Heide Simonis

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Heide Simonis bei Markus Lanz (2011)

Heide Simonis, geb. Steinhardt (* 4. Juli 1943 in Bonn), ist eine ehemalige deutsche sozialdemokratische Politikerin.

Von 1988 bis 1993 war sie Finanzministerin und von 1993 bis 2005 Ministerpräsidentin des Landes Schleswig-Holstein. Von 2005 bis 2008 war sie Vorsitzende von UNICEF Deutschland.[1]

Sie stand als erste Frau an der Spitze einer deutschen Landesregierung und ist sechste Ehrenbürgerin Schleswig-Holsteins (die erste weibliche).

Leben[Bearbeiten]

Familie[Bearbeiten]

Heide Simonis ist die erste von drei Töchtern von Horst und Sophia Steinhardt. Ihre Schwestern heißen Doris und Barbara. Simonis' Vater stammte aus einer Königsberger Kaufmannsfamilie, ihre Mutter aus einer rheinischen Handwerkerfamilie. Nach seiner Kriegsrückkehr arbeitet der Vater bei der damaligen Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und wurde Verwaltungsdirektor.[2] Ihre Mutter war kurzzeitig als zweite Sekretärin des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer berufstätig. Ihren Vater bezeichnet Simonis als politisch „deutsch-national“, ihre Mutter als „noch weiter rechts“.[3]

Seit 1967 ist Simonis mit dem Volkswirt Udo Ernst Simonis verheiratet, den sie während des Studiums in Kiel kennenlernte und der als Professor für Ökonomie an der Technischen Universität Berlin und Forschungsprofessor für Umweltpolitik am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung tätig war.[4] Die Ehe ist kinderlos.

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

In ihrer frühen Kindheit litt Simonis an schwerem Asthma, weswegen sie ab ihrem dritten Lebensjahr längere Zeiträume in Kinderheimen in Bad Soden, Freudenstadt, Garmisch-Partenkirchen und im Westerwald verbrachte, die sie sehr positiv in Erinnerung hat. Bedingt durch den Umzug der Familie, zunächst nach Hamburg, später nach Nürnberg, besuchte sie verschiedene Schulen. Ihr Abitur legte sie 1962 an einem evangelischen Mädchengymnasium in Nürnberg ab, wo sie als Klassensprecherin sowie als stellvertretende Schulsprecherin fungierte.

Studium und Beruf[Bearbeiten]

Ursprünglich plante Simonis Physik in München zu studieren, entschied sich dann jedoch aufgrund von Zweifeln und Bedenken ihrer Mutter für ein Studium der Volkswirtschaftslehre an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Bedingt durch einen erneuten Umzug der Familie nach Kiel, wo ihr Vater eine Anstellung gefunden hatte, setzte sie ihr Studium an der dortigen Christian-Albrechts-Universität fort. 1967 legte sie ihr Examen ab und erlangte den akademischen Grad der Diplom-Volkswirtin.

Von 1967 bis 1969 lebte das Ehepaar Simonis in Lusaka im afrikanischen Staat Sambia, wo Udo Simonis als persönlicher Berater des Präsidenten Kenneth Kaunda tätig war und Projekte zur Landesentwicklung erarbeitete.[4] Heide Simonis gab währenddessen Deutschunterricht an der Universität Lusaka und arbeitete später bei Zambian Airways. Sie beteiligte sich außerdem an von der Kirche initiierten Entwicklungsprojekten.

Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland arbeitete Simonis zunächst als Sekretärin am Institut für Finanzen in Kiel. 1970 erhielt ihr Mann als einer von zwölf Wissenschaftlern weltweit ein Stipendium der Japanischen Gesellschaft für die Förderung der Wissenschaften, was ihm eine wissenschaftliche Tätigkeit am Institut für Entwicklungsländerforschung in Tokio ermöglichte. Auch hierhin begleitete Heide Simonis ihren Mann. Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitete sie als Tutorin für Deutsch am Goethe-Institut in Tokio und als Marketing Researcher für Triumph International. Zurück in Deutschland, war sie ab 1972 Berufsberaterin für Abiturienten und Hochschüler bei der Bundesanstalt für Arbeit am Arbeitsamt in Kiel.

Politische Karriere[Bearbeiten]

Partei[Bearbeiten]

Seit 1969 ist Heide Simonis Mitglied der SPD. Von 1972 bis 1976 war sie Mitglied im Kreisvorstand der SPD in Kiel. Von 1988 bis 1991 sowie von 1993 bis 2005 war sie Mitglied des SPD-Parteivorstandes.

