu Gast bei dem Maler Klein-Diepold ganz im Süden von Vitte.
  • Käthe Kruse (Puppenherstellerin)
  • Oskar Kruse (Maler) war Bauherr der „Lietzenburg“ auf Hiddensee, die später sein Bruder Max mit Ehefrau Käthe Kruse übernahm.
  • Henni Lehmann (Malerin) Wiesenweg 2 in Vitte
  • Käthe Löwenthal (Malerin) (1912–1935) weilte regelmäßig im Sommer in Vitte.
  • Hermann Muthesius (Architekt) besaß seit 1912 ein Haus am Süderende in Vitte.
  • Asta Nielsen (Stummfilmstar) Haus „Karusel“ in Vitte – Am Seglerhafen
  • Nikolaus Niemeier (Kunstmaler und Dichter) wohnte seit den 1920er Jahren in einem eigenen Haus am Norderende in Vitte; er schuf die Blumenmalerei in der Inselkirche in Kloster und verfasste Gedichte in niederdeutscher Sprache.
  • Gret Palucca (Tänzerin) – 1948 erstmals auf der Insel; seit den 1960er Jahren besaß sie ein eigenes Sommerhaus am Norderende in Vitte. Palucca wurde 1993 auf dem Inselfriedhof in Kloster beerdigt.
  • Gisela Peschke (Malerin)
  • Rosemarie Reichwein und ihr Mann Adolf Reichwein (Reformpädagoge, Mitglied des Kreisauer Kreises) besaßen seit den 1930er Jahren ein Sommerhaus auf Hiddensee, das Hexenhaus, welches sich seit 1990 wieder in Familienbesitz befindet.
  • Joachim Ringelnatz (Dichter) war häufig Gast bei Asta Nielsen.
  • Robert Rompe (Physiker) besaß ein Sommerhaus in Kloster und ist auf dem Inselfriedhof beerdigt.
  • Aljoscha Rompe (DDR-Punk-Musiker) veranstaltete „Strand-Konzerte“ auf Hiddensee.
  • Torsten Schlüter (Maler) hat auf Hiddensee sein zweites Atelier, arbeitet seit 1983 auf Hiddensee
  • Renate Seydel (Schriftstellerin) Herausgeberin von Anthologien über Hiddensee, Inhaberin der Buchhandlung Koralle in Vitte
  • Thomas Wilkening (Fernsehproduzent) starb auf Hiddensee
  • Stefan Wolter (Historiker, Gründer der Initiative Denk-MAL-Prora) beschrieb seine Jugenderlebnisse der 1980er Jahre im „Hotel am Meer“ in Neuendorf.[12]

Sonstiges[Bearbeiten]

Die Insel Hiddensee wird von den Einheimischen auch „Sötes Länneken“, süßes Ländchen, genannt.

Weil in der Weimarer Zeit viele Mitglieder der Berliner Bohème ihre Sommerfrische auf Hiddensee verbrachten, nannte man die Insel in der Hauptstadt auch das „Romanische Café unter den Ostseeinseln“.[13]

In Martha Müller-Grählerts Gedicht Meine Heimat von 1908, welches später als Lied Wo de Ostseewellen … weltweit berühmt wurde, soll die Zeile „Sehnsucht na dat lütte, kahle Inselland, wo de Ostseewellen trecken an den Strand …“ Bezug auf Hiddensee haben. 1974 veröffentlichte Nina Hagen den Hit Du hast den Farbfilm vergessen, in dem es heißt: „Hoch stand der Sanddorn am Strand von Hiddensee …“. Auch das bekannte Duo De Plattfööt besingt „Hiddensee, Land zwischen Luv un Lee“.

Leuchtturm Panorama 3 med.jpg
Panoramabild mit Blick auf den alten und neuen Bessin

Ein Flugkörperschnellboot der Bundesmarine trug von 1990 bis zu seiner Außerdienststellung 1996 den Namen Hiddensee.

Das Seenotrettungsboot Nausikaa der DGzRS ist in Vitte stationiert.

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

Auf der Insel wächst Sanddorn in großen Mengen. Seine Früchte werden zu alkoholischen (Sanddornlikör und Sanddorngeist) und alkoholfreien Getränken (kalter und heißer Sanddornsaft), vitaminhaltigen Speisen (Sanddorntorte und -eis) sowie Kosmetika u. a. verarbeitet. Daneben dominiert bei den heimischen Produkten Fisch, vor allem frisch gefangen und geräuchert. Eine Besonderheit ist der Hiddenseer Schmoraal, für den jede alteingesessene Hiddenseer Familie und jedes Restaurant ein eigenes Rezept hat. Inzwischen hat auch der Boddenzander seine kulinarische Qualität bewiesen.

Hausmarken[Bearbeiten]

Hausmarken auf einem Wegweiser in Neuendorf

An vielen Häusern auf Hiddensee sind heute noch ihre traditionellen Hausmarken angebracht.

Filme[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Herbert Ewe: Hiddensee. VEB Hinstorff Verlag, Rostock 1983.
  • Karl Ebbinghaus: Hiddensee Historie * Heimat * Humor. Ruth Gerig, Königstein/Taunus 1991, ISBN 3-928275-02-X.
  • Michael Baade, Wolf-Dietmar Stock: Hiddensee. Insel der Fischer, Maler und Poeten. Atelier im Bauernhaus, Fischerhude 1992, ISBN 3-88132-248-5.
  • Karin Blase: Hiddensee A–Z. Demmler Verlag, Schwerin 2000, ISBN 3-910150-16-0.
  • Günter Möbus: Wie Hiddensee zur Insel wurde. Helms Verlag, Schwerin 2001, ISBN 3-931185-87-7.
  • Marion Magas (Hrsg.): Versteckte Insel im verschwundenen Land. Mit Texten von G. Kunert, V. Braun und anderen, Eigenverlag, 2001, ISBN 3-00-018132-6.
  • Unda Hörner: Auf nach Hiddensee! Die Bohème macht Urlaub. Edition Ebersbach, Berlin 2003. ISBN 978-3-934703-60-5.
  • Ruth Negendanck: Hiddensee. Die besondere Insel für Künstler. Atelier im Bauernhaus, Fischerhude 2005, ISBN 3-88132-288-4.
  • Lutz Mohr: Hiddensee - Das "Capri" Mecklenburg-Vorpommerns. Zur Geschichte und Sagenwelt der Insel und ihres verschollenen Klosters. In: Stier und Greif. Blätter zur Kultur- und Landesgeschichte in Mecklenburg-Vorpommern. Jg. 18, Schwerin 2008, S. 123-141
  • Marion Magas: Wie sich die Malweiber die Ostseeküste eroberten. Eigenverlag 2008, ISBN 978-3-00-023779-9.
  • Manfred Faust: Hiddensee. Die Geschichte einer Insel. Demmler Verlag, Ribnitz-Damgarten 2009, ISBN 978-3-910150-67-6.
  • Adolf von Wilbrandt: Hiddensee, Hrsg. Ute Fritsch, Verlag Jena 1800, Jena 2009, ISBN 978-3-931911-37-9 (Neuauflage des ältesten Hiddensee-Romans von 1910 mit historischen Bildern zu den Schauplätzen)
  • Arved Jürgensohn: Hiddensee, das Capri von Pommern. Neisse Verlag, Dresden 2013, ISBN 978-3-86276-091-6. (Nach der Originalausgabe Kloster auf Hiddensee / Liegnitz 1924).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hiddensee – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Hiddensee – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2012 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Sonnenschein. Rügen hält die Spitze. In: Südkurier vom 3. Januar 2009
  3. Schatzsucher. Eine Chronik des Grimmener Erdölbetriebes. Erdölmuseum Reinkenhagen
  4. Marion Magas: Hiddensee – Versteckte Insel im verschwundenen Land. DDR-Zeitzeugnisse von Inselfreunden und Lebenskünstlern; Berlin 22010, S. 31-40, 57-59, 171-174. ISBN 3-00-018132-6.
  5. http://www.amt-west-ruegen.de/Amt/inhalt/aktuellesLang.php?aktId=524#parteien
  6. Merkel machte Wahlkampf auf Hiddensee. Abgerufen am 12. September 2010.
  7. Kommunalwahl auf Hiddensee ungültig. Abgerufen am 22. September 2010.
  8. Nachricht in der Ostseezeitung.
  9. Hiddensee hat einen neuen Bürgermeister. Abgerufen am 22. September 2010.
  10. Hauptsatzung § 2 Abs.1 (PDF; 264 kB)
  11. Hauptsatzung § 2 Abs.2 (PDF; 264 kB)
  12. Stefan Wolter: Der Prinz und das Proradies, Projekte-Verlag, Halle 2009,ISBN 978-3-86634-808-0
  13. Georg Zivier: Romanisches Café, Berlin 1965, S. 92
Dies ist ein als lesenswert ausgezeichneter Artikel.
Dieser Artikel wurde am 16. August 2006 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.