Alexander Graf Lambsdorff

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Alexander Graf Lambsdorff 2014

Alexander Sebastian Léonce von der Wenge Graf Lambsdorff (* 5. November 1966 in Köln) ist ein deutscher Politiker (FDP). Seit 2001 gehört er dem Bundesvorstand seiner Partei an, seit der Europawahl 2004 ist er Mitglied des Europäischen Parlaments und dort Vorsitzender der FDP-Gruppe. Er ist Spitzenkandidat seiner Partei für die Europawahl 2014.

Leben[Bearbeiten]

Herkunft und Familie[Bearbeiten]

Alexander Graf Lambsdorff entstammt dem Uradelsgeschlecht Lambsdorff und ist der Sohn des Botschafters Hagen Graf Lambsdorff sowie ein Neffe des früheren Bundesministers Otto Graf Lambsdorff. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Studium und berufliche Laufbahn[Bearbeiten]

Seine Schulzeit verbrachte Graf Lambsdorff in Hamburg, Brüssel und Bonn und machte sein Abitur 1985 am Aloisiuskolleg in Bad Godesberg.[1] Von 1985 bis 1987 absolvierte er bei den Panzeraufklärern eine Ausbildung zum Reserveoffizier. 1987 trat er in die FDP ein, wo er dem Kreisverband Bonn angehört.

Nach dem Grundstudium in Bonn, wo er dem Corps Palatia beitrat, führte er sein Studium an der Georgetown University in Washington, D.C. als Fulbright-Stipendiat fort.[2] Dort erwarb er seinen Master in Neuerer Europäischer Geschichte 1993 mit einer Arbeit zur Kooperation faschistischer Gruppen im Europa der 1920er-Jahre. Den Master der School of Foreign Service der Georgetown University erwarb er im selben Jahr, mit einem Schwerpunkt in Handels- und Finanzfragen.

Nach dem Studium absolvierte er Praktika bei der Unternehmensberatung McKinsey und in der Europäischen Kommission. Für die Friedrich-Naumann-Stiftung arbeitete er 1994/95 an einem Projekt zur kommunalen Selbstverwaltung in Tallinn, Estland. Ab 1995 wurde er zum Diplomaten ausgebildet und war ab 1997 im Planungsstab des Auswärtigen Amts tätig. 1998/99 war er Büroleiter bei Klaus Kinkel im Deutschen Bundestag. Von 2000 bis 2003 arbeitete Graf Lambsdorff im Pressereferat in der Deutschen Botschaft Washington, D.C.. Ab Sommer 2003 war er in der politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes tätig und Länderbeauftragter für Russland.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit bekleidete Graf Lambsdorff verschiedene Parteiämter der FDP auf Orts-, Kreis- und Bezirksebene. Im Mai 2000 kandidierte er erfolglos für die Bonner FDP für den Landtag von Nordrhein-Westfalen. Im selben Jahr gründete er gemeinsam mit Guido Westerwelle den Internet-Landesverband der FDP (fdp-lv-net), dessen Vorsitzender er bis 2005 war. Zudem wurde er stellvertretender Vorsitzender des Bundesfachausschusses Internationale Politik und als Leiter des Europaausschusses im BFA für die europapolitische Programmatik der FDP verantwortlich. 2001 wurde er Mitglied im FDP-Bundesvorstand. 2006 war er Initiator[3] und Gründungsmitglied[4] der German European Security Association, in deren Vorstand er bis heute ist.[5]

Mitglied des Europäischen Parlaments[Bearbeiten]

Bei der Europawahl 2004 wurde Graf Lambsdorff in das Europäische Parlament gewählt und gab daraufhin seine Stelle im Auswärtigen Amt auf. Im Parlament schloss er sich wie alle FDP-Mitglieder der neu gegründeten Fraktion der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE) an. Zudem wurde er Stellvertretender Vorsitzender im Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz und stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten sowie in dessen Unterausschuss für Sicherheit und Verteidigung. Außerdem war er Mitglied der Delegation des Europäischen Parlaments für die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und stellvertretendes Mitglied in der Delegation für die Beziehungen zu Japan sowie stellvertretender Vorsitzender der FDP-Delegation im Europäischen Parlament. Graf Lambsdorff leitete die EU-Wahlbeobachtungsmissionen 2007 in Kenia, 2008 in Bangladesch und 2010 in Guinea.

Bei der Europawahl in Deutschland 2009 wurde er auf Platz 2 der FDP-Liste hinter Silvana Koch-Mehrin wiedergewählt. Er wurde daraufhin erster Stellvertretender Vorsitzender der ALDE-Fraktion sowie Mitglied im Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten und stellvertretendes Mitglied im Unterausschuss für Sicherheit und Verteidigung. Außerdem gehört er der Delegation für die Beziehungen zur Volksrepublik China an und ist Stellvertreter in den Delegationen im Gemischten Parlamentarischen Ausschuss (GPA) EU-Türkei und in der Paritätischen Parlamentarischen Versammlung AKP-EU.

Nach dem Rücktritt von Silvana Koch-Mehrin von ihren Ämtern als FDP-Delegationsleiterin und als Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments kündigte Graf Lambsdorff an, als ihr Nachfolger in diesen Ämtern kandidieren zu wollen.[6] Tatsächlich wurde er zum neuen Delegationsleiter gewählt, allerdings im Rahmen einer Vereinbarung, dieses Amt 2012 an Alexander Alvaro weiterzugeben.[7] Im Rahmen der Kritik am Verhalten von Außenminister Westerwelle im Libyen-Konflikt wurde Graf Lambsdorff als dessen Nachfolger gehandelt.[8]

Graf Lambsdorff ist Mitglied der Europa-Union Parlamentariergruppe Europäisches Parlament. Außerdem ist er Gründungsmitglied der Deutsch-Türkischen Stiftung (DTS) in Hamburg und der Atlantischen Initiative, eines Mitgliedsvereins des Verbands der Deutsch-Amerikanischen Clubs (VDAC).

Am 19. Januar 2014 wurde er auf dem Europaparteitag zum Spitzenkandidaten der FDP für die Europawahl in Deutschland 2014 gewählt.

Schriften[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alexander Graf Lambsdorff – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.lambsdorffdirekt.de/de/persoenlich/alexander-graf-lambsdorff-privat.html (abgerufen am 18. Februar 2011).
  2. http://www.lambsdorffdirekt.de/pdf/CV_050909_AGL.pdf
  3. German European Security Association (GESA) auf erikamann.com, abgerufen am 11. September 2012
  4. Satzung der German European Security Association e. V. (GESA), PDF, 45 kB, abgerufen am 11. September 2012
  5. Organisation auf gesa-network.de, abgerufen am 11. September 2012
  6. Financial Times Deutschland, 12. Mai 2011: Kampfkandidatur um Koch-Mehrins NachfolgeVorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter.
  7. Financial Times Deutschland, 24. Mai 2011: Lambsdorff folgt Koch-MehrinVorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter.
  8. Spiegel Online, 27. August 2011: Libyen-Politikfiasko: Fischer rechnet mit Nachfolger Westerwelle ab.