Abgeordnete[Bearbeiten]

Von 1971 bis 1976 war Simonis Mitglied der Kieler Ratsversammlung. 1976 wurde sie als Direktkandidatin im Wahlkreis Rendsburg-Eckernförde als damals jüngste Bundestagsabgeordnete zum Mitglied des Deutschen Bundestages gewählt, wo sie u. a. die Position der finanzpolitischen Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion einnahm. 1988 schied sie aus dem Bundestag aus.

Von 1992 bis 2005 war sie Mitglied des Landtages von Schleswig-Holstein. Heide Simonis war zuletzt mit 59,8 % der Stimmen direkt in den Landtag gewählte Abgeordnete des Wahlkreises 20 (Kiel-Ost). Am 27. April 2005 schied sie aus dem Landtag aus.

Öffentliche Ämter[Bearbeiten]

Nach dem Regierungswechsel in Schleswig-Holstein wurde sie am 31. Mai 1988 von Björn Engholm in das Amt der Finanzministerin berufen. Nach dem Rücktritt von Günther Jansen wurde sie am 10. März 1993 zusätzlich Stellvertreterin von Ministerpräsident Björn Engholm. Von August 1990 bis Mai 1993 war sie als Finanzministerin Vorsitzende der „Tarifgemeinschaft deutscher Länder“ (TdL). Hier wurde sie für ihre harte Hand bei den Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst 1992 bekannt, als sie die Forderung der ÖTV von 9,5 % auf 5,4 % herunter handelte. Führende sozialdemokratische Politiker, wie der damalige niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder, hatten sie zuvor aufgefordert, sich nachgiebiger zu verhalten.

Als Björn Engholm am 3. Mai 1993 ebenfalls zurücktrat, wurde Heide Simonis am 19. Mai 1993 in das Amt der Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein gewählt. Sie war damit die erste und bis zur Wahl von Christine Lieberknecht zur Thüringer Ministerpräsidentin im Jahr 2009 einzige Frau, die als Ministerpräsidentin an der Spitze eines Bundeslandes stand. Nachdem die SPD bei der Landtagswahl von 1996 die absolute Mehrheit verloren hatte, bildete sie mit den Grünen eine Koalition, die auch bei der Landtagswahl 2000 bestätigt wurde. In ihrer Regierungszeit kam es 2002 zur Lohmann-Affäre.

Auf Grund des Ergebnisses der Landtagswahl vom 20. Februar 2005 war die Frage der Regierungsbildung unsicher, da SPD und Grüne zusammen nur über 33 Mandate und CDU und FDP gemeinsam über 34 Mandate verfügen konnten. Eine Große Koalition unter der Führung der CDU hatte Heide Simonis am 21. Februar 2005 in der Talkshow „Beckmann“ mit den Worten „Und wo bleibe ich dabei?“ ausgeschlossen. Entscheidend war daher die Frage, wie sich die beiden Abgeordneten des Südschleswigschen Wählerverbands verhalten würden. Nachdem sich der SSW zur Tolerierung einer rot-grünen Minderheitsregierung entschlossen hatte („Dänenampel“), galt die Wiederwahl von Simonis als sicher.

Bei der konstituierenden Sitzung des Landtages am 17. März 2005 stellte sich neben Simonis auch der CDU-Landesvorsitzende Peter Harry Carstensen zur Wahl. Simonis konnte in vier Wahlgängen die erforderliche Mehrheit der Stimmen nicht auf sich vereinen. Ein Abgeordneter der verabredeten Koalition oder des SSW enthielt sich im Parlament der Stimme, obgleich die Fraktionen nach zwischenzeitlich abgehaltenen Sitzungen vermeldeten, in Probeabstimmungen habe es bei SPD und Grünen weder Gegenstimmen noch Enthaltungen gegeben. Bis heute wird spekuliert, wer Simonis die Stimme verweigerte („Heidemörder“-Debatte). Nach Stimmengleichheit im vierten Wahlgang mit je 34 Stimmen für Carstensen und sie stand Simonis für einen weiteren Wahlgang nicht mehr zur Verfügung (siehe auch Wahl des Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein 2005). Bis zur Wahl von Peter Harry Carstensen im fünften Wahlgang am 27. April 2005 führte sie als Ministerpräsidentin eine geschäftsführende Landesregierung.

