Petersilie

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Petersilie (Begriffsklärung) aufgeführt.
Petersilie
Petersilie (Petroselinum crispum), Illustration

Petersilie (Petroselinum crispum), Illustration

Systematik
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Apioideae
Tribus: Apieae
Gattung: Petroselinum
Art: Petersilie
Wissenschaftlicher Name
Petroselinum crispum
(Mill.) Fuss
Wurzel der Wurzelpetersilie
Glatte Petersilie
Krause Petersilie
Krause Petersilie (Makro)

Die Petersilie (Petroselinum crispum), in Österreich und Altbayern auch der Petersil, in der Schweiz Peterli, weitere Namen Peterle, Peterling, Petergrün oder Silk, ist eine zweijährige Pflanze aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae) und kommt wildwachsend im Mittelmeergebiet und auf den Kanaren vor. In Europa und dem gesamten Mittelmeerraum gehören die je nach Sorte glatten oder krausen Blätter ihrer Zuchtformen zu den verbreitetsten Küchenkräutern; die besonders große Speicherwurzel der Varietät Wurzelpetersilie (Petroselinum crispum subsp. tuberosum) dient als Bestandteil von Suppengrün.

Merkmale[Bearbeiten]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Die Petersilie ist ein zweijähriger Hemikryptophyt. Sie besitzt eine mehr oder weniger rübenförmige Wurzel. Aus dieser entspringen meist mehrere kahle Stängel, die aufrecht, stielrund bis leicht gerillt, sowie häufig röhrig sind. Die Stängel sind wie die ganze Pflanze kahl. Die Petersilie erreicht Wuchshöhen von 30 bis 90 (selten 100) Zentimeter. Die Grundblätter und die unteren Stängelblätter sind gestielt, weiter oben sind die Blätter mit breiten, weißen, hautrandigen Scheiden am Stängel sitzend.

Die Blätter sind dunkelgrün. Die untersten sind doppelt bis dreifach gefiedert. Die Zipfel sind im Umriss keilig bis breit eiförmig, fiederschnittig oder gelappt. Sie tragen eine knorpelige Spitze und sind ein bis zwei Zentimeter lang. Bei Kulturformen sind die Blätter glatt oder kraus. Die krausen Formen werden in Produktion und Samenhandel wiederum in 3 Gruppen eingeteilt: In grob bis mittelfein gekrauste (curled = type perlé = geperlt),[1] Typ Paramount,[2] fein bis sehr fein gekraust[2] (extra krause = double/triple curled),[3] Typ Mooskrause sowie Farnblättrige Petersilie (fern leafed).[2] Die Stärke der Blattkräuselung wird hierbei mit einer Skala von 1-9 als gering bis sehr stark bewertet.[4]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.

Blüten und Früchte[Bearbeiten]

Die Dolden sind lang gestielt und haben acht bis 20 Strahlen. Die Doldenstrahlen sind alle etwa gleich lang. Die ein bis drei Hüllblätter sind lanzettlich bis pfriemlich. Die je sechs bis acht Hüllchenblätter sind linealisch bis pfriemlich und rund halb so lang wie die Blütenstiele. Die Kronblätter sind grünlichgelb, häufig rötlich überlaufen und rund 0,6 Millimeter lang. Die zwittrigen Blüten sind proterandrisch und werden durch Insekten (Dipteren, Hymenopteren) bestäubt.

Die Früchte sind 2,5 bis drei Millimeter hoch und 1,5 bis zwei Millimeter breit. Ihre Form ist breit eiförmig. Zwischen den Hauptrippen sind sie dunkelbraun, die Hauptrippen selbst sind hellgelb, sehr dünn und stehen deutlich vor.

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Blätter und Wurzeln besitzen die gleichen Inhaltsstoffe: Die Hauptbestandteile des ätherischen Öls sind Myristicin, Limonen und 1,3,8-p-Menthatrien. In kleineren Mengen kommen auch weitere Mono- und Sesquiterpene vor.[5]

Bei den Früchten herrschen entweder Myristicin mit 60 bis 80 % vor oder – bei der glatten Petersilie – Apiol. Es gibt auch eine chemische Rasse mit Tetramethoxyallylbenzol als Hauptbestandteil des ätherischen Öls.[5]

Die Petersilie war namengebend für die in den Samen von Doldenblütlern vorkommende Fettsäure "Petroselinsäure", ein Isomer der Ölsäure.

Neben dem ätherischen Öl beinhaltet die Petersilie in sehr kleinen Mengen Polyine sowie in der Wurzel die Furanocumarine Bergapten und Isoimperatorin.[5]

Pharmakologie[Bearbeiten]

Als Heildroge werden die getrockneten und reifen Früchte verwendet Petroselini fructus und die frische ganze Pflanze Petroselinum (HAB).

Das ätherische Öl bewirkt eine kräftige Harnausscheidung vor allem durch die Reizwirkung der Phenylpropane auf das Nierenparenchym. In höherer Dosierung erzeugt das Apiol allerdings eine gesteigerte Kontraktibilität der glatten Muskulatur von Darm, Blase und vor allem der Gebärmutter.

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Petersilie ist eine Kulturpflanze, die Heimat der unbekannten Stammsippe wird im östlichen Mittelmeergebiet bis Westasien vermutet.[6]

In Mitteleuropa baut man sie in Gärten an; sehr selten verwildert sie. Sie bevorzugt frische und nährstoffreiche Lehmböden.

Systematik[Bearbeiten]

Es werden zwei Sippen, meist als Unterarten geführt, unterschieden:

  • Blatt-Petersilie (Petroselinum crispum subsp. crispum)
  • Wurzelpetersilie (Petroselinum crispum subsp. tuberosum (Rchb.) Soó)

Geschichte[Bearbeiten]

Die Petersilie wurde im antiken Griechenland als heilige Pflanze angesehen, jedoch nicht deutlich vom Sellerie unterschieden. Sie wird in der Odyssee als Schmuck der Insel der Nymphe Kalypso angesehen. Kränze aus Petersilie wurden den Siegern der Isthmischen und Nemëischen Spiele übergeben. Die älteste schriftliche Erwähnung findet sich auf einem Schriftstück auf mykenisch-griechischen Linearschrift B als se-ri-no, in der Antike wurde noch das petro- für "Stein" vorangestellt.[7]

Erst im Mittelalter wurde in Mitteleuropa die Pflanze zunächst als Heilkraut in Klöstern angebaut und daraufhin auch in der Küche eingesetzt. Um eine Verwechslung mit der giftigen, aber ähnlich aussehenden Hundspetersilie zu vermeiden, wurden Sorten mit krausen Blättern gezüchtet.[8] Im Mittelalter wurde befürchtet, die Petersilie bringe Unglück. Die lange Keimdauer der Pflanzen wurde als Anlass für die Erklärung genommen, die Petersilie müsse siebenmal zum Teufel fahren, bevor sie keimt. Im 19. Jahrhundert war auch die Bezeichnung „Parselkraut“ gebräuchlich, die mittlerweile jedoch so gut wie ausgestorben ist.[9]

Trivialnamen[Bearbeiten]

Für die Petersilie sind oder waren, zum Teil nur regional, auch die Bezeichnungen Beterli, Federsielli (althochdeutsch), Felswurz (mittelhochdeutsch), Gartenäppich, Krause bzw. Schlichte Krautpetersilie, Kräutel (Tirol Brixen), Krullpetersilie, Paiterling (Bayern), Pautersillle (Eichsfeld), Pedarsilli (althochdeutsch), Peiterzilk (Pommern), Perlin, Peterchen, Peterlein, Petercelie (mittelhochdeutsch), Petercile (mittelhochdeutsch), Peterli (Graubünden, Bern, Zürich, St. Gallen), Peterlin, Peterling, Petersil, Petersilge (mittelhochdeutsch), Petersilgen (mittelhochdeutsch), Petersile (althochdeutsch), Krause Petersilie, Petersilienwurzel, Petersiligen, Petersille (althochdeutsch), Petersillige (mittelhochdeutsch), Petirsil (althochdeutsch), Petrosil (althochdeutsch), Pitterseltch (Siebenbürgen), Silk (Bremen, niederdeutsch) und Wurzelpetersilie gebräuchlich.[10]

Verwendung[Bearbeiten]

Die Blätter der Petersilie werden als Gewürzkraut meist roh oder nur kurz erhitzt verwendet, da sie sonst ihr typisches Aroma verlieren, und stellen einen festen Bestandteil verschiedener Mittelmeerküchen dar.

Als Bestandteil des Bouquet garni der Französischen Küche wird die Petersilie nicht nur kurz mitgegart, sondern schon zu Anfang der Garzeit hinzugegeben, sie gibt dann Brühen und Saucen einen würzigen Grundgeschmack.[8]

Auch in der Küche Westasiens ist die Petersilie häufig zu finden, so werden beispielsweise in der türkischen Küche fast alle kalten Gerichte und gebratenes Fleisch mit gehackter Petersilie garniert.

Beim Taboulé, einem Salat aus der libanesischen Küche, ist Petersilie neben Minze und Weizengrieß die Hauptzutat. Auch im Kaukasus, auf der arabischen Halbinsel und im Iran wird Petersilie häufig verwendet.

Petersilie ist zudem ein Bestandteil der Grünen Soße, sowohl nach der Frankfurter als auch Kasseler Rezeptur, eines typischen Gerichts der deutschen Regionalküche, das sich besonders im hessischem Raum großer Beliebtheit erfreut.

Petersilie wird auch zu Suppe verarbeitet. Die Petersilie wird dazu in Gemüsebrühe gekocht und püriert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Graines Baumaux: Printempes 2006. 2006, S. 265-266.
  2. a b c Vilmorin-Andrieux u.a.: Les Plantes Potagères. Paris 1925, S. 504.
  3. C. Chaux, C. Foury: Productions Légumières. Bd 2. Tome 1994, ISBN 2-85206-969-5, S. 148.
  4.  J. Schlaghecken u. a.: Anbau- und Sortenhinweise für den Gemüsebau 1999/2000. In: Neustadter Hefte. Nr. 5, 1998, S. 124+125.
  5. a b c Gernot Katzers Gewürzseite
  6. M.A. Fischer, W. Adler, K. Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2. Auflage. Land Oberösterreich - Biologiezentrum der OÖ Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  7. Palaeolexicon, Word study tool of ancient languages
  8. a b M. Fansa, G. Katzer, J. Fansa: Chili, Teufelsdreck und Safran. Zur Kulturgeschichte der Gewürze. Die Werkstatt, Göttingen 2007, ISBN 3-89533-579-7, S. 223–224.
  9. M. Wiegele: Geschichten von Blumen und Kräutern: Ein Märchenbuch für Jung und Alt. Bacopa Verlag, Schiedlberg 2010, ISBN 978-3-901618-54-3, S. 166.
  10. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 36, online.

Literatur[Bearbeiten]

  • Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv. CD-Rom. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2001, ISBN 3-494-01327-6.
  • Avril Rodway: Kräuter und Gewürze. Die nützlichsten Pflanzen der Natur - Kultur und Verwendung. Tessloff Verlag, Hamburg 1980, ISBN 3-7886-9910-8.
  • Ingrid und Peter Schönfelder: Das neue Handbuch der Heilpflanzen, Franckh-Kosmos Verlagsgesellschaft, 2011, ISBN 3-440-09387-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Petersilie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Petersilie – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien