Wildenrath

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51.1258333333336.192585Koordinaten: 51° 7′ 33″ N, 6° 11′ 33″ O

Wildenrath
Stadt Wegberg
Altes Wappen von Wildenrath
Höhe: 82–87 m
Einwohner: 1645 (30. Jun. 2012)
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 41844
Vorwahl: 02432
Kirche von Wildenrath
Haus Wildenrath
Gewerbegebiet Wildenrath
Naturparkzentrum Wildenrath
Museumszug an der Siemens Teststrecke

Wildenrath ist ein Ortsteil der Mittelstadt Wegberg im Kreis Heinsberg im Bundesland Nordrhein-Westfalen.

Geografie[Bearbeiten]

Wildenrath liegt südwestlich von Wegberg an der Bundesstraße 221 zwischen Wassenberg und Arsbeck am Rand des Naturparks Maas-Schwalm-Nette. Die Bundesstraße 221 verlief bis 2011 mitten durch Wildenrath und war durch hohes Verkehrsaufkommen stark belastet. Ein Verlegung der Bundesstraße östlich der Ortslage wurde nach Arsbeck im Jahre 2010 nun auch im Jahre 2011 in Wildenrath nach vielen Jahren der Planung realisiert.

Nachbarorte[Bearbeiten]

Vlodrop Dalheim-Rödgen Arsbeck
Birgelen Nachbargemeinden Tüschenbroich
Wassenberg Myhl Gerderath

Geschichte[Bearbeiten]

Ort Wildenrath[Bearbeiten]

Wildenrath ist urkundlich erstmals in Jahr 1118 erwähnt. Eine frühere Existenz gilt als sicher. Die Siedlung besaß bereits damals eine Kirche. Der Name Wildenrath enthält mit seinem Namensteil „-rath“ einen Hinweis auf die Rodungstätigkeit zu Beginn der Besiedlung. Die meisten der Rodungsorte entstanden hierzulande nicht vor dem 10. Jahrhundert. In der frühen Zeit der Siedlung waren die Grafen von Wassenberg Grundherren in Wildenrath. Der alte Herrensitz Haus Wildenrath, der vermutlich erst nach Gründung des Ortes errichtet wurde, war ursprünglich ein Lehen der Herrschaft Wassenberg. Zur Sicherung des Lebensunterhaltes war über Jahrhunderte hinweg die Land- und Forstwirtschaft dominierend. Von jeher erschwerte jedoch die geringe Fruchtbarkeit des Wildenrather Bodens die Landwirtschaft und machte andere Erwerbsquellen erforderlich. So entstanden in Wildenrath viele Handwerksbetriebe. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurden aufgrund des Tonvorkommens am Schaagbach Gebrauchstöpferwaren und Dachziegel hergestellt. Archäologische Funde von Töpferöfen in der Nähe des Schaagbaches verweisen sogar noch auf die Zeit vor Gründung des Ortes. Sandvorkommen ermöglichten vielen Familien den Verkauf des in reichen Mengen vorhandenen weißen Sandes. Wildenrather Ziegelbäcker, Feinsandhändler und Besenbinder waren ringsum im Lande bekannt. In den meisten Bauern- und Tagelöhnerhäusern wurde zudem und vor allem in den Wintermonaten gesponnen und gewebt. Zahlreiche Hauswebereien boten Existenzgrundlagen. Von 1934 an war Wildenrath der Verwaltungssitz des Amtes Myhl, das bis Ende 1971 bestand. Das ehemalige Amtshaus, in der Ortsmitte neu errichtet und im Jahr 1962 eröffnet, erinnert hieran. Seit dem 1. Januar 1972 gehört Wildenrath zu Wegberg.[1]

Einen besonderen Einschnitt bedeutete 1952 die Eröffnung des Nato-Flugplatzes der britischen Royal Air Force und nach der Schließung 1992 die Errichtung des neuen Gewerbe- und Industrieparks mit dem großen, 1997 eröffneten Testgelände für Schienenfahrzeuge.

1970 wurde in Wildenrath bei Bodenbohrungen natürliches Mineral- und Quellwasser entdeckt, das seit 1972 aus einer Tiefe von 365 m zu kommerziellen Zwecken gefördert wird.

Haus Wildenrath[Bearbeiten]

Hauptartikel: Haus Wildenrath

Das Haus Wildenrath liegt südlich des Ortes im Bereich des Schaagbachquellgebietes. Die früheste urkundliche Erwähnung der adeligen Herren „von Wildenrath“ stammt aus dem Jahr 1318. Der ehemalige Herrensitz war ursprünglich ein Lehen der Grafen von Wassenberg. Er verblieb bis etwa 1500 im Besitz derer von Wildenrath und wechselte in der Folge in den Besitz verschiedener adeliger Familien. Dem Freiherr von Dorth gehörte es bis 1836. Dann erwarb es die Familie Packenius aus Wassenberg. Um 1830 waren die Gräben der Anlage noch soweit erhalten, dass man die rechteckige Vorburg und die von breiten Gräben umgebene Hauptburg unterscheiden konnte. Ältere Bauten sind von der Burganlage nicht erhalten. Etwa an der Stelle, an der früher das Herrenhaus stand, befinden sich heute ehemals landwirtschaftliche Gebäude, die im Ursprung vermutlich auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückgehen. 1965 kaufte die Gemeinde Wildenrath das Anwesen mit dem angrenzenden Waldgelände. Ziel war der Erhalt für die Öffentlichkeit als Beitrag zu dem im selben Jahr gegründeten Naturpark Schwalm-Nette. Prof. Dr. Wilhelm Dahmen erkannte den besonderen landschaftskundlichen Wert des Geländes und erarbeitete ein Konzept zur Errichtung eines Naturlehrparks, der 1968 eröffnet wurde. Ein Besuchergebäude kam 1975 hinzu. Heute ist die Stadt Wegberg Eigentümerin der Gebäude und des mittlerweile etwa 50 ha großen Lehrparkgeländes. Pächter ist seit 2003 der Naturschutzbund Deutschland e.V., der hier seitdem die Errichtung einer neuen Naturschutzstation Haus Wildenrath betreibt.

Religion[Bearbeiten]

Pfarrkirche[Bearbeiten]

Die heutige Kirche des Ortes wurde in den Jahren 1964/65 nach Plänen des Architekten Josef Viethen aus Erkelenz errichtet. Die alte Kirche von 1850 wurde hierfür 1964 abgebrochen. Nur der 1894 erbaute, denkmalgeschützte Turm blieb erhalten. Die Kirche ist ein moderner flachgedeckter Betonbau mit niedrigen kurzen Seitenschiffen und zeigt den Baustil der 1960er Jahre. Der Kirchturm ist im Untergeschoss als Taufkapelle eingerichtet. In ihr befindet sich ein Taufstein aus dem 12. Jahrhundert. Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche stammt von 1118, dem Jahr der Ersterwähnung Wildenraths.

Ehrenmal und Kapelle[Bearbeiten]

Das Ehrenmal an der Pfarrkirche in Wildenrath wurde im Jahre 1969 unmittelbar neben der neuen Pfarrkirche errichtet. Es ist eine Gedenkstätte für die Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege.

Das außerhalb des Ortes an der Eckartstraße gelegene St. Johannes-Kapellchen wurde nach örtlicher Überlieferung um das Jahr 1870 aus Steinen der alten Kirche erbaut.

Früherer Militärflugplatz Wildenrath[Bearbeiten]

Hauptartikel: RAF Wildenrath

Von 1952 bis 1992 betrieb die Royal Air Force einen Militärflugplatz etwa 2 km südöstlich von Wildenrath.

In den ersten Jahren nach Rückgabe der Liegenschaft durch das Vereinigte Königreich wurde das riesige Areal des ehemaligen Flugplatzes als Musikfestivalgelände genutzt. 1993 fand darauf das dreitägige Rockkonzert Rock over Germany statt. In den folgenden zwei Jahren wurde hier Summerjam, ein Reggae-Festival, veranstaltet. Einer der großen Wartungshangars Hangar 5 wurde noch bis 2001 für größere überregionale Veranstaltungen, u.a. Partys des WDR-Jugendsenders 1 Live, genutzt.

Heute befindet sich auf Teilen des Geländes, nach erfolgreicher Konversion, der Gewerbe- und Industriepark Wegberg-Wildenrath, u. a. mit dem Siemens-Prüfcenter Wegberg-Wildenrath für Schienenfahrzeuge. Einige alte Shelter und Hangars sowie etwa ein Drittel der ursprünglichen Start-/Landebahn bestehen heute noch und werden von Fußgängern und der Natur zurückerobert.

NABU-Naturschutzstation Haus Wildenrath[Bearbeiten]

Die NABU-Naturschutzstation Haus Wildenrath hat ihren Sitz im Haus Wildenrath und betreut von hier als lokale biologische Station des Landes Nordrhein-Westfalen viele Schutzgebiete und seltene Arten im Kreis Heinsberg, z. B. die Teverener Heide und den Wegberger Meinweg. Zu den von der Station untersuchten und geschützten Arten zählen u.a. der Steinkauz, der Feldhamster und Fledermäuse. 2009 wurde auf umgebenden Flächen mit der Anlage eines rheinischen Obstsortengartens begonnen, wo 400-500 alte rheinische Obstsorten dauerhaft gesichert und dokumentiert werden sollen.

Naturparkzentrum Wildenrath[Bearbeiten]

In dem abgelegenen Gewerbegebiet hat der Naturpark Maas-Schwalm-Nette ein Naturparkzentrum mit einer angegliederten Ausstellung zum Thema „Bionik – Natur und Technik“ eingerichtet. Die Ausstellung wurde vom Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim entwickelt und ist im Foyer eines Hotel- und Tagungskomplexes vor dem Siemens Prüfcenter untergebracht.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Im Juni 2011 leben in Wildenrath 1672 Personen. Es existieren landwirtschaftliche Betriebe teilweise mit Pferdehaltung, zahlreiche Gewerbe- und Kleingewerbebetriebe. Mehrere Bushaltestellen sorgen für Verbindungen zu den Schulen und zu den Städten Wegberg, Erkelenz und Mönchengladbach. Eine Gemeinschaftsgrundschule hat in Wildenrath ihren Standort. Nicht weit von der Schule entfernt ist auch der Kindergarten angesiedelt. Insgesamt zwei Kinderspielplätze stehen zur Verfügung.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Turm der kath. Pfarrkirche, Heinsberger Straße 50 als Denkmal Nr. 150
  • Gehöft (Haus Wildenrath), Naturparkweg 2 als Denkmal Nr. 151
  • Kapellchen, Eckartstraße als Denkmal Nr. 163
  • Ehrenmal an der Kirche in Wildenrath
  • Taufstein aus den 12. Jahrhundert in der Kirche Wildenrath

Vereine[Bearbeiten]

  • Dorfgemeinschaft Wildenrath
  • Schützenbruderschaft St. Johannes Baptist e.V.
  • Trommler- und Pfeiferkorps Wildenrath 1948 e.V.
  • Spielverein Helpenstein e.V.
  • Kirchenchor Wildenrath
  • Tennisclub TC Grün-Weiß Wildenrath-Arsbeck e.V.
  • Golfclub Wildenrath
  • Brieftaubenverein Wildenrath
  • Segelclub Wildenrath
  • Freiwillige Feuerwehr Wegberg, Löschgruppe Wildenrath

Literatur[Bearbeiten]

  • Kulturführer Wegberg. Stadtmarketing-Team der Stadt Wegberg, Wegberg 2007, S. 162–179.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 307.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wildenrath – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien