Jagsthausen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Jagsthausen
Jagsthausen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Jagsthausen hervorgehoben
49.3097222222229.4697222222222210Koordinaten: 49° 19′ N, 9° 28′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Heilbronn
Höhe: 210 m ü. NHN
Fläche: 17,67 km²
Einwohner: 1612 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 91 Einwohner je km²
Postleitzahl: 74249
Vorwahl: 07943
Kfz-Kennzeichen: HN
Gemeindeschlüssel: 08 1 25 048
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 3
74249 Jagsthausen
Webpräsenz: www.jagsthausen.de
Bürgermeister: Roland Halter
Lage der Gemeinde Jagsthausen im Landkreis Heilbronn
Abstatt Abstatt Bad Friedrichshall Bad Rappenau Bad Wimpfen Beilstein Beilstein Beilstein Brackenheim Cleebronn Eberstadt Ellhofen Ellhofen Eppingen Erlenbach Flein Gemmingen Güglingen Gundelsheim Hardthausen am Kocher Heilbronn Ilsfeld Ittlingen Jagsthausen Jagsthausen Kirchardt Langenbrettach Lauffen am Neckar Lauffen am Neckar Lehrensteinsfeld Leingarten Löwenstein Löwenstein Löwenstein Massenbachhausen Möckmühl Neckarsulm Neckarwestheim Neudenau Neuenstadt am Kocher Nordheim Obersulm Oedheim Offenau Pfaffenhofen Roigheim Schwaigern Siegelsbach Talheim Untereisesheim Untergruppenbach Weinsberg Widdern Wüstenrot ZaberfeldKarte
Über dieses Bild

Jagsthausen ist eine Gemeinde mit zirka 1500 Einwohnern im Landkreis Heilbronn im nördlichen Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Jagsthausen liegt im Nordosten des Landkreises Heilbronn am Unterlauf der Jagst, etwa 50 km vor ihrer Mündung in den Neckar.

Geologie[Bearbeiten]

Die Landschaft zählt zum Schwäbisch-Fränkischen Stufenland und ist trotz geringer Höhenunterschiede (ca. 150–400 Meter) stark gegliedert. Die Talhänge bestehen aus Muschelkalk, die Ebene außerhalb des Tals ist teilweise mit Löss überdeckt; die wenig über die Ebene herausragenden Erhebungen bildet der untere Keuper.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbarstädte und -gemeinden Jagsthausens sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Südwesten): Hardthausen am Kocher, Widdern (beide Landkreis Heilbronn), Schöntal und Forchtenberg (beide Hohenlohekreis). Mit Möckmühl, Roigheim und Widdern ist Jagsthausen eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Jagsthausen und Olnhausen. Zum Ortsteil Jagsthausen gehören die Weiler Äußerer Pfitzhof, Mittlerer Pfitzhof, Pfitzhof und Unterer Pfitzhof sowie die Höfe Edelmannshof, Leuterstal (Stahlhof) und Stolzenhof. Abgegangene Orte sind auf der Markung Jagsthausen Forsthof und Höhfelden, auf der Markung Olnhausen Burkhardsweiler.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Um 160 n. Chr. errichteten die Römer auf der heutigen Jagsthausener Gemarkung ein Kastell zur Überwachung eines Abschnittes des Obergermanisch-Raetischen Limes. Sichtbar ist nur noch eine der beiden Thermen. Dieses 1991 ergrabene Bad wurde wahrscheinlich mit dem Kastell errichtet. Für die Geschichte und das Verständnis des gesamten römischen Limes haben sich in Jagsthausen einzigartige, in Stein gehauene Inschriften erhalten. Spätestens mit dem Limesfall 260 n. Chr. ging nicht nur das Kastell mit der dort lagernden Ersten Germanenkohorte unter, sondern auch das Lagerdorf.

Der heutige Ort Jagsthausen, ursprünglich nur Hausen, könnte mit einem Ruggerus de Husun in einer Bestätigungsurkunde des Klosters Comburg im Jahr 1090 erstmals erwähnt worden sein. Die Herren von Hausen, urkundlich sicher ab dem späten 12. Jahrhundert nachweisbar, waren Lehensleute der Herren von Dürn und durch mehrere Heiraten eng mit den Herren von Berlichingen verwandt, die bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts an die Stelle des ursprünglichen Ortsadels traten.

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts kam die Burg in Jagsthausen zu einem Teil an den Erzbischof von Mainz, zum anderen an den Bischof von Würzburg. Zum Würzburger Burglehen gehörte ein Anteil am Dorf Jagsthausen sowie Güter und Rechten in anderen Orten. Die Herren von Berlichingen besaßen beide Burglehen, doch war ihr Besitz zeitweise unter verschiedenen Ästen der weitverzweigten Familie weiter aufgeteilt. Außerdem hatten Besitz oder Rechte in Jagsthausen das Kloster Seligental, das Kloster Murrhardt, das Kloster Schöntal, die Herren von Neudeck, die Herren von Frankenstein, die Herren von Handschuhsheim und sogar der Markgraf von Brandenburg.

Kirchlich war Jagsthausen ursprünglich eine Filialgemeinde von Widdern, erhielt aber schon im 14. Jahrhundert eine eigene Pfarrei. Die Reformation wurde in Jagsthausen durch den blinden Thomas von Berlichingen, einen Neffen Götz von Berlichingens, gegen den Widerstand des Klosters Schöntal vollzogen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort am 10. August 1646 von Schweden angezündet, der Wiederaufbau zog sich geraume Zeit hin. Für den Wiederaufbau der Kirche hat der ehemals in schwedischen Diensten stehende Hauptmann Georg Hochstetter in Schweden 1649 Spenden gesammelt. Die Pfarrei in Olnhausen, die damals schon längere Zeit von Jagsthausen aus versehen worden war, wurde 1662 aufgehoben und die dortigen Gläubigen nach Jagsthausen eingepfarrt.

Aufgrund der verschiedenen Familienlinien der Herren von Berlichingen gab es bereits früh mehrere Herrensitze am Ort. Noch heute sind drei Schlösser erhalten, neben der Burg Jagsthausen das Rote Schloss aus dem 16. Jahrhundert und das Weiße Schloss aus dem späten 18. Jahrhundert. Letzteres entstand als Ersatz für das Alte Schlösschen, das zuletzt als Amtshaus verwendet und 1857 wegen Baufälligkeit abgerissen wurde.

1806 kam Jagsthausen, bis dahin in reichsritterschaftlichem Besitz und dem Fränkischen Ritterkreis angehörend, an Württemberg. 1939 wurden 657 Einwohner gezählt, Ende 1945 waren es 884.[3]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1972 wurde Olnhausen eingemeindet.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Seit der letzten Kommunalwahl am 25. Mai 2014 hat der Gemeinderat 12 Mitglieder. Die Wahl brachte folgendes Ergebnis:

Freie Wählervereinigung Jagsthausen/Olnhausen     7 Sitze
Freie Bürger Jagsthausen/Olnhausen 5 Sitze

Weiteres Mitglied des Gemeinderates und dessen Vorsitzender ist der Bürgermeister.

Wappen Jagsthausens

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Jagsthausener Wappens lautet: In geteiltem Schild oben in Silber ein liegender, eiserner, schwarzer Rechtarm mit geballter Faust, unten in Schwarz ein fünfspeichiges silbernes Rad. Die Flagge der Gemeinde ist Schwarz-Weiß.

Jagsthausen führte früher in seinen Stempeln ein redendes Wappen, das ein Haus zeigte. 1935 ersetzte die Gemeinde dieses mit Zustimmung der württembergischen Archivdirektion durch das jetzige Wappen, das oben die Eiserne Hand des Götz von Berlichingen zeigt und unten mit dem Rad das Wappen der seit dem 14. Jahrhundert in Jagsthausen ansässigen Freiherren von Berlichingen. Das Wappen und die Flaggenfarben wurden der Gemeinde am 4. März 1963 vom baden-württembergischen Innenministerium verliehen.[4]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Götzenburg
Weißes Schloss

Jagsthausen

  • Die Burg Jagsthausen (auch Altes Schloss oder Götzenburg genannt) geht auf die historische Burg aus dem 14. und 15. Jahrhundert zurück, auf der Götz von Berlichingen einige Jahre seiner Kindheit verbrachte und die später vor allem durch Goethes Drama Götz von Berlichingen bekannt wurde. Ihre heutige Gestalt erhielt sie nach Umbauten und Erweiterungen von 1876 bis 1878 durch den Ulmer Münsterbaumeister August von Bayer. Seit 1950 dient das Gebäude als Kulisse für sommerliches Freilichttheater der Burgfestspiele Jagsthausen.
  • Das Rote Schloss wurde 1572 von Hans Reinhard von Berlichingen erbaut und wurde zum Stammsitz einer eigenen Linie der Herren von Berlichingen. Im 18. Jahrhundert wurde das Gebäude zu seiner heutigen Gestalt mit breiter Fassade und Mansarddach erweitert.
  • Das Weiße Schloss (auch Neues Schloss) wurde 1792 von Joseph von Berlichingen als neubarockes Herrenhaus erbaut und ist von einem weitläufigen Park umgeben. Der Bauherr war neben seinem hinlänglich bekannten Verwandten Götz einer der bedeutendsten Angehörigen der Herren von Berlichingen, galt als gelehrt, hat eine lateinische Goethe-Übersetzung veröffentlicht und wurde in den Grafenstand erhoben. In seinem Schloss war Christiane Hegel, die Schwester des Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel, lange Jahre als Erzieherin tätig.
  • Die im gotischen Stil erbaute evangelische Jakobuskirche mit achteckigem Turm wurde gegen Ende des 15. Jahrhunderts erstmals erwähnt. Für ihren Wiederaufbau nach dem Dreißigjährigen Krieg gaben u.a. die schwedische Königin Christina, der schwedische Kanzler Axel Oxenstierna und der schwedische Feldherr Gustaf Horn Geld.
  • Das Alte Rathaus in der Ortsmitte ist ein Fachwerkgebäude von 1513, daneben befindet sich das neue Rathaus. Auf dem Platz zwischen beiden Gebäuden ziert eine Götz-Figur von Gunther Stilling einen Brunnen.
  • Unweit der Götzenburg befindet sich die Gefallenengedenkstätte der Gemeinde mit zwei Regimentsehrenmalen, die sich mit einem historisierenden Türmchen in die Burganlagen einfügt.
  • Auf der anderen Uferseite der Jagst befindet sich der Friedhof mit einer historischen Gruftanlage der Freiherren von Berlichingen, wo auch verschiedene mit dem Haus Berlichingen verwandte Persönlichkeiten bestattet sind, darunter Paul Graf Yorck von Wartenburg und seine Gemahlin Else Eckersberg.

