Präsident des Europäischen Parlamentes
Der Präsident des Europäischen Parlaments leitet die Aktivitäten des Europäischen Parlaments und die dem Parlament unterstellten Institutionen. Als Parlamentspräsident hat er den Vorsitz bei den Plenarsitzungen und repräsentiert das Parlament in allen Außenangelegenheiten, etwa gegenüber anderen EU-Institutionen oder auf internationaler Ebene. Bei den Gipfeltreffen des Europäischen Rates erstattet er den Staats- und Regierungschefs Bericht über die Standpunkte des Parlaments. Zusammen mit dem Vorsitzenden des Rates der EU unterzeichnet er die nach dem ordentlichen Gesetzgebungsverfahren erlassenen EU-Rechtsakte, bevor diese im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht werden (Art. 297 AEU-Vertrag). Im Einzelnen sind die Aufgaben des Parlamentspräsidenten in Art. 20 der Geschäftsordnung des Europäischen Parlaments geregelt.[1]
Der Präsident wird von einem Präsidium unterstützt, das auch als Büro bezeichnet wird. Das Büro ist die für das Budget des Parlaments und für Verwaltungsangelegenheiten verantwortliche Behörde. Es besteht aus dem Präsidenten, insgesamt vierzehn Vize-Präsidenten und fünf Quästoren, die die Interessen der Europaparlamentarier als Abgeordnete vertreten. Die Mitglieder des Präsidiums werden alle von den Mitgliedern des Europäischen Parlaments aus ihrer Mitte gewählt.
Des Weiteren führt der Parlamentspräsident den Vorsitz bei der Konferenz der Präsidenten, die aus ihm selbst sowie den Vorsitzenden der Fraktionen des Europaparlaments besteht. Die Konferenz der Präsidenten ist insbesondere für die Festlegung der Tagesordnung der Parlamentssitzungen zuständig.
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Wahl des Präsidenten[Bearbeiten]
Der Parlamentspräsident wird nach Art. 14 Abs. 4 EU-Vertrag vom Parlament aus seiner Mitte gewählt. Er benötigt die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Wenn dies nicht in dem ersten Wahlversuch zustande kommt, können neue Kandidaten für die Präsidentschaft, in dem zweiten und dritten Wahlversuch, hinzukommen, jedoch können im vierten Wahlversuch nur die beiden Kandidaten des dritten teilnehmen, die die meisten Stimmen erzielt haben.[2] Die Amtszeit des Parlamentspräsidenten sowie der anderen Mitglieder des Präsidiums beträgt zweieinhalb Jahre, also eine halbe Legislaturperiode des Parlaments.[3]
Üblicherweise teilen sich jeweils die beiden größten Fraktionen des Europäischen Parlaments, nämlich die Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) und die Progressive Allianz der Sozialisten und Demokraten im Europäischen Parlament (S&D) je zwei Amtszeiten auf, sodass in der ersten Hälfte der Legislaturperiode ein Vertreter der einen und in der zweiten Hälfte ein Vertreter der anderen Fraktion das Parlament leitet.
Auch die weiteren Mitglieder des Präsidiums werden vom Europäischen Parlament aus seiner Mitte gewählt, wobei hier im Allgemeinen auch die anderen Fraktionen entsprechend ihrer Größe zum Zuge kommen. In der ersten Hälfte der Legislaturperiode 2009-14 waren jedoch die kleine europaskeptische Fraktion Europa der Freiheit und der Demokratie (EFD) sowie anfangs auch die nationalkonservative Fraktion Europäische Konservative und Reformisten (ECR) nicht im Präsidium vertreten; die Linksfraktion GUE/NGL stellte keinen Vizepräsidenten, sondern nur einen Quästor. Der ECR-Abgeordnete Edward McMillan-Scott, der gegen den Willen seines Fraktionsvorsitzenden zum Vizeparlamentspräsidenten gewählt worden war, wurde unmittelbar danach aus seiner Fraktion ausgeschlossen und schloss sich später der liberalen Fraktion ALDE an. Im Gegenzug wurde nach dem Rücktritt der ALDE-Abgeordneten Silvana Koch-Mehrin als Vizepräsidentin im Juli 2011 das ECR-Mitglied Giles Chichester nachgewählt. Bei der Neuwahl der Präsidiums für die zweite Hälfte der Legislaturperiode wurden am 18. Januar 2012 Mitglieder aller Fraktionen mit Ausnahme der EFD gewählt, wobei die GUE/NGL erneut nur mit einem Quästor vertreten war.
Derzeitige Mitglieder des Präsidiums[Bearbeiten]
In der zweiten Hälfte der Legislaturperiode 2009 bis 2014 ist der Deutsche Martin Schulz (SPE) Präsident des Europäischen Parlaments. Seine Stellvertreter (Vizepräsidenten) sind:[4]
| Name | Fraktion | Herkunftsland | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| Gianni Pittella | S&D | ||
| Oldřich Vlasák | ECR | ||
| Othmar Karas | EVP | ||
| Miguel Ángel Martínez Martínez | S&D | ||
| Alejo Vidal-Quadras | EVP | ||
| Jacek Protasiewicz | S&D | ||
| Isabelle Durant | Grüne/EFA | ||
| Roberta Angelilli | EVP | ||
| László Surján | EVP | ||
| Giorgios Papastamkos | EVP | ||
| Edward McMillan-Scott | ALDE | ||
| Rainer Wieland | EVP | ||
| Alexander Alvaro | ALDE | ||
| Anni Podimata | S&D |
Die Quästoren sind:
| Name | Fraktion | Herkunftsland |
|---|---|---|
| Lidia Joanna Geringer de Oedenberg | S&D | |
| Jim Higgins | EVP | |
| Astrid Lulling | EVP | |
| Jiří Maštálka | GUE-NGL | |
| Bill Newton-Dunn | ALDE |
Liste der Präsidenten des Europäischen Parlaments[Bearbeiten]
| Bezeichnung | Amtszeit | Name | Politische Zugehörigkeit | Herkunftsland |
|---|---|---|---|---|
| Allgemeine Versammlung | 1952–1954 | Paul Henri Spaak | Sozialist | |
| 1954 | Alcide De Gasperi (starb am 19. August) |
Christdemokrat | ||
| 1954–1956 | Giuseppe Pella | Christdemokrat | ||
| 1956–1958 | Hans Furler | Christdemokrat | ||
| Parlamentarische Versammlung | 1958–1960 | Robert Schuman | Christdemokrat | |
| 1960–1962 | Hans Furler | Christdemokrat | ||
| Europäisches Parlament (ernannt) | 1962–1964 | Gaetano Martino | Liberaler | |
| 1964–1965 | Jean Pierre Duvieusart | Christdemokrat | ||
| 1965–1966 | Victor Leemans | Christdemokrat | ||
| 1966–1969 | Alain Poher | Christdemokrat | ||
| 1969–1971 | Mario Scelba | Christdemokrat | ||
| 1971–1973 | Walter Behrendt | Sozialdemokrat | ||
| 1973–1975 | Cornelis Berkhouwer | Liberaler | ||
| 1975–1977 | Georges Spénale | Sozialist | ||
| 1977–1979 | Emilio Colombo | Christdemokrat | ||
| 1. Wahlperiode | 1979–1982 | Simone Veil | LDR | |
| 1982–1984 | Piet Dankert | Soc | ||
| 2. Wahlperiode | 1984–1987 | Pierre Pflimlin | EVP | |
| 1987–1989 | Lord Plumb | ED | ||
| 3. Wahlperiode | 1989–1992 | Enrique Barón Crespo | Soc | |
| 1992–1994 | Egon Klepsch | EVP | ||
| 4. Wahlperiode | 1994–1997 | Klaus Hänsch | SPE | |
| 1997–1999 | José María Gil-Robles | EVP | ||
| 5. Wahlperiode | 1999–2002 | Nicole Fontaine | EVP | |
| 2002–2004 | Pat Cox | ELDR | ||
| 6. Wahlperiode | 2004–2007 | Josep Borrell Fontelles | SPE | |
| 2007–2009 | Hans-Gert Pöttering | EVP | ||
| 7. Wahlperiode | 2009–2012 | Jerzy Buzek | EVP | |
| seit 2012 | Martin Schulz | SPE |
Weblinks[Bearbeiten]
- Präsident des Europäischen Parlaments – Wahlverfahren und Aufgaben, Webseite des Europäischen Parlaments
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ Art. 20 der Geschäftsordnung auf der Homepage des Europäischen Parlaments.
- ↑ Art. 14 der Geschäftsordnung auf der Homepage des Europäischen Parlaments.
- ↑ Art. 17 der Geschäftsordnung auf der Homepage des Europäischen Parlaments.
- ↑ EP Vice presidents named