Biasca

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Biasca
Wappen von Biasca
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Rivieraw
Kreis: Kreis Riviera
BFS-Nr.: 5281i1f3f4
Postleitzahl: 6710
UN/LOCODE: CH BIA
Koordinaten: 717933 / 135432Koordinaten: 46° 21′ 36″ N, 8° 58′ 16″ O; CH1903: 717933 / 135432
Höhe: 301 m ü. M.
Fläche: 59,1 km²
Einwohner: 6168 (31. Dezember 2015)[1]
Einwohnerdichte: 104 Einw. pro km²
Website: www.biasca.ch
Blick nach Nordwesten Richtung Valle Leventina

Blick nach Nordwesten Richtung Valle Leventina

Karte
Lago di Vogorno Bacino di Val Malvaglia Lago di Canee Lago de Buseno Kanton Graubünden Bellinzona (Bezirk) Blenio (Bezirk) Bezirk Leventina Locarno (Bezirk) Biasca Claro TI Cresciano Iragna Lodrino TI OsognaKarte von Biasca
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Bahnhof
Kirche Santi Pietro und Paolo

Biasca (im lombardischen Ortsdialekt [’bjaʃka],[2] italienisch früher Abiasca, deutsch veraltet Abläntsch, Ablentsch, Ablentschen oder Abläsch) ist eine politische Gemeinde im Kreis Riviera, Bezirk Riviera, im Schweizer Kanton Tessin.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt am Eingang zum Bleniotal, 19 km nördlich Bellinzona, am rechten Ufer des Brenno. 3 km östlich von Biasca liegt auf einer Terrasse des Pizzo Magn der Lago della Froda, dem die gegenüber dem Bahnhof in bis zu 80 Meter hohen Wasserfällen abstürzende Ri della Froda entspringt. Zur Gemeinde gehört die von einem Bergsturz grösstenteils zerstörte Ortschaft Loderio, Sant’Anna (2009 1 Einwohner) sowie das seit circa 1950 im Winter unbewohnte Pontirone-Tal.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon zur Zeit des Römischen Reichs hielten sich in Biasca Menschen auf, was Münzfunde belegen. Die ersten (erhaltenen) schriftlichen Bezeugungen datieren aus den Jahren 1119 (de Vallibus et Abiasca) und 1120 (in loco et fundo Abiasca).[2]

Die Kirche Santi Pietro e Paolo stammt aus dem 12. Jahrhundert. 1213 wurde sie erstmals als Pfarrkirche für das Valle di Blenio, die Leventina und das untere Tessintal genannt. Eine zweite katholische Kirche, die moderne Rotonda di San Carlo wurde vom Mailänder Architekten Macciacchini erstellt.

Durch einen vom Monte Crenone (heute Pizzo Magn) niedergegangenen Bergsturz wurden 1512 viele Häuser von Biasca zerstört und Hunderte von Bewohnern getötet. Es handelt sich dabei um einen der bedeutendsten Bergstürze in den Alpen in historischer Zeit.

Am 30. September 1513 kam es zu einem anderen Bergsturz. Der durch die Schuttmassen gestaute Brenno bildete danach einen mehrere Kilometer langen See, der das Dorf Malvaglia überflutete. Der nach dem als Buzza de Biasca bekannten Ereignis entstandene Damm brach am 20. Mai 1515. Die Wasserflut überschwemmte das Tessintal bis zur Magadinoebene und dem Lago Maggiore, wo sie das betroffene Gebiet verwüstete. Eine unbekannte Zahl an Toten war zu beklagen, der Sachschaden an der Infrastruktur im Tal wirkte sich über Jahrhunderte aus.

Um 1900 gaben die Werkstätten der Gotthardbahn über hundert Arbeitern Verdienst. Am Gletscher des Torrone Alto wurde Eis gebrochen und exportiert.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wird hauptsächlich Italienisch beziehungsweise oft ein lombardischer Dialekt gesprochen. Die Bevölkerung ist überwiegend römisch-katholisch.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Biasca ist das Dienstleistungszentrum der Region Tre Valli.

Die Industriezone von Biasca hat als einzige im Tessin das Label «von kantonaler Bedeutung». Im Gemeindegebiet liegt auch das grösste Kraftwerk der Blenio Kraftwerke, und überdies bieten mehrere Gneis- und Granit-Steinbrüche Arbeitsplätze. In der Nähe liegt schliesslich die Grossbaustelle des Projekts AlpTransit (Neue Eisenbahn-Alpentransversale, NEAT).

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Biasca ist eine wichtige Bahnstation an der Gotthard-Linie. Die Gotthard-Autobahn A2 führt an Biasca vorbei.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche San Carlo
  • Stiftskirche Santi Pietro und Paolo[3][4][5][6]
  • Pfarrhaus[7]
  • Pfarrkirche San Carlo[3]
  • Kreuzwegkapellen[8][9][10]
  • Oratorium Santa Petronilla und Brücke[3][11][12]
  • Wohnhaus Cavalier Pellanda (Museum)[3][13][14][15]
  • Villa Emma[16]
  • Villa Monighetti, Architekt: Giuseppe Trezzini[3]
  • Bürgerhaus[17]
  • Seit 1999 wird das Infanteriemuseum Forte Mondascia vom Verein Gruppo Escursionisti Liberi (GEL) betrieben. Er will die Festungsanlage Lona erhalten und die damaligen Anlagen und Verteidigungsmittel der Infanterie im Innern des restaurierten Artilleriewerks zeigen. Im Museum befinden sich die Kanonen, Minenwerfer, Maschinengewehre und Flammenwerfer, die der Linie Lona ihre militärische Potenz verliehen haben. Dazu können Gegenstände aus dem Alltag der Soldaten, die in der Lona-Stellung Dienst taten, besichtigt werden[18]
  • Festung Linea Lona[19]
  • Infanteriemuseum Forte Mondascia [20]
  • Denkmal Capodanno 1292[21]
  • Alte Steinbrücke über den Brenno[22]

Vereinigungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Comitato Pro Restauri San Pietro di Biasca[23]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Giovanni Basso (1552–1629), Probst, Provisitator[25][26]
  • Camillo Procaccini (* 6. März 1561 in Parma; † 21. August 1629 in Mailand), Maler, Wandmaler tätig in der Kollegiatkirche Santi Pietro e Paolo[27][28]
  • Ippolito Monighetti (* 2. Januar 1819 in Moskau; † 10. Mai 1878 in Sankt Petersburg), Architekt, Chefarchitekt der kaiserliche Residenz von Zarskoje Selo heute Puschkin (Stadt)[29][30][31]
  • Johann Rudolf Rahn (* 24. April 1841 in Zürich; † 28. April 1912 ebenda), einer der Begründer der Denkmalpflege und Kunstforschung und -geschichte in der Schweiz[32][33][34]
  • Fabrizio Maffi (* 2. Oktober 1868 in San Zenone al Po; † 23. Februar 1955 in Cavi di Lavagna), italienischer Arzt und Politiker, Initiator des Sanatorio Popolare Cantonale di Piotta[35][36]
  • Charles Maggini (* 1894 in San Benito (Kalifornien); † 1982 in San José (Kalifornien)) (Bürgerort Pontirone), Rodeo-Weltmeister[37]
  • Giovanni Laini (1899–1986) aus Biasca, Geisteswissenschaftler, Schriftsteller[38][39]
  • Guido Calgari (* 13. Dezember 1905 in Biasca; † 8. September 1969 in Montecatini Terme (Toskana)), Lehererseminardirektor, Dozent an der ETH Zürich[40][41]
  • Aleardo Pini (* 22. November 1907 in Biasca; † 27. Februar 1958 in Bern, heimatberechtigt in Biasca), Schweizer Politiker (FDP) Gemeindepräsident, Nationalrat[42]
  • Vittorio Castelnuovo (1915–2005), Schweizer Sänger und Komponist[43]
  • Bruno Heiz (* 27. Oktober 1918 in Biasca; † 3. Dezember 2012 in Basel, heimatberechtigt in Reinach AG), Maler, Grafiker, Zeichner, Wandmaler[44]
  • Cerere Columberg (* 1920 in Biasca; † 15. November 1999 ebenda), Schwester von Raffaella, Politikerin (PSA), Pazifistin, Antimilitaristin[45]
  • Raffaella Columberg (* 1926 in Biasca; † 10. Mai 2007 ebenda), Schwester von Cerere, Keramikerin, Politikerin (PSA), Pazifistin, Antimilitaristin[46]
  • Massimo Pini (* 29. November 1936 in Sorengo; † 18. Juni 2003 in Biasca), Schweizer Politiker, Gemeindepräsident, Nationalrat[47]
  • Giuseppe Vaccaro (* 26. Oktober 1944 in Satriano), Maler, Zaichner, Bildhauer[48]
  • Dennis Caprara (* 1946 in Salinas (Kalifornien)) (Bürgerort Biasca), Landwirt, Mitglied des The Agricultural Leadership Council (TALC) in Kalifornien[49]
  • Ivan Monighetti (* 3. August 1948 in Riga) (Bürgerort Biasca), ein Schweizer Cellist, Dozent an der Musik-Akademie zu Basel[50]
  • Daniele Dell’Agnola (* 1976), Dozent SUPSI, Schriftsteller, Musiker, Theaterautor[51]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gotthard End: Biasca und Val Pontirone: eine Monographie aus den Tessinerbergen. Stämpfli, Bern 1924.
  • Caterina Magginetti, Ottavio Lurati: Biasca e Pontirone: gente, parlata, usanze. Krebs, Basel 1975.
  • Isidoro Marcionetti: L’antica pieve di Biasca. S.A. Natale Mazzuconi, Lugano 1979.
  • Gotthard End: Biasca e Val Pontirone verso il 1920. Nachdruck durch Gruppo ricreativo Pontirone Biasca 1996.
  • Giuseppe Chiesi: Biasca im Historischen Lexikon der Schweiz, Band 2 (2003).
  • Christophe Bonnard: Buzza di Biasca im Historischen Lexikon der Schweiz, Band 2 (2003).
  • Simona Martinoli und andere: Biasca. In: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Biasca – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. a b Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 151.
  3. a b c d e Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 71–75.
  4. Stiftskirche Santi Pietro und Paolo auf portal.dnb.de (abgerufen am 4. Mai 2016.)
  5. Stiftskirche Santi Pietro und Paolo (Foto)
  6. Stiftskirche Santi Pietro und Paolo
  7. Pfarrhaus (Foto)
  8. Kreuzwegkapelle I (Foto)
  9. Kreuzwegkapelle II (Foto)
  10. Kreuzwegkapelle III (Foto)
  11. Oratorium Santa Petronilla (Foto)
  12. Brücke (Foto)
  13. Wohnhaus Cavalier Pellanda auf portal.dnb.de (abgerufen am 4. Mai 2016.)
  14. Wohnhaus Cavalier Pellanda (Foto)
  15. Wohnhaus Cavalier Pellanda (Museum)
  16. Villa Emma (Foto)
  17. Bürgerhaus (Foto)
  18. Museo Militare di Forte Mondascia
  19. Verteidigungswerk Linea LONA auf forti.ch, abgerufen am 26. Juli 2015.
  20. Museo Militare di Forte Mondascia auf portal.dnb.de (abgerufen am 4. Mai 2016.)
  21. Denkmal Capodanno 1292 (Foto)
  22. Alte Steinbrücke über Brenno (Foto)
  23. Comitato Pro Restauri San Pietro di Biasca
  24. Unione Sportiva Azzurri
  25. Giovanni Basso auf portal.dnb.de (abgerufen am 16. September 2016.)
  26. Sandro Bianconi: Giovanni Basso prevosto di Biasca (1552-1629). Armando Dadò Editore, Locarno 2005, ISBN 9788882811341.
  27. Maria Foletti Fazioli: Camillo Procaccini in Sikart (Stand: 2009), abgerufen 17. Januar 2016.
  28. Camillo Procaccini in der italienischen Wikipedia
  29. Simona Martinoli: Ippolito Monighetti im Historischen Lexikon der Schweiz
  30. Ippolito Monighetti in der italienischen Wikipedia
  31. Ippolito Monighetti (italienisch) auf ti.ch/can/oltreconfiniti (abgerufen am 1. November 2016).
  32. Matthias Oberli: Johann Rudolf Rahn im Historischen Lexikon der Schweiz
  33. Isabel Haupt: Johann Rudolf Rahn in Sikart (Stand: 2016) (abgerufen am 9. Oktober 2016)
  34. Johann Rudolf Rahn (italienisch) auf ti.ch/can/oltreconfiniti (abgerufen am 9. Oktober 2016).
  35. Fabrizio Maffi in der italienischen Wikipedia
  36. Fabrizio Maffi (italienisch) auf ti.ch/can/oltreconfiniti (abgerufen am 25. Juli 2016.)
  37. Charles Maggini (italienisch) auf ti.ch/can/oltreconfiniti (abgerufen am 4. November 2016).
  38. Giovanni Laini (italienisch) auf biasca.ch
  39. Giovanni Laini in portal.dnb.de (abgerufen am 1. Juni 2016.)
  40. Guido Calgari auf bibliomedia.ch
  41. Guido Calgari auf ticinarte.ch
  42. Aleardo Pini Nationalrat
  43. Vittorio Castelnuovo
  44. Bruno Heiz in Sikart, abgerufen 3. Februar 2016.
  45. Cerere Columberg (italienisch) auf archividonneticino.ch (abgerufen am 12. Oktober 2016).
  46. Cerere Columberg (italienisch) auf archividonneticino.ch (abgerufen am 12. Oktober 2016).
  47. Massimo Pini Nationalrat
  48. Giuseppe Vaccaro in Sikart
  49. Dennis Caprara (italienisch) auf ti.ch/can/oltreconfiniti (abgerufen am 5. November 2016).
  50. Ivan Monighetti (italienisch) auf ti.ch/can/oltreconfiniti (abgerufen am 6. November 2016).
  51. Daniele Dell’Agnola (italienisch) in bibliomedia.ch, abgerufen 24. Dezember 2015.