Araber in Berlin

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Araber in Berlin bilden die zweitgrößte ethnische Minderheitengruppe in der Stadt, nach der türkischen Gemeinde.

Anzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende Dezember 2016 lebten 130.284 Personen mit einem arabischen Migrationshintergrund in der Stadt, die 3,55 Prozent der Bevölkerung ausmachen.[1] Exakte Zahlen für die Gruppe arabischer Zuwanderer sind allerdings schwer zu ermitteln. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 30.000 Palästinenser unterschiedlicher Staatsangehörigkeit in Berlin leben, etwa aus dem Libanon, Syrien, Jordanien sowie eine große Zahl Staatenloser und Personen mit ungeklärtem Status und die vielen inzwischen eingebürgerten Personen mit palästinensischen Wurzeln.[2][3] 2016 hatten 48.566 in Berlin lebende Deutsche einen arabischen Migrationshintergrund, 81.718 Berliner sind Staatsangehörige eines Mitgliedslands der Arabischen Liga. Die Araber in Berlin sind keine homogene Gruppe, da sie aus über 20 Ländern stammen.[1] Sie leben vor allem in den Stadtteilen Neukölln, Schöneberg, Wedding, Moabit und Kreuzberg. Hauptsächlich wird die Muttersprache Arabisch gesprochen, in geringerer Zahl auch Deutsch. Die Mehrheit ist Anhänger des Islam, daneben gibt es Christen, Anhänger kleinerer Religionsgemeinschaften und Menschen ohne Religionsbindung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kriegsflüchtlinge stellen die größte Gruppe unter den Arabern in Berlin. Sie kamen vor allem nach 1975 während des libanesischen Bürgerkriegs und nach der Machtübernahme durch Saddam Hussein im Irak im Jahr 1979 als Asylbewerber in die Bundesrepublik Deutschland. Die Einreise erfolgte zumeist illegal über Ostberlin; die Flüchtlinge erhielten am Flughafen Schönefeld ein Transitvisum für die DDR und fuhren mit der S-Bahn nach West-Berlin weiter, wo sie einen Asylantrag stellten. Die deutschen Behörden kontrollierten die Grenzen aufgrund des Berliner Sonderstatus nicht.[4] In den Statistiken wurden auch verfolgte Kurden als „Staatsbürger des Irak“ erfasst, so dass sich aus ihnen nicht ergibt, wie viele Araber aus dem Irak flohen.

In den West-Berliner Bezirken befindet sich bereits seit den 1980er-Jahren die größte arabische Gemeinde Deutschlands; dort bestehen mehrere Kultur- und Moscheevereine sowie zahlreiche arabische Restaurants und Geschäfte. Die meisten Araber in Berlin sind Flüchtlinge aus den Konflikten im Nahen Osten, vor allem den Libanonkriegen.[5] Viele von ihnen haben palästinensische Wurzeln und sind zumeist als Flüchtlinge aus dem Libanon nach Berlin gekommen.[6] Weil sich unter ihnen eine große Anzahl Staatenloser befindet und die ethnische Zuordnung manchmal unklar ist (z. B. bei den Mhallamiye), sind alle Zahlen ungenau.[5]

In den 2000er Jahren während der Besetzung des Irak sowie aufgrund des seit 2011 andauernden syrischen Bürgerkriegs und des seit 2014 andauernden irakischen Bürgerkriegs kamen weitere Flüchtlinge aus diesen Ländern nach Berlin.

Die anderen Araber sind von der Herkunft her zumeist Marokkaner, Algerier, Tunesier und Ägypter.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ähnlich wie die türkische Gemeinde sind die Araber vor allem in den innerstädtischen Vierteln West-Berlins konzentriert.

5 Bezirke mit den größten Bevölkerungsanteilen arabischer Herkunft
Rang Bezirk Anzahl Anteil
1 Mitte 23.989 6,5 %
2 Neukölln 20.599 6,3 %
3 Tempelhof-Schöneberg 13.975 4,0 %
4 Charlottenburg-Wilmersdorf 13.474 4,0 %
5 Friedrichshain-Kreuzberg 10.665 3,8 %

Im Fall von Neukölln leben 80 Prozent der Araber in dem gleichnamigen Ortsteil von Neukölln, wo sie 10 Prozent der Gesamtbevölkerung bilden.

Im Fall von Mitte leben die meisten Araber in den zum Bezirk Mitte gehörenden, ehemals Westberliner Stadtteilen Wedding und Moabit, nur wenige im namensgebenden, ehemals Ostberliner Stadtteil Mitte.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b http://www.statistik-berlin-brandenburg.de/Publikationen/Stat_Berichte/2013/SB_A01-05-00_2012h02_BE.pdf
  2. Sanem Kleff, Eberhard Seidel: Stadt der Vielfalt. Das Entstehen des neuen Berlin durch Migration. Der Beauftragte des Berliner Senats für Integration und Migration, Berlin 2009, ISBN 978-3-938352-38-0, Seite 86, Online-Version (Memento des Originals vom 10. Juni 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.berlin.de (PDF; 968 kB)
  3. Das arabische Branchenbuch für Berlin – Brandenburg
  4. Ralph Ghadban, Die Libanon-Flüchtlinge in Berlin. Berlin 2000. ISBN 3-86093-293-4, Nachdruck 2008, S. 76–78
  5. a b Ralph Ghadban, Die Libanon-Flüchtlinge in Berlin. Berlin 2000. ISBN 3-86093-293-4, Nachdruck 2008, S. 69f., 86–95, 243
  6. DER SCHWIERIGE WEG PALÄSTINENSISCHER FLÜCHTLINGE IN DIE BERLINER GESELLSCHAFT (Memento des Originals vom 26. August 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.berlin.de (PDF; 726 kB) BERLIN INTERNATIONAL November 2010, Nr. 74