Wartburg (Automarke)

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Wartburg war der Handelsname der von 1956 bis zum 14. April 1991 im VEB Automobilwerk Eisenach gefertigten Personenkraftwagen-Baureihe des Herstellers IFA. Der Name leitet sich von der gleichnamigen Burg am Produktionsstandort Eisenach ab. Von den über 1.600.000 produzierten Fahrzeugen waren am 1. Januar 2014 in Deutschland laut Kraftfahrt-Bundesamt noch 7.134 zugelassen.[1]

Baureihen im Überblick[Bearbeiten]

Von 1956 bis 1988 wurde der Wartburg von einem Dreizylinder-Zweitaktmotor angetrieben, der Mitte Oktober 1988 (Wartburg 1.3) durch einen von der Volkswagen AG entwickelten Vierzylinder-Viertaktmotor abgelöst wurde.

Wartburg 355 (Prototyp)[Bearbeiten]

Wartburg Coupé 355

Im Jahr 1968 arbeitete man an einer Weiterentwicklung des Wartburg 353. Es entstand ein Coupé mit einer Karosserie aus GFP-Elementen (glasfaserverstärktes Polyesterharz). Eingebaut wurde ein Renaultmotor mit 1397 cm3 Hubraum und 54 kW. Der Prototyp hatte ein Fließheck und Frontmotor.

Die Entwicklung, die Stilelemente des einige Jahre später gebauten VW Passat vorwegnahm, kam auf Grund politischer Entscheidung aber über das Prototypstadium nicht hinaus.

Der Prototyp befindet sich im Verkehrsmuseum Dresden.

Bestand in Deutschland[Bearbeiten]

Aufgeführt ist der Bestand an Wartburg in Deutschland zum 1. Januar jedes Jahres seit 2001 laut Kraftfahrt-Bundesamt. Vor dem 1. März 2007 beinhaltete der Fahrzeugbestand neben der Anzahl der angemeldeten Fahrzeuge auch die Anzahl der vorübergehenden Stilllegungen. Seit dem 1. März 2007 enthält der Fahrzeugbestand lediglich den „fließenden Verkehr“ einschließlich der Saisonkennzeichen.[2]

Stichtag
1. Januar
2001[3] 2002[3] 2003[3] 2004[3] 2005[3] 2006[3] 2007[3] 2008[3] 2009[3] 2010[3] 2011[4] 2012[4] 2013[5] 2014[1]
Anzahl 52.181 38.135 27.523 21.037 17.225 14.106 12.349 8.727 8.222 7.769 7.485 7.349 7.195 7.134

Nach dem Abschlussbericht des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle wurden 248 Wartburg zugunsten der Umweltprämie zwischen dem 27. Januar 2009 und dem 31. Juli 2010 verschrottet.[6]

Produktionsstandorte[Bearbeiten]

Im Laufe der Jahre (ab 1966) wurden neben dem AWE Eisenach vier weitere Betriebe in die Produktion einbezogen:

Die Rahmen wurden ohne Fahrgestellnummer in die einzelnen Werke geliefert. Dort wurden dann zu der Nummer SNE353 die Kennziffern für Tourist oder Trans hinzugefügt, beim Tourist war dies für die Normalversion die Nummer 209. Zu der nun karossenabhängigen Rahmennummer kam noch die spezifische Fahrgestellnummer/Rahmennummer.

das Nummernschema zwischen 1986 und April 1988
SNE 353 00x G2y zzzzz
x: 0 = Limousine, 4 = Trans, 9 = Tourist
y: 1 = 1986, 2 = 1987, 3 = 1988
z: lfd. Nummer, wobei erste Stelle: 0–6 = Limousine, 7 = Trans, 8+9 = Tourist
ab April 1988
SNE 353 x0y zzz aaaaa
x: 0 = 2-Takter, 2 = 4-Takter
y: 0 = Limo, 4 = Trans, 9 = Tourist
zzz: J8 = 1988, K9 = 1989, L0 = 1990, M0 = 1991
aaaaa: lfd. Nummer

Für die Produktion des Tourist in Halle und Dresden wurden Teile (Mechanik, Rahmen und Karosserieteile, die denen der Limousine glichen) zugeliefert, die Wagen dann mit der vor Ort gefertigten Kombi-Karosserie endmontiert.

Export[Bearbeiten]

Ein erheblicher Anteil der Wartburg-Fertigung wurde exportiert. 1975 verteilte sich die Wartburg-Produktion von 54.050 Fahrzeugen wie folgt:

34.250 in den Export, 8.941 für die eigene Bevölkerung, 7.300 für Genex, 556 für Investträger, 3.003 für staatliche Organe.[7]

Zu den größten Abnehmern zählten Ungarn und Polen. Der Wartburg 311 verkaufte sich auch im nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet gut. Das änderte sich im Laufe der 1960er-Jahre, und Anfang der 1970er-Jahre war der Wartburg 353 aufgrund seines Zweitaktmotors im Westen fast unverkäuflich geworden, nur wenige westliche Länder wie Finnland importierten ihn damals noch. Bekannt geworden ist der Export von bis zu 1215 Stück des Typs 311 in die USA im Jahr 1960, für den es auch Inserate im Playboy gab. Über den Händler Witkin in Los Angeles wurden diese Fahrzeuge zum Einstiegspreis von 1799 US$ (Cabrio: 2155 US$, Camping: 2195 US$) angeboten.[8]

Technische Informationen[Bearbeiten]

Details zum Bremskraftregler
Die Kombis/Camping und später Tourist/Trans hatten im Vergleich zu den Limousinen eine verstärkte hintere Federung. Die lastabhängigen Druckübersetzer : (LAD) für die Hinterradbremsen wurde 1975 mit dem modernisierten Fahrwerk des 353W eingeführt. Sie hatten je nach Aufbau (Limousine, Tourist, Trans) eine andere Kennlinie. In der Bauform ähnelten sie aber denen der Limousine und sind daher bedingt austauschbar.
LAD-Typen
Limousine: 17 kp ≡ 11,7 kg, farbliche Kennzeichnung: Blau
Tourist: 31 kp ≡ 30,6 kg, farbliche Kennzeichnung: Gelb
Trans: 15 kp ≡ 11,8 kg, farbliche Kennzeichnung: Grün

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Lars Leonhardt, Michael Schubert: Sportlich, schnell, schön. 50 Jahre Wartburg Sportwagen. Verlag Kraftakt, Reichenbach u. a. 2007, ISBN 978-3-938426-05-0.
  • Jürgen Lisse: Fahrzeuglexikon Wartburg. Bildverlag Böttger, Witzschdorf 2007, ISBN 978-3-937496-20-7.
  • Horst Ihling: DDR-Legende Wartburg. Schneider Text, Giel-Courteilles, France 2010, ISBN 978-3-7688-5796-3.

Testberichte[Bearbeiten]

  • Wartburg 1.3 mit Queck 325: Kraftfahrzeugtechnik 4/1990, S. 110–113.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Bestand an Personenkraftwagen am 1. Januar 2014 nach Herstellern und Handelsnamen. Kraftfahrt-Bundesamt, Juli 2014, S. 6, abgerufen am 26. Juli 2014 (PDF; 4 MB).
  2. Pressemitteilung Nr. 4/2008. Der Fahrzeugbestand am 1. Januar 2008. Kraftfahrt-Bundesamt, abgerufen am 7. Oktober 2013 (PDF; 120 kB).
  3. a b c d e f g h i j Bestand an Personenkraftwagen am 1. Januar 2001 bis 1. Januar 2010 nach Herkunftsländern und Marken. In: Fahrzeugzulassungen (FZ). Bestand an Personenkraftwagen und Krafträdern nach Marken oder Herstellern. 1. Januar 2010. FZ 17. Kraftfahrt-Bundesamt, Mai 2010, S. 6, abgerufen am 20. April 2014 (PDF).
  4. a b Bestand an Personenkraftwagen am 1. Januar 2003 bis 1. Januar 2012 nach Herkunftsländern und Marken. In: Fahrzeugzulassungen (FZ). Bestand an Personenkraftwagen und Krafträdern nach Marken oder Herstellern. 1. Januar 2012. FZ 17. Kraftfahrt-Bundesamt, Juni 2012, S. 6, abgerufen am 20. April 2014 (PDF).
  5. Bestand an Personenkraftwagen am 1. Januar 2013 nach Herstellern, Handelsnamen und ausgewählten Merkmalen. Kraftfahrt-Bundesamt, Juli 2013, S. 6, abgerufen am 7. Oktober 2013 (PDF; 4,2 MB).
  6. Abschlussbericht – Umweltprämie. Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle und Kraftfahrt-Bundesamt, 1. November 2010, abgerufen am 7. Oktober 2013 (PDF; 1,6 MB).
  7. Peter Kirchberg: Plaste, Blech und Planwirtschaft, Nicolai Verlag, Berlin 2000
  8. Hinweis in: AutoBild 43/2011, S. 77.