Lehrensteinsfeld

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Lehrensteinsfeld
Lehrensteinsfeld
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Lehrensteinsfeld hervorgehoben
49.1286111111119.325220Koordinaten: 49° 8′ N, 9° 20′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Heilbronn
Gemeindeverwal-
tungsverband:
„Raum Weinsberg“
Höhe: 220 m ü. NHN
Fläche: 6,22 km²
Einwohner: 2216 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 356 Einwohner je km²
Postleitzahl: 74251
Vorwahl: 07134
Kfz-Kennzeichen: HN
Gemeindeschlüssel: 08 1 25 057
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Ellhofener Straße 2
74251 Lehrensteinsfeld
Webpräsenz: www.lehrensteinsfeld.de
Bürgermeister: Björn Steinbach
Lage der Gemeinde Lehrensteinsfeld im Landkreis Heilbronn
Abstatt Abstatt Bad Friedrichshall Bad Rappenau Bad Wimpfen Beilstein Beilstein Beilstein Brackenheim Cleebronn Eberstadt Ellhofen Ellhofen Eppingen Erlenbach Flein Gemmingen Güglingen Gundelsheim Hardthausen am Kocher Heilbronn Ilsfeld Ittlingen Jagsthausen Jagsthausen Kirchardt Langenbrettach Lauffen am Neckar Lauffen am Neckar Lehrensteinsfeld Leingarten Löwenstein Löwenstein Löwenstein Massenbachhausen Möckmühl Neckarsulm Neckarwestheim Neudenau Neuenstadt am Kocher Nordheim Obersulm Oedheim Offenau Pfaffenhofen Roigheim Schwaigern Siegelsbach Talheim Untereisesheim Untergruppenbach Weinsberg Widdern Wüstenrot ZaberfeldKarte
Über dieses Bild
Lehrensteinsfeld von Nordosten

Lehrensteinsfeld ist eine Gemeinde im Landkreis Heilbronn in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Lehrensteinsfeld liegt im Naturraum Schwäbisch-Fränkische Waldberge[2] im Osten des Landkreises Heilbronn im Ellbachtal, einem Seitental des Sulmtals.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbarstädte und -gemeinden Lehrensteinsfelds sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Südwesten): Heilbronn (Stadtkreis), Weinsberg, Ellhofen, Obersulm, Löwenstein und Untergruppenbach. Bis auf die Stadt Heilbronn gehören alle zum Landkreis Heilbronn. Zusammen mit Eberstadt, Ellhofen und Weinsberg bildet Lehrensteinsfeld den Gemeindeverwaltungsverband „Raum Weinsberg“ mit Sitz in Weinsberg.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Lehrensteinsfeld besteht aus den beiden Ortsteilen Lehren (im Nordwesten) und Steinsfeld (im Südosten), die zusammengewachsen sind und schon seit Jahrhunderten eine gemeinsame Gemarkung haben.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortsteils Lehren entstammt dem Jahre 1257; Steinsfeld wurde zum ersten Mal im Jahre 1384 erwähnt. Beide Dörfer haben bereits in dieser Zeit eine gemeinsame Gemeinde gebildet. Im 14. Jahrhundert waren sie im Besitz der Herren von Weinsberg, die einen Teil der Güter und Rechte der Adelsfamilie von Weiler zum Lehen gaben. Auch andere benachbarte Adelige wurden mit Rechten belehnt, darunter die Herren von Michelfeld und die Herren von Gemmingen.[4] 1384 baute ein Siegfried von Michelfeld auf dem Areal einer alten Burg ein Haus. 1465 verkaufte ein Dietrich von Weiler ein Viertel von Vogtei und Gericht an den pfalzgräflichen Türhüter Hans Heil. Nach dem Ende der Herren von Weinsberg um 1500 gelangte der Ort an die Kurpfalz, wobei die Lehensverhältnisse zunächst bestehen blieben. Im 16. Jahrhundert kam Lehrensteinsfeld an Württemberg, wobei die Gemmingenschen Rechte ebenfalls weiterbestanden.

Zumindest ein Teil des Ortes war 1535 im Besitz von Philipp von Gemmingen, welcher auch 1540 das heutige Schloss erbauen ließ. 1591 kam durch die Heirat von Philipp Dietrich von Gemmingen mit Barbara von Mentzingen ein weiterer Teil des Ortes zu den Gemmingen. Die Gemmingen konnten ihren Besitz und ihre Rechte am Ort durch Zukäufe außerdem vergrößern, jedoch wurde der Besitz infolge Zersplitterung durch Erbteilung unrentabel, so dass die Ganerben Johann Leonhard von Mentzingen, Weiprecht von Gemmingen und Johann Schertel von Burtenbach das Schloss samt Dorf im Jahr 1649 an den im Dreißigjährigen Krieg vermögend gewordenen französischen Feldmarschall Ludwig von Schmidberg verkauften. Anlässlich des Verkaufs wurden Schloss und Dorf als „freiadelig“ bezeichnet.

Ludwig von Schmidberg versuchte, Lehrensteinsfeld zu einem selbstständigen ritterschaftlichen Besitz auszubauen. Vermutlich siedelte er auch Neubürger an, da der Ort wie alle umliegenden Orte nach dem Dreißigjährigen Krieg durch Kriegseinwirkungen und die Pest stark entvölkert war. Schmidbergs hohe Gerichtsbarkeit über den Ort wurde 1650 und 1659 von den Kaisern Ferdinand II. bzw. Leopold bestätigt. Ein erstes Dorfrecht wurde 1652 niedergeschrieben und hatte 1731 seine endgültige Fassung. Nach Ludwig von Schmidbergs Tod 1657 spaltete sich der Besitz wieder unter seinen Nachkommen und Verwandten auf. Mit dem Aussterben der von Schmidbergs im Mannesstamm 1777 ging der Besitz an die Erben von Hygle, von Waldfells und von Kechler, die ihn um 1788 Charlotte Ernestine von Schmidberg, die Witwe Hans Weiprechts von Gemmingen, verkauften. Sie vererbte Gut und Schloss Lehrensteinsfeld an ihre Nichte Luise Freiin von Gemmingen, Gemahlin des Freiherrn Franz Göler von Ravensburg. Deren Söhne Ferdinand und Karl Göler von Ravensburg verkauften es jedoch bereits 1856 für 90.000 Gulden an den Fürsten Karl von Hohenlohe-Bartenstein. 1887 kaufte Julius Dietzsch aus Stuttgart das Schloss mit seinen Besitzungen.

1805 fiel der Ort an Württemberg und wurde dem Oberamt Weinsberg zugeschlagen, wobei die ritterschaftlichen Rechte aufgehoben wurden. Die Ablösung von den Feudallasten gelang der Gemeinde von 1831 bis 1846. Nach der Auflösung des Oberamts Weinsberg 1926 kam Lehrensteinsfeld zum Oberamt und späteren Landkreis Heilbronn. 1939 wurden 755 Einwohner gezählt, Ende 1945 waren es 919.[5]

Religionen[Bearbeiten]

Die katholische Sankt-Laurentius-Kirche

Lehrensteinsfeld ist seit der Reformation überwiegend evangelisch geprägt. Der Ort war zunächst Filialgemeinde von Sülzbach und wurde 1571 zur selbstständigen Pfarrgemeinde. Die evangelische Kirchengemeinde Lehrensteinsfelds mit der 1903 erbauten Christuskirche umfasst etwa 1200 Mitglieder (Stand: 2002). Für die etwa 400 (Stand: 2002) katholischen Christen in Lehrensteinsfeld ist die katholische Kirchengemeinde in Wimmental zuständig. 1979 wurde die katholische Sankt-Laurentius-Kirche in Lehrensteinsfeld eingeweiht.

Vereinzelte Juden sind in Lehrensteinsfeld bereits im 16. Jahrhundert belegt, die Jüdische Gemeinde Lehrensteinsfeld bildete sich dann insbesondere im Ortsteil Lehren ab dem 18. Jahrhundert aus. Der Ort war von 1832 bis 1867 Sitz des Bezirksrabbinats Lehrensteinsfeld. Die Gemeinde erlebte wie viele jüdische Landgemeinden durch Ab- und Auswanderung ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen allmählichen Niedergang und erlosch im Zuge der Judenverfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus.

Rathaus

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat Lehrensteinsfelds umfasst nach der Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 zehn Mitglieder. Die Wahl brachte folgendes Ergebnis:

  • FWG 62,2 % – 6 Sitze
  • SPD 37,8 % – 4 Sitze

Weiteres Mitglied des Gemeinderates und dessen Vorsitzender ist der Bürgermeister.

Wappen Lehrensteinsfelds

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Lehrensteinsfelder Wappens lautet: In Blau über zwei goldenen Wellenbalken ein goldenes Hufeisen. Die Flagge der Gemeinde ist Gelb-Blau.

Das Hufeisen als ländliches Symbol war das Lehrensteinsfelder Fleckenzeichen. Es war auf alten Gemarkungssteinen abgebildet und fand sich seit spätestens dem 19. Jahrhundert im Gemeindesiegel. Das heutige Wappen wurde 1959 angenommen und der Gemeinde zusammen mit der Flagge am 18. August 1959 vom baden-württembergischen Innenministerium verliehen. Die Wellenbalken erinnern an die Familie von Schmidberg, in deren Besitz Lehrensteinsfeld von 1649 bis 1778 war.[6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Wehrturm

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Wahrzeichen und ältestes Gebäude des Ortes ist der Wehrturm Lehrensteinsfeld aus dem Jahr 1466, einst Wehrturm und Kirchturm einer früheren Laurentiuskirche, deren Schiff 1969 abgerissen wurde. Die oberen Geschosse des Turms aus Fachwerk wurden im Jahre 1998 wegen Baufälligkeit abgetragen und 2005/2006 in veränderter Form wieder aufgebaut.
  • Das Schloss Lehrensteinsfeld wurde Mitte des 16. Jahrhunderts von den Ortsherren im Stile der Renaissance auf Fundamenten einer mittelalterlichen Burg erbaut, auf die noch der Eckturm und Kellergewölbe zurückdatieren. Die Südfassade wurde im Jahre 1770 im Stile des Klassizismus umgebaut. Im Norden schließt sich ein Park des 19. Jahrhunderts im Landschaftsgartenstil mit Orangerie an. Die heutige Besitzerfamilie erwarb das heute als Weingut genutzte Anwesen 1887.
  • Die evangelische Christuskirche wurde 1903 im neuromanischen Stil nach Plänen von Heinrich Dolmetsch erbaut. Ein barockes Kruzifix und ein Taufstein von 1759 wurden aus der später abgebrochenen alten Laurentiuskirche übernommen.
  • Die katholische Sankt-Laurentius-Kirche wurde 1979 nach Plänen von Hugo Baum anstelle eines rund drei Jahrzehnte bestehenden Barackenbaus errichtet.
  • Das Rathaus in Fachwerkbauweise wurde 1591 errichtet und erhielt seine heutige Gestalt im Wesentlichen im Jahr 1906. Nach verschiedenen jüngeren Umbauten wurde das Rathaus 1969/71 innen grundlegend umgebaut, wobei der Sitzungssaal und das Trauzimmer entstanden.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Weinbau[Bearbeiten]

Lehrensteinsfeld ist ein Weinbauort, dessen Lagen zur Großlage Salzberg im Bereich Württembergisch Unterland des Weinbaugebiet Württemberg gehören. Die Lehrensteinsfelderin Rita Ostholt war 1977 Württembergische Weinkönigin.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt an der A 81, die Anschlussstelle Weinsberg/Ellhofen ist etwa 3 km entfernt. Der nächste Bahnhof liegt an der Bahnstrecke Crailsheim–Heilbronn in der Nachbargemeinde Ellhofen.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Zu den Grundlagen der wirtschaftlichen Existenz der Gemeinde gehört der Weinbau, der von einer 1904 gegründeten Weingärtnergenossenschaft und von einigen kleinen Weingütern betrieben wird. Angebaut wird vor allem Riesling, aber auch Müller-Thurgau, Spätburgunder, Schwarzriesling und andere Rebsorten. Das größte ortsansässige Unternehmen mit 140 Mitarbeitern (Stand August 2007), davon 110 in Lehrensteinsfeld und 30 in Obersulm-Willsbach, ist die 1949 gegründete Hermann Schweikert GmbH, ein Automobil- und Landmaschinen-Zulieferer, der sich unter anderem im Werkzeugbau und in der Blechumformung betätigt.[7]

Medien[Bearbeiten]

Über das Geschehen in Lehrensteinsfeld berichtet die Tageszeitung Heilbronner Stimme in ihrer Ausgabe für das Weinsberger Tal (WT).

Bildung und Soziales[Bearbeiten]

Lehrensteinsfeld verfügt über eine Grundschule und zwei Kindergärten.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

  • Friedrich Rödinger (1800–1868), Landtagsabgeordneter, Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Carl Dietzsch (1886–1963), Obstbaufachmann und Rittergutsbesitzer, Gemeinderat, Kirchengemeinderat, Ehrensenator der Universität Hohenheim[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Naturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009
  3. Quelle für den Abschnitt Gemeindegliederung: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 149
  4. Zu Besitzungen der von Gemmingen in Lehrensteinsfeld: Reinhold Bührlen: Familienbuch von Gemmingen - Geschichte der Familie von Gemmingen und ihrer Besitzungen. Hornberg 1977. S. 46
  5. Mitteilungen des Württ. und Bad. Statistischen Landesamtes Nr. 1: Ergebnisse der Einwohnerzählung am 31. Dezember 1945 in Nordwürttemberg
  6. Quellen für den Abschnitt Wappen und Flagge:
    Heinz Bardua: Die Kreis- und Gemeindewappen im Regierungsbezirk Stuttgart. Theiss, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0801-8 (Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg, 1). S. 92
    Eberhard Gönner: Wappenbuch des Stadt- und des Landkreises Heilbronn mit einer Territorialgeschichte dieses Raumes. Archivdirektion Stuttgart, Stuttgart 1965 (Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg, 9). S. 108
  7. Quelle zum Unternehmen Schweikert: Anja Krezer: Rat stellt Weichen für größte Firma im Ort. In: Heilbronner Stimme vom 18. August 2007, S. 35
  8. Angaben gem. Stadtarchiv Heilbronn, Zeitgeschichtliche Sammlung, s. Datenbank HEUSS, Signatur ZS-10999

Literatur[Bearbeiten]

  • W. Sailer: Gemeinde Lehrensteinsfeld Ortschronik, Lehrensteinsfeld 1954

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lehrensteinsfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien