Leucit

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Leucit
Leucite-474014.jpg
Leucitkristalle, eingebettet in Lavagestein aus Poggio Nibbio, Vicosee, Latium, Italien (Größe: 48 x 40 x 35 mm)
Andere Namen
  • Leukolith
  • Leuzit
  • Weißer Granat
Chemische Formel

K[AlSi2O6][1]

Mineralklasse Silikate und Germanate - Gerüstsilikate
9.GB.05 (8. Auflage: VIII/J.05) nach Strunz
76.02.02.01 nach Dana
Kristallsystem Hoch-Leucit: kubisch (> 605 °C)
Tief-Leucit: tetragonal (< 605 °C)[1]
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin Hoch-Leucit:
kubisch-hexakisoktaedrisch; 4/m 3 2/m
Tief-Leucit:
tetragonal-dipyramidal; 4/m[1][2]
Farbe farblos, grau, weiß, gelblich, rötlich
Strichfarbe weiß
Mohshärte 5,5 bis 6
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,45 bis 2,50; berechnet: [2,46][3]
Glanz Glasglanz
Transparenz durchsichtig bis undurchsichtig
Spaltbarkeit sehr undeutlich nach {110}[3]
Bruch uneben bis muschelig; spröde
Habitus isometrische Kristalle; körnige bis massige Aggregate
Häufige Kristallflächen {112}, {100}, {110}[3]
Zwillingsbildung meist nach {110} und {101}
Kristalloptik
Brechungsindex nω = 1,508; nε = 1,509[4]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,001[4]; einachsig positiv
Optischer Achsenwinkel 2V = sehr gering
Weitere Eigenschaften
Phasenumwandlungen 600 bis 700 °C[5]
Schmelzpunkt > 900 °C[5]
Chemisches Verhalten empfindlich gegen Salzsäure und Oxalsäure
Ähnliche Minerale Nephelin, Sanidin
Radioaktivität kaum nachweisbar

Leucit, gelegentlich auch Leuzit[6] geschrieben oder als Leukolith[7], Kali-Tonerde-Silikat oder auch Weißer Granat bezeichnet[6], ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung K[AlSi2O6][1]. Strukturell gehört er zu den Gerüstsilikaten und dort zur Familie der Zeolithe.

Leucit ist dimorph, das heißt er kommt bei gleicher chemischer Zusammensetzung in verschiedenen kristallinen Erscheinungsformen (Modifikationen) vor. Natürlich gebildeter Leucit kristallisiert bei über 900 °C zunächst im kubischen Kristallsystem (Hoch-Leucit) und wechselt dann bei einer Temperatur zwischen 600 und 700 °C[5] ins tetragonale Kristallsystem (Tief-Leucit). Je nach Quelle wird auch eine Umwandlungstemperatur von 605 °C[1][8] oder 630 °C[9] genannt.

Leucit entwickelt überwiegend klar erkennbare Ikositetraeder-Kristalle (früher: Leucitoeder), kommt aber auch in Form körniger bis massiger Mineral-Aggregate vor. In reiner Form ist er farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung bzw. polysynthetischer Zwillingsbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine graue oder gelbliche bis rötliche Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt. Unverwitterte und klare Kristallflächen weisen einen glasähnlichen Glanz auf, Spalt- bzw. Bruchflächen auch Fettglanz. Die meisten Leucitkristalle sind jedoch aufgrund der Bildung von Zwillingslamellen bei der Umwandlung in Tief-Leucit matt weiß.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Leucit allein ist vor dem Lötrohr auch auf Kohle unschmelzbar. Zusammen mit Borax wird er allerdings langsam aufgelöst, wobei sich eine klare Perle von hellbrauner Farbe bildet.[7]

Von Salzsäure und Flusssäure wird Leucit aufgelöst,[10] wobei die entstehende Kieselsäure in Salzsäure pulverartig ausfällt[8].

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Leucit am Monte Somma in der italienischen Provinz Neapel und beschrieben 1791 durch Abraham Gottlob Werner[6], der das Mineral aufgrund seiner häufig auftretenden weißen Farbe nach dem altgriechischen Wort λευκός leukós „weiß“ benannte.

