Werner von Blomberg

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Generalfeldmarschall Werner von Blomberg (1937)

Werner Eduard Fritz von Blomberg (* 2. September 1878 in Stargard, Pommern; † 13. März[1] 1946 in Nürnberg) war von 1933 bis 1938 Reichswehrminister (seit 1935 Reichskriegsminister) und ab 1936 der erste Generalfeldmarschall der Wehrmacht.

Leben[Bearbeiten]

Kaiserreich und Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Werner von Blomberg war der Sohn des Oberstleutnants Emil von Blomberg und dessen Frau Emma (geb. Tschepe). Nach dem Besuch der Preußischen Hauptkadettenanstalt in Groß-Lichterfelde (damals noch eine Vorstadt von Berlin) begann er 1897 seine Militärkarriere als Leutnant im Füsilier-Regiment „General-Feldmarschall Prinz Albrecht von Preußen“ (Hannoversches) Nr. 73. Für den Generalstabsdienst als geeignet befunden, absolvierte Blomberg von 1907 bis 1910 die Kriegsakademie in Berlin und wurde anschließend in den Großen Generalstab versetzt. 1911 wurde er zum Hauptmann befördert.

Im Ersten Weltkrieg war von Blomberg zunächst als Generalstabsoffizier einer Reservedivision eingesetzt. 1916 zum Major befördert, wurde er Erster Generalstabsoffizier bei der 7. Armee. Für seine besonderen Leistungen auf dem Schlachtfeld wurde ihm 1918 der Orden Pour le Mérite, die höchste preußische Tapferkeitsauszeichnung, verliehen.

Weimarer Republik[Bearbeiten]

Nach dem Krieg war Blomberg von 1919 bis 1921 als Referent im Reichswehrministerium tätig. 1920 zum Oberstleutnant befördert, war er von 1921 bis 1924 Stabschef beim Wehrkreiskommando V in Stuttgart und wurde in dieser Funktion 1923 zum Obersten befördert. 1925 avancierte Blomberg zum Chef des Heeresausbildungswesens. 1927 übernahm er die Leitung des Truppenamtes, das in der Zeit der Weimarer Republik aufgrund des entsprechenden Verbotes des Versailler Vertrages die Tarnbezeichnung des Generalstabes war, und im folgenden Jahr wurde er zum Generalmajor befördert. Nach einer Kontroverse über die deutschen Chancen eines Zweifrontenkrieges mit Frankreich und Polen, die das Reichswehrministerium anders als er als aussichtslos beurteilte, wurde er von Kurt von Hammerstein-Equord abgelöst. 1929 bis 1933 war er Kommandeur der 1. Division, Befehlshaber des Wehrkreises I (Ostpreußen) und leitete 1932 die deutsche Militärdelegation bei der Genfer Abrüstungskonferenz. Er bereitete Deutschlands Austritt aus der Abrüstungskonferenz und dem Völkerbund vor und verließ damit die frühere Militärpolitik Groeners, der die deutsche Rüstungspolitik in das 1919 entstandene multilaterale Sicherheitssystem eingeordnet hatte. Blomberg befürwortete die einseitige, außenpolitisch nicht abgesicherte Aufrüstung Deutschlands.

1934 starb seine 1880 geborene Ehefrau Charlotte (geb. Hellmich), mit der er seit 1904 verheiratet war und fünf Kinder hatte.

Von Blomberg war an der deutsch-sowjetischen Rüstungszusammenarbeit bei Panzerentwicklung, Gaskrieg und Luftstreitkräften beteiligt und befürwortete eine Zusammenarbeit mit dem stalinistischen Regime.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Vorkriegszeit[Bearbeiten]

Am 30. Januar 1933, wenige Stunden vor der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, wurde er von Reichspräsident Paul von Hindenburg (entgegen den Bestimmungen der Reichsverfassung, nach der Minister nur auf Vorschlag des Reichskanzlers ernannt werden können) zum Reichswehrminister ernannt und gleichzeitig zum General der Infanterie befördert; er sollte so zur konservativen „Einrahmung“ und „Zähmung“ Hitlers beitragen. Von Blomberg schloss sich jedoch eng mit Hitler zusammen, wurde am 4. April sein ständiger Vertreter in allen Fragen der Reichsverteidigung und Ende April 1933 Oberbefehlshaber der Reichswehr, was öffentlich nicht bekanntgegeben wurde.

Von Blomberg galt als Militärfachmann alter Schule ohne Sinn für Politik. Persönlich neigte er der Weltsicht Rudolf Steiners zu.[2] In konservativen Kreisen der Bevölkerung war von Blomberg populär, einigen Offizieren der Reichswehr galt er jedoch als allzu willfährig gegenüber Hitler, den er seit 1931 persönlich kannte.[3]

Joseph Goebbels, Adolf Hitler und Werner von Blomberg vor dem Staatsakt zum Heldengedenktag 1934 in der Berliner Staatsoper Unter den Linden im Gespräch

Während des so genannten „Röhm-Putsches“ im Juni und Juli 1934 verhielt sich Blomberg trotz der Ermordung zweier ehemaliger Generäle der Reichswehr (Kurt von Schleicher und Ferdinand von Bredow) passiv. Proteste innerhalb des Offizierskorps gegen die Entfernung jüdischer Kameraden wurden von Blomberg unterdrückt. In einem Artikel im Völkischen Beobachter vom 29. Juni 1934 sicherte er Hitler die Loyalität des Heeres zu.

Vereidigung der Reichswehr auf Hitler[Bearbeiten]

Nach dem Tod Hindenburgs am 2. August 1934 veranlasste von Blomberg in Absprache mit Walter von Reichenau die Vereidigung der Reichswehrsoldaten auf Hitler („Führereid“). 1935 übertrug ihm Hitler den Oberbefehl über die gesamte Wehrmacht (Heer, Marine, ab 1936 zusätzlich über die neu aufgestellte Luftwaffe) und ernannte ihn im selben Jahr (1936) – als ersten Soldaten der Wehrmacht überhaupt – zum Generalfeldmarschall.[4] Am 30. Januar 1937 erhielt von Blomberg das Goldene Parteiabzeichen der NSDAP und wurde mit diesem Datum in die Partei (Mitgliedsnr. 3.805.226) aufgenommen.[5]

Hoßbach-Protokoll[Bearbeiten]

Am 5. November 1937 nahm er an einer Konferenz mit Hitler teil, an der die Oberbefehlshaber der drei Wehrmachtteile Werner Freiherr von Fritsch (Heer), Erich Raeder (Kriegsmarine), Hermann Göring (Luftwaffe) sowie der Reichsaußenminister Konstantin Freiherr von Neurath teilnahmen. Thema des in der „Hoßbach-Niederschrift“ festgehaltenen Gesprächs waren Hitlers Pläne für einen Angriffskrieg gegen Deutschlands Nachbarstaaten. Von Blomberg und Fritsch bezweifelten, dass die Wehrmacht einen europäischen Krieg erfolgreich ausfechten könnte – die Konferenz endete im Dissens.

Blomberg-Fritsch-Krise[Bearbeiten]
Hauptartikel: Blomberg-Fritsch-Krise

Ende 1937 wandte sich von Blomberg an Göring mit der Bitte, ihn bezüglich seiner geplanten nicht standesgemäßen Eheschließung mit Luise Margarethe Gruhn (* 1913) zu beraten, da erst jüngst verschärfte Heiratsvorschriften für Angehörige der Wehrmacht dies grundsätzlich untersagten. Göring bestärkte ihn dennoch in seinem Entschluss, sorgte für die Beseitigung eines Nebenbuhlers, dem eine Stelle im Ausland angeboten wurde, und fungierte gemeinsam mit Hitler am 12. Januar 1938 als Trauzeuge. Wenige Tage später jedoch konfrontierte ihn Göring mit einem Polizeidossier über seine Frau, die einmal wegen Diebstahlverdacht in Haft gewesen sowie als Modell für Pornobilder aktenkundig war.[6] Göring forderte ihn auf, seine Ehe annullieren zu lassen oder unverzüglich zurückzutreten. Blomberg schied am 27. Januar 1938, offiziell aus gesundheitlichen Gründen, aus dem Amt. Bei seinem Abschied erhielt Blomberg einen „goldenen Handschlag” von 50.000 Reichsmark,[7] was in etwa seinem doppelten bisherigen Jahres-Grundgehalt entsprach. In einem letzten Akt der Loyalitätsbekundung schlug er bei seinem Abschiedsbesuch in der Reichskanzlei Adolf Hitler als neuen Oberbefehlshaber der Wehrmacht vor.

Nachdem Hitler mit dem falschen Vorwurf der Homosexualität erneut einen Kritiker an der Heeresspitze, Generaloberst Werner von Fritsch, ausgeschaltet hatte, gliederte er das Kriegsministerium in das neue Oberkommando der Wehrmacht (OKW) ein und betraute den General der Artillerie Wilhelm Keitel mit dessen Führung. Im Zuge dieser als „Blomberg-Fritsch-Krise“ bezeichneten Intrige wurden von Blomberg und von Fritsch entmachtet. Das Kommando über die Wehrmacht übernahm Hitler am 4. Februar 1938 selbst.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg ohne militärische Verwendung, wurde von Blomberg 1945 von den Alliierten als Kriegsverbrecher verdächtigt und verhaftet; im Hauptkriegsverbrecherprozess in Nürnberg (1945/46) wurde er als Zeuge vor das Internationale Militärtribunal zitiert.

Von Blomberg starb im März 1946 in Nürnberg in einem amerikanischen Militärlazarett an Darmkrebs. Sein Grab befindet sich auf dem Bergfriedhof von Bad Wiessee.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Werner von Blomberg – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Laut Todesnachricht im Hamburger Nachrichten-Blatt vom 14. März 1946 starb Blomberg am Mittwochnachmittag, 13. März 1946. Folgende Literatur nennt den 14. März:
    1. Brockhaus Enzyklopädie
    2. Werner von Blomberg im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
    3. Kirstin A. Schäfer: Werner von Blomberg – Hitlers erster Feldmarschall. Paderborn 2006
    4. Samuel W. Mitcham Jr.: Generalfeldmarschall Werner von Blomberg. In: Gerd R. Ueberschär (Hrsg.): Hitlers militärische Elite. Darmstadt 2006.
    Folgende Werke nennen den 22. März:
    1. Helmuth Rönnefarth: Blomberg, Werner Eduard Fritz Freiherr von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 313 f. (Digitalisat).
    2. Manfred Wichmann: Werner von Blomberg. Tabellarischer Lebenslauf im LeMO (DHM und HdG)
  2. Biographisches Wörterbuch zur deutschen Geschichte, 2. Auflage, München 1973
  3. Robert Wistrich: Wer war wer im Dritten Reich. Frankfurt am Main 1983.
  4. Blombergs Marschallstab ist heute (2011) im National Museum of American History ausgestellt.
  5. Klaus D. Patzwall: Das Goldene Parteiabzeichen und seine Verleihungen ehrenhalber 1934–1944, Studien zur Geschichte der Auszeichnungen Band 4. Verlag Klaus D. Patzwall, Norderstedt 2004, ISBN 3-931533-50-6, S. 19.
  6.  Heinz Höhne: Entehrend für die ganze Armee. Der Fall Fritsch-Blomberg 1938. In: Der Spiegel. Nr. 5, 1984 (online).
  7. Ian Kershaw: Hitler. 1936–1945. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 2000, ISBN 3-421-05132-1. S. 96.