Theater[Bearbeiten]

Eine Jagsthausener Attraktion sind die jährlichen von Juni bis August stattfindenden Burgfestspiele Jagsthausen (Schauspiel, Kinderstücke, Musicals, Konzerte).

Museen[Bearbeiten]

Römerbad Jagsthausen

Das im Alten Rathaus untergebrachte Friedrich-Krapf-Museum beherbergt mehr als 2000 römische Fundstücke. Eine andere wichtige Antikensammlung zur Ortsgeschichte befindet sich im Schlossmuseum in der Götzenburg. Dort werden auch die beiden „Eiserne Hände“ des Götz von Berlichingen ausgestellt. Seit 1994 findet in Jagsthausen jährlich eine Skulpturenausstellung bekannter Künstler statt. Bisher vertreten waren unter anderem Alfred Hrdlicka und Karl-Henning Seemann. In der Ortsmitte befindet sich das archäologische Denkmal und Freilichtmuseum Römerbad Jagsthausen.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Von Mai bis Oktober findet jeden ersten Sonntag im Monat auf dem Trautenhof bei Jagsthausen ein Motorradgottesdienst statt, an dem durchschnittlich 1200 Besucher teilnehmen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Rathaus von Jagsthausen

Verkehr[Bearbeiten]

Die wichtigste Verkehrsverbindung ist die Straße durch das Tal der Jagst. Die Entfernung nach Heilbronn beträgt ca. 40 km, jene nach Schwäbisch Hall und zum Bahn- und Verkehrsknoten Crailsheim etwa 50 km. In Möckmühl befindet sich auch eine Anschlussstelle der A 81. Der nächste in Betrieb befindliche Bahnhof ist an der Frankenbahn in Möckmühl. Die Schmalspurbahn Jagsttalbahn (MöckmühlDörzbach), an der Jagsthausen liegt, hat den Betrieb 1988 eingestellt.

Radfernwege[Bearbeiten]

Durch das Stadtgebiet führen folgende Radwanderwege:

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

  • Heimotion GmbH (stellt Figuren für Geisterbahnen, Freizeitparks etc. her)
  • Gartenfrisch Jung GmbH (bundesweit Lieferant von Salat und Gemüse für Gastronomie und Handel)

Medien[Bearbeiten]

Über das Geschehen in Jagsthausen berichtet die Tageszeitung Heilbronner Stimme in ihrer Ausgabe NO, Nord-Ost.

Bildung[Bearbeiten]

Es gibt eine Grundschule in Jagsthausen. Im Alten Rathaus befindet sich die Gemeindebücherei.

Ruheforst[Bearbeiten]

Seit 19. Oktober 2008 gibt es im Leuterstaler Wald zwischen Jagsthausen und Unterkessach einen vier Hektar großen Ruheforst, nach dem Friedwald in Schwaigern der zweite derartige Waldfriedhof im Landkreis. Träger der Einrichtung ist die Gemeinde Jagsthausen, betrieben wird sie von der ortsansässigen Familie von Berlichingen.[5]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Götz von Berlichingen (um 1480–1563), fränkischer Reichsritter, verbrachte seine Kindheit in Jagsthausen
  • Bernhard Cantzler (* um 1566), Kartograph, vermutlich in Jagsthausen geboren
  • Christiane Hegel (1773–1832), war als Erzieherin im weißen Schloss tätig
  • Roman Herzog (* 1934), siebter deutscher Bundespräsident, lebt in Jagsthausen
  • Gregor Meyle (* 1978), Musiker, stammt aus Jagsthausen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Quelle für den Abschnitt Gemeindegliederung: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 110–111.
  3. Mitteilungen des Württ. und Bad. Statistischen Landesamtes Nr. 1: Ergebnisse der Einwohnerzählung am 31. Dezember 1945 in Nordwürttemberg.
  4. Quellen für den Abschnitt Wappen und Flagge:
    Heinz Bardua: Die Kreis- und Gemeindewappen im Regierungsbezirk Stuttgart. Theiss, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0801-8 (Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg, 1). S. 82
    Eberhard Gönner: Wappenbuch des Stadt- und des Landkreises Heilbronn mit einer Territorialgeschichte dieses Raumes. Archivdirektion Stuttgart, Stuttgart 1965 (Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg, 9). S. 100.
  5. Ute Plückthun: Wald als letzte Ruhestätte. In: Heilbronner Stimme vom 20. Oktober 2008.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jagsthausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Jagsthausen – Reiseführer