Tourismus in Deutschland

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Der Kölner Dom, hier mit der Hohenzollernbrücke, eines der meistbesuchten Baudenkmäler des Landes[1]
Festzelt auf dem Münchener Oktoberfest

Tourismus in Deutschland umfasst zwei (sich überlappende) Bereiche:

  • den Tourismus, der in Deutschland (mit In- und Ausländern) stattfindet
  • den von Deutschen (im In- und Ausland) generierten Tourismus.

Deutschland als Urlaubsziel verfügt über günstige Voraussetzungen: Gebirgslandschaften (Alpen und Mittelgebirge), See- und Flusslandschaften, die Küsten und Inseln der Nord- und Ostsee, zahlreiche Kulturdenkmäler und eine Vielzahl geschichtsträchtiger Städte sowie eine gut ausgebaute Infrastruktur. Vorteilhaft ist auch die zentrale Lage in Europa. Deutschland ist mit über 30 Millionen Übernachtungsgästen im Jahr eines der meistbesuchten Länder der Erde.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits die alten Römer nutzten germanische Heilquellen und gründeten Orte mit Thermen wie Aquae Granni (Aachen) und Aquae Mattiacorum (Wiesbaden). Ab 1581 etablierten sich infolge der Lehren der Balneologie die ersten deutschen Heilbäder wie Bad Schwalbach. Die mondänen Bade- und Kurorte an den Küsten und im Binnenland etablierten sich vor allem im 19. Jahrhundert als Reiseziele der europäischen Oberschicht, dazu gehören Kurstädte wie Baden-Baden, Bad Ems, Bad Pyrmont, Wiesbaden und die Badeorte an der Ostseeküste, wie Binz, Heiligendamm, Heringsdorf, Kühlungsborn, Travemünde und Sassnitz. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde durch die Organisation Kraft durch Freude zum ersten Mal einer breiten Bevölkerung eine Urlaubsfahrt ermöglicht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich der Massentourismus. In der DDR wurde dieser durch den Freien Deutschen Gewerkschaftsbund organisiert. Seit der Wiedervereinigung steigt der internationale Tourismus in Deutschland deutlich an, vor allem in den neuen Bundesländern. Die ITB Berlin ist die weltweit führende Tourismusmesse.

Touristen in Deutschland[Bearbeiten]

Die meisten Touristen in Deutschland sind Deutsche (Inlandtouristen bzw. Binnentouristen). Die meisten Besucher zieht der Freistaat Bayern an. Das stärkste Wachstum ausländischer Gäste hat Mecklenburg-Vorpommern.

Diesen Bereich des Tourismus nennt man auch Incoming.

Verteilung und Herkunft der Touristen[Bearbeiten]

Verteilung und Herkunft der Touristen in Deutschland
Land ÜN in
Mio.[3][4]
Herkunftsland ÜN in
Mio.[5]
Bayern 75,2 Deutschland 368,8
Baden-Württemberg 42,4 Ausland, davon: 54,8
Nordrhein-Westfalen 40,2 Niederlande 9,6
Niedersachsen 37,6 USA 4,3
Mecklenburg-Vorpommern 28,4 Vereinigtes Königreich 3,7
Hessen 26,9 Schweiz 3,8
Schleswig-Holstein 24,3 Italien 3,1
Rheinland-Pfalz 20,1 Frankreich 2,5
Berlin 18,9 Österreich 2,5
Sachsen 16,3 Belgien 2,5
Brandenburg 10,2 Dänemark 2,3
Thüringen 9,4 Spanien 1,8
Hamburg 8,94 Schweden 1,4
Sachsen-Anhalt 6,7 Russland 1,2
Saarland 2,2 Polen 1,2
Bremen 1,6
Quelle: Statistisches Bundesamt, Stand 2009

Quelle für Hamburg: Neuer Gästerekord, Fast zehn Prozent mehr Übernachtungen, Hamburger Abendblatt, 23. Februar 2011; Stand 2010

Infrastruktur[Bearbeiten]

Etwa 4.000 der 12.431 Gemeinden Deutschlands sind in Tourismusverbänden organisiert, 310 davon sind als Heilbäder, Seebäder oder Kurorte anerkannt. Den Gästen stehen unter anderem 6.135 Museen, 366 Theater, 34 Freizeit- und Erlebnisparks, 45.000 Tennisplätze, 648 Golfplätze, 122 National-/Naturparks beziehungsweise Biosphärenreservate, ein Wanderwegnetz von rund 190.000 km sowie 40.000 km Radfernwege zur Verfügung. Die deutschen Ferienstraßen runden das Angebot an Reisewegen ab.

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

Tourismus ist in Deutschland ein wichtiger Wirtschaftszweig, sowohl in den ländlichen Regionen als auch in den Städten. Vom Tourismus profitieren neben Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe auch Einzelhandel, Dienstleister und Anbieter von Freizeit- und Unterhaltungsangeboten. [6]

In Deutschland erzielt der Fremdenverkehr mit 2,8 Millionen Beschäftigten einen Umsatz von 140 Milliarden Euro. 125,3 Millionen Gäste (101,5 Millionen aus dem Inland, 23,5 Millionen aus dem Ausland) tätigten 351,4 Millionen Übernachtungen (davon 298,5 Millionen durch Inländer und 52,9 Millionen durch Ausländer) in 54.166 Unterkünften mit etwa 2,6 Millionen Betten.[7]

Sparten des Tourismus[Bearbeiten]

Tourismus am Wasser

Badetourismus und Wassersport sind an Küsten und Inseln der Nord- und Ostsee von großer Bedeutung, vor allem in den Seebädern; ebenso an den großen Binnenseen wie Bodensee, Chiemsee und im Mecklenburger Seenland mit der Müritz und dem Schweriner See.

Berg- und Wandertourismus

Die Berge spielen für Aktivurlauber sowohl im Winter (Wintersport), als auch im Sommer (Bergwanderungen, Bergsteigen, Mountainbiking) eine bedeutende Rolle. Die höchsten Berge in Deutschland liegen in den Bayerischen und Allgäuer Alpen. Die Mittelgebirge, beispielsweise Bayerischer Wald, Schwarzwald, Harz und Rhön, sind Ziele für Wanderer.

Kultur- und Städtetourismus

Der Städtetourismus erfasst vor allem die großen Städte und einzelne, touristisch berühmte Städte. Es gibt einen fließenden Übergang zum Kulturtourismus, der um zentrale Musik- und Theaterangebote oder Feste und Festivals herum arrangiert wird. Die wertvollsten Altstädte und die größten deutschen Städte, allen voran Berlin, Hamburg und München, ziehen besonders auch internationale Besucher an.[8]

Gäste halten sich in Städten meist wesentlich kürzer auf als in ländlichen Tourismusorten, geben aber pro Tag im Durchschnitt deutlich mehr aus.

Fahrradtourismus

Fahrradtourismus ist eine populäre Form des Aktivurlaubs. Deutschland bietet hervorragend ausgebaute touristische Radrouten.

Zwei grundsätzliche Strukturen sind zu unterscheiden: - Eine Radreise aus mehreren Etappen, von einem Übernachtungsort zum nächsten - Ausflüge auf dem Rad immer von einem Quartier aus (auch Sternfahrt genannt)

Einkaufstourismus

Zum Einkaufstourismus kommt es in Grenzgebieten wegen des Preisgefälles zwischen benachbarten Ländern. Ein Beispiel dafür ist die Stadt Flensburg unmittelbar an der dänischen Grenze. Wegen der verhältnismäßig niedrigen Besteuerung von Waren in Deutschland, kaufen die Skandinavier lieber hier. So wird in den grenznahen Shoppingzentren in Flensburg und Umgebung dänisch gesprochen, die deutschen Grenzhändler nennen ihre Verkaufsstätten „Scandinavian Park“ oder „Dansk Vinlager“, um deutlich zu machen, dass Sie sich auf die dänischen Kunden spezialisiert haben. Deutschlandweit ziehen Factory-Outlet-Center Kunden auch aus dem europäischen Ausland in Orte wie Metzingen oder in das Ingolstadt Village bei Ingolstadt.

Weitere Arten

Deutsche Touristen[Bearbeiten]

2004 unternahmen Deutsche 274 Millionen Reisen, von denen 73 % ins Inland führten. Dabei buchten sie 1,4 Milliarden Übernachtungen und gaben 120 Milliarden Euro aus, von denen 61,4 Milliarden Euro auf Auslandsreisen entfielen.

Bei 65 Millionen Reisen handelte es sich um Urlaubsreisen (Zweck: Erholung; Mindestdauer: 4 Übernachtungen). 48,1 Millionen Deutsche über 14 Jahre haben an mindestens einer Urlaubsreise teilgenommen, was einer Reiseintensität von 74,4 % entspricht.

Das beliebteste Reiseziel hierbei war Deutschland selbst mit 30,8 %, wovon allein 6,7 Prozentpunkte auf Bayern entfielen. Es folgten Spanien mit 13,6 %, Italien mit 7,4 %, Österreich mit 6,5 % und die Türkei mit 6,4 %. 6,1 % entfielen auf Fernreisen.

Ein gutes und faires Preis-Leistungs-Verhältnis ist dabei für mehr als drei Viertel aller Deutschen eine Grundvoraussetzung. Sonne, gesundes Klima und schöne Natur sind zudem deutlich wichtiger als materielle Qualitätsmerkmale wie etwa abwechslungsreiche Abendunterhaltung, gute Einkaufsmöglichkeiten, Wellness-, Aktiv- oder Kulturangebote.[9] Deutsche Urlauber schätzen bei Ihren Reisen gemütliche Atmosphäre, Gastfreundschaft und Harmonie mit den Reisepartnern.

Bei 48 % der Reisen erfolgte die An- und Rückreise mit dem PKW, bei 36 % mit dem Flugzeug, bei 10 % mit dem Bus und bei 6 % mit der Eisenbahn. Hauptreiseländer mit dem PKW sind Dänemark, Italien, Kroatien, Österreich, die Schweiz und Ungarn. Die Reisedauer betrug durchschnittlich 12,9 Tage, die Kosten 812 Euro pro Person.

Diesen Bereich des Tourismus nennt man auch Outgoing.

Tourismusstatistik[Bearbeiten]

Hauptartikel: Tourismusstatistik

In Deutschland melden die Beherbergungsbetriebe (wie in Österreich und der Schweiz) auf Grund gesetzlicher Verpflichtung monatlich die Summen der Ankünfte und Nächtigungen von Gästen (nach Herkunftsländern der Gäste gegliedert) an die Gemeinden/Städte. Daraus stellen die statistischen Landesämter und das Bundesamt Gesamtergebnisse zusammen. Diese Zahlen werden in der Monatserhebung im Tourismus veröffentlicht.

Ergänzt werden diese Daten um Angaben zu den Kapazitäten in Form der angebotenen Betten bzw. bei Campingplätzen der angebotenen Stellplätze. Bei Betrieben der Hotellerie (Hotels, Hotels garnis, Gasthöfe, Pensionen) wird schließlich noch die Zahl der angebotenen Gästezimmer zum 31. Juli jedes Jahres ermittelt.

Zur Entlastung des Beherbergungsgewerbes werden ausschließlich Betriebe befragt, die mehr als acht Gäste gleichzeitig beherbergen können.

Angaben zum Reiseverhalten der Deutschen liefert die Statistik über die touristische Nachfrage. In telefonischen Interviews wird vierteljährlich sowohl nach Urlaubs- und Erholungsreisen von fünf und mehr Tagen Dauer als auch nach Kurzreisen (zwei bis vier Tage Dauer) und Geschäftsreisen gefragt. Bei bis zu 10.000 Reisenden pro Jahr werden dabei u. a. das Reiseziel, die Zahl der Übernachtungen sowie die Reiseausgaben erhoben. [10][11]

Trends[Bearbeiten]

Siehe auch: Tourismus#Zukunft
Internet

Im Buchungsverhalten der Gäste spielt das Internet eine große Rolle. Viele Gäste informieren sich auf Webseiten über Kommentare von ihresgleichen über den Urlaubsort und in Frage kommende Hotels, bevor sie buchen. Die Buchungen erfolgen oft sehr viel kurzfristiger als früher. Während gedruckte Reiseführer als Nachschlagewerke noch stark verbreitet sind (z.B. Baedeker, Marco Polo, Michelin und Varta), erfahren Webportale wie der freie Reiseführer Wikivoyage und Virtualtourist oder Austausch- und Bewertungsplattformen wie trivago, Opodo, Expedia, TripAdvisor und Holidaycheck zunehmende Verbreitung. Buchungsportale wie HRS, Hotel-ami, KAYAK, Unister, Travel24.com und hotel.de werden heute häufiger für Hotelbuchungen genutzt als klassische Reisebüros, welche jedoch für Gesamtpakete und personalisierte Angebote weiterhin Bedeutung haben. Auch Urlaubsaktivitäten und Sehenswürdigkeiten werden häufig über das Internet bestellt, z.B. über GetYourGuide.

Das Interesse an Destinationen im zeitlichen Verlauf kann auch anhand der Suchbegriffe bei Google grafisch dargestellt werden: Google Trends Hier wird deutlich, dass die Suche nach passenden Urlaubsregionen ab April ansteigt und im Sommer ihren Höhepunkt erreicht.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sabine Peschel: Deutsche Sehenswürdigkeiten., dw.de, 7. März 2013, abgerufen am 6. Juni 2013
  2. UNWTO Tourism Highlights, Edition 2013 (PDF) World Tourism Organization. 2013. Abgerufen am 29. April 2014.
  3. http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Binnenhandel/Tourismus/Tabellen/Content50/UebernachtungenBundeslaender,templateId=renderPrint.psml
  4. http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Binnenhandel/Tourismus/Tabellen/Content50/UebernachtungenBundeslaender,templateId=renderPrint.psml
  5. http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Binnenhandel/Tourismus/Tabellen/Content50/UebernachtungenHerkunftslaender,templateId=renderPrint.psml
  6. http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Binnenhandel/Tourismus/Content75/InfoTourismus.psml
  7. Quelle fehlt!
  8. Städte- und Kulturtourismus in Deutschland. (PDF; 426 kB), deutschertourismusverband.de, abgerufen am 6. Juni 2013, hier S. 6
  9. Stiftung für Zukunftsfragen - eine Initiative von British American Tobacco: Der Dreiklang des deutschen Urlaubsglücks: Preis-Leistung, Natur und Freundlichkeit, Forschung Aktuell, 256, 35. Jg., 1. Juli 2014.
  10. Website der Monatserhebung im Tourismus im Statistischen Bundesamt
  11. Seite mit dem Qualitätsbericht (methodische Beschreibungen) der Monatserhebung im Tourismus

Weblinks[Bearbeiten]