Ring Christlich-Demokratischer Studenten

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Basisdaten
Vorsitzender: Martin Röckert
stv. Vorsitzender und
Bundesschatzmeister:
Jakob Schleu
stellvertretende Vorsitzende: Grace Klass
Geschäftsführer: Michael Lönne[1]
Mitglieder: circa 8.000
(Januar 2008)
Gliederung: 14 Landesverbände,
108 Gruppen
Website: www.rcds.de

Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) ist ein deutscher, bundesweit tätiger politischer Studentenverband mit Sitz in Berlin. Ihm gehören nach eigenen Angaben über 100 Hochschulgruppen an Universitäten, Fachhochschulen und neuerdings auch Berufsakademien mit insgesamt rund 8.000 Mitgliedern an. Der RCDS ist der größte und älteste bestehende politische Studentenverband in Deutschland. In den Gremien der verfassten Studierendenschaft findet sich der RCDS jedoch überwiegend in der Opposition wieder. Er sieht sich als liberale christlich-konservative Studentenvertretung und setzt sich für die Europäische Einigung ein. Auf europäischer Ebene ist der RCDS Mitglied der European Democrat Students (EDS). Der Bundesvorsitzende des RCDS ist Herausgeber der Zeitschrift „Civis mit Sonde“.

Inhaltliches Profil[Bearbeiten]

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Primäres Betätigungsfeld des RCDS ist die Hochschulpolitik und das Engagement in der studentischen Selbstverwaltung an den Hochschulen. Daneben betreibt der RCDS auf Bundesebene seit Jahren Serviceleistungen wie einen Studienplatztausch sowie Praktikanten-, Wohnungs- und Bücherbörsen. Er publiziert Info-Broschüren zu Themen wie BAföG, Stipendien, Soziales und Hochschulwechsel. 2001 hat der RCDS sein letztes Grundsatzprogramm mit dem Motto: "Der Zukunft offen begegnen" beschlossen.[2]

Religiöse Wurzeln[Bearbeiten]

Der RCDS stehe seinen Angaben zufolge jedem offen, der sich auf eine Politik eines sogenannten „christlichen Menschenbildes“ beruft. „Vor dem Hintergrund des christlichen Menschenbildes können Menschen verschiedener religiöser oder konfessioneller Überzeugung gemeinsam Politik machen“, heißt es im Grundsatzprogramm.

Wirtschaftspolitik[Bearbeiten]

Für den RCDS ist die Soziale Marktwirtschaft das einzige System um eine freiheitliche Wirtschaftsordnung zu gewährleisten. Dabei sieht sie den Wettbewerb als Koordinationsmechanismus, vermeidet verschwenderischen Einsatz knapper Ressourcen und richtet sich effektiv nach den Bedürfnissen der Gesellschaft.

Bildung und Wissenschaft[Bearbeiten]

Als Chance für freie Entfaltung und Eigenaufklärung wird die Bildung als persönliches Kulturgut verstanden. Dabei steht das Leistungsprinzip im Vordergrund. Dabei werden sozial verträgliche Studiengebühren befürwortet. Dadurch soll die Qualität an den Hochschulen verbessert werden und die Studienzeit verkürzt werden.

Umweltpolitik[Bearbeiten]

Nach dem christlichen Menschenbild gehört der Respekt und Erhaltungswille von Natur und Umwelt untrennbar zur Politik des RCDS dazu. In Thüringen fand im Sommer 2012 erstmals eine großangelegte Nachhaltigkeitskampagne des RCDS statt. [3].

Sprachpolitik[Bearbeiten]

Der RCDS lehnt das sogenannte „Gendern“, den Gebrauch von speziellen, Befürwortern zufolge geschlechtsneutralen Ausdrucksweisen, kategorisch ab und setzt sich für das generische Maskulinum ein.

Organisationsstruktur[Bearbeiten]

Im Unterschied etwa zur Jungen Union ist der RCDS keine „Vereinigung“ der CDU/CSU, sondern von dieser institutionell unabhängig, hat aber den Status einer „befreundeten Organisation“. Die meisten RCDS-Gruppen- und Landesvorsitzenden sowie der RCDS-Bundesvorsitzende sind kooptierte Mitglieder in den Vorständen von CDU und CSU auf der jeweiligen Organisationsebene. Der RCDS hat somit faktisch ähnliche Mitspracherechte wie die JU.

Gliederung[Bearbeiten]

Der RCDS-Bundesverband gliedert sich in Landesverbände (siehe z.B. den Ring Christlich-Demokratischer Studenten in Bayern) und (Orts-)Gruppen. Die Gruppen an den einzelnen Hochschulorten sind organisatorisch und inhaltlich weitgehend autonom vom Bundes- und jeweiligem Landesverband. Sie sind jedoch an das RCDS-Grundsatzprogramm und die Beschlüsse des Landes- und Bundesverbandes gebunden.

Der Bundesverband koordiniert die Arbeit der Gruppen und ist zuständig für die Artikulierung studentischer Interessen auf bundespolitischer Ebene. Er organisiert Seminare, Kongresse und sonstige Veranstaltungen, stößt bundesweite Aktionen und Kampagnen an, gibt Informationsschriften heraus und bearbeitet alle Themen, die für den RCDS von Bedeutung sind. Der Bundesverband wird nach innen und außen vertreten durch den dreiköpfigen Bundesvorstand, der für ein Jahr von der Bundesdelegiertenversammlung gewählt wird. Unterstützt wird der Bundesvorstand in seiner Arbeit dabei durch den Politischen Beirat und gegebenenfalls auch durch Fachausschüsse und Referenten.

Die Ehemaligen des RCDS sind im Ring Christlich-Demokratischer Akademiker (RCDA) organisiert. Der RCDA-Bundesverband wurde 1991 anlässlich des 40-jährigen Bestehens des RCDS gegründet,[4] einzelne lokale RCDA-Gruppen wie z.B. in Göttingen existieren aber schon deutlich länger. Geleitet wird der Verband von einem derzeit vierköpfigen Bundesvorstand.[5]

Geschichte[Bearbeiten]

Der RCDS-Bundesverband wurde auf der ersten Bundesdelegiertenversammlung am 25. bis 27. August 1951 in Bonn gegründet; die ersten christlich-demokratischen Hochschulgruppen (CDH) entstanden aber bereits kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Ihr Schwerpunkt lag anfangs vor allem in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone (SBZ), wo sie neben den LDP-Hochschulgruppen bald zu Zentren des Widerstands gegen die Hochschulpolitik der SED wurden. Zahlreiche christdemokratische Studentenvertreter wie Werner Neumann (1946), Georg Wrazidlo (1947) oder Hanns Beitz (1948) wurden willkürlich verhaftet; andere wie der spätere Bundesinnenminister Ernst Benda gehörten 1948 zu den Mitbegründern der Freien Universität Berlin.[6]

Nachdem die Studentenräte in der DDR abgeschafft und die Freie Deutsche Jugend (FDJ) zur alleinigen Interessenvertretung erklärt worden war, konzentrierten die CDH-Gruppen ihre Arbeit zunehmend auf die Bundesrepublik und Berlin. Zahlreiche aus der SBZ bzw. DDR geflohene Aktivisten gründeten neue Hochschulgruppen im Westen, die sich 1951 schließlich zum Ring Christlich-Demokratischer Studenten zusammenschlossen.

An den westdeutschen Hochschulen spielte der RCDS anfangs nur eine marginale Rolle, da „Parteipolitik“ in der Studentenschaft weithin verpönt war und das konservative Wählerpotential zudem mehrheitlich von (vorwiegend katholischen) Studentenverbindungen und Studentengemeinden (KDSE) sowie von „unabhängigen“ Fachschaftsvertretern repräsentiert wurde. Erst seit Beginn der 1960er Jahre konnte der RCDS seine Position in den Studentenparlamenten zeitweilig stärken, bevor er infolge der Studentenbewegung wieder in die Defensive geriet. 1957 beschloss der RCDS sein erstes bundesweites Programm, die "Leitsätze zur Hochschulreform und Studienförderung".[7]

Erst nachdem zu Beginn der 1990er Jahre mehrere einstmals dominierende linke Studentenverbände (z.B. Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB), Sozialdemokratischer Hochschulbund (SHB), Radikaldemokratische Studentengruppen (RSG)) zusammengebrochen waren, konnte der RCDS verstärkt wieder in den lokalen Studentenvertretungen Fuß fassen.

Im April 2008 gründete der RCDS zusammen mit acht weiteren Organisationen aus dem Hochschulbereich (Deutscher Hochschulverband, Deutsches Studentenwerk, Promovierenden-Netzwerk Thesis, Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG), Bundesvereinigung Akademischer Mittelbau (BAM), Verband Hochschule und Wissenschaft (vhw), Hochschullehrerbund (hlb), Verein zur Förderung der Juniorprofessur) die sogenannte „Hochschulallianz“. Ziel dieses Bündnisses ist es, eine gemeinsame Interessenvertretung von Lehrenden und Lernenden gegenüber der Politik aufzubauen und für die Interessen der Wissenschaft einzutreten.

In den letzten Jahren erhält der RCDS in einigen Fällen durch Hochschulgruppen der Jungen Union Konkurrenz aus dem christdemokratischen Lager selbst, so etwa in Greifswald, Osnabrück und Kiel. Die Junge Union Greifswald begründet dies teilweise damit, der RCDS sei organisatorisch mit den Anforderungen der Hochschulpolitik überfordert.[8] Ein Artikel der örtlichen Ostsee-Zeitung vom 23. Juni 2010 stellte die Gegendarstellung des RCDS Greifswald dar, der "keine inhaltlichen Gründe auszutreten" sah und bemängelte, dass der Austritt geschehen sei ohne das Gespräch zu suchen.

Bundesvorsitzende[Bearbeiten]

  • 1951–1952: Fritz Flick und Ernst Benda (Gründungsvorsitzende)
  • 1952–1953: Wolfgang Brüggemann
  • 1953–1956: Konrad Kraske
  • 1956–1958: Willfried Gaddum
  • 1958–1959: Walter Konrad
  • 1959–1961: Dieter Ibielski
  • 1961–1962: Martin Ratmann
  • 1962–1963: Hans-Jürgen Vogt
  • 1963–1965: Kurt Struppek
  • 1965–1967: Gert Hammer
  • 1967–1968: Wulf Schönbohm
  • 1968–1970: Uwe-Rainer Simon
  • 1970–1974: Gerd Langguth
  • 1974–1975: Ulrich Schröder
  • 1975–1977: Hans Reckers
  • 1977–1978: Friedbert Pflüger
  • 1978–1979: Günther Heckelmann
  • 1979–1980: Stephan Eisel
  • 1980–1981: Stefan Dingerkus
  • 1981–1983: Johannes Weberling
  • 1983–1985: Franz Dormann
  • 1985–1987: Christoph-Matthias Brand
  • 1987–1989: Jürgen Hardt
  • 1989–1990: Christian Schede
  • 1990–1991: Marcel Kaufmann
  • 1991–1992: Christian Schneller
  • 1992–1993: Eckhard Wälzholz
  • 1993–1994: Tamara Zieschang
  • 1994–1995: Oliver Röseler
  • 1995–1996: Wichard von der Heyden
  • 1996–1997: Rasmus Tenbergen
  • 1997–1998: Oliver Nölken
  • 1998–1999: Fabian Magerl
  • 1999–2000: Mario Voigt
  • 2000–2001: Carsten Schwarz
  • 2001–2002: Lars Kasischke
  • 2002–2004: Barbara von Wnuk-Lipinski
  • 2004–2006: Dorlies Last
  • 2006–2007: Tim Küsters
  • 2007–2008: Matthias Kutsch
  • 2008–2010: Gottfried Ludewig
  • 2010: Stefan Holz
  • 2010–2011: Dennis Kahle
  • 2011–2012: Frederik Ferreau
  • 2012-2013: Erik Bertram
  • ab 2013: Martin Röckert

Weitere ehemalige Mitglieder des RCDS[Bearbeiten]

Kontroversen[Bearbeiten]

RCDS und Rechtsextremismus[Bearbeiten]

Voraussetzung für die Mitgliedschaft im RCDS ist das Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung sowie das Eintreten für die Europäische Einigung. Der RCDS lässt keine rechtsextremen Mitglieder zu. Trotzdem versuchten in den letzten Jahren wiederholt auch aktive Neonazis im RCDS mitzuarbeiten. Auch wenn sich der RCDS in allen diesen Fällen von den Betreffenden trennte, geriet er mehrfach in die Kritik.

So gelangte 2005 ein Student über die RCDS-Liste in das Studierendenparlament der Universität Gießen, dessen Kontakte zum rechtsextremen Spektrum erst im Lauf des Hochschulwahlkampfs bekannt wurden. Im November 2006 stellte sich heraus, dass der stellvertretende Vorsitzende der dortigen RCDS-Gruppe gleichzeitig Mitglied der Burschenschaft Dresdensia-Rugia zu Gießen war, "die als inoffizielle Kaderschmiede der NPD verrufen" sei. In der neurechten Wochenzeitung Junge Freiheit schrieb er "als Autor mit so viel Wohlgefallen über NPD und DVU, dass sich selbst die Klientel der neurechten Wochenzeitung in Leserbriefen beschwerte. Die "Junge Landsmannschaft Ostpreußen", deren Landesverband Südwest Müller seit Jahresbeginn anführt, wird vom Verfassungsschutz Brandenburg als "in Teilen rechtsextremistisch" eingestuft."[9] So trat der Gießener Vorstand im November 2006 erst auf nachhaltigen Druck des Bundesvorstands zurück und der betroffene Student beendete seine Mitgliedschaft.

An der Universität Köln gelangte 2005 Thomas Hartenfels über die Liste des RCDS in das Studierendenparlament. Nachdem bekannt wurde, dass Hartenfels an Neonazi-Demonstrationen teilnahm, als Autor der Jungen Freiheit tätig war, Solidaritätsbekundungen für Martin Hohmann nach dessen als antisemitisch kritisierter Rede unterstützte und persönliche Kontakte in die rechtsextreme Szene hatte, verzichtete er auf sein Mandat und gab dann auch seine Funktionen in der CDU und der Jungen Union auf.[10]

An der Universität Potsdam kandidierte im Jahr 2006 ein Mitglied der DVU auf dem ersten Platz der RCDS-Liste für das Studierendenparlament. Nachdem dies bekannt wurde, legte der Student sein Mandat nieder und trat nicht mehr für den RCDS in Erscheinung.[11] Ebenfalls an der Universität Potsdam wurde 1999 eine Ausgabe der dortigen RCDS-Zeitung "Gaudeamus" durch den Rektor verboten. Grund war eine ganzseitige Anzeige für die "Junge Freiheit". Hinzu kamen Anzeigen für das "Ostpreußenblatt" und eine schlagende Verbindung.[12]

Kritik an Aussagen ehemaliger Mitglieder[Bearbeiten]

Gottfried Ludewig gelangte als RCDS-Vorsitzender im Mai 2008 in die Kritik, als er ein dem grundgesetzlich in Art. 38 gewährten Recht auf Gleichheit der Wahl widerstrebendes "doppeltes Wahlrecht für Leistungsträger" forderte[13] und sich damit massive Kritik einhandelte.[14]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zuständigkeiten in der Bundesgeschäftsstelle. Ring Christlich-Demokratischer Studenten, abgerufen am 23. Februar 2013.
  2. Grundsatzprogramm des RCDS Grundsatzprogramm des RCDS. Ring Christlich-Demokratischer Studenten, 18. März 2001, abgerufen am 25. April 2012 (PDF (228 KB)).
  3. http://www.campusinitiative.de abgerufen am 24. Juli 2012
  4. Ring Christlich-Demokratischer Akademiker. Über uns. Abgerufen am 19. Juni 2012.
  5. Ring Christlich-Demokratischer Akademiker. Vorstand. Abgerufen am 19. Juni 2012..
  6. Ulrike Poppe, Rainer Eckert, Ilko-Sascha Kowalczuk: Zwischen Selbstbehauptung und Anpassung: Formen des Widerstandes und der Opposition in der DDR (Forschungen zur DDR-Geschichte, Band 6), Berlin 1995, ISBN 386153097X , Seite 147f.
  7. Hans-Otto Kleinmann: Geschichte der CDU 1945-1982, Stuttgart 1993, ISBN 3-421-06541-1; Seite 143-144
  8. JU gründet Hochschulgruppe. Pressemitteilung. Junge Union Kreisverband Greifswald, 16. Juni 2010, abgerufen am 25. April 2012.
  9. Antonia Götsch: Ein Rechtsextremist im RCDS-Vorstand. In: UniSpiegel. Der Spiegel, 22. November 2006, abgerufen am 25. April 2012.
  10. Britta Mersch, Jochen Leffers: Neonazi-Alarm im Asta. In: UniSpiegel. Der Spiegel, 19. Dezember 2005, abgerufen am 25. April 2012.
  11. DVU-Kandidat bei Wahlen an der Universität. Potsdamer Neueste Nachrichten, 11. Juli 2006, abgerufen am 25. April 2012.
  12. Uni Potsdam ließ RCDS-Zeitung verbieten. Die Welt, 22. Dezember 1999, abgerufen am 25. April 2012.
  13. Doppeltes Wahlrecht für alle, die arbeiten! in Bild vom 22. Mai 2008
  14. Absurder Vorstoß - CDU-Verbands-Chef will Rentner zu Wählern zweiter Klasse degradieren in Spiegel online am 23. Mai 2008

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]