Augustana-Hochschule Neuendettelsau

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Augustana-Hochschule
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Gründung 1947
Trägerschaft kirchlich
Ort Neuendettelsau
Bundesland Bayern
Land Deutschland
Rektorin Heike Walz[1]
Studierende 155 WS 2018/19[2]
Mitarbeiter 50, davon 18 wissenschaftliche Mitarbeitende, davon 8 Professoren
Website www.augustana.de
Campus der Augustana-Hochschule
Kapelle der Augustana-Hochschule
Bibliothek
Rektorat und Wilhelm-Pechmann-Hörsaal
Dorothee-Sölle-Haus

Die Augustana-Hochschule Neuendettelsau ist eine Kirchliche Hochschule, die 1947 auf Beschluss der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern zur Ausbildung von Theologen in Neuendettelsau (Mittelfranken) gegründet wurde. Die Hochschule ist eine Fairtrade University und EMAS-zertifiziert.

Studienangebot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Augustana-Hochschule bietet den Studiengang "Evangelische Theologie/Kirchlicher Abschluss" an, der die Studierenden auf das Pfarramt in einer der Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vorbereitet. Das Examen ("Theologische Aufnahmeprüfung") am Ende des Studiums legen die Studierenden in der Regel bei ihrer jeweiligen Landeskirche ab.

Seit 1999 bietet die Augustana-Hochschule zusätzlich einen eigenen Präsenzstudiengang für "Pfarrverwalter und Pfarrverwalterinnen" an.

Das Studium an der Augustana-Hochschule ist geprägt durch das Modell der Campus-Hochschule: Dozierende und Studierende leben und arbeiten gemeinsam auf einem parkähnlichen Campus. Das ermöglicht kurze Wege, unmittelbare Ansprechbarkeit der Dozierenden, unaufwändiges Organisieren von Lerngruppen und – nicht zuletzt – das Einüben von spirituellen Gemeinschaftsformen.

Die Hochschule hat sechs theologische Lehrstühle (Altes Testament, Neues Testament, Kirchengeschichte, Systematische Theologie, Interkulturelle Theologie, Praktische Theologie) und einen philosophischen Lehrstuhl, eine Professur für Feministische Theologie, zwei Dozenturen für Klassische Philologie (Latein, Altgriechisch) und eine Dozentur für Hebräisch. Durch verschiedene Lehrbeauftragte wird das Themenspektrum ergänzt (beispielsweise Stimmbildung und Liturgisches Singen, Bayerische Kirchengeschichte, Kirchenrecht).

An dem Lehrangebot kann grundsätzlich jeder als Gasthörer teilnehmen, der Erwerb von Leistungsnachweisen erfordert jedoch die Allgemeine Hochschulreife und die Zugehörigkeit zu einer evangelischen Kirche in Deutschland; eine Ausnahme stellt der Studiengang für Pfarrverwalter dar, der auch ohne Abitur absolviert werden kann.

Leitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rektorin leitet und vertritt die Hochschule. Sie trägt die Verantwortung für die ordnungsgemäße Durchführung der Beschlüsse der Organe der Hochschule. Organe der Hochschule sind die Rektorin, der Senat, das Dozierendenkollegium, der Berufungsausschuss und der Habilitationsausschuss. Die Mitwirkung der weiteren Organe richtet sich nach den Bestimmungen in der Satzung der Augustana-Hochschule.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wurzeln der Hochschule reichen zurück bis zum Herbst 1945, als die Kirchenleitung den Theologen Georg Merz damit beauftragte, theologische Kurse für die aus Krieg und Gefangenschaft heimkehrenden Pfarrer einzurichten. Ein halbes Jahr nach dem ersten Pastoralkollegskurs begann im April 1946 der erste Kurs für Studierende der Theologie. Studierende und Dozierende waren zu diesem Zeitpunkt noch in der Diakonissenanstalt Neuendettelsau und im ehemaligen Zisterzienserkloster Heilsbronn untergebracht (genutzt bis 1952). