Krauss-Maffei Wegmann

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Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co. KG
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Rechtsform GmbH und Co. KG
Gründung 1999
Sitz München, Deutschland
Leitung Frank Haun (Geschäftsführer), Manfred Bode (Aufsichtsratsvorsitzender)
Mitarbeiter 3140 (2010)[1]
Umsatz 898 Mio. Euro (2010)[1]
Branche Rüstungsindustrie
Website www.kmweg.de

Die Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co. KG (KMW) ist ein deutsches Rüstungsunternehmen mit Sitz in München, das vorrangig militärische Rad- und Kettenfahrzeuge und Pioniergeräte entwickelt, produziert sowie vertreibt und in diesem Produktbereich Marktführer in Europa ist. Der Umsatz von KMW mit Rüstungsgütern belief sich 2012 auf 1 Milliarde Dollar.[2]

KMW-Fahrzeuge sind unter anderem der ATF Dingo, Fennek, Mungo, GTK Boxer (in Kooperation mit Rheinmetall), MARS, Panzerhaubitze 2000, Leopard 1, Leopard 2 und der Schützenpanzer Puma (im Joint Venture mit Rheinmetall). Ferner betreut das Konsortium als Wartungspartner und Ersatzteilproduzent alle anderen gepanzerten Waffensysteme des deutschen Heeres, wie den Flugabwehrkanonenpanzer Gepard, Bergepanzer Büffel oder auch den Minenwerfer Skorpion.

Am 1. Juli 2014 wurde zwischen den nahezu gleich großen Unternehmen KMW und Nexter, das dem französischen Verteidigungsministerium untersteht, beschlossen, bis Frühjahr 2015 zu fusionieren. Hierzu soll eine Holding namens Kant gegründet werden, die zu gleichen Teilen von den jetzigen Eignern von KMW und Nexter gehalten wird.[3]

Leopard 2A5 von Krauss-Maffei Wegmann

Geschichte[Bearbeiten]

Das Unternehmen Wegmann & Co. wurde 1882 in Kassel als Casseler Waggonfabriken von Wegmann, Harkort & Co. durch Peter Wegmann und Richard Harkort gegründet. 1912 erfolgte die Übernahme durch August Bode und Conrad Köhler. In den 30er Jahren spezialisierte sich das Unternehmen auf Reisezugwagen und militärische Fahrzeuge, während des Zweiten Weltkrieges wurden Zwangsarbeiter eingesetzt.[4]

Nach der Wiederbewaffnung übernahm das Unternehmen in den 1960er Jahren die Entwicklung und den Bau von Turmsystemen für Gerätschaften der neu gegründeten Bundeswehr, darunter auch der Kampfpanzer Leopard 1 und 2.

1838 gründete Joseph Anton von Maffei die erste Münchner Lokomotivfabrik. Diese wurde 1931 von Krauss & Co. übernommen und firmierte ab da unter dem Namen Krauss-Maffei AG. Ähnlich wie Wegmann begann auch Krauss-Maffei in den 30er Jahren mit der Entwicklung militärischer Produkte. Die Serienfertigung des Leopard 1 begann 1963, mit Krauss-Maffei als Generalunternehmer.

Krauss-Maffei Wegmann (KMW) entstand 1999 als Zusammenschluss der Rüstungsaktivitäten von Krauss-Maffei, einer damaligen Tochtergesellschaft der Mannesmann AG, und der Firma Wegmann & Co., welche sich mehrheitlich in Besitz der Familie Bode befand.[5] Seitdem ist die KMW auf dem Gebiet der Kampfpanzer bis hin zu Artillerie oder Flugabwehr einer der führenden Hersteller in Europa. Der Firmensitz ist in München. Tochterunternehmen von KMW sind unter anderem auf dem Gebiet der elektronischen Wehrtechnik tätig.

Dingo 1 (Version ATF2)
KMW Panzerung an einem Iveco Trakker

Nach der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone wurde der Industriebereich von Mannesmann (zusammengefasst unter dem Namen Atecs) an Siemens und Bosch verkauft. Siemens hielt seit dem Jahr 2000 einen 49-%-Anteil an KMW, die restlichen 51% der Unternehmensanteile waren im Besitz der Wegmann & Co. GmbH, einer Tochtergesellschaft der Wegmann & Co. Unternehmens-Holding KG.[6] Diese befindet sich vor allem im Eigentum der Nachkommen des Unternehmers August Bode [7][8].

Manfred Bode hatte lange das Geschäft geleitet, nach 2000 wurde Frank Haun erster familienfremder Manager an der Firmenspitze.[9]

Ende 2006 (zum 31. Januar 2007) übernahm KMW die Wehrtechnik-Sparte von Blohm + Voss Industries (BVI), die nun unter dem Namen KMW Schweißtechnik firmiert.

Am 17. Dezember 2010 verkaufte Siemens seinen 49%-Anteil an die Wegmann und Co. Unternehmens-Holding KG, die bereits die Stimmrechtsmehrheit von 51% besaß.[10]

2012 übernahm KMW die Schutzsparte für Zivilfahrzeuge von EDAG[11] sowie das britische Unternehmen WFEL Ltd., einem Hersteller von mobilen taktischen Brücken.[12]

Am 1. Juli 2014 wurde zwischen KMW und Nexter beschlossen, bis Frühjahr 2015 unter einer gemeinsamen 50:50-Holding namens KANT (Synonym für KMW And Nexter Together)[13] zusammenzugehen.[14][15]

Im Dezember 2014 unterzeichnete KMW mit Diehl Defence einen Vertrag über den Erwerb des operativen Geschäfts der Diehl Defence Land Systems GmbH, einem weltweit führenden Hersteller von Gleisketten und Laufwerkskomponenten.[16]

Eigentümer[Bearbeiten]

Die Eigentümerin der KMW ist die Familienholding Wegmann Unternehmens-Holding GmbH & Co. KG in Kassel. Diese gehört rund 26 stillen Teilhabern. Die Teilhaber sind Angehörige der Familien Bode, von Braunbehrens, von Maydell und Sethe und alle Nachfahren der Firmengründer oder der späteren Eigentümer von Wegmann & Co.[17][9]

Kritik[Bearbeiten]

Ab Sommer 2011 geriet das Unternehmen infolge eines möglichen Verkaufs von Leopard-2-Panzern nach Saudi-Arabien verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit. Das Königreich wollte 270 Panzer erwerben, was aufgrund der angespannten Sicherheitslage in der Region infolge des arabischen Frühlings nicht nur von der Opposition, sondern auch von einigen KMW-Eignern als kritisch angesehen wurde.[18] Nachdem es aufgrund der Kritik zu keiner schnellen Entscheidung in Deutschland kam, wurde seitens Saudi-Arabiens diese Pläne 2013 aufgegeben und stattdessen der amerikanische M1 Abrams geordert.[19]

2013 erhielt das Unternehmen den Auftrag, für das Emirat Katar 62 Leopard-2-Panzer und 24 Panzerhaubitzen herzustellen. Das Auftragsvolumen, das auch Zubehör, Transportfahrzeuge und Ausbildungseinrichtungen enthält, beträgt 1,9 Milliarden Euro. Ein entsprechender Antrag war bereits vorher vom Bundessicherheitsrat genehmigt worden.[20] Der Verkauf wurde von Jan van Aken (Die Linke) und Volker Beck (Grüne) kritisiert.[21][22]

Ebenfalls 2013 wurde über den Verdacht berichtet, ein hoher Beamter des griechischen Verteidigungsministeriums habe von einem griechischen Firmen-Vertreter Schmiergeld in Höhe von 1,7 Millionen Euro im Zuge eines Verkaufs von 170 Leopard-2-Panzern erhalten.[23] Ein ehemaliger griechischer Ex-Vertreter des Konzerns wurde daraufhin verhaftet.[24] Der Konzern leugnete daraufhin jegliche Bestechungshandlungen und beauftragte die Wirtschaftsprüfgesellschaft PricewaterhouseCoopers mit einer Untersuchung. Nach einem Bericht von Klaus Ott in der Süddeutschen Zeitung ergab sich daraus, dass KMW knapp 5 Millionen Euro an ein „Büro für Südosteuropaberatung“ der beiden ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Dagmar Luuk und Heinz-Alfred Steiner bezahlt habe. Seither sind KMW sowie die beiden Ex-Abgeordneten für Stellungnahmen in dieser Sache nicht erreichbar.[25] In diesem Zusammenhang kam es im November 2014 zu Durchsuchungen der Büros des Konzerns.[26]

Im Jahr 2015 veröffentlichte Transparency International einen Bericht in dem von Schmiergeldzahlungen beim Verkauf der Panzerhaubitze PzH 2000 nach Griechenland die Rede ist.[27]

Tochterunternehmen[Bearbeiten]

Tochterunternehmen und Beteiligungen sind:

  • ATM Computer Systeme GmbH
  • GLS Gesellschaft für logistischen Service (GLS ist seit Juni 09 mit KMW verschmolzen)
  • KMW Schweißtechnik GmbH
  • HDVS Hellenic Defense Vehicle Systems
  • Wegmann USA, Inc.
  • DDVS Dutch Defense Vehicle Systems
  • ARTEC GmbH
  • PSM GmbH
  • VPS Vehicle Protection Systems GmbH
  • VPS de México S. A.
  • WFEL Ltd. (mobile Brückensysteme)[28]

Produkte[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Krauss-Maffei Wegmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b ftd.de: Krauss-Maffei sucht neue Erlöswege (Memento vom 11. Februar 2013 im Webarchiv Archive.is) (22. April 2009)
  2. Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 1. Februar 2014, S. 16. Dort angegebene Quelle für den Rüstungsumsatz ist SIPRI, siehe auch Top 100 arms-producing and military services companies 2012
  3. http://orf.at/#/stories/2236289/ Deutsch-französischer Rüstungskonzern beschlossen, ORF.at vom 2. Juli 2014
  4. Waffenhandel: Die Panzerfamilie Der Tagesspiegel vom 12. September 2012
  5. Siemens verkauft Panzersparte noch 2002.
  6. Übersicht der Wegmann-Group. Abgerufen am 20. November 2009.
  7. Firmenprofil: Krauss-Maffei Wegmann.
  8. Das Unternehmen KMW.
  9. a b Rüstungsfirma Kraus-Maffei Wegmann - Stur wie ein Panzer Süddeutsche Zeitung 21. Juni 2012
  10. Krauss-Maffei Wegmann ; Siemens verkauft Anteil an Panzerschmiede. In: Manager Magazin. 17. Dezember 2010.
  11. Rüstungskonzern KMW panzert bald Limos Handelsblatt 31. Januar 2012
  12. German tank maker Krauss-Maffei Wegmann buys WFEL The Telegraph 23. Mai 2014
  13. Le projet KANT ou l’idée d’un Airbus de l’armement terrestre. portail-ie.fr. Abgerufen am 22. Mai 2015
  14. Deutsch-französischer Rüstungskonzern beschlossen, ORF.at vom 2. Juli 2014
  15. Spiegel.de:Kraus-Maffei und Nexter wollen fusionieren
  16. KMW will Geschäft mit Zukauf stärken Handelsblatt 18. Dezember 2014
  17. Der Panzer-Clan von Krauss-Maffei. (Memento vom 22. Juli 2012 im Webarchiv Archive.is) auf: Capital. 22. Juni 2010. Nur noch S. 1/6 online (Memento vom 22. Juli 2012 im Webarchiv Archive.is)
  18. Saudi-Arabien verliert Geduld mit Deutschland
  19. Milliardenschwerer Panzer-Deal steht vor dem Aus
  20. Ein Lehrstück politischer Inkonsequenz
  21. Deutsche Leopard-2-Panzer für Katar tagesschau.de 18. April 2013
  22. Deutsche Waffenexporte in die Golfregion boomen süddeutsche.de 7. August 2013
  23. Griechischer Ex-Politiker gesteht Schmiergeld-Deal um deutsche Panzer süddeutsche.de 28. Dezember 2013
  24. Schmiergeldskandal: Griechischer Ex-Vertreter von Panzerkonzern KMW verhaftet spiegel.de 30. Dezember 2013
  25. Klaus Ott in der SZ vom 19. Mai 2014
  26. Razzia bei deutschem Rüstungskonzern zeit.de vom 15. November 2014
  27. Miese Noten für deutsche Rüstungsfirmen sueddeutsche.de vom 26. April 2015
  28. Panzerbauer kauft Brückenhersteller. Handelsblatt, 23. Mai 2012, abgerufen am 15. Februar 2013.


48.194611.471Koordinaten: 48° 11′ 40,6″ N, 11° 28′ 15,6″ O