Zwölfer-Schia

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Die Zwölfer-Schia (arabisch الشيعة الإثنا عشرية asch-Schīʿa al-Ithnā ʿAscharīya, DMG aš-Šīʿa al-Iṯnā ʿAšarīya) ist derjenige Zweig innerhalb der Schia, nach dessen Lehre es insgesamt zwölf Imame gibt. Der erste von ihnen ist ʿAlī ibn Abī Tālib, der letzte Muhammad al-Mahdī, der in der Verborgenheit leben und erst am Ende der Zeiten zurückkehren soll. Die Zwölfer-Schiiten bilden mit 80 % Anteil[1] die überwältigende Mehrheit der Schiiten, weshalb man sie häufig auch nur ganz allgemein als die Schiiten bezeichnet. Ihre Gesamtanzahl wird auf 175 Millionen und ihr Anteil an der muslimischen Weltbevölkerung auf 11 Prozent geschätzt.[2] In den Ländern Iran, Aserbaidschan, Irak und Bahrain stellen die Zwölfer-Schiiten die Bevölkerungsmehrheit. Daneben leben bedeutende zwölfer-schiitische Minderheiten im Libanon, in Kuwait, Pakistan, Afghanistan, Saudi-Arabien, Syrien und Indien. Kleinere Minderheiten existieren in weiteren Ländern Afrikas, Europas, Amerika und Asiens.[3]

Die Zwölfer-Schiiten werden auch als Imamiten bezeichnet, allerdings fallen die beiden Begriffe bedeutungsmäßig nicht völlig zusammen, denn im Mittelalter gab es neben der Zwölfer-Schia noch verschiedene andere imamitische Gruppierungen, die die Anzahl der Imame nicht auf zwölf beschränkten.[4] Die Bezeichnung „Zwölfer“ (Iṯnā ʿAšarīya) für diejenigen Schiiten, die an die Entrückung und Wiederkehr des zwölften Imams glauben, hat sich erst Ende des 10. Jahrhunderts verbreitet. Die Zwölfer-Schia hat eine eigene Rechtsschule, die nach dem sechsten Imam Dschaʿfar as-Sādiq als dschaʿfaritisch bezeichnet wird.

Die Dschamkarān-Moschee bei Ghom, eine der heiligen Stätten der Zwölfer-Schia. Hier soll im 10. Jahrhundert der zwölfte Imam erschienen sein.

Verteilung und Anhängerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersicht über die geographische Verteilung der verschiedenen islamischen Richtungen. Die zwölfer-schiitischen Gebiete sind in Orange getönt („JAFARI“).

Die folgende Tabelle, die sich auf Schätzungen von Moojan Momen[5] für das Jahr 2014 stützt, gibt einen Überblick über Gesamtzahl und Anteil der Zwölfer-Schiiten an der Bevölkerung verschiedener Länder sowie ihre wichtigsten Siedlungsgebiete. Berücksichtigt sind nur Länder mit mehr als 500.000 Anhängern.

Land Gesamtzahl
in Mio.
Anteil in Prozent Wichtigste Siedlungsgebiete
Iran 69 90
Pakistan 28 15 Karatschi, Lahore, Gilgit-Baltistan
Indien 25 2 Uttar Pradesh, Bihar, Westbengalen, Andhra Pradesh, Kaschmir
Irak 21 63 Ländliche Regionen der Südprovinzen Kerbela, Hilla, Diwaniyya, Wasit, Maisan sowie Sadr City
Aserbaidschan 7,5 80
Afghanistan 4 12 Siedlungsgebiete der Hazara
Türkei 3 4 Provinzen Kars, Iğdır[6]
Saudi-Arabien 2 7 Provinz asch-Scharqiyya, insbesondere al-Qatīf
Libanon 2 40 Dschabal Amil, nördliche Bekaa-Ebene
Nigeria 2 1
Indonesien 2 < 1
Tansania 1 2 Arusha, Dar-es-Salam, Sansibar, Bukoba, Lindi[7]
Ägypten 0,8 1
Vereinigte Arabische Emirate 0,6 7
Bahrain 0,6 45
Kuwait 0,5 30 Failaka

Glaubenslehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zwölf Imame und die 14 Unfehlbaren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zwölf Imame der Zwölfer-Schia
1. ʿAlī ibn Abī Tālib (gest. 661)
2. al-Hasan ibn ʿAlī (gest. 670)
3. al-Husain ibn ʿAlī (gest. 680)
4. ʿAlī ibn Husain Zain al-ʿĀbidīn (gest. 713)
5. Muhammad al-Bāqir (gest. 732 od. 736)
6. Dschaʿfar as-Sādiq (gest. 765)
7. Mūsā al-Kāzim (gest. 799)
8. ʿAlī ar-Ridā (gest. 818)
9. Muhammad al-Dschawād (gest. 835)
10. ʿAlī al-Hādī (gest. 868)
11. Hasan al-ʿAskarī (gest. 874)
12. Muhammad al-Mahdī (entrückt)

Kerngedanke der zwölfer-schiitischen Lehre ist der Glaube an die zwölf Imame: Sie gelten als unfehlbar und sollen jeweils durch Designation (naṣṣ) ihres Vorgängers festgelegt worden sein.[8] Der erste Imam ʿAlī ibn Abī Tālib ist nach zwölfer-schiitischem Glauben direkt von Mohammed eingesetzt worden, und zwar im Frühjahr 632 nach der Rückkehr von der Abschiedswallfahrt am Ghadīr Chumm. Die Zwölfer-Schiiten gedenken dieses Ereignisses mit dem Ghadīr-Fest am 18. Dhū l-Hiddscha. Nach zwölfer-schiitischer Lehre stand die Anzahl der zwölf Imame schon lange vor Entrückung des zwölften Imams fest. Dies wird unter anderem damit begründet, dass sie schon im Kitāb Sulaim ibn Qais erwähnt werden, das ʿAlīs Anhänger Sulaim zusammengestellt haben soll.[9]

Zusammen mit Mohammed und seiner Tochter Fatima bilden die zwölf Imame die Vierzehn Unfehlbaren, die in vielen Überlieferungen als reine und sündlose Lichtgestalten dargestellt werden. Die Zwölfer-Schiiten beziehen sich dabei auf die Sure 33:33: „Gott möchte ja die Unreinheit von euch nehmen, ihr ‚Leute des Hauses‘ (Ahl al-Bait), und euch ganz und gar reinigen.“ (Übersetzung Hartmut Bobzin) Mit den Ahl al-bait sind nach ihrer Auffassung die Vierzehn Unfehlbaren gemeint. Fātima soll kurz nach dem Propheten in tiefer Trauer um ihn verstorben sein. Vor ihrem Tod geriet sie in einen Konflikt mit den Kalifen Abu Bakr und ʿUmar. Dieses Leiden bewegt die Gemüter der Schiiten bis heute. Fātima spielt daher in der zwölferschiitischen Hagiographie eine herausragende Rolle.

Die Imame gelten nach zwölfer-schiitischer Lehre als Muhaddathūn, d. h. als Menschen, die durch Engel „angesprochen“ werden, die ihnen durch Inspiration göttliches Wissen vermitteln.[10] Umgekehrt präsentieren sich bis heute einige zwölfer-schiitische Gelehrte als Gesprächspartner der Imame, die ihnen durch Träume und Visionen Charisma übertragen haben.[11] Visionen und Träume von den Imamen spielen bis heute eine wichtige Rolle in der zwölfer-schiitischen Mystik.[12]

Der zwölfte Imam: kleine und große Verborgenheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein zentraler Glaubensinhalt der Zwölfer-Schia ist die Lehre von der Ghaiba, d. h. der Verborgenheit des zwölften Imams Muhammad al-Mahdī. Er ist nach Ansicht der Zwölfer-Schiiten nicht gestorben, sondern wurde bereits als Kind von Gott entrückt und lebt seitdem in der Verborgenheit. Die Zwölfer-Schiiten glauben, dass er dereinst wiederkehren wird, um die Mission des Propheten zu vollenden und ein Reich der Gerechtigkeit auf Erden zu errichten.

Die Verborgenheit teilt sich nach zwölfer-schiitischer Lehre in zwei Perioden: die Periode der kleinen Verborgenheit (al-ġaiba al-ṣuġra) von 874 bis 941, während derer der zwölfte Imam den Kontakt zu seinen Anhängern über vier Botschafter (sufarāʾ) aufrechterhielt, und die Periode der großen Verborgenheit (al-ġaiba al-kubrā), die bis heute andauert und von der allein Gott weiß, wann sie endet. Die vier Botschafter, über die der zwölfte Imam während der kleinen Verborgenheit mit seinen Anhängern in Kontakt stand, waren:

  1. Abū ʿAmr ʿUthmān ibn Saʿīd al-ʿAmrī (gest. vor 880)
  2. Abū Dschaʿfar Muhammad ibn ʿUthmān al-ʿAmrī (gest. 916 oder 917)
  3. Abū l-Qāsim al-Husain ibn Rauh an-Naubachtī (gest. Juni 938)
  4. Abū l-Hasan ʿAlī ibn Muhammad as-Simmarī (gest. Mai 941)[13]

Diese vier Botschafter sollen dem zwölften Imam Fragen übermittelt und heimlich seine Antworten überbracht haben. Nach dem Tod des vierten Botschafters zog sich der Imam nach der zwölferschiitischen Lehre ganz von den Menschen zurück und es begann die Zeit der großen Verborgenheit. Es ist im Wesentlichen diese Lehre von der kleinen und der großen Ghaiba, die die Zwölfer-Schia von anderen imamitischen Gruppen unterscheidet.[14] Zwölfer-schiitische Theologen begründen die Lehre von den zwei Ghaibas nicht nur mit schiitischen Traditionen, sondern auch mit Präzendenzfällen aus der islamischen Heilsgeschichte: So sollen auch Abraham und Mohammed zwei Mal in die Verborgenheit eingetreten sein.[15]

Die Sahla-Moschee in Kufa, einer der Orte, an dem die Herabkunft des zwölften Imams erwartet wird.

Der zwölfte Imam hat bei den Zwölfer-Schiiten eine große Anzahl von Beinamen, darunter al-Qā'im („der sich Erhebende“), Sāhib az-zamān („Gebieter der Zeit“) und eben al-Mahdī („der Rechtgeleitete“). Wenn er erwähnt wird, ist es üblich die Formel ʿAǧǧala Llāhu faraǧahū („Möge Gott sein Hervortreten rasch herbeiführen“) zu sprechen.[16] Der zwölfte Imam ist im Glauben der Zwölfer-Schiiten auch das einzig legitime Oberhaupt der Muslime. In der heutigen Verfassung des Staats Iran ist er deshalb auch eigentliches Staatsoberhaupt. Der Klerus herrscht nach dieser Auffassung nur in Stellvertretung des zwölften Imams (Wilayat-e Faqih) bis zu dessen Wiederkehr aus der Verborgenheit.

Über den Ort, an dem der zwölfte Imam erscheinen soll, gibt es in der Zwölfer-Schia unterschiedliche Überlieferungen. Eine Tradition besagt, dass der sechste Imam Dschaʿfar as-Sādiq vorhergesehen habe, dass die Herabkunft „des Sich Erhebenden“ (al-Qā'im) zusammen mit seinen Anhängern und Familienangehörigen in der Sahla-Moschee in Kufa stattfinden und er sich dort auch weiter aufhalten soll.[17] Nach einer anderen Überlieferung dagegen, die asch-Schaich al-Mufīd überliefert, wird der Mahdi an der Kaaba in Mekka herabsteigen und erst dann, von Engeln begleitet, nach Kufa ziehen.[18]

Taqīya und Badā'[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Besonderheiten in der zwölfer-schiitischen Glaubenslehre, die aus der imamitischen Tradition kommen, sind die Konzepte Taqīya und Badā'. Das Konzept der Taqīya betrifft das Verhältnis zu anderen Muslimen. Der schiitische Gläubige hat an sich die Pflicht zu Walāya und Barā'a, d. h. er soll all diejenigen unterstützen, die den Imamen die Treue halten, und sich umgekehrt von denjenigen lossagen, die sie hassen.[19] Allerdings erlauben die Zwölfer-Schiiten die Verheimlichung des eigenen Glaubens in Form der Taqīya, wenn dessen Bekundung für den Gläubigen eine Gefahr darstellt.[20]

Das Konzept des Badā' betrifft die Frage der Prädestination. Anders als die Sunniten und die meisten anderen Schiiten gehen die Imamiten davon aus, dass Gott seine Entscheidungen je nach den Umständen ändern kann. Badā' ist vor allem ein Instrument der Vergangenheitsbewältigung. Wann immer Dinge anders gelaufen sind, als vorhergesagt, lässt sich dies damit erklären, dass es Gott so gut dünkte (badā la-hū). Zur Begründung der Badā'-Lehre berufen sich die Imamiten auf Sure 13:39: „Gott löscht aus, was er will, oder lässt es bestehen. Bei ihm ist die Urschrift.“ Der achte Imam ʿAlī ar-Ridā wird mit der Aussage zitiert: „Gott hat nie einen Propheten ohne den Auftrag gesandt, den Wein zu verbieten und den Badā' Gottes zu lehren.“[21]

Religiöse Grundlagentexte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie bei den Sunniten, gelten bei den Zwölfer-Schiiten der Koran und die Hadithe als die wichtigsten religiösen Grundlagentexte. Hinsichtlich des Korans nimmt zwar die Mehrheit der Zwölfer-Schiiten heute an, dass der Text korrekt und vollständig ist, doch gibt es schiitische Hadithe, die davon berichten, dass der Korantext an einzelnen Stellen von den Gegnern der Schia verfälscht wurde. So soll zum Beispiel in Sure 3:33: „Gott hat Adam und Noah und die Sippe Abrahams und die Sippe ʿImrāns vor den Menschen in aller Welt auserwählt“ ursprünglich hinter „die Sippe ʿImrāns“ die Phrase „und die Sippe Mohammeds“ gestanden haben.[22] Eine kleine Minderheit von Zwölfer-Schiiten hat versucht zu zeigen, dass sogar ganze Suren aus dem Koran gestrichen wurden, ohne sich jedoch mit dieser Auffassung durchsetzen zu können.[23] Zu den bedeutenden zwölfer-schiitischen Korankommentaren gehören die Werke at-Tibyān fī tafsīr al-Qurʾān von Abū Dschaʿfar at-Tūsī (gest. 1067), Maǧmaʿ al-bayān von at-Tabrisī (gest. 1154) und al-Mīzān von Allameh Tabatabai (gest. 1981).

Da die Imame nach der zwölfer-schiitischen Lehre als unfehlbar gelten, haben Nachrichten (aḫbār) über Aussprüche und Handlungen von ihnen den gleichen Stellenwert wie Hadithe. Berichte über den Propheten Mohammed werden gewöhnlich nur dann als authentisch akzeptiert, wenn sie von einem der Imame überliefert sind. Die meisten anderen Prophetengefährten werden dagegen als unzuverlässig betrachtet, weil sie das Kalifat von Abū Bakr, ʿUmar ibn al-Chattāb und ʿUthmān ibn ʿAffān unterstützt haben.[24]

Insgesamt gibt es vier Hadith-Sammlungen, die bei den Zwölfer-Schiiten kanonischen Rang haben. Sie sind von drei Autoren zusammengestellt worden, die als die „drei Muhammads“ bezeichnet werden:

  1. al-Kāfī fī ʿilm ad-dīn („Das Genügende in der Religionswissenschaft“) von Muhammad al-Kulainī (gest. 940)
  2. Man lā yaḥḍuruhu al-faqīh („Wer keinen Rechtsgelehrten in der Nähe hat“, d. h. der kann sich aus dem Buch Belehrung holen) von Muhammad Ibn Bābawaih (gest. 991)
  3. Tahḏīb al-aḥkām von Muhammad at-Tūsī (gest. 1067)
  4. al-Istibṣār fī mā ḫtulifa min al-aḫbār von demselben Autor.[25]

Neben diesen vier Büchern gibt es noch einige andere Werke, die bei den Zwölfer-Schiiten sehr hohes Ansehen genießen, wie zum Beispiel Wasā'il asch-Schīʿa von al-Hurr al-ʿĀmilī (gest. 1693) sowie das Kitāb Sulaim ibn Qais, das als das älteste Werk der Schia überhaupt gilt. Hierbei muss beachtet werden, dass die Traditionssammlungen der Zwölfer-Schia eine große Reihe von Überlieferungen, Meinungen und Konzeptionen anderer schiitischer Sekten enthalten, die zum größten Teil gar nicht mehr existieren.[26]

Heilige Orte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Grabmausoleum von Imam Husain in Kerbela

Die Zwölfer-Schiiten verehren eine große Anzahl von heiligen Orten, von denen die meisten zu den 14 Unfehlbaren in Beziehung stehen. Viele dieser Orte werden von ihnen als Haram betrachtet. Von besonders großer Bedeutung ist Medina, weil sich dort die Gräber Mohammeds und seiner Tochter Fātima sowie von vier Imamen befinden.[27] Das Grabmausoleum der vier Imame auf dem Baqīʿ-Friedhof in Medina wurde allerdings am 8. Schawwāl 1344h (= 21. April 1926) von den Wahhabiten zerstört, was bis heute von Schiiten in einigen islamischen Ländern mit einem speziellen Tag der Trauer begangen wird.[28]

Die wichtigsten Heiligen Stätten der Zwölfer-Schia befinden sich aber im Irak. Es sind dies:

Zusammengenommen bilden diese Orte die sogenannten „Heiligen Schwellen“ (ʿAtabāt muqaddasa) der Schia.[29] Sie werden jedes Jahr von Tausenden von schiitischen Pilgern aus aller Welt besucht und gehören zu den wichtigsten Zentren der schiitischen Gelehrsamkeit. Ein großer Teil der an den ʿAtabāt lebenden Mullās und Āyatollahs stammt nicht aus dem Irak, sondern aus Iran und anderen islamischen Ländern.[30]

Bedeutende Heilige Stätten, zu denen die Zwölfer-Schiiten Besuchswallfahrten unternehmen, befinden sich außerdem in Iran. Hierzu gehören der Imam-Reza-Schrein in Maschhad sowie die Dschamkarān-Moschee bei Ghom, die an der Stelle errichtet wurde, an der im 10. Jahrhundert einmal der zwölfte Imam erschienen sein soll. In Iran werden auch Besuchswallfahrten zu den Gräbern von Imamzades unternommen. Bei den Imamzades handelt es sich um Kinder und Nachkommen von einem der Imame. Der bekannteste und wichtigste Imamzade-Schrein ist der Schrein der Fātima Maʿsūma in Ghom. Ein Ort, der erst in den letzten Jahrzehnten größere Bedeutung als Heiliger Ort der Schiiten erhalten hat, ist der Schrein von Saiyida Zainab im Süden von Damaskus.

Einer der bedeutendsten zwölfer-schiitischen heiligen Orte in Indien ist der Dargāh-i Hazrat-i ʿAbbās in Lucknow. Hier befindet sich seit dem späten 18. Jahrhundert als Reliquie die Silberspitze des Banners von al-Husain, das dessen Bruder al-ʿAbbās ibn ʿAlī in der Schlacht von Kerbela getragen haben soll, bis er am 5. Muharram fiel. Ein schiitischer Pilger aus Lucknow soll sie auf dem ehemaligen Schlachtfeld ausgegraben und dann in seine Heimatstadt gebracht haben, nachdem ihm al-ʿAbbās im Traum erschienen war. Repliken dieser Standartenspitze, die in einer Zeremonie während des 5. Muharram im physischen Kontakt mit der Originalrelique geweiht werden, finden Verwendung in den große Muharram-Prozessionen in Lucknow und sind auf die verschiedenen schiitischen Gebetsstätten der Stadt verteilt.[31]

Die zwölfer-schiitischen Trauerzeremonien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Taʿziya-Darbietung in Buschehr am ʿĀschūrā-Tag 2017

Ein besonderes Merkmal der Zwölfer-Schia ist die große Bedeutung von Trauerzeremonien. Diese werden im Gedenken an die Schlacht von Kerbela, bei der der dritte Imam al-Husain und seine Anhänger gefallen sind, durchgeführt, sowie im Gedenken an alle anderen Imame und Angehörigen der Prophetenfamilie, die nach schiitischer Auffassung als Märtyrer gestorben sind. Die meisten Trauerzeremonien finden am Anfang des Monats Muharram statt, weil am zehnten Tag dieses Monats, dem sogenannten ʿĀschūrā-Tag, die Schlacht von Kerbela stattgefunden hat. In dieser Zeit finden die Taʿziye („Beileidsbezeugung, Tröstung“) genannten Passionsspiele statt. Teilweise kommt es dabei zu blutigen Selbstkasteiungen und zu Auseinandersetzungen mit sunnitischen Gruppen. In den Passionsfeiern, die am ʿĀschūrā-Tag zum Höhepunkt und Abschluss gelangen, geißeln sich viele schiitische Gläubige und klagen über die unterlassene Hilfe, die al-Husain das Leben kostete. Charakteristisch ist hierbei der Gedanke des Büßertums.