Als Martin Heinrich Klaproth den Leucit 1797 analysierte, entdeckte er erstmals in einem Mineral das bisher ausschließlich als Produkt des Pflanzenreichs bekannte Kali (auch „Pflanzenalkali“) in Form der Pottasche.[6][7]

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Leucit zur Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate), mit Zeolithen“, wo er zusammen mit Ammonioleucit die „Leucitgruppe“ mit der System-Nr. VIII/J.05 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Leucit ebenfalls in die Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate) mit zeolithischem H2O; Familie der Zeolithe“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Gerüststruktur, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Ketten von einfach verbundenen Vierer-Ringen“ zu finden ist, wo es zusammen mit Ammonioleucit, Analcim, Hsianghualith, Lithosit, Pollucit und Wairakit die „Analcimgruppe“ mit der System-Nr. 9.GB.05 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Leucit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Gerüstsilikate: Al-Si-Gitter“ ein. Hier ist er ebenfalls zusammen mit Ammonioleucit in der „Leucitgruppe“ mit der System-Nr. 76.02.02 innerhalb der Unterabteilung „Gerüstsilikate: Al-Si-Gitter, Feldspatvertreter und verwandte Arten“ zu finden.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Vollentwickelte, perfekte Pseudomorphose von Orthoklas nach Leucit aus Oberwiesenthal, Sachsen (Größe: 6,4 × 5,7 × 5,5 cm)
Leucitkristalle auf Quarz aus Karbi Anglong, Assam, Indien

Leucit ist ein typisches magmatisches Hochtemperaturmineral und bildet sich bei Erstarrung alkalireicher SiO2-armer Laven. Gesteinsbildend ist er als Leucitphonolit, Leucitophyr und Leucitbasalt bekannt.[11] Dort tritt er in Paragenese vor allem zusammen mit Analcim, Augit, Biotit, Kalsilit, Labradorit, Mikroklin, Montmorillonit, Natrolith, Nephelin, Olivin und Orthoklas auf. Zudem finden sich auch Pseudomorphosen von Orthoklas nach Leucit. Da er wie Nephelin SiO2-arm ist, kommt er nie neben Quarz vor, da dieser ein Anzeichen für SiO2-Überschuss im Gestein ist.

Als eher seltene Mineralbildung kann Leucit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Als bekannt gelten bisher (Stand 2013) rund 190 Fundorte.[12] Neben seiner Typlokalität Monte Somma trat das Mineral in Italien noch an mehreren Orten der Gemeinde Roccamonfina, am Vesuv und auf der Insel Procida in Kampanien; in der Grotta del Cervo nahe Carsoli in den Abruzzen; am Monte Vulture in Basilikata; bei Paola in Kalabrien; an vielen Stellen in den Provinzen Rom und Viterbo in Latium; am Ätna auf Sizilien; bei Pitigliano in der Toskana sowie bei Spoleto, San Venanzo und Orvieto in Umbrien auf.

In Deutschland konnte das Mineral unter anderem bei Maleck, am Titisee und am Eichberg bei Oberrotweil in Baden-Württemberg; an der Zinster Kuppe bei Kemnath und am Zeilberg in Bayern; auf den Schlackenhalden der Hessenhütte im Richelsdorfer Gebirge und in einem Basalt-Steinbruch bei Gonterskirchen in Hessen sowie an vielen Orten in der rheinland-pfälzischen Eifel wie beispielsweise in der Umgebung von Andernach, Hillesheim, des Laacher Sees und Mendig gefunden werden.

In Österreich kennt man Leucit bisher nur vom Stradner Kogel bei Merkendorf-Wilhelmsdorf und von einem Basalt-Steinbruch bei Klöch in der Steiermark.

Der bisher einzige bekannte Fundort in der Schweiz ist Reiat im Kanton Schaffhausen.

Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Leucitfunde sind unter anderem der Vesuv in Italien und der Laacher See in Deutschland, wo gut entwickelte Kristalle von mehreren Zentimetern Durchmesser gefunden wurden.[13]

Weitere bisher bekannte Fundorte liegen unter anderem in der Antarktis, Argentinien, Aserbaidschan, Australien, Brasilien, Cape Verde, China, Frankreich und Französisch-Polynesien, Grönland, Indien, Japan, Kamerun, Kanada, der Demokratischen Republik Kongo, Madagaskar, Namibia, Norwegen, Paraguay, Polen, Rumänien, Russland, Schweden, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Südkorea, Tansania, Tschechien, der Türkei, Ungarn und in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[14]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Tief-Leucit kristallisiert tetragonal mit der Raumgruppe I41/a (Raumgruppen-Nr. 88) mit den Gitterparametern a = 13,05 Å und c = 13,75 Å sowie 16 Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Hoch-Leucit kristallisiert kubisch in der Raumgruppe Ia3d (Raumgruppen-Nr. 230) mit dem Gitterparameter a = 13,43 Å sowie 16 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Verwendung[Bearbeiten]

als Rohstoff[Bearbeiten]

Leucitgesteine dienen in einigen Ländern wie z. B. Italien als Rohstoff zur Gewinnung von Kalium und Aluminium.[8]

In der Zahnmedizin dient Leucit als Grundstoff zur Erzeugung von Keramiken für Zahnersatz wie Inlays und Teilkronen. Er kann in einem speziellen Verfahren gepresst werden und ist damit eine Alternative zu Zirkoniumoxid, welches gefräst werden muss.

als Schmuckstein[Bearbeiten]

Gelegentlich wird Leucit von Sammlern und Hobbyschleifern auch zu Schmucksteinen verarbeitet, wobei er überwiegend einen Facettenschliff erhält.[15]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Friedrich Klockmann, Paul Ramdohr, Hugo Strunz (Hrsg.): Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978 (Erstausgabe: 1891), ISBN 3-432-82986-8, S. 770.
  •  Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 859–860.
  •  Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7. vollständige überarbeitete und aktualisierte Auflage. Springer Verlag, Berlin u. a. 2005, ISBN 3-540-23812-3, S. 123–124.
  • Dorian M. Hatch, Subrata Ghose, Harold T. Stokes: Phase transitions in leucite, KAlSi2O6, In: Physics and Chemistry of Minerals, Band 17 (1990), S. 220–227 doi:10.1007/BF00201453

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Leucite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 693.
  2. Webmineral – Leucite (englisch)
  3. a b c Leucite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 61,5 kB)
  4. a b Mindat – Leucite (englisch)
  5. a b c G. Diego Gatta, Nicola Rotiroti, Tiziana Boffa Ballaran, Alessandro Pavese: Leucite at high pressure: Elastic behavior, phase stability, and petrological implications, In: American Mineralogist, Band 93 (2008), S. 1588–1596 (PDF 1,7 MB)
  6. a b c d  Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 264.
  7. a b c Martin Heinrich Klaproth: Chemische Untersuchung des Leucits, In: Beiträge zur Chemischen Kenntniss der Mineralkörper, Band 2 (1797), S. 39-61 (PDF 826,3 kB)
  8. a b c  Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 607–608.
  9. Fiorenzo Mazzi, Ermanno Galli, Glauco Gottardi: The crystal structure of tetragonal leucite, In: American Mineralogist, Band 61 (1976), S. 108–115 (PDF 843,8 kB)
  10.  Walter Schumann: Steine- und Mineralien sammeln; finden, präparieren, bestimmen. BLV Buchverlag GmbH & Co.KG, München, Wien, Zürich 1994, ISBN 3-405-14590-2, S. 110.
  11.  Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 860.
  12. Mindat - Anzahl der Fundorte für Leucit
  13.  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 271 (Dörfler Natur).
  14. Fundortliste für Leucite beim Mineralienatlas und bei Mindat
  15.  Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten der Welt. 1600 Einzelstücke. 13. überarbeitete und erweiterte Auflage. BLV Verlags-GmbH., München u. a. 2002, ISBN 3-405-16332-3, S. 220.