Sascha Lobo

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Sascha Lobo im Juni 2009

Sascha Lobo (* 11. Mai 1975 in Berlin)[1] ist ein deutscher Blogger, Buchautor, Journalist und Werbetexter.[2] Thematisch befassen sich Lobos Texte meist mit dem Internet, vermischter Realität und digitalen Technologien und behandeln deren Auswirkungen auf die gesellschaftliche Entwicklung.[3] Januar 2014 kann als Zeitpunkt für eine Zäsur einer bis dato grundsätzlich aufgeschlossenen Haltung Sascha Lobos zum Internet gelten, als er die Globale Überwachungs- und Spionageaffäre rund um den NSA zum Anlass nimmt, festzustellen: „Das Internet ist kaputt!“[4]

Werdegang[Bearbeiten]

Sascha Lobo studierte Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste in Berlin, zuvor Publizistik an der FU Berlin und Lebensmittel-, Brauerei- und Biotechnologie an der TU Berlin.

Mitte 2000 rief Lobo eine auf New Economy spezialisierte Werbeagentur ins Leben, die Ende 2001 Insolvenz anmelden musste.[5][6] In der Folgezeit war Lobo bei einer Berliner Werbeagentur als Kreativdirektor im Bereich Internet angestellt, entwickelte freiberuflich Werbekampagnen und schrieb als freier Mitarbeiter für die Zeitschrift Blond.[6] Als Werbetexter arbeitete er über die Jahre nach eigener Darstellung „für ein Drittel der DAX-Unternehmen“.[7]

Im Jahr 2005 begründete Lobo das unter anderem mit dem Grimme Online Award ausgezeichnete[2] Blog Riesenmaschine mit und ist als leitender Redakteur bei dem „virtuosen Kuriositätenreservoir rund um neue Erfindungen“[8] tätig. Gemeinsam mit Holm Friebe veröffentlichte Lobo 2006 das Buch Wir nennen es Arbeit – die digitale Bohème oder: intelligentes Leben jenseits der Festanstellung. Begleitet wurde die Veröffentlichung in dem von Lobo geschriebenen Blog wirnennenesarbeit.de. In der Zentralen Intelligenz Agentur ist Lobo als Inoffizieller Mitarbeiter, eine Parodie auf IM, tätig.

2007 trat Lobo neben Johnny Haeusler von Spreeblick als einer der Gründer von adical (nach einem Rechtsstreit seit Juli 2008: adnation),[9] einem auf die Vermarktung von Blogs spezialisierten Unternehmen, in Erscheinung.[5] Lobo ist einer der Autoren des offiziellen Blogs zur CeBIT 01 blog. Als Kolumnist schrieb er unter anderem für die Zeitschrift Tomorrow.[10] Als Koautor veröffentlichte Sascha Lobo zusammen mit Kathrin Passig 2008 das Buch Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin. Unter prokrastination.com wurde auch hierzu gebloggt. Anfang 2009 startete Lobo sein privates Blog saschalobo.com, dessen Inhalte zum größten Teil unter einer Creative-Commons-Lizenz für nichtkommerzielle Zwecke freigegeben sind.[11]

Vortrag von Sascha Lobo auf der re:publica 2013: „Überraschungsvortrag II“

Lobo war ab 2007 Mitglied im Online-Beirat der SPD[12][13] und war Teil der Initiative D21.[14] Gemeinsam mit dem Journalisten Mario Sixtus war Sascha Lobo regelmäßig in der Glosse Sixtus vs. Lobo in der Computersendung neues auf 3sat zu sehen.

Ab Juli 2009 machte Sascha Lobo Werbung für den Telekommunikationsanbieter Vodafone.[15] Die Markenkampagne wurde in der Blogosphäre äußerst negativ aufgenommen.[16] Besonders die Beteiligung Lobos und der ebenfalls als Bloggerin tätigen Autorin Ute Hamelmann wurde als Vereinnahmung des Web 2.0 durch den Telekommunikationskonzern aufgefasst und scharf kritisiert.[17]

Am 18. Mai 2010 war Lobo „Chefredakteur für einen Tag“ der in Koblenz erscheinenden Rhein-Zeitung. Im Sommer 2010 meldete sich Lobo als Experte zur Thematik der in Deutschland anstehenden Aktivierung von Google Street View zu Wort. Er verfasste hierbei einen nach eigenen Worten juristisch nicht gefestigten Widerspruch zum Widerspruch, mit dem Hauseigentümer oder Bewohner dafür sorgen können sollen, dass die von Lobo als öffentliche Sache betrachtete Fassade eines Bauwerks im Google-Dienst erscheinen wird, selbst wenn Dritte dies nicht wünschen.[18]

Seit Januar 2011 schreibt er für Spiegel Online die Kolumne S.P.O.N. - Die Mensch-Maschine.[19] Im Februar 2011 setzte er sich dort etwa für „eine vernünftige Beleidigungskultur“ im Medium Internet ein und forderte eine „Entkriminalisierung der Herabwürdigung im Netz“ vor allem derjenigen Unternehmen, die mit dem „Kampfruf Schmähkritik“ versuchen würden, „Kritiker mundtot zu machen“.[20]

Stellung und Rezeption[Bearbeiten]

Lobo gilt deutschen Massenmedien als „Klassensprecher für das Web 2.0“[21][22][23] Neben Mercedes Bunz, Stefan Niggemeier, Kathrin Passig und Mario Sixtus zählte Lobo bis zur breiteren Etablierung der PIRATEN lange Zeit als einer der wenigen so genannten „Internetexperten“ und füllte damit eine Lücke: Die Digital Natives, die „vermeintlich Verblödeten, Verrohten, Dummgesurften sind mehrheitlich noch nicht in einem Alter, in dem sie gesellschaftliche Führungspositionen besetzen könnten. Deshalb wird gern und viel über ihre Köpfe hinweg geredet.“[22]

„Lobo bloggt, redet, erklärt, twittert und kolumnet auf praktisch jeder Internetseite“,[24] zudem ist er häufig Gast in Talkshows und als Interviewpartner in TV-Nachrichtensendungen zu sehen. Diese Omnipräsenz führte dazu, dass Lobo auch „leidenschaftlich gehasst“ wird: „Beneidet von seiner unmittelbaren Konkurrenz, den anderen Bloggern, verachtet von den analogen Medien, weil er ihnen die Deutungshoheit für einen wesentlichen Weltausschnitt entwunden hat, und verleugnet vom großen Publikum, das nicht gerne Teil einer Massenbewegung ist.“[24] So wird Lobo nicht selten auch mehr als „Klassenclown“ denn „Klassensprecher“ dargestellt.[23]

Sascha Lobo in Berlin

Verstärkt wird diese kritische Einschätzung durch Lobos auffälliges Auftreten. Er trägt laut Eigenaussage aus Marketinggründen seit 2006 einen roten Irokesenschnitt in Kontrast zu Anzug und Hemd, um einen höheren Wiedererkennungswert zu erzielen. In kaum einem Text über Lobo als Person fehlt ein Querverweis auf dessen Frisur, häufig in Kombination mit dem ihm zugeschriebenen Zitat, er sei „Inhaber einer gutgehenden Frisur“.[23] Nicht selten wird auf Lobos Erscheinungsbild abwertend reagiert; bis heute gilt einem nicht unerheblichen Teil der deutschen Gesellschaft das Internet als „unernst, rebellisch, halbseiden, noch nicht ganz erwachsen, ein bisschen aggressiv.“ Hierzu passe Lobo: „Wenn ein deutscher Fernsehmacher das Internet ins Studio holen will, lädt er einen Irokesenschnitt ein.“[22]

Vom Berliner Stadtmagazin Tip wurde Lobo 2010 auf den 7. Platz der „100 peinlichsten Berliner“ gewählt.[25]

In seinen häufig humorvollen Vorträgen und Schriften greift Lobo selbstironisch über ihn verbreitete Klischees auf und versucht diese auf diesem Wege zu relativieren.[24][13]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Holm Friebe, Sascha Lobo: Wir nennen es Arbeit – die digitale Bohème oder: intelligentes Leben jenseits der Festanstellung. Heyne, München 2006. ISBN 978-3-453-60056-0
  • Kathrin Passig, Holm Friebe, Aleks Scholz, Sascha Lobo (Hrsg.): Riesenmaschine – das Beste aus dem brandneuen Universum. Heyne, München 2007. ISBN 978-3-453-61001-9
  • Kathrin Passig, Sascha Lobo: Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin. Rowohlt, Berlin 2008. ISBN 978-3-87134-619-4
  • Sascha Lobo: Strohfeuer. Rowohlt, Berlin 2010. ISBN 978-3-87134-678-1
  • Sascha Lobo, NEON: Wortschatz: 698 neue Worte für alle Lebenslagen, rororo, November 2011. ISBN 978-3-499-62823-8
  • Kathrin Passig, Sascha Lobo: Internet - Segen oder Fluch, Rowohlt, Berlin 2012. ISBN 978-3-87134-755-9
  • Sascha Lobo: Teufel Coolness. Schmähschrift gegen eine reaktionäre Pose, SuKuLTuR, Berlin 2013. (Reihe „Aufklärung und Kritik“, Nr. 511.) ISBN 978-3-955660-21-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sascha Lobo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Berliner Zeitung: „Keine Arbeit für alle“, 5. September 2007
  2. a b saschalobo.com: „Referenzen“, 2009
  3. saschalobo.com: „Vorträge“, 2009
  4. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/sascha-lobo-das-internet-ist-nicht-das-wofuer-ich-es-gehalten-habe-12747989.html
  5. a b „Sascha Lobo“ – Kurzporträt auf den Seiten zur re:publica 2007
  6. a b wirnennenesarbeit.de: Über das Buch
  7. Hoffmann und Campe: Sascha Lobo
  8. Financial Times Deutschland: „In den Fängen der Riesenmaschine“, 15. September 2006Vorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter
  9. adnation.de: „Neu: adnation“, 3. Juli 2008
  10. Berliner Zeitung: „Das Internet und seine unendlichen Weiten“, Februar 2008
  11. saschalobo.com: „Hier“, 2009
  12. Jungle World: „Man sollte die Einblickstiefe festlegen“, Nr. 36/08 vom 4. September 2008
  13. a b Die Zeit: re:publica 2013 – Sascha Lobo wird Realo, 7. Mai 2013
  14. saschalobo.com: Selbstvorstellung, 2009
  15. vgl. Dürfen Irokesen werben?, Tagesspiegel vom 14. Juli 2009, online unter tagesspiegel.de
  16. Süddeutsche Zeitung: „Blogger gegen Blogger“, 17. Mai 2010
  17. Horizont: „Vodafone-Marketer Gründgens: Wir wussten, wir werden auch polarisieren“, Juli 2009
  18. N24: Street View - Warum sich Sascha Lobo dafür stark macht
  19. S.P.O.N. - Die Mensch-Maschine, Kolumne bei Spiegel Online
  20. Sascha Lobo: Pöbler an die Maus, Spiegel Online vom 16. Februar 2011
  21. Deutsche Welle: Sascha Lobo, Autor, Blogger, Webexperte, 19. April 2013
  22. a b c Christian Stöcker: Nerd Attack! Eine Geschichte der digitalen Welt vom C64 bis zu Twitter und Facebook, 2011, S. 261.
  23. a b c FAZ: Sascha Lobo – Ein Mann, zwei Seelen, 2. April 2012
  24. a b c Die Zeit: Sascha Lobo – Gefragt und gehasst, 20. April 2012
  25. tip 1/10: Die 100 peinlichsten Berliner. Sascha Lobo – Blogwurst S. 26–40.