Uman

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit der ukrainischen Stadt Uman. Zum Feldherrn siehe Tecun Uman; zur guatemaltekischen Stadt siehe Ciudad Tecún Umán.
Uman
(Умань)
Wappen von Uman
Uman (Ukraine)
Uman
Uman
Basisdaten
Oblast: Oblast Tscherkassy
Rajon: Kreisfreie Stadt
Höhe: 166 m
Fläche: 41,0 km²
Einwohner: 88.300 (1. Januar 2004)
Bevölkerungsdichte: 2.154 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 20300
Vorwahl: +380 4744
Geographische Lage: 48° 45′ N, 30° 13′ O48.7530.216666666667166Koordinaten: 48° 45′ 0″ N, 30° 13′ 0″ O
KOATUU: 7140800000
Verwaltungsgliederung: 1 Stadt
Bürgermeister: Jurij Bodrow
Adresse: пл. Леніна 1
20300 м. Умань
Website: http://uman-rada.gov.ua/
Statistische Informationen
Uman (Oblast Tscherkassy)
Uman
Uman
i1

Uman (ukrainisch und russisch Умань) ist eine selbständige Stadt in der zentralukrainischen Oblast Tscherkassy. Sie ist Verwaltungssitz des Rajons Uman.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gründung der Stadt ist nicht eindeutig gesichert. Auch wenn Siedlungsspuren bis 3.000 v. Chr. nachgewiesen werden konnten, so war aufgrund von immer wieder erfolgenden Reitereinfällen bis in die Neuzeit eine kontinuierliche Besiedlung nicht möglich. In der ersten urkundlichen Erwähnung 1609 ist auch von der Wüstung Uman die Rede, welche dem polnischen Magnaten V.A. Kalinowski übertragen wurde. Die Siedlung gewann in den folgenden Jahrzehnten sehr rasch an Bevölkerung. Sie erhielt 1616 Stadtrechte und besaß 1629 bereits 6.000 Einwohner. 1706 verlieh man ihr das Magdeburger Stadtrecht.

1802 wurde in Uman die Sophienparkanlage eröffnet. Diese war auf Anweisung des polnischen Magnaten Stanislaw Potocki von dem Ingenieur Ludwig Metzel errichtet worden, wobei man sich an dem Vorbild englischer Landschaftsgärten orientierte. Die Parkanlage ist nach der griechischen Frau des Auftraggebers benannt.

Der Sofijivsky Park in Uman

Uman entwickelte sich seit dem 18. Jahrhundert bis zum Holocaust zu einem bedeutenden jüdischen Zentrum. Aus ökonomischen Gründen siedelten sich viele Juden aus dem heutigen Polen und Litauen am Schwarzen Meer an. So waren um 1900 rund 60 % der Einwohner Juden.[1]

Im Zweiten Weltkrieg kam es in der Nähe der Stadt zwischen der deutschen Wehrmacht und der Sowjetarmee zur Kesselschlacht bei Uman. Diese dauerte vom 3. bis 8. August 1941, wobei beide Kriegsparteien große Verluste erlitten. Rund 100.000 sowjetische Soldaten gerieten in deutsche Gefangenschaft. Nach der Einnahme der Stadt durch die Wehrmacht wurde am nordöstlichen Stadtrand ein Feldflughafen eingerichtet. Nachdem die Rote Armee mit einem Keil schon Ende Januar 1944 fast bis zum Feldflughafen vorgedrungen war, der bis in die Höhe von Swenigorodka zurückgedrängt wurde, gelang ihr in der ersten Märzwoche 1944 die Rückeroberung von Uman im Zuge der Uman-Botosaner Operation. Unverzüglich danach wurde am Stadtrand das NKWD-Sammellager Nr. 33 für Kriegsgefangene eingerichtet.

Während der deutschen Besatzungszeit wurden über 14.000 Juden aus Uman deportiert.

Pilgerstätte von chassidischen Juden[Bearbeiten]

Im Jahr 1963 erreichte der in New York lebende Rabbiner Gedaliah Fleer auf der Suche nach dem Grab des Rabbi Nachman die eigentlich gesperrte Stadt Uman, nachdem er im Jahr zuvor kurz vor Uman festgenommen worden war. Dieser Erfolg sprach sich schnell herum. Danach folgten zunächst weitere illegale Reisen; in der späteren Sowjetzeit gab es einzelne Uman-Reisen, die von der offiziellen Agentur Intourist organisiert worden sind.[2] Ab Anfang der 1990er Jahre entwickelte sich die Stadt zu einer jüdischen Pilgerstätte, mittlerweile kommen allein an Rosch Haschana etwa 30.000 Pilgergäste.[3] [4]

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten]

Der wirtschaftliche Schwerpunkt der Stadt liegt auf dem Maschinenbau und der chemisch-pharmazeutischen Industrie. Uman liegt an den Autostraßen Kiew - Odessa und Winnyzja - Kirowohrad, welche sich in der Stadt kreuzen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Paul R. Magocsi: Historical Atlas of Central Europe. University of Washington Press, Seattle 2002. ISBN 978-0-295-98146-8. S. 109.
  2. Konrad Schuller: Im neuen Schtetl. Die Juden im ukrainischen Uman wurden von Stalin deportiert, von Hitler ermordet. Das Grab des großen Rabbis verschwand unter Beton. Jetzt sind die Chassiden wieder da. Zu Tausenden kommen sie aus New York und Israel, singen und tanzen. Ihr höchstes Gebot ist echte Freude. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22. September 2013.
  3. Chassiden? - Nein, danke! In: Jüdische Allgemeine vom 13. September 2012.
  4. Cathrin Kahlweit: Zu Gott tanzen. Wenn die Juden Neujahr feiern, herrscht in Uman Ausnahmezustand. In: Süddeutsche Zeitung vom 26. September 2014, S. 13.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Uman – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien