Guido Knopp

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Guido Knopp auf der Frankfurter Buchmesse

Guido Friedrich Knopp (* 29. Januar 1948 in Treysa, Hessen) ist ein deutscher Journalist, Publizist und Moderator. Er ist vor allem für seine Beschäftigung mit zeitgeschichtlichen Themen bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Guido Knopps Familie stammt aus Oberschlesien. Nach der Vertreibung kamen sie nach Aschaffenburg, wo Guido Knopp aufwuchs. Nach seinem Abitur am Friedrich-Alexander-Gymnasium Neustadt an der Aisch studierte Knopp Geschichte, Politik und Publizistik in Frankfurt am Main, Amsterdam und Würzburg. Nach seiner Promotion arbeitete er als Redakteur bei der Welt am Sonntag und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Seit 1978 ist Knopp beim ZDF beschäftigt, wo er die ZDF-Redaktion „Zeitgeschichte“ aufbaute, die zeitgeschichtliche Fernsehserien wie Hitlers Helfer, Hitlers Krieger und die Serie History produziert. Die Serien werden von ihm moderiert. Seit 1999 sendet Phoenix die von Knopp entwickelte und moderierte Reihe 100 Jahre, die die Geschichte des 20. Jahrhunderts behandelt. Die Serie ist die erste filmische Aufarbeitung eines ganzen Jahrhunderts.[1]

Knopp initiierte die Aschaffenburger Gespräche, eine Podiumsdiskussionsreihe zu unterschiedlichen Themen der Zeitgeschichte, die er von 1978 bis 2008 organisierte und leitete. Diese Diskussionen wurden aufgezeichnet und vom ZDF und von Phoenix ausgestrahlt.

Guido Knopp lebt mit seiner Familie in Mainz. Er lehrt an der Gustav-Siewerth-Akademie in Weilheim-Bierbronnen Journalistik.

Arbeitsweise und Zielgruppe

Knopp etablierte historische Dokumentationen zur besten Sendezeit und erreicht damit ein breites Publikum. Sein Stil wird auch mit dem KofferwortHistotainment“ (eine Begriffsbildung analog zu „Edutainment“ und „Infotainment“) beschrieben.

Da sich die großen Serien immer wieder auf Biographien einzelner Persönlichkeiten beschränken, wird von Kritikern bemängelt, dass seine Geschichtsdarstellung oberflächlich bleibe und die Komplexität geschichtlicher Zusammenhänge zu stark vereinfacht werde (vgl. Populärwissenschaftlichkeit). Befürworter der Arbeit Knopps verteidigen sie mit dem Hinweis, dass das Zielpublikum nicht Geschichtswissenschaftler, sondern Menschen ohne detailliertes historisches Wissen seien.

Kritik

Peter Kümmel fasst amerikanische und deutsche Kritiker so zusammen: Knopps Filme funktionierten wie „Rollenspiele, mit deren Hilfe sich die Deutschen mit ihren Großvätern versöhnen könnten.“ Die Filme würden das „Wir“-Gefühl mehr ansprechen als die Fakten. Erinnerung sei bei ihm emphatisch geladen, zu wohlwollend.[2]

Differenzierte Kritik bescheinigt zwar, dass die gesprochenen Kommentare und Botschaften politisch korrekt seien. Der „visuelle Sog“ der teils auch nachgestellten und mit Ton unterlegten Szenen überlagere jedoch oftmals den Off-Kommentar und schaffe eine raffinierte Identifikationsmöglichkeit etwa mit einem Militäridol, lasse gegensätzliche Perspektiven von Tätern und Opfern außen vor und löse „eine Kette verführerischer Gedanken aus: Was, wenn der Angriff früher begonnen, der Winter später eingesetzt hätte und der ‚Führer’ gescheiter gewesen wäre.“[3]

Vor allem Knopps Sendereihen zum Dritten Reich werden nicht nur wegen ihrer reißerischen Ästhetik kritisch betrachtet. Zum einen ist eine fragwürdige Konzentration auf Hitler und die nationalsozialistische Elite festzustellen, zum anderen werden konkrete Fragen nach Schuld und Verantwortung immer wieder durch Allgemeinplätze nur vordergründig aufgeworfen und in der Regel mit dem Verweis auf die Haupt- oder sogar Alleinverantwortung Hitlers beantwortet. Dass dies auch als Teil einer Generalamnestie des deutschen Volkes gesehen werden kann, wurde wiederholt in den unterschiedlichen Kritiken an den Sendereihen benannt. Jenseits der oft eher publikumswirksam-polemisch geäußerten Kritik an Inhalten und Machart in den Feuilletons finden sich nur wenige geschichtswissenschaftliche, ausführliche Auseinandersetzungen mit den Produktionen der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte. Die umfassendste Auseinandersetzung liefert Oliver Näpel in der Zeitschrift für Geschichtsdidaktik. Hierbei handelt es sich um eine systematische Aufarbeitung der Funktionen und Wirkung der unterschiedlichen Bausteine von Guido Knopps Dokutainment-Sendungen, deren Hauptaugenmerk auf den Sendereihen zum Dritten Reich liegt.[4]

Die verharmlosenden oder emotionalisierenden Zeitzeugeninterviews würden historisch brisante Tatsachen verdecken, kritisiert Evelyn Finger das Vertreibungs-Epos des ZDF aus dem Herbst 2006.[5] Es sei entpolitisierend, Einzelschicksale zu zeigen und historische Beurteilung zu verschweigen, wenn mit dem Anspruch aufgetreten werde, eine ganze Epoche darzustellen. So erwähne Knopp in seiner Einleitung dieser Trilogie mit keinem Wort die von deutschen Armeen über Polen, Russland und weitere Teile Europas gebrachten Vertreibungen, Umsiedlung genannte Massenmorde, individuelle Angst, Schmerzen, Hunger und heute oft verdrängte Lasten. Auch diese nicht zu vergessen hieße nicht, sie gegenseitig aufzurechnen.[6] Michael Jeismann in der FAZ fragt, ob man am Bildschirmrand hätte einblenden sollen: „Die Deutschen waren schuld", da das Deutsche Reich einen Vernichtungskrieg im Osten geführt hat.[7] Das Diktum Knopps wende sich gegen seine redaktionelle Verantwortung: Es sei kein gutes Zeichen für das Miteinander in Europa gewesen, dieses ganz wegzulassen. Christian Buß stellte 2006 im Magazin Der Spiegel fest, diese „Ballung deutscher Gutmenschen wirke auf Dauer arg befremdlich“.[8]

Auszeichnungen und Preise

Knopps Dokumentationen wurden mehrfach ausgezeichnet, so 2004 mit der Goldenen Kamera sowie dem bayerischen und dem Europäischen Fernsehpreis. Knopp erhielt das Bundesverdienstkreuz. Weitere Preise sind unter anderem:

Werke

20. Jahrhundert

  • 1989 - Die Saat des Krieges - Hitlers Angriff auf Europa (mit Harald Schott)
    • 1. Der erkaufte Frieden (Guido Knopp)
    • 2. Der erzwungene Krieg (Harald Schott)
  • 1995 - Bis zum bitteren Ende
    • 1. Der Feuersturm
    • 2. Verbrannte Erde
    • 3. Die Russen kommen
    • 4. Der Zusammenbruch
    • 5. Die Schlacht um Berlin
    • 6. Triumph und Tragödie
  • 1995 - Hitler - Eine Bilanz
    • 1. Der Privatmann
    • 2. Der Verführer
    • 3. Der Erpresser
    • 4. Der Diktator
    • 5. Der Kriegsherr
    • 6. Der Verbrecher
  • 1996 - Hitlers Helfer
    • 1. Hess: Der Stellvertreter
    • 2. Dönitz: Der Nachfolger
    • 3. Goebbels: Der Brandstifter
    • 4. Göring: Der zweite Mann
    • 5. Himmler: Der Vollstrecker
    • 6. Speer: Der Architekt
  • 1997 - Vatikan - Die Macht der Päpste
    • 1. Papst Pius XII. und der Holocaust
    • 2. Papst Johannes XXIII. und der Aufbruch
    • 3. Papst Paul VI. und die Pille
    • 4. Papst Johannes Paul I. und der Tod
    • 5. Papst Johannes Paul II. und die Freiheit
  • 1998 - Der Dritte Weltkrieg
  • 1998 - Hitlers Helfer II
    • 1. Bormann: Der Schattenmann
    • 2. Eichmann: Der Vernichter
    • 3. Freisler: Der Hinrichter
    • 4. Mengele: Der Todesarzt
    • 5. Ribbentrop: Der Handlanger
    • 6. Schirach: Der Hitlerjunge
  • 1998 - Hitlers Krieger
    • 1. Paulus - Der Gefangene
    • 2. Rommel - Das Idol
    • 3. Keitel - Der Gehilfe
    • 4. Udet - der Flieger
    • 5. Manstein - Der Stratege
    • 6. Canaris - Der Verschwörer
  • 1999 - 100 Jahre - Die großen Bilder unseres Jahrhunderts
  • 1999 - 100 Jahre - Die großen Bilder des 20. Jahrhunderts – Katastrophen
  • 1999 - Unser Jahrhundert - Deutsche Schicksalstage
  • 1999 - Kanzler - Die Mächtigen der Republik
    • 1. Der Patriarch: Konrad Adenauer
    • 2. Der Optimist: Ludwig Erhard
    • 3. Der Vermittler: Kurt Georg Kiesinger
    • 4. Der Visionär: Willy Brandt
    • 5. Der Lotse: Helmut Schmidt
    • 6. Der Patriot: Helmut Kohl

21. Jahrhundert

  • 2000 - Holokaust
    • 1. Menschenjagd
    • 2. Entscheidung
    • 3. Ghetto
    • 4. Mordfabrik
    • 5. Widerstand
    • 6. Befreiung
  • 2001 - Die große Flucht
  • 2001 - Hitlers Frauen und Marlene
    • 1. Eva Braun - Die Freundin
    • 2. Winifred Wagner - Die Muse
    • 3. Magda Goebbels - Die Gefolgsfrau
    • 4. Leni Riefenstahl - Die Regisseurin
    • 5. Zarah Leander - Die Sängerin
    • 6. Marlene Dietrich - Die Gegnerin
  • 2002 - Der Jahrhundertkrieg
  • 2003 - Stalingrad - Der Angriff, der Kessel, der Untergang
  • 2003 - Die SS - Eine Warnung der Geschichte
    • 1. Heydrichs Herrschaft
    • 2. Himmlers Wahn
    • 3. Der Machtkampf
    • 4. Totenkopf
    • 5. Die Waffen-SS
    • 6. Mythos Odessa
  • 2003 – Stalin
    • 1. Der Kriegsherr
    • 2. Der Mythos
    • 3. Der Tyrann
  • 2004 - Sie wollten Hitler töten
    • 1. Der einsame Held
    • 2. Verpasste Chancen
    • 3. Der Attentäter
    • 4. Die letzte Chance
  • 2007 - Die Wehrmacht
    • 1. Angriff auf Europa
    • 2. Wende des Krieges
    • 3. Verbrechen der Armee
    • 4. Widerstand in Uniform
    • 5. Kampf bis zum Untergang
  • 2008 - Die Deutschen
    • 1. Otto und das Reich, Die Geburtsstunde der Deutschen
    • 2. Heinrich und der Papst, Der Gang nach Canossa
    • 3. Barbarossa und der Löwe, Rivalität in der Familie
    • 4. Luther und die Nation, Der Förderer der deutschen Sprache
    • 5. Wallenstein und der Krieg, Genialer Feldherr oder Verräter
    • 6. Preußens Friedrich und die Kaiserin, Duell zwischen Preußen und Österreich
    • 7. Napoleon und die Deutschen, Zwischen Freiheit und Repression
    • 8. Robert Blum und die Revolution, Ein unbekannter Held
    • 9. Bismarck und das Deutsche Reich, Die „kleindeutsche“ Lösung
    • 10. Wilhelm und die Welt, Größenwahn und Depression
  • 2009 - Stauffenberg: Die wahre Geschichte

Veröffentlichungen

  • Guido Knopp u. Siegfried Quandt (Hrsg.): Geschichte im Fernsehen: e. Handbuch. Darmstadt, Wiss. Buchges. 1988, ISBN 3-534-02487-7.

Zu den Dokumentationen erschienen zahlreiche Begleitbücher, wie:


Literatur

  • T. Fehrensen: Hitler als Quotenstürmer [Kommentar zu den Filmen von Guido Knopp]. In: Rheinischer Merkur, 2.10.1998.
  • Joachim Käppner: Rezension: G. Knopp u.a., Holokaust. München 2000. In: Süddeutsche Zeitung, 23.10.2000.
  • Peter Kümmel: Ein Volk in der Zeitmaschine. Guido Knopp, der Starhistoriker des ZDF, organisiert Pauschalreisen in die NS-Vergangenheit. Seine Ausflüge sind beliebt. Das Fernsehpublikum fühlt sich bei ihm vor allem Bösen gut beschützt. In: Die Zeit Nr. 10, 26.2.2004.

Weblinks

Commons Commons: Guido Knopp – Bilder, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. www.phoenix.de
  2. Peter Kümmel in Die Zeit: Ein Volk in der Zeitmaschine. Nr. 10/2004 vom 26.02.2004
  3. Wulf Kansteiner: Die Radikalisierung des deutschen Gedächtnisses im Zeitalter seiner kommerziellen Reproduktion: Hitler und das „Dritte Reich“ in den Fernsehdokumentationen von Guido Knopp. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 51(2003) - Zitat S. 634
  4. Oliver Näpel: Historisches Lernen durch 'Dokutainment'? - Ein geschichtsdidaktischer Aufriss. Chancen und Grenzen einer neuen Ästhetik populärer Geschichtsdokumentationen, analysiert am Beispiel der Sendereihen Guido Knopps, in: Zeitschrift für Geschichtsdidaktik 2 (2003), S.213-244. Da die Zeitschrift verlagsseitig vergriffen ist, wird der Artikel als Volltext von der Homepage des Verfassers (ganz unten auf der Seite) als kostenloser download zur Verfügung gestellt: http://www.uni-muenster.de/Geschichte/hist-dida/organisation/mitarbeiter/naepel/index.html
  5. Evelyn Finger in Die Zeit: Alle waren Opfer. Nr. 48/2006 vom 23. Nov. 2006, Seite 57
  6. G. Knopp in Zeichen der Versöhnung (Über die ZDF-Reihe „Die Kinder der Flucht“), ZDF vom 26.11.2006
  7. Michael Jeismann: Fernsehvorschau - Erfahrbare Geschichten der Flucht in der FAZ vom 28.11.2006, Nr. 277 / Seite 42 (online)
  8. Christian Buß: Unter Wölfen. In Spiegel vom 28. November 2006
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