Martin Bormann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den NS-Politiker Martin Bormann; zu seinem Sohn, dem Theologen, siehe Martin Bormann junior
Martin Bormann (1934)

Martin Bormann (* 17. Juni 1900 in Wegeleben; † 2. Mai 1945 in Berlin) war in Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus Inhaber wichtiger Parteiämter, zuletzt Leiter der Partei-Kanzlei der NSDAP im Rang eines Reichsministers, und ein wichtiger Vertrauter Hitlers. Nach seiner Flucht aus dem Führerbunker der Reichskanzlei Anfang Mai 1945 galt er als verschollen. Er wurde im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher als einer von 24 Personen in Abwesenheit angeklagt, und am 1. Oktober 1946 in zwei von drei Anklagepunkten schuldig gesprochen und zum Tode durch den Strang verurteilt.

Jahrzehntelang hielt sich das Gerücht, Bormann sei die Flucht ins Ausland gelungen. Seine Leiche wurde dann aber 1972 bei Bauarbeiten in Berlin (Invalidenstraße) entdeckt.

Leben[Bearbeiten]

Familie[Bearbeiten]

Die Eltern Martin Bormanns waren Theodor und Antonie Bormann. Theodor Bormann (1862–1903) war Postbeamter. Nachdem 1898 dessen erste Ehefrau Louise Grobler im Alter von 30 Jahren verstorben und er mit zwei Kindern hinterblieben war, heiratete Theodor Bormann noch im selben Jahr Antonie Bernhardine Mennong, die 35 Jahre alte Tochter eines Arbeitskollegen. Von den gemeinsamen, kurz hintereinander geborenen drei Söhnen starb der Zweitgeborene kurz nach seiner Geburt, und nur Martin (* 1900) und Albert Bormann (1902–1989) erreichten das Erwachsenenalter. Der Vater verstarb unerwartet ein bzw. drei Jahre nach ihrer Geburt, kurz nach Vollendung seines 41. Lebensjahres.

Martin Bormann war verheiratet mit Gerda Bormann geb. Buch, der ältesten Tochter des Parteirichters Major a. D. Walter Buch. Als Trauzeuge hatte unter anderem Adolf Hitler fungiert. Gerda Bormann brachte zwischen 1930 und 1943 zehn Kinder zur Welt, von denen eines (die Tochter Ehrengard) kurz nach der Geburt starb. Außerdem hatte sie mindestens eine Fehlgeburt. Das erste Kind wurde zu Ehren des „Führers“ Adolf Martin genannt.

Freikorps Roßbach[Bearbeiten]

Ende des Ersten Weltkrieges wurde Martin Bormann in ein Regiment der Artillerie eingezogen, ohne an Kampfhandlungen teilzunehmen. Nach dem Krieg absolvierte er eine landwirtschaftliche Lehre auf einem Gutshof und wurde Mitglied im Verband gegen Überhebung des Judentums. Der dortige Gutsbesitzer beherbergte Mitglieder des Freikorps Roßbach, dem Bormann beitrat. Als Mitglied des Freikorps war er in rechtsradikale Umtriebe verwickelt und wurde 1924 wegen Fememordes angeklagt. Gemeinsam mit dem späteren SS-Obersturmbannführer und Kommandanten des Konzentrationslagers Auschwitz Rudolf Höß, der eine zehnjährige Haftstrafe erhielt, musste er sich für die Ermordung seines früheren Volksschullehrers Walter Kadow (1860–1923) verantworten. Bormann wurde zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt. Höß kam bereits 1928 aufgrund einer Amnestie vorzeitig wieder frei.

Während des Prozesses beschwerte Bormann sich über die Tatsache, dass er in den Akten des Gerichtes als evangelischer Christ geführt wurde. Seiner Aussage nach glaubte er damals an gar nichts. 1928 wurde er Mitglied der NSDAP. Dort war er kurzzeitig Fahrer von Gauleiter Fritz Sauckel in Weimar und stieg bereits ein Jahr später in die Führungsriege der NSDAP auf. 1928 übernahm er die SA-Versicherung und baute sie später weiter zur Hilfskasse der NSDAP aus.

Reichsleiter und Stabsleiter von Rudolf Heß[Bearbeiten]

Bormann (vorne, Erster von rechts) 1938 beim NSDAP-Reichsparteitag

Im Oktober 1933 wurde Bormann zu einem der 18 Reichsleiter der NSDAP ernannt und im November Mitglied des nationalsozialistischen Reichstags. Von Juli 1933 bis 1941 diente Bormann zudem als persönlicher Sekretär bzw. Stabsleiter von Rudolf Heß, dem Stellvertreter des „Führers“. Im Rahmen dieser Positionen suchte sich Bormann unentbehrlich zu machen.

So ernannte Adolf Hitler Bormann zum Verwalter seines Vermögens, der es z. B. mit Lizenzgebühren für Hitlers Buch Mein Kampf und für dessen Abbildung auf Briefmarken sowie dank der Einrichtung eines „Adolf Hitler Stiftungsfonds der deutschen Wirtschaft“ zu vergrößern wusste.

Ferner betraute ihn Hitler mit dem Bau und der Aufsicht eines „Führersperrgebiets“ auf dem Obersalzberg, das neben anderen Privathäusern der NS-Politprominenz auch Hitlers Berghof und das Kehlsteinhaus umfasste. Den vormaligen Grundstückseignern drohte er mit Verbringung in ein KZ, sofern diese nicht zu einem Verkauf bereit waren.

Bormann gelang es dann auch, den bisherigen persönlichen Adjutanten Hitlers, SA-Obergruppenführer Wilhelm Brückner, aus seinem Amt und somit aus dem unmittelbaren Umfeld Hitlers zu verdrängen.[1]

Reichsminister und Privatsekretär Hitlers[Bearbeiten]

Bormann (vorne links) im November 1941 mit Hitler bei der Beisetzung von Werner Mölders

Nach dem Englandflug von Heß am 12. Mai 1941 übernahm Bormann dessen Dienststelle, den Stab des Stellvertreters des Führers, der in Partei-Kanzlei umbenannt wurde, mit den Befugnissen eines Reichsministers. Bormann war inoffiziell der mächtigste Mann nach Hitler. Je länger der Krieg dauerte, desto mehr konnte er auch Einfluss darauf nehmen, wer direkten Zugang zu Hitler bekam, um seine Anliegen vorzutragen. Am 12. April 1943 erhielt er den Titel „Sekretär des Führers“.

Durch die ständige Nähe zu Hitler und dessen immer stärkere Konzentration auf die Kriegsführung erlangte Bormann eine Machtstellung, die auch einflussreichen Nazi-Größen wie Hermann Göring, Heinrich Himmler oder Albert Speer Schranken setzte. In seinem Testament bezeichnete Hitler Bormann als den „Treuesten seiner Parteigenossen“. Bormann war Trauzeuge Hitlers bei dessen Vermählung mit Eva Braun im Führerbunker am 29. April 1945, die kurz vor deren gleichzeitigen Suiziden stattfand.[1]

Nahezu bis zum Ende im Führerbunker ausharrend, blieb der in Parteikreisen und beim Militär gleichermaßen unbeliebte Bormann bei „seinem Führer“, der ihn in seinem politischen Testament zum Parteiminister im Kabinett Goebbels ernannte.

Bormanns Rolle bei der Verfolgung und Vernichtung der Juden[Bearbeiten]

Bormann war eine wesentliche treibende Kraft in jeder Phase der Judenverfolgung und Judenvernichtung. Er schaltete sich sowohl in die judenfeindliche Gesetzgebung als auch in ihre verwaltungsmäßige Durchführung ein.

Am 9. Oktober 1942 gab er einen Erlass an die Partei heraus, der die endgültige Beseitigung der Juden aus dem Deutschen Reich über die Vertreibung hinaus durch Anwendung „rücksichtslose[r] Härte“ in Sonderlagern des besetzten Ostens anordnete. Insbesondere aufgrund seiner Doppelfunktion in Staat und Partei weitete er die Verfolgung auf immer umfassendere Lebensbereiche aus.[2]

Nürnberger Prozess und Todesumstände[Bearbeiten]

Bormann war noch bei der Verbrennung von Hitlers Leiche anwesend, dann jedoch seit Anfang Mai nicht mehr auffindbar. Er wurde deshalb bei den Nürnberger Prozessen angeklagt und in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Zur Zeit des Prozesses galt es noch keineswegs als sichergestellt, dass Bormann bereits tot war, obgleich der als Zeuge vor den Internationalen Militärgerichtshof geladene frühere Reichsjugendführer Artur Axmann ausgesagt hatte, Bormanns Leiche in Berlin gesehen zu haben.

Laut Axmann hätten am 1. Mai 1945 nach Hitlers Tod Bormann und Ludwig Stumpfegger zusammen mit anderen Insassen des Führerbunkers einen Durchbruch aus dem stark umkämpften Stadtzentrum Berlins versucht. Sie seien zeitweise zu Fuß in einer Gruppe von Panzern mitmarschiert und hätten auch noch die Explosion eines in ihrer Nähe befindlichen Panzers überlebt. Bormann und Stumpfegger begingen dann aber offenbar in der Nacht zum 2. Mai 1945, vermutlich zwischen 1.00 und 3.00 Uhr, mithilfe mitgeführter Giftkapseln Suizid. Auf ihrem Fluchtweg hätten dann Axmann und sein Adjutant Günter Weltzin die beiden nebeneinander liegenden Leichen in den frühen Morgenstunden des 2. Mai 1945 auf der über die Ferngleise des Lehrter Bahnhofs führenden Brücke der Invalidenstraße entdeckt. Axmann identifizierte die beiden Toten als den Chef der Parteikanzlei, Martin Bormann, und den SS-Standartenführer und letzten Leib- bzw. Begleitarzt Hitlers, Ludwig Stumpfegger. Sie sollen noch Uniformen getragen haben, jedoch ohne Rangabzeichen.

Obwohl Bormanns Leiche nicht gefunden wurde, hatte ihn am 10. März 1954 das Amtsgericht Berchtesgaden amtlich für tot erklärt. Seit Mitte der 60er Jahre ließ die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main aufgrund von Zeitzeugenberichten auf einem in Frage kommenden Gelände in der Nähe des Lehrter Bahnhofs in Berlin Grabungen vornehmen, die jedoch ohne Ergebnis blieben. Noch im Jahr 1968 berichtete der Spiegel von einem Interview mit dem vermeintlichen Unterstützer Bormanns Erich Karl Wiedwald. Der ehemalige Scharführer der SS behauptete gegenüber einem Korrespondenten der Londoner Sunday Times, Bormann aus Berlin gelotst und noch wenige Monate zuvor gesehen zu haben. Wiedwald zufolge lebte die untergetauchte Nazigröße in der sogenannten „Kolonie Waldner 555“ im brasilianisch-paraguayischen Grenzgebiet. Bormanns Gesicht sei 1947 durch eine misslungene Gesichtsoperation entstellt worden, so dass sich seine prägnante Stirnnarbe unter den „Striemen entzündeter Haut“ verberge.[3]

Einige Jahre später half der Zufall: Bei Erdkabelarbeiten der Post am 7./8. Dezember 1972 wurden in der Nähe des Lehrter Bahnhofs nahe dem früheren Landesausstellungspark zwei Skelette im Boden entdeckt, die durch die Aussagen des damaligen (1945) Bestatters und durch die anschließenden genauen Untersuchungen durch Gerichtsmediziner, Zahnärzte und Anthropologen schnell Martin Bormann und Ludwig Stumpfegger zugeordnet werden konnten. An beiden Schädeln wurden zwischen den Zähnen Glassplitter von Blausäureampullen gefunden. Für Bormanns Skelett wurde die Identität 1998 durch eine DNS-Analyse bewiesen.[4][5] Bormanns Überreste wurden 1999 verbrannt, seine Asche in der Ostsee beigesetzt.[6] Bis zur Auffindung des Skeletts waren Gerüchte kursiert, Bormann sei nach Südamerika geflohen und halte sich dort versteckt. Noch heute kann das vermeintliche Versteck Bormanns im argentinischen Urwald in der Nähe des Städtchens San Ignacio besichtigt werden.

Martin Bormann ist in der Nacht zum 2. Mai 1945 zwischen ein und drei Uhr auf der Eisenbahnbrücke der Invalidenstraße in Berlin gestorben. Mit dieser Erklärung hat der hessische Generalstaatsanwalt Dr. Horst Gauf am 11. April 1973 auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main das Ergebnis zwölfjähriger Ermittlungen der von ihm geleiteten Behörde über das Schicksal des wegen millionenfachen Mordes gesuchten früheren NS-Reichsleiters bekanntgegeben. Die Ermittlungsakte „Bormann“, AZ: O JS 11/61, ist geschlossen.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 12. April 1973

Deutungen[Bearbeiten]

Bormann galt als „absolut zuverlässiger Erfüllungsgehilfe“ Hitlers. Von seinen Zeitgenossen wurde er unterschätzt, wurde aber nach dem Krieg „zum bösen Dämon des NS-Staates und Sündenbock überzeichnet und damit überschätzt“.[7]

Nationalsozialistische Auszeichnungen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Martin Bormann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Albert Speer: Erinnerungen; zitiert aus der englischen Ausgabe Inside the Third Reich 1970, S. 87.
  2. Enzyklopädie des Holocaust. Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden. Bd. 1. Hrsg. v. Eberhard Jäckel, Peter Longerich, Julius H. Schoeps. Argon, Berlin 1993, ISBN 3-87024-303-1, S. 231ff (zum Erlass S. 233), siehe auch Kurzbiografie beim DHM.
  3.  Die Spur führt zu Waldner 555. Das Versteck Martin Barmanns in Brasilien. In: Der Spiegel. Nr. 2, 1968 (8. Januar 1968, online).
  4. Katja Anslinger, Burkhard Rolf: Der Fall Martin Bormann. Institut für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München, Pdf-Dokument, abgerufen am 18. Februar 2010.
  5.  Bormanns Skelett eindeutig identifiziert. In: Der Spiegel. Nr. 19, 1998, S. 230 (online).
  6. Seegrab für Nazi-Bonzen Martin Bormann. Spiegel-online vom 28. August 1999, abgerufen am 28. August 2009
  7. Hermann Weiß (Hrsg.): Biographisches Lexikon zum Dritten Reich. 2. Aufl. Frankfurt am Main 1998. ISBN 3-10-091052-4, S. 51.