Guido Knopp
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Guido Friedrich Knopp (* 29. Januar 1948 in Treysa, Hessen) ist ein deutscher Journalist, Publizist und Moderator. Er ist vor allem für seine Beschäftigung mit zeitgeschichtlichen Themen bekannt.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Leben
Guido Knopps Familie stammt aus Oberschlesien. Nach der Vertreibung kamen sie nach Aschaffenburg, wo Guido Knopp aufwuchs. Nach seinem Abitur am Friedrich-Alexander-Gymnasium Neustadt an der Aisch studierte Knopp Geschichte, Politik und Publizistik in Frankfurt am Main, Amsterdam und Würzburg. Nach seiner Promotion über die Geschichte der SPD[1] arbeitete er als Redakteur bei der Welt am Sonntag und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Seit 1978 ist Knopp beim ZDF beschäftigt, wo er die ZDF-Redaktion „Zeitgeschichte“ aufbaute, die seit den neunziger Jahren von Knopp moderierte zeitgeschichtliche Fernsehserien wie Hitler - Eine Bilanz, Unser Jahrhundert - Deutsche Schicksalstage, Hitlers Helfer, Hitlers Krieger und History produziert. Seit 1999 wiederholt Phoenix die von Knopp damals für das ZDF anläßlich des Jahrtausendwechsels entwickelte und moderierte Reihe 100 Jahre, die die Geschichte des 20. Jahrhunderts behandelt.
Knopp initiierte die Aschaffenburger Gespräche, eine Podiumsdiskussionsreihe zu unterschiedlichen Themen der Zeitgeschichte, die er von 1978 bis 2008 organisierte und leitete. Diese Diskussionen wurden aufgezeichnet und vom ZDF und von Phoenix ausgestrahlt.
Guido Knopp lebt mit seiner Familie in Mainz. Er lehrt an der Gustav-Siewerth-Akademie in Weilheim-Bierbronnen Journalistik.
[Bearbeiten] Arbeitsweise und Zielgruppe
Knopp etablierte historische Dokumentationen zur besten Sendezeit und erreicht damit ein breites Publikum. Sein Stil wird auch mit dem Kofferwort „Histotainment“ (eine Begriffsbildung analog zu „Edutainment“ und „Infotainment“) beschrieben.
Da sich die großen Serien immer wieder auf Biographien einzelner Persönlichkeiten beschränken, wird von Kritikern bemängelt, dass seine Geschichtsdarstellung oberflächlich bleibe und die Komplexität geschichtlicher Zusammenhänge zu stark vereinfacht werde (vgl. Populärwissenschaftlichkeit). Befürworter der Arbeit Knopps verteidigen sie mit dem Hinweis, dass das Zielpublikum nicht Geschichtswissenschaftler, sondern Menschen ohne detailliertes historisches Wissen seien.
[Bearbeiten] Kritik
Peter Kümmel fasst amerikanische und deutsche Kritiker so zusammen: Knopps Filme funktionierten wie „Rollenspiele, mit deren Hilfe sich die Deutschen mit ihren Großvätern versöhnen könnten.“ Die Filme würden das „Wir“-Gefühl mehr ansprechen als die Fakten. Erinnerung sei bei ihm emphatisch geladen, zu wohlwollend.[2]
Differenzierte Kritik bescheinigt zwar, dass die gesprochenen Kommentare und Botschaften politisch korrekt seien. Der „visuelle Sog“ der teils auch nachgestellten und mit Ton unterlegten Szenen überlagere jedoch oftmals den Off-Kommentar und schaffe eine raffinierte Identifikationsmöglichkeit etwa mit einem Militäridol, lasse gegensätzliche Perspektiven von Tätern und Opfern außen vor und löse „eine Kette verführerischer Gedanken aus: Was, wenn der Angriff früher begonnen, der Winter später eingesetzt hätte und der ‚Führer’ gescheiter gewesen wäre.“[3]
Vor allem Knopps Sendereihen zum NS-Staat werden nicht nur wegen ihrer reißerischen Ästhetik kritisch betrachtet. Zum einen ist eine fragwürdige Konzentration auf Hitler und die nationalsozialistische Elite festzustellen, zum anderen werden konkrete Fragen nach Schuld und Verantwortung immer wieder durch Allgemeinplätze nur vordergründig aufgeworfen und in der Regel mit dem Verweis auf die Haupt- oder sogar Alleinverantwortung Hitlers beantwortet. Dass dies auch als Teil einer Generalamnestie des deutschen Volkes gesehen werden kann, wurde wiederholt in den unterschiedlichen Kritiken an den Sendereihen benannt. Jenseits der oft eher publikumswirksam-polemisch geäußerten Kritik an Inhalten und Machart in den Feuilletons finden sich nur wenige geschichtswissenschaftliche, ausführliche Auseinandersetzungen mit den Produktionen der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte. Die umfassendste Auseinandersetzung liefert Oliver Näpel in der Zeitschrift für Geschichtsdidaktik. Hierbei handelt es sich um eine systematische Aufarbeitung der Funktionen und Wirkung der unterschiedlichen Bausteine von Guido Knopps Dokutainment-Sendungen, deren Hauptaugenmerk auf den Sendereihen zum Dritten Reich liegt.[4]
Die verharmlosenden oder emotionalisierenden Zeitzeugeninterviews würden historisch brisante Tatsachen verdecken, kritisiert Evelyn Finger das Vertreibungs-Epos des ZDF aus dem Herbst 2006.[5] Es sei entpolitisierend, Einzelschicksale zu zeigen und historische Beurteilung zu verschweigen, wenn mit dem Anspruch aufgetreten werde, eine ganze Epoche darzustellen. So erwähne Knopp in seiner Einleitung dieser Trilogie mit keinem Wort die von deutschen Armeen über Polen, Russland und weitere Teile Europas gebrachten Vertreibungen, Umsiedlung genannte Massenmorde, individuelle Angst, Schmerzen, Hunger und heute oft verdrängte Lasten. Auch diese nicht zu vergessen hieße nicht, sie gegenseitig aufzurechnen.[6] Michael Jeismann in der FAZ fragt, ob man am Bildschirmrand hätte einblenden sollen: „Die Deutschen waren schuld", da das Deutsche Reich einen Vernichtungskrieg im Osten geführt hat.[7] Das Diktum Knopps wende sich gegen seine redaktionelle Verantwortung: Es sei kein gutes Zeichen für das Miteinander in Europa gewesen, dieses ganz wegzulassen. Christian Buß stellte 2006 im Magazin Der Spiegel fest, diese „Ballung deutscher Gutmenschen wirke auf Dauer arg befremdlich“.[8]
[Bearbeiten] Auszeichnungen und Preise
- 1988: Europäischer Fernsehpreis
- 1997: Bayerischer Fernsehpreis für die Dokumentarserie „Hitlers Helfer“ (ZDF)
- 1997: Goldener Löwe für „Hitlers Helfer“
- 1998: Goldene Romy Beste Programmidee für „Hitlers Helfer“
- 2001: Bundesverdienstkreuz
- 2004: Goldene Feder in der Kategorie TV/Dokumentation
- 2004: Kulturpreis der Stadt Aschaffenburg, für die Aschaffenburger Gespräche
- 2004: Goldene Kamera
- 2005: Emmy in der Kategorie International für die ZDF-Dokumentation Das Drama von Dresden
- 2010: Lifetime Achievement Award der History Makers[9]
[Bearbeiten] Veröffentlichungen
- Guido Knopp u. Siegfried Quandt (Hrsg.): Geschichte im Fernsehen: e. Handbuch. Darmstadt, Wiss. Buchges. 1988, ISBN 3-534-02487-7.
Zu den Dokumentationen erschienen zahlreiche Begleitbücher, wie:
- Hitler - Eine Bilanz, ISBN 3442153522
- Hitlers Helfer , ISBN 3442127629
- Vatikan, ISBN 3442150078
- Hitlers Krieger, ISBN 3442150450
- Unser Jahrhundert, ISBN 3442150442
- Die große Flucht Das Buch zur Serie im ZDF, ISBN 3430155053
- Die Gefangenen, ISBN 3570007006
- Stalingrad, ISBN 357000693X
- Der Jahrhundertkrieg, ISBN 3430155169
- Die SS: Eine Warnung der Geschichte, ISBN 3570006212
- Kanzler Die Mächtigen der Republik, ISBN 3442150671
- History Geheimnisse des 20. Jahrhunderts, ISBN 3570006654
- History Die Geschichten hinter der Geschichte, ISBN 3570006670
- Göring Eine Karriere, ISBN 3570008916
- Holokaust, ISBN 344215152X
- Die Deutschen: vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert, ISBN 978-3-570-00942-0
[Bearbeiten] Literatur
- T. Fehrensen: Hitler als Quotenstürmer [Kommentar zu den Filmen von Guido Knopp]. In: Rheinischer Merkur, 2. Oktober 1998.
- Joachim Käppner: Rezension: G. Knopp u.a., Holokaust. München 2000. In: Süddeutsche Zeitung, 23. Oktober 2000.
- Peter Kümmel: Ein Volk in der Zeitmaschine. Guido Knopp, der Starhistoriker des ZDF, organisiert Pauschalreisen in die NS-Vergangenheit. Seine Ausflüge sind beliebt. Das Fernsehpublikum fühlt sich bei ihm vor allem Bösen gut beschützt. In: Die Zeit Nr. 10, 26. Februar 2004.
[Bearbeiten] Weblinks
- Filmliste bei der Internet Movie Database
- Literatur von und über Guido Knopp im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Frank van Bebber: Aversionen gegen Herrn K. - Geschichtssendungen von Guido Knopp sind beliebt. Historiker kritisieren die Qualität der Berichte. In: Der Tagesspiegel vom 25. September 2006 (Über den 46. Deutschen Historikertag in Konstanz)
- Oliver Näpel: Historisches Lernen durch 'Dokutainment'? - Ein geschichtsdidaktischer Aufriss. Chancen und Grenzen einer neuen Ästhetik populärer Geschichtsdokumentation, analysiert am Beispiel der Sendereihen Guido Knopps. In: Zeitschrift für Geschichtsdidaktik 2 (2003), S.213-244, der Volltext befindet sich als kostenloser Download (pdf-Datei) unten auf der Seite der Universitätshomepage des Verfassers.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Einigungsdebatte und Einigungsaktion in SPD und USPD 1917 - 1920 unter besonderer Berücksichtigung der "Zentralstelle für Einigung der Sozialdemokratie". Würzburg 1975.
- ↑ Peter Kümmel in Die Zeit: Ein Volk in der Zeitmaschine. Nr. 10/2004 vom 26. Februar 2004
- ↑ Wulf Kansteiner: Die Radikalisierung des deutschen Gedächtnisses im Zeitalter seiner kommerziellen Reproduktion: Hitler und das „Dritte Reich“ in den Fernsehdokumentationen von Guido Knopp. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 51(2003) - Zitat S. 634
- ↑ Oliver Näpel: Historisches Lernen durch 'Dokutainment'? - Ein geschichtsdidaktischer Aufriss. Chancen und Grenzen einer neuen Ästhetik populärer Geschichtsdokumentationen, analysiert am Beispiel der Sendereihen Guido Knopps, in: Zeitschrift für Geschichtsdidaktik 2 (2003), S.213-244. Da die Zeitschrift verlagsseitig vergriffen ist, wird der Artikel als Volltext von der Homepage des Verfassers (ganz unten auf der Seite) als kostenloser download zur Verfügung gestellt: http://www.uni-muenster.de/Geschichte/hist-dida/organisation/mitarbeiter/naepel/index.html
- ↑ Evelyn Finger in Die Zeit: Alle waren Opfer. Nr. 48/2006 vom 23. Nov. 2006, Seite 57
- ↑ G. Knopp in Zeichen der Versöhnung (Über die ZDF-Reihe „Die Kinder der Flucht“), ZDF vom 26. November 2006
- ↑ Michael Jeismann: Fernsehvorschau - Erfahrbare Geschichten der Flucht in der FAZ vom 28. November 2006, Nr. 277 / Seite 42 (online)
- ↑ Christian Buß: Unter Wölfen. In Spiegel vom 28. November 2006
- ↑ http://www.wunschliste.de/news/6142 Bericht zur Verleihung des Lifetime Achievement Award auf www.wunschliste.de
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Knopp, Guido |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Journalist, Publizist und Moderator |
| GEBURTSDATUM | 29. Januar 1948 |
| GEBURTSORT | Treysa, Hessen |