Taras Schewtschenko

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Taras Hryhorowytsch Schewtschenko (ukrainisch Тарас Григорович Шевченко, wiss. Transliteration Taras Hrihorovič Ševčenko; * 25. Februarjul./ 9. März 1814greg. in Morynzi, Gouvernement Kiew; † 26. Februarjul./ 10. März 1861greg. in Sankt Petersburg) war der bedeutendste ukrainische Lyriker.

Taras Schewtschenko; Selbstbildnis, Tuschezeichnung 1843

Leben[Bearbeiten]

Taras Schewtschenko (Reproduktion einer Fotografie von 1859)

Schewtschenko wurde im Dorf Morynzi bei Kiew als Sohn von Leibeigenen geboren. Da die Leibeigenschaft in der Ukraine erst wenige Jahre vorher eingeführt worden war, war seine Familie des Lesens und Schreibens kundig und konnte Taras bereits in jungen Jahren Religion, Kultur und Literatur nahebringen. So arbeitete er einerseits als Hirtenjunge, konnte aber andererseits die Schule besuchen und las bereits mit 13 Jahren Werke von Hryhorij Skoworoda und Iwan Kotljarewskij, Begründern der ukrainischen Literatur und Philosophie. Früh entdeckte man auch ein Talent zum Zeichnen und Malen. Mit elf Jahren wurde Schewtschenko Vollwaise; einige Jahre später wurde er von seinem Gutsherrn als Kammerdiener eingestellt und begleitete diesen auf vielen Reisen nach Polen, Litauen und Petersburg. Man erlaubte ihm, bei einem Petersburger Maler in die Lehre zu gehen. Durch das Leben in Petersburg, dem Zentrum des russischen Geisteslebens, und die Bekanntschaft mit seinem Landsmann Soschenko erfuhr Schewtschenko innerhalb weniger Jahre eine umfassende Bildung. Er unternahm seine ersten Versuche als Dichter und fand Freunde und Anerkennung in literarischen Zirkeln. Der seelische Zwiespalt, immer noch Leibeigener zu sein, und die Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung belasteten ihn; letztere würde sich zeitlebens wie ein roter Faden in seinen Werken finden. 1838 konnte er sich mit finanzieller Unterstützung einflussreicher Freunde, u. a. des russischen Malers Karl Pawlowitsch Brjullow, aus seiner Unfreiheit loskaufen. Er wurde Student an der Akademie der Künste und finanzierte sein Leben in Petersburg durch seine Arbeit als Maler.

Seit 1838 konzentrierte sich Schewtschenko stärker auf seine literarische Arbeit. Mit seinen ersten Veröffentlichungen ab 1840 zeigte sich die Besonderheit seiner Rolle als Dichter: Einerseits eine bäuerliche, aus Knechtschaft und Unfreiheit geborene Stimme, andererseits kultiviert und hochgebildet, verarbeitete er diese Elemente seiner Persönlichkeit auf ganz neue Weise in seiner Dichtung. Bereits sein erster Gedichtband, Kobzar, wurde nur stark zensiert herausgegeben, dennoch erfuhr er tiefgreifende Resonanz bei der russischen Intelligenz. Man bescheinigte ihm Talent, kritisierte jedoch scharf die Tatsache, dass er die „bäuerliche“ ukrainische Sprache, vermeintlich ein primitiver Dialekt des Russischen, für seine Dichtung gewählt hatte.

Taras Schewtschenko in Donezk (Ukraine)

In den darauffolgenden Jahren entstanden – beeinflusst durch zahlreiche Reisen durch seine Heimat, wo Schewtschenko erneut Unfreiheit und Armut, aber auch den alten Zeugnissen ukrainischer Kultur begegnete – immer mehr Werke mit unverhüllt rebellischem Unterton, die ihm in allen Schichten stürmische Bewunderung verschafften. Schewtschenko wurde mit seinem Stil zum Prototyp des ukrainischen Romantikers.

Nachdem sich Schewtschenko Ende der 1840er-Jahre einer idealistisch-revolutionären Vereinigung, der „Kyrillo-Methodianischen Bruderschaft“ in Kiew, angeschlossen hatte, wurde er 1847 zum Dasein als Soldat verurteilt. Man verbannte ihn, untersagte ihm auf Lebenszeit die Rückkehr in die Ukraine und jede dichterische Tätigkeit. Später verbrachte er wegen Verdachts auf Verschwörung einige Zeit im Zuchthaus. Seit 1850 wurde er in der Festung Nowopetrowsk (heute Fort Schewtschenko, Kasachstan) am Kaspischen Meer unter strenger Aufsicht festgehalten. Trotz Schreib- und Malverbots entstanden in dieser Zeit Dichtungen, die unter Pseudonym von Freunden veröffentlicht wurden sowie Gemälde, die er sogar verkaufen konnte.

1857 erreichten einflussreiche Freunde Schewtschenkos Entlassung aus Nowopetrowsk; er lebte und arbeitete unter strengster Zensur in Petersburg, unterstützt von wohlhabenden Freunden und gefeiert, aber auch gefürchtet von der russischen Gesellschaft. 1861 litt er an Angina pectoris und starb umgeben von seinen Freunden. An seiner Beerdigung in Petersburg nahmen zahlreiche Menschen teil, darunter die russischen Dichter Dostojewski, Nekrassow, Saltykow-Schtschedrin und Leskow. Bereits am 26. April/8. Mai 1861 wurden die sterblichen Überreste in die Ukraine überführt und in Kaniw am Ufer des Dnepr beigesetzt, wie Schewtschenko es sich in seinem Gedicht Sapowit gewünscht hatte. Ihm zu Ehren ist dort, am Hang des (nach ihm benannten) Taras-Berges, eine Gedenkstätte errichtet.

Ehrungen[Bearbeiten]

Taras Schewtschenko wird in der Ukraine als die bedeutendste historische und literarische Gestalt verehrt. Gedichte wie Sapowit („Vermächtnis“) aus seiner Gedichtsammlung Kobsar, sind bis heute im Bewusstsein aller Generationen und Gesellschaftsschichten tief verankert. Bei den Kundgebungen der Orange Revolution 2004 auf dem Majdan in Kiew und des Euromaidan 2013/2014 wurden wieder und wieder Gedichte von Taras Schewtschenko rezitiert.[1]

In der Ukraine sind ihm zu Ehren viele Straßen, Plätze und Orte nach ihm benannt, siehe dazu auch Rajon Schewtschenko, Schewtschenkowe und Korsun-Schewtschenkiwskyj.

In Kiew gibt es, neben einem Taras-Schewtschenko-Boulevard und einem Taras-Schewtschenko-Denkmal im Schewtschenko-Park ein Taras-Schewtschenko-Opernhaus, ein Schewtschenko-Museum sowie die bekannteste Kiewer Universität, die nach ihm benannt ist.

Ebenfalls wird ein nationaler Taras-Schewtschenko-Preis der Ukraine an verdiente Künstler verliehen.

Werke[Bearbeiten]

Lyrik[Bearbeiten]

  • Kateryna, 1838
  • Kobsar (Gedichtsammlung), 1840
  • Die Hajdamaken, 1841
  • Tschyhyryn, 1844
  • Kawkas („Kaukasus“), 1845
  • Cholodnyj Jar („Die kalte Schlucht“), 1845
  • Sapowit („Vermächtnis“), 1845

Werkausgaben[Bearbeiten]

  • Taras Schewtschenko. Der Kobsar. Moskau: Verlag für fremdsprachige Literatur, 1962.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Taras Schewtschenko – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Taras Schewtschenko – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Larisa Denisenko: In der Stille danach, Süddeutsche Zeitung, 27. Februar 2014.