Rouze-Chāni in Yazd (2017)

Bei den Trauerzeremonien im Muharram werden meist auch spezielle Trauergedichte rezitiert. In Iran heißen diese Rezitationsveranstaltungen Rouze-Chāni („Rauḍa-Lesung“). Der Name ist von dem Titel des Buches Rauḍat aš-šuhadāʾ („Garten der Märtyrer“) von Husain Wāʿiz Kāschifī (gest. 1502), abgeleitet, eines Martyrologiums, das ursprünglich bei diesen Gedenkfeiern im Mittelpunkt stand, heute aber kaum noch eine Rolle spielt. Die Länge von Rouze-Chāni-Veranstaltungen variiert von zwei Stunden bis zu einer ganzen Nacht. Manchmal finden solche Veranstaltungen auch außerhalb des Monats Muharram an Freitagen oder Todestagen anderer schiitischer Persönlichkeiten statt.[32]

Trauerzeremonien und Taʿziye-Darbietungen werden häufig in speziellen Versammlungshäusern abgehalten. In Iran und Zentralasien werden solche Gebäude Takye-Chāne, Taʿziye-Chāne oder Husainīya genannt. In Südindien, so besonders in Andhra Pradesh, nennt man sie ʿĀschūrā-Chāna, in Nordindien verwendet man für sie solche Namen wie Madschlis-Chāna, ʿAzā-Chāna, Imāmbārā oder Imāmbārhā. Speziell in Pakistan bezeichnet man diese Gebäude als Imāmbārgā. Auch die heutigen zwölfer-schiitischen Migrantengemeinden in Afrika, Europa, Nordamerika, Australien und in der Karibik errichten weiter Gebäude in dieser Tradition.[33]

Besonderheiten in der Normenlehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zwölfer-Schiiten haben auch eine eigene Lehrrichtung in der Normenlehre, die nach dem sechsten Imam dschaʿfaritisch genannt wird. Unterschiede gegenüber den sunnitischen Lehrrichtungen zeigen sich vor allem im rituellen Bereich. Eine Besonderheit, die die Zwölfer-Schiiten mit anderen Schiiten teilen, ist die zweimalige Einfügung der Formel Ḥaiya ʿala ḫairi l-ʿamal („Eilt zur besten Handlung“) beim Adhān und bei der Iqāma. Im Unterschied zu den Sunniten und auch den Zaiditen erlauben sie bei der rituellen Waschung nicht das bloße Überstreichen der Schuhe, sondern bestehen darauf, dass die Füße gewaschen werden.[34] Eine weitere Besonderheit der Zwölferschiiten bei den Reinheitsbestimmungen besteht darin, dass sie im Gegensatz zu den meisten anderen islamischen Gruppen den Austritt von Präejakulat (maḏy) nicht als ein Ereignis betrachten, das die rituelle Reinheit zerstört. Diese Sichtweise wird unter anderem mit einem Hadith begründet, wonach ʿAlī ibn Abī Tālib, der „ein Mann war, der sehr viel Präejakulat ausstieß“ (kāna raǧulan maḏḏāʾan), deswegen beim Propheten nachfragen ließ und jener darauf zur Antwort gab, dass dies nichts ausmache (laisa bi-š-šaiʾ).[35]

Gebetssiegel aus Erde vom Grab al-Husains, wie sie von Zwölfer-Schiiten beim Gebet verwendet werden, in der Großen Moschee von Nischapur

Eine Besonderheit beim rituellen Gebet ist die Verwendung von Gebetssiegeln aus Erde vom Grab al-Husains in Kerbela, die in der Zwölfer-Schia als besonders heilig gilt. Diese Gebetssiegel, die auf Arabisch Turba Husainīya bzw. auf Persisch muhr-i namāz genannt werden, werden bei der Prosternation im Gebet von den schiitischen Gläubigen mit der Stirn berührt. Der sechste Imam Dschʿfar as-Sādiq soll im 8. Jahrhundert die Rechtmäßigkeit dieser Praxis bestätigt haben.[36] Über die Gebetssiegel sowie über Gebetsketten, die aus vom Grab al-Husains stammender Erde gefertigt sind, suchen die Zwölfer-Schiiten die solcher Erde angeblich innewohnende Segenskraft aufzunehmen.[37] Für die Fertigung dieser rituellen Gegenstände wird nicht nur Erde aus Kerbela verwendet, sondern manchmal auch Erde von anderen Orten, die mit den Imamen oder Imamzades verbunden sind, wie Nadschaf, Medina, Maschhad und Ghom; Erde aus Kerbela wird allerdings in jedem Fall bevorzugt.[38]

Zwar gilt der Haddsch nach Mekka bei den Zwölfer-Schiiten als religiöse Pflicht, doch hat er nicht den gleichen Stellenwert im religiösen Leben wie bei den Sunniten, weil Besuchswallfahrten zu den Gräbern der Imame und anderer bedeutender Angehöriger der Prophetenfamilie eine ebenso wichtige Rolle spielen. Schiiten, die nach Mekka pilgern, werden zum Beispiel angewiesen, bei dieser Gelegenheit unbedingt auch die Gräber Mohammeds, der Prophetenfamilie und der Imame in Medina zu besuchen.[39]

Zusätzlich zur Zakāt wird bei den Zwölfer-Schiiten auch der sogenannte Chums („Fünft“) eingezogen, eine Steuer in Höhe von 20 Prozent auf allen Erwerb und Gewinn. Allerdings werden alle Ausgaben im Zusammenhang mit der Unterstützung der eigenen Familie, einschließlich Erziehung, Eheschließung usw. bei der Berechnung abgezogen. Grundlage für die Chums-Institution ist die koranische Aussage in Sure Sure 8:41: „Wenn ihr irgendwelche Beute macht, gehört der fünfte Teil davon Gott und dem Gesandten und den Verwandten, den Waisen, den Armen und dem, der unterwegs ist.“ Nach der herrschenden Lehre ist dieser Vers so zu interpretieren, dass der Chums zu gleichen Teilen auf die sechs genannten Empfangsgruppen aufgeteilt werden muss. Dabei bilden der Anteil Gottes, der des Propheten und der der „Verwandten“ – also drei Sechstel des Chums – zusammengenommen den sogenannten „Anteil des Imams“ (sahm-i imām), während die anderen drei Sechstel für die Waisen, Bedürftigen und Reisenden aus der Nachkommenschaft des Propheten ausgegeben werden sollen und deswegen „Anteil der Sayyids“ (sahm-i sādāt) genannt werden.[40] Über die Verwendung des „Anteils des Imams“ in der Zeit nach dessen Entrückung gibt es unter den zwölfer-schiitischen Gelehrten unterschiedliche Auffassungen (siehe unten).

Hinsichtlich des Familienrechts ist eine bekannte Besonderheit der Zwölfer-Schiiten, dass sie die zeitlich befristete Mutʿa-Ehe für zulässig halten. Im Erbrecht unterscheiden sie sich dadurch von den sunnitischen Lehrrichtungen, dass sie auch Nachkommen weiblicher Angehöriger für erbberechtigt halten.[41] Bei den Hadd-Strafen gibt es die Besonderheit, dass nach der schiitischen Lehre bei der Amputation (qaṭʿ) der rechten Hand nicht die ganze Hand abgetrennt wird, sondern nur die vier Finger. Entsprechend werden bei der Kreuzamputation auch nur vier Finger und der Vorderfuß abgetrennt.[42] Eine Besonderheit der zwölferschiitischen Rechtstheorie ist, dass sie den qiyās ablehnt, dafür aber den Vernunftbeweis (dalīl al-ʿaql) zulässt.

Die sozial-religiöse Organisationsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Untergruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innerhalb der Zwölfer-Schia gibt es bis heute zwei Untergruppen, die Usūlīs („Prinzipialisten“) und die Achbārīs („Traditionarier“), wobei erstere die überwältigende Mehrheit stellen. Die Usūlīs sind nach den Usūl al-fiqh, den (rationalen) „Prinzipien der Rechtsfindung“, benannt, weil diese bei ihnen eine zentrale Rolle spielen. Nach der Lehre der Usūlīs ist das Tor des Idschtihād stets geöffnet. Nach der Entrückung des zwölften Imams obliegt es jedem schiitischen Gläubigen, einem lebenden Mudschtahid zu folgen, der die Scharia interpretiert und als Mardschaʿ at-taqlīd („Instanz der Bevollmächtigung“) fungiert. Die Mudschtahids treten insofern als Repräsentanten des Verborgenen Imams auf.[43] Der unausgebildete Laie, der die Prinzipien der Rechtsfindung (uṣūl al-fiqh) nicht an einem Seminar (hauzah) studiert hat, ist damit auf einen Kleriker angewiesen, denen er folgen musste (taqlīd).

Nach der Lehre der Usūlīs gelten die schiitischen Rechtsgelehrten nach der Entrückung des zwölften Imams als dessen kollektive Stellvertreter und haben insofern auch Anspruch auf den sogenannten „Anteil des Imams“ (sahm-i imām), den sie regelmäßig bei ihren Anhängern einsammeln.[44] Durch diese Steuer verfügen sie über eine relativ große finanzielle Unabhängigkeit. Sie nutzen diese Einnahmen, um ihren Einfluss über die schiitische Gemeinschaft auszuweiten, indem sie religiöse Einrichtungen wie Moscheen und Schulen unterhalten und eigene Bevollmächtigte zu den verschiedenen schiitischen Gemeinschaften, die bei ihnen ihre Positionen vertreten.[45] Allerdings kann es auch zu Interessenkonflikten zwischen den Gelehrten und ihren Anhängern kommen. Da diese von den religiösen Geldern ihrer Anhänger abhängig sind, sind sie nicht völlig frei in ihren Entscheidungen.

Die Achbārīs beharren im Gegensatz zu den Usūlīs auf den schriftlichen Grundlagen (naql) der Religion und gestehen der Vernunft (ʿaql) keine Beweiskraft zu. aḫbār ist die Mehrzahl von ḫabar und wird synonym für den ḥadīṯ, also die Überlieferung gebraucht. Heute bilden die Achbaris allerdings nur noch eine kleine Minderheit innerhalb der Zwölfer-Schia. Sie spielen nur noch in Bahrain eine größere Rolle. Auch im Gebiet von Basra im Süd-Irak, in Indien (Hyderabad) und andernorts sind sie noch anzutreffen.

Eine mystische Unterströmung innerhalb der Zwölfer-Schia ist der von Ahmad al-Ahsā'ī (gest. 1826) begründete Schaichismus. Innerhalb dieser Strömung hat sich im 19. Jahrhundert der Babismus herausgebildet, eine Vorform der Bahai-Religion. Eine zwölfer-schiitische Organisation, die sich explizit gegen das Bahaitum richtet, ist die in den frühen 1950er Jahren gegründete Hodschatieh.

Die verschiedenen Autoritätsstufen des Klerus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großajatollah Husain Borudscherdi, der von 1949 bis 1961 an der Spitze des zwölfer-schiitischen Klerus stand.

Der zwölfer-schiitische Klerus kennt nach der herrschenden Usūlī-Lehre folgende Stufen:

  1. Mardschaʿ taqlīd mutlaq („Absolute Instanz der Nachahmung“)
  2. Großajatollah
  3. Ajatollah
  4. Hodschatoleslam („Autorität des Islam“)
  5. Einfache Geistliche, Studenten

Der Aufstieg zu einem Großajatollah ist für einen schiitischen Geistlichen ein langer und beschwerlicher Weg. Als Student durchläuft man drei Stufen. Die muqaddima-Stufe (4–5 Jahre; Arabisch lernen, islamisches Recht), die sath-Stufe (5 Jahre; islam. Rechtswissenschaft (Fiqh), Philosophie) und die chāridsch-Stufe (ca. 8 Jahre). Erst wenn ein Lehrmeister den Reifestatus erteilt, wird man zur Autorität des Islam. Weitere Jahrzehnte vergehen mit dem Studium der Rechtswissenschaften auf dem Weg zum Großajatollah. Die Geistlichen sind die Rechtsprecher der Schiiten, wobei der Spruch eines Großajatollah nur von einem Mardscha nichtig gemacht werden kann. Jeder Gläubige sucht sich einen Großajatollah als „Quelle der Nachahmung“ und lebt dessen Rechtsauslegung. Diese Wahl ist allerdings nicht bindend. Missfällt der Spruch eines Ajatollah, so ist es legitim, sich einen anderen zu suchen. Stirbt eine „Quelle der Nachahmung“, so werden all ihre Rechtssprüche unwirksam. Die Gläubigen entrichten einen Teil ihres Geldes an ihren Ajatollah, womit u. a. die Lehre bezahlt wird. Die Macht eines Geistlichen misst sich an der Anzahl der Gläubigen, die ihm folgen. Die Besetzung der höchsten Würde unterhalb des Propheten und der Imame, des Postens eines Mardschaʿ taqlīd mutlaq kommt nur vor, wenn alle Großajatollah einen aus ihrer Mitte einstimmig als höher in Frömmigkeit und Weisheit ansehen. Zuletzt besetzte Großajatollah Borudscherdi (gest. 1961) dieses Amt.

Die Mardschaʿīya[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die heutigen Schiiten richten sich nach einem religiösen Würdenträger, einem sogenannten „Mardscha“ (marǧaʿ, Plural: marāǧiʿ). Die Bezeichnung leitet sich aus der arabischen Verbwurzel r-ǧ-ʿ ab, was wörtlich „zurückkehren“ bedeutet. Ein Mardscha ist eine religiöse Autorität, die von ihren Anhängern in religiösen Fragen um Rat gebeten wird. Das Verhältnis zwischen dem Mardscha und seinem Anhänger wird dabei auch als „Nachahmung(taqlīd) bezeichnet, wobei der Mardscha die Rolle des „Nachgeahmten“ (muqallad) und der Anhänger die Rolle des „Nachahmenden“ (muqallid) innehaben.

In der Regel findet der Kontakt über ein Büro oder einen lokalen Repräsentanten (wakīl) des Mardschas statt – in selteneren Fällen durch eine persönliche Audienz beim Mardscha selbst. Die Frage wird von dem Anhänger entweder telefonisch oder schriftlich übermittelt, wobei das Internet (E-Mail) eine zunehmend größere Rolle spielt.

In der Hierarchie des schiitischen Klerus nehmen diese religiösen Autoritäten meist den Titel eines Großajatollahs (āyatullāh al-ʿuẓmā) oder einer Eminenz (samāḥa) ein.

Die Ausbildung der Mardschas beginnt bereits im Kindesalter. Viele Mardschas stammen selbst aus Gelehrtenfamilien oder führen ihre Abstammung auf den Propheten zurück (sayyid). In der Regel wird es in der späteren Biographie eines Mardschas hervorgehoben, wenn er einen solchen traditionellen Hintergrund hat, wie es auch hervorgehoben wird, wenn ein Mardscha aus besonders einfachen Verhältnissen stammt, aus denen er sich hochgearbeitet hat. Der stetige Fleiß ist ein Topos, der in allen Mardscha-Biographien auftaucht: Einem Mardscha wird von Kind auf der Nimbus eines Klassenbesten zugeschrieben.

Nach einem Unterricht bei einem bekannten Gelehrten und dem allgemeinen Schulabschluss schließt sich ein langjähriges Studium an einer traditionellen schiitischen Religionshochschule (Hauwza) an, meist im iranischen Ghom oder im irakischen Nadschaf. Den Abschluss einer Ausbildung bildet ein Zertifikat (īǧāzah), das einem Studenten nach Ansicht des lehrenden Dozenten selbstständige Rechtsurteilen (iǧtihād) erlaubt. Ein Gelehrter, der höher hinauswill, sucht sich dann den nächsten Dozenten, um nacheinander Reputation zu sammeln.

Die Mardschaʿīya steht in der Tradition der uṣūlīs, da der iǧtihād und ihr Kleriker-Status ihre hohe Stellung begründen. So betonen sämtliche Mardschas die Rolle, die die Vernunft (ʿaql) in ihrer Urteilsfindung spielt. Die heutigen Mardschas sind – verglichen mit den Religionsgelehrten anderer Konfessionen – relativ betagt. Einige Mardschas sind bereits bei ihrer Berufung über 80 Jahre alt. Die Laufbahn endet dann meist durch den Tod, der bei vielen bekannten Mardschas erst in hohem Alter, oft von über 100 Jahren eintrat. Ursprünglich sollte es nur einen Mardscha geben, den Meistwissenden (aʿlam), der sich in der heutigen Zeit nicht ermitteln lässt. Die Zahl der Mardschas liegt heute bei ca. 40–60 Personen, die von ihren Anhängern um Rat gefragt werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Imamatskrise und die Anfänge der zwölfer-schiitischen Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Aufnahme des Mausoleums von al-Hasan al-ʿAskarī in Samarra. Der Tod von al-ʿAskarī im Jahre 874 bildete den Initialpunkt für die Entwicklung der zwölfer-schiitischen Lehre.

Die zwölfer-schiitische Lehre hat sich Ende des 9. Jahrhunderts in imamitischen Kreisen entwickelt. Die neue Lehre stellte eine Antwort auf die allgemeine Verunsicherung (ḥaira) dar, die bei den Imamiten eingetreten war, nachdem der elfte Imam Hasan al-ʿAskarī 874 im jungen Alter von 29 Jahren gestorben war, ohne Kinder zu hinterlassen. In dieser Zeit entstand eine Vielzahl von unterschiedlichen Lehrmeinungen über die Nachfolge im Imamat. Asch-Schahrastānī zählt insgesamt elf verschiedene Gruppen auf, die dazu eigene Lehrmeinungen hatten. Einige prominente imamitische Schiiten konvertierten in dieser Zeit auch zur Ismāʿīlīya.[46] Es war ʿUthmān ibn Saʿīd al-ʿAmrī, einer der engsten Anhänger Hasans, der in dieser Zeit mit der Behauptung auftrat, dass al-Hasan al-ʿAskarī doch einen Sohn hinterlassen und als Nachfolger eingesetzt habe, man diesen jedoch versteckt habe, um zu verhindern, dass die Regierung ihn gefangennimmt und tötet. Dschaʿfar, der Bruder al-Hasan al-ʿAskarīs, der selbst Anspruch auf das Imamat erhob, betrachtete diese Behauptung als eine Erfindung, die darauf abzielte, ihn vom Erbe auszuschließen, und strengte einen Prozess gegen Hudaith, al-Hasans Mutter, an, um sich sein Erbteil zu erstreiten. Der Prozess dauerte sieben Jahre und ergab am Ende, dass Hudaiths Behauptung, dass al-Hasans Sklavin schwanger gewesen sei, haltlos war, er also keinen Sohn hinterlassen hatte. Zwar erhielt Dschaʿfar einen Teil von al-Hasans Erbe, doch konnte er seinen Anspruch auf das Imamat nicht durchsetzen, weil ihn seine Zusammenarbeit mit den abbasidischen staatlichen Autoritäten bei den Imamiten diskreditiert hatte.[47]

In der Zwischenzeit konnte ʿUthmān ibn Saʿīd al-ʿAmrī einen Großteil der Agenten des verstorbenen Imams sowie der imamitischen Elite auf seine Seite bringen und sie von der Existenz eines verborgenen Sohns von al-Hasan al-ʿAskarī überzeugen.[48] Nach ʿUthmāns Tod, der wahrscheinlich 893 stattfand, übernahm sein Sohn Abū Dschaʿfar Muhammad die Position an der Spitze des klandestinen Agentennetzwerks und nutzte es zur Einsammlung von Almosenzahlungen bei den schiitischen Gläubigen. Er trat selbst mit der Behauptung auf, den Imam als Erwachsenen gesehen zu haben, weigerte sich aber, den wahren Namen des Imams zu enthüllen. Diese Geheimhaltung begründete er mit der notwendigen Vorsicht vor den staatlichen Autoritäten.[49] Abū Dschaʿfar Muhammad stand mit seiner Lehre in Konkurrenz zu anderen schiitischen Gruppen, insbesondere zu den nusairischen Ghulāt, die den Imamen göttliche Eigenschaften zusprachen und die Unterstützung der Wesirsfamilie der Banū l-Furāt genossen.[50] Anders als die Imamiten Abū Dschaʿfars hatten die Ghulāt auch keine Bedenken, dem zwölften Imam einen Namen zu geben; sie nannten ihn Muhammad. Im Jahre 914/15 trat sogar ein Mann am Kalifenhof in Bagdad auf, der von sich behauptete, der zurückgekehrte Muhammad ibn al-Hasan zu sein. Der Mann, der aus dem Umfeld der Banū l-Furāt stammte, wurde aber schnell als Schwindler entlarvt und in den Kerker geworfen.[51]

Nach dem Tod Abū Dschaʿfars im Jahre 917 ging die Führung des imamitischen Agentennetzwerks an Ibn Rauh an-Naubachtī (gest. 938) über. Er entwickelte die Lehre von dem Botschafteramt (sifāra), d. h. er trat mit dem Anspruch auf, „Botschafter“ (safīr) des Imams zu sein und als dieser die Verbindung zwischen ihm und der Gemeinde seiner Anhänger herstellen zu können. Auch die beiden ʿAmrīs, die vor ihm das imamitische Agentennetzwerk geleitet hatten, erklärte er posthum zu solchen „Botschaftern“, um auf diese Weise eine Kontinuität des Amtes seit der Verborgenheit des Imams nachweisen zu können. Nach dem Sturz seines Gönners und Protektors, des Wesirs Ibn al-Furāt (924), wurde Ibn Rauh an-Naubachtī für fünf Jahre eingekerkert.[52] Während seiner Haft versuchte sein Vertrauter Muhammad ibn ʿAlī asch-Schalmaghānī die Leitung der imamitischen Gemeinde an sich zu reißen. Er trat mit eigenwilligen extrem-schiitischen Lehren hervor und wurde von seinen Anhängern als göttliche Inkarnation verehrt. Als Ibn Rauh an-Naubachtī davon erfuhr, exkommunizierte er ihn aus der Gemeinschaft. Es wird auch vermutet, dass die Hinrichtung von asch-Schalmaghānī im Jahre 934 auf seine Initiative hin erfolgte.[53]

Noch zu Lebzeiten des dritten Botschafters Ibn Rauh an-Naubachtī stellte der aus einem Dorf zwischen Rey und Qom stammende Gelehrte al-Kulainī (gest. 940) seine Traditionssammlung al-Kāfī fī ʿilm ad-dīn zusammen. So wie sunnitische Gelehrte im 9. Jahrhundert die zahllosen umlaufenden Prophetenworte gesammelt und nach Sachgebieten gegliedert hatten, sind in ihr die Nachrichten (aḫbār) über die Imame zusammengestellt.[54] Die Sammlung enthält auch einiges extrem-schiitisches Material, was zeigt, dass die zwölfer-schiitische Lehre sich zu dieser Zeit noch nicht völlig von derartigen Tendenzen gelöst hatte.[55] Ein anderer Angehöriger der Naubachtī-Familie, Abū Sahl an-Naubacht (gest. 924), verfasste in dieser Zeit die Abhandlung Kitāb at-Tanbīh, in der er die Lehre von der Verborgenheit des zwölften Imams gegen andere imamitische Lehren verteidigte, wie zum Beispiel diejenigen der Wāqifiten, die an die Verborgenheit und Rückkehr des achten Imams Mūsā al-Kāzim glaubten.[56]

Während der Zeit des dritten Botschafters Ibn Rauh an-Naubachtī gaben die Imamiten die Zurückhaltung gegenüber einer Namensnennung beim zwölften Imam auf.[57] Dies ist unter anderem durch die Aussage eines nicht-schiitischen Zeitgenossen, Abū l-Hasan al-Aschʿarī (gest. 935), bestätigt. Er schreibt in seinem Werk Maqālāt al-islāmīyīn, dass die breite Mehrheit der Schiiten (ǧumhūr aš-Šīʿa) zu seiner Zeit Muhammad, den Sohn al-Hasan al-ʿAskarīs, als den erwarteten verborgenen Imam betrachtete und von ihm behauptete, „dass er hervortreten und die Welt mit Gerechtigkeit erfüllen werde, nachdem sie mit Ungerechtigkeit und Tyrannei erfüllt war.“[58]

Zeit der Buyiden: Ausarbeitung der Lehre und Verdrängung anderer imamitischer Gruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 930er Jahren eroberten die Buyiden, eine aus Dailam stammende Militärfamilie, große Gebiete Westirans. 946 besetzten sie Bagdad und übernahmen die militärische und administrative Gewalt im Abbasidenreich. Die Buyiden waren zwar zaiditische Schiiten, doch nahmen sie auch die Zwölfer-Schiiten unter ihren besonderen Schutz. Anti-schiitische Rädelsführer wurden in dieser Zeit in die Verbannung geschickt. Außerdem wurde den Zwölferschiiten in den 960er Jahren zum ersten Mal erlaubt, die eigenen Feste (das Aschura-Fest und das Ghadīr-Fest) öffentlich zu begehen. Desgleichen bemühten sich die Buyiden um den Schutz und die Ausstattung der Gräber der schiitischen Imame in Nadschaf, Kerbela und im Norden von Bagdad.[59]

Die Zeit der Buyiden stellt die eigentlich formative Periode der Zwölfer-Schia dar. In dieser Zeit erfolgte die wirkliche Ausarbeitung der zwölfer-schiitischen Lehre. Die Konzeption des „Botschafteramtes“ (sifāra) wurde aufgegeben und die Lehre von der „großen Verborgenheit“ (al-ġayba al-kubrā) entwickelt. Innerhalb der Zwölfer-Schia stehen sich während jener Zeit zwei Traditionen mit unterschiedlichen Weltbildern gegenüber: Die ältere „esoterische, nicht-rationale Tradition“, die durch ein magisches Weltbild und Okkultismus gekennzeichnet ist, wird durch Gelehrte wie Ibn Abī Zainab an-Nuʿmānī (gest. ca. 956) und Ibn Bābawaih (gest. 991) fortgeschrieben und verbreitet; die andere Tradition, die erst zu jener Zeit entstand, ist die „rationale, theologisch-juridische Tradition“. Sie wurde von den Denkern der sogenannten „Schule von Bagdad“ ausgearbeitet, zu der insbesondere asch-Schaich al-Mufīd (gest. 1022), asch-Scharīf al-Murtadā (gest. 1044) und Abū Dschaʿfar at-Tūsī (gest. 1067) gehörten, und lehnte sich an den Rationalismus der Muʿtazila an.[60] Asch-Schaich al-Mufīd, ein Schüler von Ibn Bābawaih, verfasste in dieser Zeit ein Buch mit dem Titel Kitāb uṣūl al-fiqh und begründete damit die zwölfer-schiitische Rechtstheorie.

In der Zeit von asch-Schaich al-Mufīd scheint die Zwölfer-Schia bereits alle anderen imamitischen Gruppierungen verdrängt zu haben. Sein Schüler asch-Scharīf al-Murtadā zitiert ihn mit einer Aussage, die auf das Jahr 373 der Hidschra (= 983 n. Chr.) datiert wird, der zufolge zu jener Zeit bereits alle anderen imamitischen Gruppen verschwunden waren und nur noch die „Zwölfer-Imāmīya“ (al-Imāmīya al-iṯnāʿašarīya) übrig geblieben war. Diese lehre das Imamat des Sohnes von al-Hasan al-ʿAskarī, der den gleichen Namen wie der Gottesgesandte führe, und behaupte, dass er am Leben sei und bis zu dem Tag, an dem er mit dem Schwert hervortreten werde, weiterlebe. Die Zwölfer-Imāmīya sei numerisch die größte schiitische Gruppe und stelle auch die Mehrheit der schiitischen ʿUlamā', Kalām-Gelehrten, Theoretiker, Frommen, Fiqh- und Hadith-Gelehrten, Literaten und Dichter. Die Zwölfer seien nun das „Gesicht“ (waǧh) der Imāmīya geworden und die Anführer ihrer Gemeinschaft.[61]

Zeit der Seldschuken und Ilchane[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Staat der Seldschuken wurden die Zwölfer-Schiiten zunächst verfolgt, ab der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts wurden sie jedoch in den Staat integriert. Schiitische Beamte und Höflinge traten von nun an als Gönner und Mäzene der zwölferschiitischen Minderheit auf, sie unterstützten nicht nur Sayyid-Familien und förderten zwölfer-schiitische Gelehrte, sondern bedachten auch die Schreine der Imame mit reichen Stiftungen.[62] Ein besonders eifriger Förderer der schiitischen Pilgerstätten war der schiitische Finanzminister Madschd al-Mulk al-Balasānī (st. 1099). Er ließ unter anderem auf dem Baqīʿ-Friedhof in Medina eine Kuppel über den Gräbern der vier Imame al-Hasan, ʿAlī Zain al-ʿĀbidīn, Muhammad al-Bāqir und Dschaʿfar as-Sādiq errichten.

Eine wichtige Quelle für die Zwölfer-Schia unter der Herrschaft der Seldschuken ist das zwischen 1160 und 1170 abgefasste Kitāb an-Naqḍ von dem Schiiten ʿAbd al-Dschalīl al-Qazwīnī. Das Werk ist eine Antwort auf den polemischen Traktat mit dem Titel Baʿḍ faḍāʾiḥ ar-Rawāfiḍ („Einige Schändlichkeiten der Rāfiditen“), in dem der Autor, ein gerade zum sunnitischen Islam abgefallener Glaubensbruder, die Schiiten in besonders negativem Licht darstellte.[63] Al-Qazwīnīs Buch ist nicht nur eine Verteidigung der zwölfer-schiitischen Lehre, sondern enthält auch reiche Informationen über das zeitgenössische religiöse Leben der Schiiten in der nordwestiranischen Provinz Dschibāl. So beschreibt der Autor, dass es in Rey, wo er selbst lehrte, und in Qom jeweils neun imamitische Schulen gab, in Kaschan vier und in Āveh und Varamin jeweils zwei.[64] Im 12. Jahrhundert ging auch die qarmatische Bevölkerung der arabischen Golfküste (Bahrain, al-Qatīf und al-Hasa) zur Zwölfer-Schia über.[65]

Gegen Ende der seldschukischen Periode und während der ilchanidischen Periode erlebte der theologische-juridische Rationalismus der Usūlīya einen neuen Höhepunkt durch die sogenannte „Schule von Hilla“. Die Denker dieser Schule, zu denen Ibn Idrīs (gest. 1201), al-Muhaqqiq al-Hillī (gest. 1277) und al-ʿAllāma al-Hillī (gest. 1325) gehörten, entwickelten eine eigene zwölfer-schiitische Theorie des Idschtihād, nachdem dieser früher von den Imamiten abgelehnt worden war.[66] Bereits al-Hillī band die Qualifikation (Idschāza) für den Idschtihād an eine Gelehrtenausbildung, die den Gelehrten zum Mudschtahid qualifizieren sollte.

Staatliche Förderung der Zwölfer-Schia in Iran und Indien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erklärung der Zwölfer-Schia zur offiziellen Lehre in Iran durch Schah Ismāʿīl im Jahre 1501, Illustration in einem anonymen persischen Werk von 1680 in der British Library.

Die politische Rolle der schiitischen Autoritäten verstärkte sich beträchtlich mit dem Beginn der Herrschaft der Safawiden (1501–1722) in Iran und ihrer Einführung der Zwölfer-Schia als offizieller Lehre des Staates.[67] Der Safawide Ismāʿīl, der 1501 in Täbris zum Schah ausgerufen wurde, ließ die Freitagspredigt auf die zwölf Imame lesen und die schiitische Formel „Ich bezeuge, dass ʿAlī der Freund Gottes ist“ sowie den Satz „Auf zum besten Tun“ an den Gebetsruf anschließen. Die ersten drei Kalifen Abū Bakr, ʿUmar und ʿUthmān wurden verflucht. Dieses Ritual wurde seitdem regelmäßig wiederholt. Damit erhielt der safawidische Staat von Anfang an eine klar zwölferschiitische Ausrichtung.[68]

Die Durchsetzung der Zwölfer-Schia in Iran war allerdings zunächst schwierig, weil nicht genügend religiöses Personal mit der richtigen Ausrichtung dafür zur Verfügung stand. Ismāʿīls Nachfolger Schah Tahmasp I. (reg. 1524–1576) rief deswegen schiitische Gelehrte aus dem Ausland ins Land, insbesondere solche von der arabischen Golfküste und aus dem Dschabal Amil. Einer der wichtigsten dieser importierten schiitischen Gelehrten war der Usūlī-Gelehrte al-Karakī (1466–1534) aus der libanesischen Bekaa-Ebene. Er entwickelte die Theorie von der „allgemeinen Stellvertreterschaft“ (niyāba ʿāmma) der schiitischen Rechtsgelehrten. Diese bezog er auch auf das Freitagsgebet.[69] Während vorher viele Schiiten meinten, dass während der Abwesenheit des Zwölften Imams niemand berechtigt sei, das Freitagsgebet abzuhalten, erklärte al-Karakī die Abhaltung des Freitagsgebets für zulässig. Seiner Auffassung nach war es sogar obligatorisch, wenn ein dafür qualifizierter Gelehrter vorhanden war. Al-Karakī erhielt auch von Tahmasp die Vollmacht, überall in Iran schiitische Vorbeter (piš-namāz) einzusetzen.[70]

Zwölfer-schiitische Architektur in Bangladesch: Das Husainī-Dālān in Dhaka. Der erste Bau stammt von 1642.

Auf dem Dekkan in Indien ließen sich drei Herrscherhäuser, die die Nachfolge der Bahmaniden angetreten hatten, die Qutb-Schāhīs von Golkonda, die ʿĀdil-Schāhīs von Bijapur und die Nizām-Schāhīs von Ahmadnagar von dem Modell des Safawiden-Staates inspirieren. Sie führten im frühen 16. Jahrhundert in ihren Reichen ebenfalls die Zwölfer-Schia als offizielle Richtung ein. In der Folgezeit wanderten zahlreiche zwölfer-schiitische Gelehrte aus Iran in die Dekkan-Sultane ein und halfen dort bei der staatlichen Etablierung der zwölfer-schiitischen Lehre. Weiter nördlich, in Kaschmir, wurde die Zwölfer-Schia durch das Fürstenhaus der Chaks gefördert, das zwischen 1505 und 1586 mit Unterbrechungen über diese Region herrschte. Ein beträchtlicher Teil der Bauernschaft von Kaschmir ging in dieser Zeit zur Schia über.[71] Die Herrscher der Mogulreichs förderten die Zwölfer-Schiiten zwar nicht, ließen sie aber gewähren. Ein zwölfer-schiitisches Bauwerk aus dieser Zeit ist das sogenannten Husainī Dālān in Dhaka. Es wurde um das Jahr 1642, während der Herrschaft von Schāh Schudschāʿ über die Mogul-Provinz Bengalen, von einem Privatmann namens Saiyid Murād als Gebäude für die schiitischen Trauerversammlungen errichtet und im frühen 19. Jahrhundert durch die Britische Ostindien-Kompanie restauriert.[72]

17. und 18. Jahrhundert: Auseinandersetzungen zwischen Achbārīs und Usūlīs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Zeit der Safawiden bildeten sich gegen den Rationalismus und die scholastische Gelehrsamkeit der Usūlīs zwei Oppositionsbewegungen: die theosophisch orientierte Schule von Isfahan und die traditionalistische Achbārīya.[73] Als Begründer der neuzeitlichen Achbārīya gilt der in Mekka und Medina lebende persische Gelehrte Muhammad Amīn Astarābādī (gest. 1626). Er und seine Anhänger kritisierten die Usūlīs für ihren Idschtihād und wollten das Fiqh allein auf den Koran und die von den Ahl al-bait überlieferten Hadithe bzw. Achbār stützen.[74] Während der Safawidenzeit konnten die Achbārīs einige Jahre auch in der irakischen Schiitenhochburg Kerbela die Oberhand gewinnen.

Die Achbārī-Gelehrten versuchten, aus den vier kanonischen Hadith-Sammlungen eine einzige Sammlung zu machen. Ein erstes Ergebnis dieser Bemühungen war das Werk al-Wafī von Muhammad ibn Mahmūd al-Kāschānī (gest. 1680). Muhammad Hurr al-ʿĀmilī (gest. 1692-93) ging in seinem Wasā'il asch-Schīʿa noch über die vier kanonischen Sammlungen hinaus. Zum Höhepunkt kamen diese Bemühungen mit Muhammad Bāqir al-Madschlisī (1616–1689), dessen 110-bändiges Monumentalwerk Bihār al-Anwār alle schiitischen Traditionen zu enthalten beansprucht. Daneben gibt es noch ähnlich umfangreiche Enzyklopädien, die jedoch niemals erschienen sind. So verfasste ʿAbdallāh ibn Nūrallah Bahrānī, ein Zeitgenosse von Madschlisī, der nicht den gleichen Einfluss bei Hofe hatte, al-ʿAwālim, eine umfangreiche Sammlung, die ebenfalls 100 Bände umfasst. Parallel wurden in dieser Periode die ersten Bücher verfasst (ca. ab 1621), die sich kritisch mit den Überlieferungsketten (isnād) und den Überlieferern (riǧāl) auseinandersetzen (dirāyat al-ḥadīṯ).

Die Achbārī-Gelehrten verbreiteten auch Überlieferungen, die die Koranfälschung betreffen.[75] Ein erster Beleg dafür findet sich im Dābistān-i Maḏāhib, einem zwischen 1645 und 1658 abgefassten Handbuch über die verschiedenen Religionen und Konfessionen in Indien. Wie der Autor Muhsin Fānī erzählt, traf er 1643 in Lahore mit drei zwölfer-schiitischen Gelehrten zusammen, die ihm sagten, dass ʿUthmān ibn ʿAffān bei der Herstellung der offiziellen Koranausgabe manche Suren über die Vorzüge von ʿAlī ibn Abī Tālib und seine Familie ausgelassen habe. Als Beweis brachten sie ihm einen Text, der mit „Zwei-Lichter-Sure“ (Sūrat an-Nūrain) überschrieben ist, 42 Verse umfasst und ʿAlī und seine Familie lobend erwähnt. Der Text ist auch selbst im Dābistān-i Maḏāhib wiedergegeben.[76] Theodor Nöldeke, der sich ausführlich mit der „Zwei-Lichter-Sure“ befasst hat, hat sie als eine „schiitische Fälschung“ eingeordnet.[77] Zwar haben verschiedene schiitische Gelehrte zu zeigen versucht, dass es sich bei dem Bericht im Dābistān-i Maḏāhib um eine „anti-schiitische Verleumdung“ handelt,[78] doch hat Rainer Brunner nachgewiesen, dass die „Zwei-Lichter-Sure“ auch von anderen zwölfer-schiitischen Gelehrten des 17. Jahrhunderts als Beleg für eine Verfälschung des Korans durch ʿUthmān angeführt wurde. Sie verwiesen noch auf eine andere von ʿUthmān angeblich unterschlagene Sure, die Sūrat al-Wilāya, die mit sieben Versen allerdings erheblich kürzer ausfiel.[79]

Einer der schärfsten Gegner der Achbārīs war der Gelehrte Mohammad-Bāqer Behbehānī (1705–1793) aus Isfahan. Er studierte in Kerbela und blieb nach Abschluss seiner Ausbildung an den Schreinen im Irak, um den Kampf gegen die Achbārīs zu führen, die er für ungläubig erklärte und gegen die er auch gewaltsam vorging. Die Achbārīs verloren in dieser Zeit immer mehr Rückhalt im Irak.[80]

Lucknow als neues Zentrum der Schia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwölfer-schiitische Architektur in Lucknow: Der von Āsaf ad-Daula errichtete große Imambara, der der Darbietung von schiitischen Elegien und Martyrologien diente.

Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich die indische Stadt Lucknow zu einem neuen Zentrum der Zwölfer-Schia. Lucknow war seit 1782 die Hauptstadt des wohlhabenden Nawab-Fürstentums von Awadh, das sich in dieser Zeit vom Mogulhof emanzipierte und eine klar schiitische Ausrichtung entwickelte.[81] Die Nawabs von Awadh waren selbst persischer Herkunft und bekannten sich zum zwölfer-schiitischen Glauben, daneben bestand auch der Adel von Awadh zum großen Teil aus zwölfer-schiitischen Familien. Sie waren untereinander und mit der Familie des Nawab verwandtschaftlich verbunden.[82] Als Abgrenzungsmerkmal gegenüber dem offiziell sunnitischen Mogulhof errichteten sie in Lucknow schiitische Repräsentationsbauten, die sie als Imām-bāŕa („Imam-Bezirk“) bezeichneten und in denen schiitische Elegien und Martyrologien dargeboten wurden. Der größte Bau dieser Art ist der auf Anordnung von Āsaf ad-Daula (reg. 1775–1799) errichtete Imām-bāra-yi Āsafī, der auch „Großer Imambara“ genannt wird und später vielen anderen Bauten auf dem Subkontinent als architektonische Vorbild diente.[83]

Zu dem Imambara-Bezirk von Lucknow gehört auch eine Freitagsmoschee.

Während bis in die 1770er Jahre bei den Schiiten von Awadh ebenfalls die Achbārī-Schule vorherrschend war, die das Freitagsgebet für unzulässig hielt, förderten Āsaf ad-Daula und sein Chefminister Hasan Rizā Chān die Usūlī-Schule, die das Freitagsgebet als obligatorisch betrachtete. Zum wichtigsten schiitischen Gelehrten in Awadh wurde Saiyid Dildār ʿAlī (1753–1820), ein indischer Schüler von Behbehānī. Er erklärte sich selbst zum Mudschtahid und widmete sich vor allem dem Kampf gegen die Sufis. Ab 1786 fungierte er im Palast als Vorbeter. Aufgrund der großen Bedeutung, die man am Hof der Nawabs dem Freitagsgebet zumaß, wurde auch der Große Imambara mit einer Freitagsmoschee versehen.[84]

Die Nawabs von Awadh engagierten sich damals auch stark für die Heiligen Stätten der Schiiten im Irak. So spendete Āsaf ad-Daula eine halbe Million Rupien zum Bau des Hindiyya-Kanals, der Nadschaf mit Wasser aus dem Euphrat versorgen sollte. Er und seine Nachfolger bedachten die Schreine im Irak und die dort wirkenden Gelehrten und Studenten mit reichen Spenden.[85]

Zeit der Kadscharen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Takye-ye Doulat in Teheran, in der die staatlichen Taʿziye-Aufführungen stattfanden, gemalt 1892 von Kamal-ol-Molk

Konnten sich die Safawiden noch – mehr oder weniger glaubhaft – selbst als Angehörige des Prophetenhauses inszenieren, um das Erwachen der Schia für sich und ihre politische Autorität zu nutzen, war es den (turkmenischen) Kadscharen nun auf Grund ihrer Herkunft nicht mehr möglich, sich als Prophetenangehörige zu stilisieren, weshalb ihr Einfluss schwand. Gleichzeitig wuchs der Einfluss der Gelehrten, die von den Herrschern als Berater zu Hofe und als Richter eingesetzt wurden. Um die Wende zum 19. Jahrhundert entstand in Iran als neues zwölfer-schiitisches Ritual das Taʿziye-Passionsspiel. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete man dafür feste, zirkusähnliche Theaterbauten, die Takye genannt wurden. Das bekannteste Gebäude dieser Arte war die Takye-ye Doulat („Staats-Takya“), die Nāser ad-Din Schāh 1873 nach dem Vorbild der der Londoner Royal Albert Hall nahe dem Teheraner Palast erbauen ließ.[86] In ihr wohnten der Hof und ausländische Gäste des Schahs den Taʿziye-Aufführungen bei.[87]

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich als neues Konzept die Mardschaʿīya. Die bekanntesten Vorbilder für spätere Gelehrte waren Scheich Murtadā al-Ansārī und Mirzā Muhammad Hasan Schīrāzī (1815–1895), die beide in ihrer Zeit als unumstrittene religiöse Autoritäten akzeptiert worden waren. Der Erstere war vor allem ein ideologisches Vorbild, da sich auch die heutigen Mardschaʿs noch an der Gliederung seiner Fatwa-Sammlungen orientieren. Letzterer wurde vor allem durch seine Tabak-Fatwa bekannt, mit der er erfolgreich das Tabakmonopol der britischen Kolonialherren im Iran zu Fall brachte.

Anfang des 20. Jahrhunderts unterstützten viele zwölfer-schiitische Gelehrte die Konstitutionelle Revolution in Iran, allen voran Mohammad Kāzem Chorāsāni. Eine Minderheit, die von Fazlollah Nuri angeführt wurde, lehnte die Verfassung dagegen ab und bekämpfte sie. Die schließlich im Dezember 1906 verabschiedete Verfassung wurde im Oktober 1907 in Artikel 1 mit einem Zusatz versehen, der den Islam und „die wahre dschaʿfaritische Zwölfer-Lehre“ zur offiziellen Lehrrichtung (maẕhab-e rasmi) Irans erklärte und den Herrscher des Landes dazu verpflichtete, Angehöriger und Förderer dieser Lehrrichtung zu sein.[88]

Zeit der Pahlavis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Herrschaft der Pahlavi-Dynastie, die 1925 an die Macht kam, verhielten sich die zwölfer-schiitischen Gelehrten zunächst quietistisch. Der in Ghom lehrende Großajatollah Husain Borudscherdi, der seit 1949 allgemeine Anerkennung als höchster Mardschaʿ-i taqlīd fand, lud im Februar 1949 ungefähr 2000 schiitische Gelehrte zu einem Kongress nach Ghom ein und verpflichtete sie, sich keiner Partei anzuschließen und sich nicht in politische Angelegenheiten einzumischen. Das hinderte ihn allerdings nicht daran, 1960 selbst Widerstand gegen die vom Schah geplante Landreform zu leisten.[89]

Nach Borudscherdis Tod im Jahre 1961 hatten die zwölfer-schiitischen Gelehrten kein allgemein anerkanntes Oberhaupt mehr. Innerhalb der zwölfer-schiitischen Gelehrsamkeit Irans bildeten sich drei Lager heraus, nämlich das konservative, das zentrale und das radikale. Die konservativen Gelehrten wollten sich weitgehend aus der Politik heraushalten, strebten aber danach, die Prinzipien der Zwölfer-Schia im Staat durchzusetzen und ihre religiöse Führungsposition zu erhalten. Zu diesem Lager gehörten zum Beispiel Mohammad Reza Golpayegani (gest. 1993), Mohammad Hoseyn Tabātabā'i (gest. 1981) und Mohammad Kazem Schariatmadari (gest. 1986). Das zentrale Lager wurde von Mortazā Motahhari (gest. 1979) und Mohammed Beheschti (gest. 1981) angeführt. Sie engagierten sich politisch und traten für staatliche Rechtsreformen auf Grundlage der dschaʿfaritischen Rechtsschule ein. Der wichtigste Vertreter der radikalen Gruppe war Ajatollah Ruhollah Chomeini. Er kritisierte schon in den 1960er Jahren sehr heftig das Schah-Regime und arbeitete während seines Exils im Irak die Theorie von der Welāyat-e Faghīh (Statthalterschaft des Rechtsgelehrten) aus. Demnach kann ein Staat während der Abwesenheit des zwölften Imams nur dann Legitimität beanspruchen, wenn die zwölferschiitischen Gelehrten selbst in ihm die wichtigsten politischen Ämter übernehmen.[90]

Im Irak war nach Borudscherdis Tod Großajatollah Muhsin al-Hakīm in Nadschaf der wichtigste Mardschaʿ. Nach dessen Tod im Jahre 1970 ging dessen Rang an den Iraner Abu l-Qāsim al-Cho'i (gest. 1992) über, der sich aus politischen Fragen weitgehend heraushielt. Neben ihm war Ajatollah Muhammad Bāqir as-Sadr als ökonomischer Theoretiker und politischer Aktivist sehr einflussreich. Er beteiligte sich auch am Aufbau der Islamischen Daʿwa-Partei, der wichtigsten schiitischen Partei im Irak. Im April 1980 wurde er von einem irakischen Gericht wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und hingerichtet.[91]

Die Islamische Revolution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ajatollah Chomeini bei seiner Rückkehr aus dem Exil am 1. Februar 1979 am Flughafen in Teheran

Die so genannte Islamische Revolution im Jahre 1979 führte dazu, dass die von Chomeini entwickelten politischen Ideen in Iran in eine staatliche Ordnung überführt wurden. Das politische System der 1979 errichteten „Islamischen Republik Iran“ ist maßgeblich von Chomeinis Theorie der Welāyat-e Faghīh geprägt. Grundlage dafür war das Verfassungsreferendum vom Dezember 1979, bei dem mit 99,5 Prozent eine Verfassung angenommen wurde, die auf dieser Theorie fußt. Innerhalb der Geschichte der Zwölfer-Schia war der chomeinistische Diskurs in zweierlei Hinsicht revolutionär: Zum Einen sind die schiitischen Geistlichen mit ihm zum ersten Mal in den offenen Kampf gegen ein Regime eingetreten, mit dem Ziel, es zu ersetzen und sich selbst an die Spitze des Staates zu stellen; zum Anderen hat der chomeinistische Diskurs die bis dahin übliche politische Zurückhaltung abgelegt, sich von der klassischen Kasuistik gelöst und marxistische Konzepte in sein Vokabular integriert.[92]

Ibrahim Zakzaky, seit den 1980er Jahren Anführer der Zwölfer-Schiiten in Nigeria

Im Zusammenhang mit dieser Entwicklung wurde die Zwölfer-Schia im Sinne einer Heilsideologie Anfang der 1980er Jahre zu einer der am stärksten politisierten Richtungen des Islams.[93] Durch Revolutionsexport wurde diese Ideologie auch in andere islamische Länder verbreitet. Fathī Schaqqāqī, der Gründer des Islamischen Dschihad in Palästina verfasste schon 1979 ein Buch, in dem er Chomeini als „islamische Lösung“ anpries. Im Libanon entstand in den frühen 1980er Jahren mit der Hisbollah eine militante schiitische Organisation, die den Prinzipien der Islamischen Revolution verpflichtet ist. In Nigeria, Senegal und Indonesien führte die revolutionäre Stimmung sogar dazu, dass sunnitische Muslime zur Zwölfer-Schia konvertierten. In Nigeria gründete Scheich Ibrahim Zakzaky eine pro-iranische Organisation, die die Prinzipien der Islamischen Revolution umzusetzen versuchte. Nachdem er in den frühen 1980er Jahren mehrmals Iran besucht hatte und zur Schia konvertiert war, führte er mehrere schiitische Missionskampagnen in Kano, Zaria und Sokoto durch. Später gründete er als Zusammenschluss der Schiiten von Nigeria das „Islamic Movement in Nigeria“.[94] Im Senegal gründete Sidy Lamine Niass Ende 1983 die islamistische Zeitschrift Wal-Fadschri, die sich ideologisch stark an der Islamischen Republik Iran ausrichtete und schiitische Lehren verbreitete.[95] In Indonesien begannen die beiden hadramitischen Gelehrten Hussein al-Habsyi und Abdul Qadir Bafaqih in den 1980er Jahren, schiitische Lehren zu verbreiten.[96]

Chomeinis Theorie von der Welāyat-e Faghīh fand innerhalb der zwölferschiitischen Gelehrsamkeit allerdings keineswegs ungeteilte Zustimmung. In Iran selbst haben sich zum Beispiel die Gelehrten Hassan Tabatabaei Qomi und Ahmad Azari Qomi gegen dieses Konzept ausgesprochen. Auch die große Mehrheit der schiitischen Gelehrten im Irak, in Indien, Syrien und Bahrain steht dem Konzept sehr kritisch gegenüber.[97] Viele traditionelle Mardschas mischen sich nicht in politischen Angelegenheiten ein, was ihnen in der zunehmend unruhigen Region immer schwieriger fällt. Sowohl die Islamische Revolution im Iran als auch die US-Invasion im mehrheitlich schiitischen Irak veranlassten viele unpolitische Mardschas, ihre Position neu zu definieren.

Zwölfer-Schia weltweit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ostafrika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Größere zwölfer-schiitische Gemeinden bestehen auch in Ostafrika. Hier eine Muharram-Trauerfeier in einer Husainīya in Daressalam, Tansania

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es auch zwölfer-schiitische Gemeinden in Ostafrika. Die ersten Zwölfer-Schiiten waren Iraner, die in den Dienst des Sultans von Sansibar traten, sowie indische Händler aus der Gruppe der Khojas. Die indischen Khojas, die sich in Ostafrika ansiedelten, waren zum größeren Teil nizaritische Ismailiten und nur zum kleineren Teil Zwölfer-Schiiten.[98] Schon zwischen 1880 und 1904 entstanden erste zwölfer-schiitischen Gemeinden von Khojas auf Sansibar, in Mombasa, auf Lamu, in Bagamoyo, Lindi, Pangani, Daressalam und Kilwa.[99] Um 1905 vergrößerte sich die Anzahl der zwölfer-schiitischen Khojas in Ostafrika dadurch erheblich, dass viele ismailitische Khojas, die sich der Zentralisierungspolitik von Aga Khan III. nicht beugen wollten, zur Zwölfer-Schia übergingen. In der Folgezeit entstanden weitere zwölfer-schiitische Gemeinden in Kenia, Mosambik, Uganda, Zaire, Mauritius und Madagaskar.[100]

Im November 1945 kamen Delegierte verschiedener zwölfer-schiitischer Khoja-Gemeinden in Daressalam zu einer ersten Konferenz zusammen, mit dem Ziel, eine regionale Organisation zu gründen. Aus diesen Bemühungen ging im Mai 1946 die Federation of Khoja Shia Ithna Ashari Jamaats of Africa hervor,[101] die bis heute besteht.[102] Die Föderation hat das Curriculum der religiösen Erziehung standardisiert, verschiedene Bildungsaktivitäten entwickelt und 1964 die Bilal Muslim Mission gegründet, um Afrikaner zur Zwölfer-Schia zu bekehren.[103] Bis zum Jahre 2002 soll sie ungefähr 100.000 neue Anhänger für die Zwölfer-Schia gewonnen haben. Die meisten von ihnen waren vorher sunnitische Muslime. Abgesehen von den Khojas leben einige Zwölfer-Schiiten arabischer Herkunft in Sansibar, in Mombasa und auf Lamu.[104]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland leben ungefähr 225.500 Zwölfer-Schiiten.[105] Die meisten der in Deutschland lebenden Zwölferschiiten stammen ursprünglich aus dem Iran, Irak, Libanon, Afghanistan, Pakistan, Indien, Aserbaidschan.

Die Zwölfer-Schiiten sind in Deutschland in dem Dachverband der Islamischen Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands (IGS) organisiert, der im Jahre 2009 in Hamburg gegründet wurde und dem über 150 schiitische Moscheegemeinden angehören. Der erste Vorsitzende dieses Vereins war Ajatollah Sayyid Hosseini Ghaemmaghami. Aktueller Vorsitzender ist Hodschatoleslam Mahmood Khalilzadeh.[106] Die IGS ist seit 2014 Teilnehmer an der Deutschen Islamkonferenz. Größtes und bekanntestes Mitglied der IGS ist das Islamische Zentrum Hamburg (IZH) mit der Imam-Ali-Moschee, das auch das Zentrum der Zwölferschiiten in Deutschland ist.

Die Schia-Bibliothek des Orientalischen Seminars der Universität zu Köln, die Anfang der 1960er Jahre von Abdoldjavad Falaturi (1926–1996) gegründet wurde, beherbergt eine der wichtigsten Sammlungen zwölfer-schiitischer Literatur in Europa.[107]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen (chronologisch)
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  • Muḥsin Fānī:[108] Dābistān-i Maḏāhib. Nawal Kišūr, Lucknow, 1904, S. 270–273. Digitalisat – engl. Übers. von David Shea and Anthony Troyer. Duprat, Paris, 1843, S. 364–371. Digitalisat
  • Maḥmūd Šukrī al-Alūsī: Muḫtaṣar at-Tuḥfa al-iṯnā ʿašarīya. Ed. Muḥibb-ad-Dīn al-Ḫaṭīb. al-Maṭbaʿa as-Salafīya wa-Maktabatuhā, Kairo, 1373h (= 1962 n. Chr.). Digitalisat
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  • Muḥibb ad-Dīn al-Ḫaṭīb: al-Ḫuṭūṭ al-ʿarīḍa li-l-usus allatī qāma ʿalai-hi dīn al-Imāmīya al-iṯnāʿašarīya. Kairo, 1960. Digitalisat (Polemisches Werk gegen die Zwölfer-Schia)
Sekundärliteratur
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Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Momen: Shi'i Islam. 2016, S. 219.
  2. Momen: Shi'i Islam. 2016, S. 219.
  3. Fığlalı: „İsnâaşeriyye“ in Türkiye Diyanet Vakfı İslâm ansiklopedisi. 2001, Bd. XXIII, S. 146c.
  4. Fığlalı: „İsnâaşeriyye“ in Türkiye Diyanet Vakfı İslâm ansiklopedisi. 2001, Bd. XXIII, S. 143a.
  5. Momen: Shi'i Islam. 2016, S. 218.
  6. Vgl. Fığlalı: „İsnâaşeriyye“ in Türkiye Diyanet Vakfı İslâm ansiklopedisi. 2001, Bd. XXIII, S. 146c. Er setzt die Anzahl der Zwölfer-Schiiten mit 1 Mio. und ihren Anteil mit 0,15 % erheblich niedriger an.
  7. Rizvi/King: The Khoja Shia Ithna-asheriya Community. 1974, 194, 203.
  8. Nasr: „Ithnā ʿAshariyya“ in Encyclopaedia of Islam Bd. IV, S. 278b.
  9. Kohlberg: From Imāmiyya to Ithnā-ʿAshariyya. 1976, S. 532.
  10. Kohlberg: The Term muḥaddath in Twelver Shīʿism 1979.
  11. Brunner: Le charisme des songeurs. 2009, S. 109.
  12. Vgl. Amir-Moezzi: Visions d’imams en mystique duodécimaine moderne. 2003.
  13. Etan Kohlberg: „Safīr. 1. In Shīʿism“ in The Encyclopaedia of Islam. New Edition Bd. VIII, S. 811b-812b.
  14. Kohlberg: From Imāmiyya to Ithnā-ʿAshariyya. 1976, S. 521.
  15. Kohlberg: From Imāmiyya to Ithnā-ʿAshariyya. 1976, S. 529.
  16. Fığlalı: „İsnâaşeriyye“ in Türkiye Diyanet Vakfı İslâm ansiklopedisi. 2001, Bd. XXIII, S. 143b.
  17. Muhammad Bāqir al-Maǧlisī: Biḥār al-Anwār. 3. Aufl. Dār Iḥyāʾ at-turāṯ al-ʿArabī, Beirut, 1983. Bd. LII, S. 376, Nr. 177. Online
  18. Halm: Die Schia. 1988, S. 46f.
  19. Sachedina: Art. „Ithnā ʿAsharīyah“. 2009, Bd. III, S. 217b.
  20. Nasr: „Ithnā ʿAshariyya“ in Encyclopaedia of Islam Bd. IV, S. 278a.
  21. Wilferd Madelung: „Badāʾ“ in Encyclopaedia Iranica Bd. III, S. 354f. Online.
  22. Momen: An Introduction to Shiʿi Islam. 1985, S. 172.
  23. Vgl. dazu Brunner: „Die Schia und die Koranfälschung“. 2001.
  24. Momen: An Introduction to Shiʿi Islam. 1985, S. 173f.
  25. Momen: An Introduction to Shiʿi Islam. 1985, S. 174.
  26. Falaturi: „Die Zwölfer-Schia aus der Sicht eines Schiiten.“ 1968, S. 68.
  27. Momen: An Introduction to Shiʿi Islam. 1985, S. 180.
  28. Werner Ende: „Steine des Anstoßes. Das Mausoleum der Ahl al-bayt in Medina“ in Hinrich Biesterfeldt und Verena Klemm (Hrsg.): Differenz und Dynamik im Islam. Festschrift für Heinz Halm zum 70. Geburtstag. Ergon, Würzburg, 2012. S. 181–200. Hier S. 196.
  29. Vgl. Hamid Algar: „ʿAtabāt“ in Encyclopaedia Iranica Bd. II, S. 902-904. Online
  30. Halm: Die Schia. 1988, S. 170.
  31. Hartung: „Überall ist Kerbala“. 2005, S. 275f.
  32. Vgl. Gustav Thaiss: „Rawza Khvānī“ in John L. Esposito (ed.): The Oxford Encyclopedia of the Islamic World. 6 Bde. Oxford 2009. Bd. IV, S. 510–512.
  33. Keshani: Architecture and the Twelver Shi'i tradition. 2006, S. 219a.
  34. Halm: Die Schia. 1988, S. 175.
  35. Vgl. al-ʿAllāma al-Hillī: Muntahā al-maṭlab fī taḥqīq al-maḏhab. Band 1. Maǧmaʿ al-Buḥūṯ al-Islāmīya, Mašhad 1412q (= 1992), S. 190 f. (al-maqṣad aṯ-ṯānī fī l-wuḍūʾ).
  36. Hartung: „Überall ist Kerbala“. 2005, S. 262f.
  37. Hartung: „Überall ist Kerbala“. 2005, S. 265.
  38. Hartung: „Überall ist Kerbala“. 2005, S. 266f.
  39. Momen: An Introduction to Shiʿi Islam. 1985, S. 180.
  40. Vgl. Halm: Die Schia. 1988, S. 136.
  41. Vgl. Halm: Die Schia. 1988, S. 176.
  42. Vgl. Rudolph Peters: Crime and Punishment in Islamic Law. Theory and Practice from the Sixteenth to the Twenty-first Century. Cambridge: Cambridge University Press 2005, S. 36.
  43. Nasr: „Ithnā ʿAshariyya“ in Encyclopaedia of Islam Bd. IV, S. 278a.
  44. Vgl. Halm: Die Schia. 1988, S. 136.
  45. Sachedina: Art. „Ithnā ʿAsharīyah“. 2009, Bd. III, S. 217.
  46. Abdulsater: Dynamics of absence. 2011, S. 307.
  47. Hossein Modarressi: Crisis and Consolidation in the formative period of Shiʿite Islam. Abū Jaʿfar ibn Qiba al-Rāzī and his contribution to Imāmite Shīʿite thought. Darwin Press, Princeton, New Jersey, 1993. S. 77–79.
  48. Abdulsater: Dynamics of absence. 2011, S. 309.
  49. Abdulsater: Dynamics of absence. 2011, S. 310f.
  50. Abdulsater: Dynamics of absence. 2011, S. 312f.
  51. Klemm: Die vier sufarāʾ des Zwölften Imām. 1983, S. 141f.
  52. Vgl. Halm: Die Schia. 1988, S. 44.
  53. Abdulsater: Dynamics of absence. 2011, S. 317f.
  54. Vgl. Halm: Die Schia. 1988, S. 50f.
  55. Abdulsater: Dynamics of absence. 2011, S. 321f.
  56. Abdulsater: Dynamics of absence. 2011, S. 311f.
  57. Abdulsater: Dynamics of absence. 2011, S. 324.
  58. Abu-l-Ḥasan ʿAlī Ibn-Ismāʾīl al-Ašʿarī: Kitāb Maqālāt al-islāmīyīn wa-ḫtilāf al-muṣallīn. Ed. Hellmut Ritter. Istanbul: Maṭbaʿat ad-daula 1929–1933. S. 17f. Digitalisat
  59. Vgl. Halm: Die Schia. 1988, S. 56–59.
  60. Amir-Moezzi: Réflexions sur une évolution du shiʿisme duodécimain. 1993, S. 69f.
  61. aš-Šarīf al-Murtaḍā: al-Fuṣūl al-muḫtāra min al-ʿUyūn wa-l-maḥāsin. Al-Muʾtamar al-ʿālamī li-alfīyat aš-Šaiḫ al-Mufīd, 1413h. S. 321.
  62. Vgl. Halm: Die Schia. 1988, S. 73–79.
  63. Falaturi: Die Zwölfer-Schia aus der Sicht eines Schiiten. 1968, S. 75.
  64. Vgl. Halm: Die Schia. 1988, S. 74, 77.
  65. Momen: An Introduction to Shiʿi Islam. 1985, S. 90f.
  66. Amir-Moezzi: Réflexions sur une évolution du shiʿisme duodécimain. 1993, S. 73.
  67. Amir-Moezzi: Réflexions sur une évolution du shiʿisme duodécimain. 1993, S. 75.
  68. Vgl. Halm: Die Schia. 1988, S. 107.
  69. Said Amir Arjomand: The Shadow of Tod and the Hidden Imam. Religion, Political Order, and Societal Change in Shiʿite Iran from the Beginning to 1890. University of Chicago Press, Chicago, 1984. S. 134, 141.
  70. Vgl. Halm: Die Schia. 1988, S. 112.
  71. Momen: An Introduction to Shiʿi Islam. 1985, S. 121f.
  72. A.B.M. Husain: Ḥusaynī Dālān in The Encyclopaedia of Islam. New Edition Bd. III, S. 634b-635a.
  73. Vgl. Halm: Die Schia. 1988, S. 116f.
  74. Fığlalı: İsnâaşeriyye in Türkiye Diyanet Vakfı İslâm ansiklopedisi. 2001, Bd. XXIII, S. 145.
  75. Rainer Brunner: Die Schia und die Koranfälschung. 2001, S. 12–39.
  76. Fānī: Dābistān-i Maḏāhib. 1904, S. 272f.
  77. Vgl. Theodor Nöldeke: Geschichte des Qorāns. 2. Die Sammlung des Qorāns. Leipzig 1919. S. 100–112. Digitalisat
  78. Vgl. auch Falaturi: Die Zwölfer-Schia aus der Sicht eines Schiiten. 1968, S. 94f.
  79. Rainer Brunner: Die Schia und die Koranfälschung. 2001, S. 16f.
  80. Halm: Die Schia. 1988, S. 131.
  81. Hartung: „Überall ist Kerbala“. 2005, S. 270.
  82. Keshani: Architecture and the Twelver Shi'i tradition. 2006, S. 225f.
  83. Hartung: „Überall ist Kerbala“. 2005, S. 270f.
  84. Keshani: Architecture and the Twelver Shi'i tradition. 2006, S. 228b-229a.
  85. Halm: Die Schia. 1988, S. 174.
  86. Hartung: „Überall ist Kerbala“. 2005, S. 271.
  87. Halm: Die Schia. 1988, S. 182.
  88. Wilhelm Litten: „Die neue persische Verfassung. Übersicht über die bisherige gesetzgeberische Arbeit des persischen Parlaments.“ In: Beiträge zur Kenntnis des Orients: Jahrbuch der Münchener Orientalischen Gesellschaft. 6 (1908), S. 1–51 Hier S. 37 Digitalisat. Der persische Originaltext ist hier abrufbar.
  89. Vgl. Halm: Die Schia. 1988, S. 153–155.
  90. Fığlalı: İsnâaşeriyye in Türkiye Diyanet Vakfı İslâm ansiklopedisi. 2001, Bd. XXIII, S. 146b.
  91. Halm: Die Schia. 1988, S. 170.
  92. Amir-Moezzi: Réflexions sur une évolution du shiʿisme duodécimain. 1993, S. 79f.
  93. Amir-Moezzi: Réflexions sur une évolution du shiʿisme duodécimain. 1993, S. 63.
  94. Muhammad Dahiru Sulaiman: Shiaism and the Islamic Movement in Nigeria 1979-1991 in Ousmane Kane et Jean-Louis Triaud: Islam et islamismes au sud du Sahara, Paris 1998, pp. 183-196.
  95. Hanspeter Mattes: Die islamistische Bewegung des Senegal zwischen Autonomie und Außenorientierung: am Beispiel der islamistischen Presse Etudes Islamiques und Wal-Fadjri. Hamburg 1989. S. 52–55.
  96. Zur Zwölfer-Schia in Indonesien vgl. Zulkifli: The Struggle of the Shi‘is in Indonesia. PhD thesis Leiden 2009.
  97. Fığlalı: İsnâaşeriyye in Türkiye Diyanet Vakfı İslâm ansiklopedisi. 2001, Bd. XXIII, S. 146b.
  98. Momen: An Introduction to Shiʿi Islam. 1985, S. 279.
  99. Rizvi/King: The Khoja Shia Ithna-asheriya Community. 1974, 197f.
  100. Halm: Die Schia. 1988, S. 174f.
  101. Rizvi/King: The Khoja Shia Ithna-asheriya Community. 1974, 199f.
  102. Vgl. die Website der Organisation.
  103. Rizvi/King: The Khoja Shia Ithna-asheriya Community. 1974, 202-204.
  104. Momen: Shi'i Islam. 2016, S. 271.
  105. Mitgliederzahlen: Islam, in: Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst e. V. (Abkürzung: REMID), abgerufen am 30. Januar 2016
  106. igs-deutschland.org
  107. Amir-Moezzi/Schmidtke: Twelver-Shi'ite Resources in Europe. 1997, S. 78f.
  108. Zur problematischen Autorenfrage siehe Dabestān-e maḏāheb (EIr).