Nordheim (Württemberg)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Nordheim
Nordheim (Württemberg)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Nordheim hervorgehoben
49.1086111111119.1286111111111181Koordinaten: 49° 7′ N, 9° 8′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Heilbronn
Höhe: 181 m ü. NHN
Fläche: 12,71 km²
Einwohner: 7675 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 604 Einwohner je km²
Postleitzahl: 74226
Vorwahlen: 07133 (Nordheim) und 07135 (Nordhausen)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: HN
Gemeindeschlüssel: 08 1 25 074
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 26
74226 Nordheim
Webpräsenz: www.nordheim.de
Bürgermeister: Volker Schiek
Lage der Gemeinde Nordheim im Landkreis Heilbronn
Abstatt Abstatt Bad Friedrichshall Bad Rappenau Bad Wimpfen Beilstein Beilstein Beilstein Brackenheim Cleebronn Eberstadt Ellhofen Ellhofen Eppingen Erlenbach Flein Gemmingen Güglingen Gundelsheim Hardthausen am Kocher Heilbronn Ilsfeld Ittlingen Jagsthausen Jagsthausen Kirchardt Langenbrettach Lauffen am Neckar Lauffen am Neckar Lehrensteinsfeld Leingarten Löwenstein Löwenstein Löwenstein Massenbachhausen Möckmühl Neckarsulm Neckarwestheim Neudenau Neuenstadt am Kocher Nordheim Obersulm Oedheim Offenau Pfaffenhofen Roigheim Schwaigern Siegelsbach Talheim Untereisesheim Untergruppenbach Weinsberg Widdern Wüstenrot ZaberfeldKarte
Über dieses Bild
Blick vom Heuchelberg auf Nordheim

Nordheim ist eine Gemeinde im Landkreis Heilbronn, Baden-Württemberg (Deutschland).

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Nordheim liegt im Zabergäu im Süden des Landkreises Heilbronn unmittelbar südlich von Heilbronn. Im Westen reicht die Gemeinde bis zum Heuchelberg, im Osten bis an einen Altarm des Neckars.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbarstädte und -gemeinden Nordheims sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Osten): Heilbronn (Stadtkreis), Lauffen am Neckar, Brackenheim, Schwaigern und Leingarten (alle Landkreis Heilbronn). Mit Lauffen am Neckar und Neckarwestheim ist Nordheim eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Nordheim besteht aus den Ortsteilen Nordheim und Nordhausen. Abgegangene, heute nicht mehr bestehende Orte auf Markung Nordheim sind Klimmerdingen und Schächerhausen.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Zwei keltische Viereckschanzen bei Nordheim, die mit reichlichem und vielfältigem Fundgut aus dem 2. und 1. vorchristlichen Jahrhundert in den Jahren 1995 bis 2000 ausgegraben wurden, belegen die Besiedlung der Nordheimer Flur durch Kelten zur späten La-Tène-Zeit.

Der heutige Ort Nordheim geht vermutlich auf eine fränkische Gründung zurück. Erstmals in einer Urkunde erwähnt wird er im Jahr 823. Noch vor 1380 kam der Ort an Württemberg und war bis 1803 ein Teil der nördlichen Landesgrenze (Württembergischer Landgraben). Bis 1938 gehörte der Ort zum Oberamt Brackenheim und wurde dann dem Landkreis Heilbronn zugeordnet. 1939 wurden 2335 Einwohner gezählt, Ende 1945 waren es 2631.[3]

Sowohl im Dreißigjährigen Krieg als auch Ende des 17. Jahrhunderts wurde Nordheim durch Kriegseinwirkungen fast vollständig zerstört. Einem Großbrand im Jahr 1810 fielen 47 Gebäude und die Kirche zum Opfer. Durch die Nähe zu Heilbronn und den Bau der Bahnlinie 1848 entwickelte sich die früher landwirtschaftlich geprägte Gemeinde mehr und mehr zur Wohngemeinde, wobei die Bebauung vom alten Ortskern weiter westlich hin zum Bahnhof im Osten wuchs. Der Weinbau spielte aber weiterhin eine bedeutende Rolle. Der bedeutendste Grundbesitz in Nordheim im 19. und frühen 20. Jahrhundert lag bei der Familie Seybold-von Marval, die neben umfangreichen landwirtschaftlichen Flächen vor allem auch ein großes Gut in der Ortsmitte besaß, das sie durch Verwalter bzw. Pächter bewirtschaften ließ. Der letzte Nachkomme der Familie, Kurt von Marval, hat nach dem Zweiten Weltkrieg große Grundstücksflächen zur Erschließung von Neubau- und Gewerbegebieten zur Verfügung gestellt. Das ehemalige so genannte Herrenhaus dient seit den 1960er Jahren als Rathaus, der zugehörige rund 100 Ar große Park bildet das grüne Herz von Nordheim.

Religionen[Bearbeiten]

In Nordheim gibt es eine eigene evangelische Kirchengemeinde. Auch die Neuapostolische Kirche ist in Nordheim vertreten. Die katholischen Christen werden von der katholischen Kirchengemeinde St. Kilian in Böckingen betreut. Seit 1953 verfügen sie in Nordheim über die Kirche St. Maria, die 1990 durch einen gleichnamigen Neubau ersetzt wurde.[4]

Politik[Bearbeiten]

Rathaus in Nordheim
Wappen Nordheims

Gemeinderat und Ortschaftsrat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat Nordheims hat nach der Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 19 Sitze. Die Wahl erbrachte folgendes Ergebnis:

  • Freie Bürgerliche Wählervereinigung 41,1 % (− 0,3) – 8 Sitze (=)
  • SPD 32,5 % (+ 1,8) – 6 Sitze (+ 1)
  • CDU 26,4 % (− 1,5) – 5 Sitze (=)

Weiteres Mitglied des Gemeinderates und dessen Vorsitzender ist der Bürgermeister.

In der Ortschaft Nordhausen gab es zudem von 1975 bis zu seiner Selbstauflösung 2009 einen Ortschaftsrat und einen ehrenamtlichen Ortsvorsteher.[5]

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Nordheimer Wappens lautet: In Gold eine gestürzte blaue Pflugschar. Die Flagge der Gemeinde ist Blau-Gelb.

Das früheste nachgewiesene Siegel von 1518 zeigt eine Pflugschar mit einer darüber liegenden Hirschstange, ebenso eine Zeichnung von 1618. Ein Siegel von 1724 zeigt die Hirschstange über dem Schild mit der Pflugschar. Auf späteren Siegeln fehlt die Hirschstange, die für 1684 auch als Fleckenzeichen belegte Pflugschar blieb als alleinige Wappenfigur übrig. Die Wappenfarben Blau und Gold wurden der Gemeinde 1935 von der württembergischen Archivdirektion vorgeschlagen und angenommen. Wappen und Flagge wurden der Gemeinde vom baden-württembergischen Innenministerium am 4. März 1963 verliehen.[6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Bartholomäuskirche
Glockenstupferbrunnen
  • Altes Rathaus von 1593, Verwaltungssitz bis 1964, Ortsbücherei seit 1987
  • Neues Rathaus, erbaut 1854 nach Plänen von Georg Morlok für Wilhelm Seybold als Hauptgebäude von dessen Nordheimer Gut. Nachdem das Gebäude in den Besitz der Gemeinde gelangt ist, wurde es 1963/64 für seine heutige Bestimmung umgebaut. Die unweit des Rathauses gelegene ehemalige Kleinkinderschule von 1867 geht auf die Seyboldsche Stiftung zurück.
  • Evangelische Bartholomäuskirche. Vorgängerbauten niedergebrannt 1693, 1810, 1945. Renoviert 1989-91.
  • Evangelisches Pfarrhaus von 1763 im Rokoko-Stil, erbaut als Verwaltungssitz des Bistums Worms.
  • Die katholische Kirche Sankt Maria, erbaut 1990 durch Architekt Hugo Krach, ist eine Filialkirche der Kilianskirche (Böckingen) und ersetzt die von 1953 bis 1991 bestehende und danach abgerissene Marienkapelle.
  • Alte Kelter mit Kelterweinberg, in dem verschiedene regionaltypische Rebsorten angebaut werden.
  • Backhaus von 2001, das aus einer alten Remise als viertes Backhaus des Ortes erstellt wurde.
  • Glockenstupferbrunnen von 2001, gestaltet von Karl-Henning Seemann. Der Brunnen thematisiert eine Episode aus dem polnischen Erbfolgekrieg im 18. Jahrhundert, als die Nordheimer ihre Glocke im Neckar versenkt haben und nach Ende des Krieges (erfolglos) im Neckar nach der versenkten Glocke gestochert („gestupft“) haben.
Blumensommer 2009 in Nordheim

Sport und Freizeit[Bearbeiten]

In Nordheim gibt es ein Mineralfreibad.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Jährlich findet im Sommer im Rathauspark in der Ortsmitte das dreitägige Parkfest statt. Seit 2003 findet dabei zunächst jährlich, seit 2005 zweijährlich auch eine Blumen- und Gartenschau statt, der Nordheimer Blumensommer. Der erste Blumensommer 2003 lief auch als sogenannte kleine Landesgartenschau (Grünprojekt).

Jedes Jahr Ende April wird das Nordheimer Weinfest veranstaltet und seit 1990 findet jährlich am ersten Maiwochenende das Maibaumfest statt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Eilzug der Frankenbahn bei der Durchfahrt in Nordheim, Juni 1993

Verkehr[Bearbeiten]

Am Bahnhof in Nordheim

Nordheim ist Haltepunkt der Frankenbahn StuttgartWürzburg. Es bestehen ungefähr stündlich Verbindungen mit RegionalBahn-Zügen in Richtung Stuttgart und in Richtung Heilbronn.

Anschluss an das Fernstraßennetz (B 27 und B 293, A 6 und A 81) besteht in Heilbronn und anderen Nachbargemeinden.

Medien[Bearbeiten]

Über das Geschehen in Nordheim berichtet die Tageszeitung Heilbronner Stimme in ihrer Ausgabe SW, Süd-West.

Bildung[Bearbeiten]

Die Kurt-von-Marval-Schule (Grund- und Hauptschule) in Nordheim besuchen über 400 Schüler. In Nordhausen gibt es eine eigene Grundschule mit etwa 90 Schülern. In Nordheim gibt es auch eine Ortsbücherei. Neben je einem kommunalen Kindergarten in Nordheim und Nordhausen gibt es außerdem den privat betriebenen Naturkindergarten Wurzelzwerge.

Weinbau[Bearbeiten]

In Nordheim, das an der Württemberger Weinstraße liegt, spielt der Weinbau eine wichtige Rolle. Die ehemalige Weingärtnergenossenschaft Nordheim hat sich im Juni 2004 der Heuchelberg-Kellerei in Schwaigern angeschlossen. Zudem gibt es in Nordheim noch einige Weingüter, die ihre Weine selbst vermarkten. Die Lagen gehören zur Großlage Heuchelberg im Bereich Württembergisch-Unterland des Weinbaugebietes Württemberg.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Kurt von Marval (1888–1980), Ehrenbürgerrecht verliehen 1969 aufgrund seiner großen kommunalen Verdienste nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs
  • Karl Heinrich (1865 - 1951), Bürgermeister von 1891 - 1931
  • Karl Wagner ( 1905 - 1995), Bürgermeister von 1931 - 1966
  • Julius Scheffler, Bürgermeister von 1966 - 1995

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Wilhelm Seybold (1799–1874), Gutsbesitzer, Abgeordneter des Württembergischen Landtags
  • Marianne Wonnay (* 1952), Politikerin, Landtagsabgeordnete (SPD)

Literatur[Bearbeiten]

  •  Gemeinde Nordheim (Hrsg.): Heimatbuch Nordheim und Nordhausen. Nordheim 1999.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nordheim (Württemberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Quelle für den Abschnitt Gemeindegliederung:
    Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 103–104.
    Die Landesbeschreibung ordnet Nordheim noch die Wüstung Hetensbach zu, die neuerer Literatur zufolge allerdings auf dem heutigen Gebiet von Böckingen lag: Böckingen am See. Ein Heilbronner Stadtteil – gestern und heute. Stadtarchiv Heilbronn, Heilbronn 1998, ISBN 3-928990-65-9 (Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Heilbronn, 37). S. 60
  3. Mitteilungen des Württ. und Bad. Statistischen Landesamtes Nr. 1: Ergebnisse der Einwohnerzählung am 31. Dezember 1945 in Nordwürttemberg
  4. st-kilian-hn.de: Seelsorgeeinheit Heilbronn-Böckingen (abgerufen am 24. März 2013)
  5.  Elke Khattab: Beide Dörfer sind gut verschmolzen. In: Heilbronner Stimme. 25. Mai 2009 (bei stimme.de, abgerufen am 20. September 2009).
  6. Quellen für den Abschnitt Wappen und Flagge:
    Heinz Bardua: Die Kreis- und Gemeindewappen im Regierungsbezirk Stuttgart. Theiss, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0801-8 (Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg, 1). S. 107
    Eberhard Gönner: Wappenbuch des Stadt- und des Landkreises Heilbronn mit einer Territorialgeschichte dieses Raumes. Archivdirektion Stuttgart, Stuttgart 1965 (Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg, 9). S. 124