Vier im roten Kreis

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Filmdaten
Deutscher Titel Vier im roten Kreis
Originaltitel Le Cercle rouge
Produktionsland Frankreich, Italien
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 1970
Länge 140 Minuten
Stab
Regie Jean-Pierre Melville
Drehbuch Jean-Pierre Melville
Produktion Robert Dorfmann, Jacques Dorfmann
Musik Éric Demarsan
Kamera Henri Decaë
Schnitt Marie-Sophie Dubus, Jean-Pierre Melville
Besetzung

Vier im roten Kreis (Le Cercle Rouge) ist ein französischer Kriminalfilm aus dem Jahr 1970. Regie führte Jean-Pierre Melville.

Handlung[Bearbeiten]

Der Profi-Einbrecher Corey (Alain Delon) wird nach 5 Jahren Haft wegen guter Führung vorzeitig aus dem Gefängnis von Marseille entlassen. Zuvor bietet ihm ein Gefängniswärter ein todsicheres Geschäft an: den Einbruch bei einem Pariser Nobeljuwelier, dessen scheinbar perfektes Sicherheitssystem er ebenso zu kennen vorgibt wie die einzige Lücke darin. Corey verschafft sich zunächst bei seinem Ex-Komplizen Rico gewaltsam Geld und eine Pistole. Frühmorgens betritt er einen Marseiller Billardsalon, nachdem er dem Besitzer, der eigentlich gerade schließen wollte, Geld zugesteckt hat. Wenig später tauchen dort zwei von Ricos Handlangern auf. Im Handgemenge erschießt Corey einen der Gangster, erbeutet eine weitere Pistole und entkommt. Beide Waffen verstaut er in einer Tasche im Kofferraum seines Wagens, mit dem er sich auf den Weg nach Paris macht. Unterwegs wird er von der Polizei kontrolliert, die nach dem flüchtigen Häftling Vogel fahndet. Vogel konnte kurz zuvor aus dem Nachtzug Marseille-Paris entkommen, obwohl ihn sein Begleiter, der Pariser Kommissar Mattei, mit Handschellen fixiert hatte. Bei der zweiten Kontrolle weiß Corey, dass sich Vogel inzwischen in seinem Kofferraum befindet; er hatte ihn bei einem Zwischenstopp heimlich einsteigen sehen und dessen Identität erahnt. Es gelingt ihm, die Polizei zu täuschen. Zwei weitere von Ricos Schergen tauchen auf und drängen Coreys Wagen von der Straße. Kurz bevor sie ihn im Wald liquidieren können, revanchiert sich Vogel. Er kann Corey das Leben retten, als er im Rücken der Killer mit Coreys Pistole in der Hand aus dem Kofferraum steigt. Beide erschießen die Gangster mit deren Waffen und fingieren so eine private Fehde. Das Bündnis zwischen Corey und Vogel ist damit besiegelt. Für den Einbruch brauchen sie allerdings noch einen Scharfschützen. Ihre Wahl fällt auf den Ex-Polizisten Jansen, der den Job als Chance begreift, von seiner Alkoholsucht wegzukommen.

Parallel zur Vorbereitung ihres Coups läuft die Verfolgung von Vogel unter Leitung von Kommissar Mattei. Nach der Panne im Nachtzug hatte ihn der Polizeipräsident, obwohl er ihm misstraut, beauftragt, Vogel zu fassen. Routinearbeit führt ihn unter anderem zu Vogels Ex-Kumpan Santi, womit er auf der richtigen Fährte ist, denn Corey und Jansen nutzen dessen Nachtlokal als Treff. Letztlich ist es aber nicht nur dieser kleine Schönheitsfehler, der das Trio – außerhalb ihres perfekt ausgeklügelten und gelingenden Einbruchs – scheitern lässt. Rico kommt noch einmal ins Spiel, indem er aus dem Gefängniswärter die Wahrheit herauspresst und dann den Hehler, der zugesagt hatte, den erbeuteten Schmuck weiter zu veräußern, zum Rückzug überredet. Auf der Suche nach Ersatz wenden sich die drei an Santi und hätten auf dessen Loyalität vertrauen können, wäre nicht der Zufall Mattei zuhilfe gekommen, als eine von ihm nur als Finte geplante Aktion gegen Santi überraschend ans Licht bringt, dass dessen Sohn tatsächlich kriminell ist. So kommt Mattei, getarnt als Hehler, in Santis Etablissement entscheidend zum Zuge und vermag Corey zu täuschen. Im Showdown, der fingierten Schmuckübergabe, greifen Vogel und Jansen noch einmal ein, können aber das Blatt nicht mehr wenden. Das Trio stirbt im Schusswechsel mit der Polizei.

Titel[Bearbeiten]

Der Film beginnt mit einer Art Motto: Siddharta Gautama,/ der Buddha,// zeichnete mit roter Kreide/ einen Kreis und sagte:/ Wenn es vorherbestimmt ist,/ dass Menschen einander/ wiedersehen sollen,/ was auch immer ihnen geschieht,/ auf welchen Wegen sie auch wandeln,/ am gegebenen Tag werden sie einander/ unvermeidlich „im roten Kreis begegnen“.// Rama Krischna

Im engeren Sinne sind es, wie der deutsche Titel suggeriert, die vier Hauptfiguren, die im finalen Showdown noch einmal aufeinandertreffen: Mattei als falscher Hehler; Corey als Boss des Trios und Einziger, der den Kommissar nicht kennt; Vogel, der Corey heimlich folgt, weil er Verdacht geschöpft hat; Jansen, der mit Mattei aus dem Polizeidienst gut bekannt ist und der auf seinen Anteil an der Beute bereits verzichtet hat, Corey aber aus Loyalität und Dankbarkeit begleitet.

Der französische Originaltitel Le cercle rouge (Der rote Kreis) lässt offen, welche der Figuren man darüber hinaus in den „Kreis“ mit einbezieht. Der ebenfalls anwesende Polizeipräsident gehört gewiss zu ihnen. Sein Dogma (Es gibt keine Unschuldigen. Die Menschen sind Verbrecher) scheint sich zu bestätigen, und konsequenterweise gehört ihm auch der Schlusssatz des Films, indem er gegenüber dem Kommissar noch einmal bekräftigt: Alle Menschen, Monsieur Mattei.

Leitmotivisch ins Bild gesetzt wird der rote Kreis gleich in der allerersten Einstellung: durch die rote Ampel, die der Fahrer, der Mattei und Vogel zum Bahnhof bringt, überfährt; zugleich werden damit andere Leitmotive des Films angeschlagen: die Gesetzesübertretungen auch der Gesetzeshüter sowie die Rolle des Zufalls (ohne diesen Verstoß hätten beide möglicherweise den Zug verpasst, Vogel wäre dann mit Sicherheit nicht auf Corey getroffen usw.). Weitere markante Bildsignale sind die rote Billardkugel, die Corey in seinem ersten Spiel nach der Haft drei Mal perfekt trifft und beim vierten Stoß verfehlt, weil ihm einer der Handlanger zuvorkommt, und die rote Rose, die eine von Santis Animierdamen Corey unmittelbar vor dem ersten Treff mit dem getarnten Kommissar überreicht und die vor dem zweiten und letzten Treff auch Vogel in Händen hält.[1]

Kritik[Bearbeiten]

"Visually arresting and powerful! Melville was the coolest, most stylish of auteurs!"

John Woo

"Profoundly, ineffably cool!"

New York Times

Melvilles episch angelegter Gangster-Film um seine klassischen Themen wie Verrat, Schuld und Tod wurde sowohl in Europa als auch in Amerika ein durchschlagender Erfolg. Er ist zu den legendärsten Gangster-Filmen aller Zeiten zu zählen und genießt Klassiker-Status; nicht umsonst wird er von großen Filmemachern wie Quentin Tarantino, Jim Jarmusch, John Woo (siehe Zitat) oder Aki Kaurismäki geliebt und bewundert. Obwohl Melville viele große Filme geschaffen hat, etwa Armee im Schatten oder Der eiskalte Engel, so wird Vier im roten Kreis von vielen Kritikern doch als sein bester Film eingestuft. In ihm zeige sich ein "voll ausgereifter Melville", der keinerlei Schwächen zeige.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Nachdem das British Film Institute (bfi) den Film restauriert und überarbeitet hatte, um ihn in voller Länge auf DVD zugänglich zu machen, wurde Vier im roten Kreis 2002 anlässlich des Filmfestivals in Cannes gezeigt und in die Hall of Fame des Festivals, die sog. 'Heritage-Section' aufgenommen.

Trivia[Bearbeiten]

  • Jean-Pierre Melville arbeitete nach Der eiskalte Engel (Le samouraï) hier bereits zum zweiten Mal mit Alain Delon zusammen. Delon spielte auch in Melvilles letztem Film, Der Chef (Un Flic) von 1972.
  • Gerüchten zufolge wollte Melville auch unbedingt Lino Ventura für seinen Film verpflichten. Ventura spielte bereits Hauptrollen in Melvilles Filmen Der zweite Atem und Armee im Schatten. Da sich beide ein Jahr zuvor zerstritten hatten und Ventura nicht zu einer Versöhnung bereit war, kam die Zusammenarbeit nicht zustande, und Melville verpflichtete André Bourvil für die Rolle des Commissaire Mattei. Des Weiteren sollte zunächst Paul Meurisse Montands Part, 'Jansen', spielen, und auch Jean-Paul Belmondo war als Besetzung für den Film im Gespräch. Belmondo sollte 'Vogel' spielen, die Rolle wurde dann schließlich von Gian Maria Volonté übernommen.
  • Die Szene des Einbruchs in den Juwelierladen schrieb Melville bereits im Jahre 1950, bewahrte sie jedoch auf, um sie später zu einem ganzen Film auszubauen. Als dann jedoch zuerst Asphalt-Dschungel (The Asphalt Jungle) erschien, welcher auf einem sehr ähnlichen Drehbuch basierte, verwarf Melville sein Vorhaben zunächst. 1955 erschien dann Rififi (Du rififi chez les hommes), und auch hier fand "Melvilles Story" Verwendung. Deshalb verschob er die Realisierung seines Projekts ein weiteres Mal, bis er dann 15 Jahre später Vier im roten Kreis drehte.
  • In einer Szene muss Delon eine Polizeikontrolle passieren. In der Warteschlange steht vor ihm ein grüner Ford Mustang. Dabei handelte es sich um Melvilles Privatwagen, da sich Melville hinsichtlich seines Geschmacks sehr an amerikanischen Vorbildern orientierte (sein berühmter Stetson war ein weiteres Beispiel dafür).
  • Vier im roten Kreis war der letzte Film von André Bourvil. Er starb kurz nach Ende der Dreharbeiten am Multiplen Myelom (Morbus Kahler), einer schweren Erkrankung des Knochenmarks. Bourvil sollte ein Jahr später eine der Hauptrollen in der Komödie Die dummen Streiche der Reichen übernehmen, was er nicht mehr wahrnehmen konnte. Seinen Part übernahm Montand, mit dem er gemeinsam in Vier im roten Kreis gespielt hatte.

Fassungen[Bearbeiten]

In Deutschland erschien Melvilles Film bereits sehr früh ungekürzt auf VHS. Auf DVD wurde er erstmals 2007 in der Reihe SZ Cinemathek veröffentlicht (deutsche Synchronfassung und französische Version mit nicht ausblendbaren Untertiteln, keine Extras). Daneben gibt es einige DVD-Veröffentlichungen aus dem Ausland: In Europa sind zwei Fassungen erhältlich, nämlich eine französische und eine britische. Während die französische DVD nur wenige Extras enthält, enthält die britische bfi-DVD unter anderem einige Interviews und einen Audiokommentar. In den USA kam in der Reihe The Criterion Collection eine Doppel-DVD auf den Markt. Sie enthält neben dem Material der britischen Disc etliche weitere Interviews und Featurettes, Trailer und den Audiokommentar. Weiterhin liegt der DVD ein 24-seitiges Booklet bei, welches unter anderem ein Interview mit Jean-Pierre Melville und eines mit dem Komponisten des Scores, Eric Demarsan, enthält.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Samurei von Paris Wolf Donner in Die Zeit vom 1. Oktober 1971