Kabinette[Bearbeiten]

Gesellschaftliches Engagement[Bearbeiten]

Von 1999 bis 2002 war Simonis Mitglied im Beratungsgremium des WHO-Zentrums für Gesundheitsentwicklung in Kōbe für die Region Europa. Der Initiative Schüler Helfen Leben half Heide Simonis in Ihrer Entstehungsphase – und ermöglichte der Initiative den ersten Sozialen Tag in Schleswig Holstein zu veranstalten. Sie ist Mitglied im Stiftungskuratorium der Stiftung von Schüler Helfen Leben.

Der Stark-Preis wurde von Simonis ins Leben gerufen und jährlich verliehen.

Im Oktober 2005 wurde Heide Simonis, die selbst keine Kinder hat, zur ehrenamtlichen Vorsitzenden von UNICEF Deutschland gewählt. Auf diese Organisation kam sie erstmals im Herbst 1995 zu, um eine Hilfsaktion für die Kinder während der Jugoslawienkriege zu unterstützen. Seither tritt sie regelmäßig für UNICEF ein. 2001 unterstützte sie besonders die Kampagne Bringt die Kinder durch den Winter, um Kinder in Afghanistan mit dem Nötigsten zu versorgen. Im Januar 2002 reiste sie unmittelbar nach dem Sturz der Taliban nach Kabul und besuchte UNICEF-Projekte in Schulen und Krankenhäusern. Im Mai 2005 wurde sie in den Vorstand des Deutschen Komitees gewählt. Am 17. Oktober 2005 wurde sie zur Vorsitzenden von UNICEF Deutschland gewählt und löste damit Reinhard Schlagintweit ab. In die Amtszeit von Ex-Ministerpräsidentin Heide Simonis fällt nach einem Bericht der Frankfurter Rundschau im November 2007 ein Spendenskandal des Kinderhilfswerks.[5] Als Folge davon trat sie am 2. Februar 2008 als Vorsitzende von UNICEF Deutschland zurück.[1] Das in diesem Rahmen eingeleitete Ermittlungsverfahren gegen den damaligen Geschäftsführer des Kinderhilfswerkes, Dietrich Garlichs, wurde später eingestellt.

Im Frühjahr 2006 nahm Simonis am Fernseh-Tanzturnier Let’s Dance des Senders RTL teil. Dies verstand sie als Teil ihres Engagements für das Kinderhilfswerk der Unicef. Die Bild-Zeitung begleitete die Fernsehsendung mit einer Kampagne gegen Simonis („Hoppel-Heide“).[6] Simonis trat unter Angabe gesundheitlicher Gründe von dem Tanzturnier zurück.

Im Frühjahr 2010 machte sie bei der Sendung Die Promi-Pauker, die bei ZDFneo ausgestrahlt wurde, mit. In der Sendung musste sie als Lehrerin in einer sechsten Klasse unterrichten. Im Dezember 2011 nahm sie an der VOX-Kochsendung wer isst besser? teil.

2010/2011 wurde sie von der DLH und der Flugbegleitergewerkschaft UFO als Schlichterin verpflichtet und schlichtete den zuvor fast 2 Jahre erfolglos geführten Tarifkonflikt, der sich maßgeblich um die Arbeitsbedingungen des Kabinenpersonals der Lufthansa dreht.

Sonstiges[Bearbeiten]

Simones überstand im Jahr 2002 eine Brustkrebserkrankung. 2014 machte sie ihre Parkinsonerkrankung öffentlich, an der sie seit 2012 leide.[7]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Heide Simonis tritt zurück, Stern.de, 2. Februar 2008
  2. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,65177,00.html, Spiegel Online, 18. Februar 2000
  3. Deutschlandfunk, DLF-Magazin, Zeitzeugen im Gespräch: Heide Simonis, 30. August 2007
  4. a b Vita Udo Ernst Simonis beim Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, 25. Juni 2006
  5. Web-Dossier der Frankfurter Rundschau
  6. Das hat Tanz-Heide nicht verdient!. In Stern, 8. Mai 2006
  7. Heide Simonis: Und was wird aus mir? Eine Ehrenbürgerin! DIE WELT vom 30. Juni 2014
  8. Japanischer Orden für Simonis
  9. Schleswig-Holsteinischer Meilenstein, Seite der Sinti und Roma Schleswig-Holstein, abgerufen 1. Juli 2014
  10. Und was wird dann aus mir? Eine Ehrenbürgerin! auf welt.de, abgerufen 1. Juli 2014

Weblinks[Bearbeiten]