St. Johannis (Hamburg-Eppendorf)

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Straßenansicht von der Kellinghusenstraße
Ansicht mit vollständigem Kirchenschiff
Innenausstattung, Kanzel

Die St.-Johannis-Kirche ist eine evangelisch-lutherische Pfarrkirche im Hamburger Stadtteil Eppendorf. Sie ist eine der ältesten Gründungen auf nordelbischem Gebiet, war sehr lange Mittelpunkt eines großen Kirchspiels und ist Mutterkirche vieler weiterer Kirchen im Hamburger Norden. Das nach Johannes dem Täufer benannte Gebäude gilt als die bekannteste „Hochzeitskirche“ in Hamburg.

Baugeschichte und Architektur[Bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten]

Die Kirche wurde 1267 erstmals urkundlich erwähnt. Die häufig geäußerte Vermutung, ihre Gründung ginge auf eine Missionsreise Ebo von Reims im Jahre 823 in das Gebiet nördlich des fränkischen Reichs zurück, lässt sich nicht belegen. Im Jahre 1530 wurde die Kirche unter einem aus Wilster vertriebenen Pastor lutherisch.[1]

Der Pfarrbezirk umfasste bis zur Abtretung des Bezirks der Niendorfer Marktkirche im Jahre 1768 das gesamte Gebiet zwischen der damaligen Hamburger Stadtgrenze am Dammtor im Süden und Ochsenzoll im Norden. Besonders während der Wachstumsphase Hamburgs am Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden viele neue Gemeinden auf dem Gebiet des ehemaligen Pfarrbezirkes von St. Johannis. Einige dieser unmittelbaren Tochterkirchen sind St. Lukas in Fuhlsbüttel, St. Johannis in Harvestehude und St. Markus in Hoheluft.

Während der Kriege im 17. und 18. Jahrhundert musste die Kirche mehrfach Plünderungen und Nutzung als Militärlager und zuletzt während der Hamburger Franzosenzeit als Lazarett überstehen.

Entstehung des heutigen Zustandes[Bearbeiten]

Der älteste Teil der Kirche ist das romanische Innere des ehemals runden Turms, der wohl als Wachturm aus dem frühen 13. Jahrhundert stammt und als einziger Gebäudeteil einen Brand der Kirche in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts überstand. 1751 wurde der Turm rechteckig mit Backsteinen ummantelt und mit einer barocken, heute mit Kupferblech gedeckten, 36 m hohen Spitze versehen. Die Feldsteinmauer des alten Turmes sind nur noch an der Rückwand der Empore zu erkennen.

Das 1622 neu gebaute Kirchenschiff ist ein rechteckiger 33 m langer und 12 m breiter Fachwerksaal mit flachem Chorabschluss.

Renovierungen[Bearbeiten]

Die Kirche wurde von 1902 bis 1903 renoviert und dabei von Julius Faulwasser mit Turmeingang und Brettertonnengewölbe im Innenraum versehen. Eine weitere Renovierung wurde 1957 bis 1963 unter der Leitung von Gerhard Langmaack vorgenommen, der vor allem neugotische Elemente zurückbauen ließ und dabei auch die heutige Anordnung der Fenster in der Chorwand festlegte. Die letzte Renovierung des Kirchenschiffs fand 1981 bis 1984 durch die Architekten Bunsmann, Scharf und Lockner statt und umfasste auch eine Neugestaltung des Altarraumes. Der Turm wurde in den Jahren 1999 bis 2001 aufwändig restauriert.

Innenausstattung[Bearbeiten]

Innenraum, Blick zum Altar

Der Kirchsaal ist durch die großen Fenster mit ihrem farblosen Glas und seinen in Weiß gehaltenen Wänden sehr hell. Die 9 m hohe hölzerne Tonnendecke wird durch einige schmale Holzsäulen unterstützt, an Nord- und Westwand sind Emporen eingefügt.

Das Kruzifix an der Altarrückwand kam erst in den 1960er-Jahren in die Kirche, die verwendete Christusfigur ist jedoch wesentlich älter und wird auf das frühe 16. Jahrhundert geschätzt. Wahrscheinlich wurde sie in der Gegend von Nürnberg gefertigt.

An der Chorwand befinden sich mehrere Bilder mit sehr verschiedenen biblischen Motiven, die sich teilweise auf die 1620er-Jahre datieren lassen Die Bilder an den Emporen stammen von 1669. An der Chorempore sind sie vom Motiv der fünf klugen und fünf törichten Jungfrauen geprägt, die Seitenempore zeigt 22 verschiedene Szenen aus dem Leben Jesu, die Szenen an der Orgelempore scheinen nach keinem einheitlichen Prinzip zusammengestellt worden zu sein. An beiden Seitenwänden des Kirchenschiffs finden sich Bilder der Evangelisten, von Reformatoren und verdienten Pastoren der Gemeinde.

Kanzel, Gestühl und Taufe sind 1781 vom örtlichen Tischler Ulrich Reese im klassizistischen Stil gefertigt. Vom Gestühl haben sich bis heute nur einzelne Wangen im vorderen Bereich erhalten. Das die Kanzel beherrschende Motiv sind die 10 Gebote und ihre Verkündung durch Mose. Der heutige Altar ist ein Entwurf von Paul-Gerhard Scharf aus dem Jahre 1989 mit einer Ergänzung durch Siegfried Assmann aus dem Jahre 1991. Assmanns Ergänzung, ein vergoldetes Bronzemedaillon über dem Altartisch, zeigt die Begegnung Jesu mit seinen Jüngern in Emmaus umrahmt von weiteren kleineren biblischen Szenen.

Glocken[Bearbeiten]

Das heutige Geläut[2] ist seit 1954 wieder dreistimmig und hängt seit 2009 wieder in einem hölzernen Glockenstuhl. Die kleinste Glocke hängt bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in der Kirche. Die älteste ist ein Fundstück vom Hamburger Glockenfriedhof, für das der Vorbesitzer nicht festgestellt werden konnte. Die neueste Glocke ist ein Neuguss von 1954.

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Masse
(kg)
Schlagton
 
Glockengießer
 
1 1954 820 Fa. Rincker, Hessen
2 1732 490 Michael Wittwerk, Danzig
3 1898 394 Fa. Otto, Bremen

Orgel[Bearbeiten]

Die Kirche besitzt eine Steinmeyer-Orgel aus dem Jahr 1972. Die Orgel weist seit ihrem Bau als Besonderheit ein unübliches Blockwerk im Hauptwerk auf. 1996 erfolgte durch die Herstellerfirma eine Überholung mit Änderungen in der Disposition, die heute wie folgt lautet:[3]

I Hauptwerk C–
1. Spitzflöte 8′
2. Oktave 4′
3. Koppelflöte 4′
4. Quinte 11/3
5. Blockwerk VI 8′
II Schwellwerk C–
6. Singend Prinzipal 8′
7. Prinzipal 4′
8. Schweizerpfeife 2′
9. Sesquialtera II
10. Dulcian 16′
11. Trompete 8′
Tremulant
III Brustwerk C–
(schwellbar)
12. Gedackt 8′
13. Rohrflöte 4′
14. Nasat 22/3
15. Prinzipal 2′
16. Scharff III 1′
17. Bärpfeife 8′
Tremulant
Pedal C–
18. Subbass 16′
19. Prinzipal 8′
20. Oktave 4′
21. Cornett III 2′
22. Fagott 16′
23. Trompete 8′
  • Koppeln:: I/II, I/III, I/P, II/P, III/P
  • Spielhilfen: 4 freie Kombinationen, Pleno, Auslöser, Handregister ab.

Friedhof[Bearbeiten]

Bis 1837 fungierte der Kirchhof auch als Friedhof, der direkt an die Gebäudemauern angrenzte. Bis 1904 verfügte die Gemeinde über einen Gemeindefriedhof an der Wegkreuzung der Eppendorfer Landstraße und Kümmellstraße, dem damaligen westlichen Rand des Dorfes. Hier befand sich u.a. die Grabstelle der seinerzeit prominenten Gastwirtin Marianne Ruaux (1802–1882), genannt „Die schöne Marianne“. Beide ehemaligen Friedhofsareale sind heute entwidmet und weitgehend überbaut.

Gemeinde[Bearbeiten]

Bedeutende Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Samuel Heinicke, einer der Pioniere im deutschen Gehörlosenschulwesen, war von 1768 bis 1778 Kantor der Gemeinde und unterrichtete hier mehrere gehörlose Schüler. Sein Bild hängt an der linken Wand des Kirchenschiffs.

Im 20. Jahrhundert prägte vor allem Pastor Ludwig Heitmann die Gemeinde. Während seiner ungewöhnlich langen Amtszeit von 1909 bis 1951 rief er eine blühende, stark bündisch geprägte Jugendarbeit ins Leben und führte eine Reihe neuer Gottesdienstformen ein, darunter schon 1930 die Feier der Osternacht.

Nutzung[Bearbeiten]

Der Kirchenbau ist aufgrund seines erhalten gebliebenen Charakters als dörflich geprägte Kirche, der heute als starker Kontrast zur städtischen Umgebung erlebt wird, einer der beliebtesten sakralen Orte für Trauungen in Hamburg. Neben der Nutzung als Kirche finden auch Konzerte verschiedener Art statt.

Fotografien und Karte[Bearbeiten]

53.59259.9933333333333Koordinaten: 53° 35′ 33″ N, 9° 59′ 36″ O

Karte: Hamburg
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St. Johannis Eppendorf
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Hamburg

Literatur[Bearbeiten]

  •  Ralf Lange: Architektur in Hamburg. Junius Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-88506-586-9, S. 130.
  •  Matthias Gretzschel: Kirchen in Hamburg: Geschichte, Architektur, Angebote. Axel Springer Verlag, Hamburg 2000, ISBN 3-921305-92-6, S. 72f.
  •  Friedhelm Grundmann, Thomas Helms: Wenn Steine predigen. Medien Verlag Schubert, Hamburg 1993, ISBN 3-929229-14-5, S. 55, 64-66.
  •  Karin Schöpflin, Kirchenvorstand St. Johannis Eppendorf (Hrsg.): Führer durch die Kirche St.Johannis-Eppendorf. Eigenverlag der Kirchengemeinde, Hamburg nach 1990. pdf (abgerufen am 28. Januar 2013)
  •  Barbara Leisner, Norbert Fischer: Der Friedhofsführer. Christians Verlag, Hamburg 1994, ISBN 3-7672-1215-3, S. 103.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Geschichte auf der Homepage der Gemeinde. Abgerufen am 13. Februar 2013.
  2. Information zu den Glocken auf der Homepage des NDR. Abgerufen am 14. Februar 2013.
  3. Eintrag in der Orgeldatenbank orgbase.nl. Abgerufen am 9. Januar 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Johanniskirche Eppendorf – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien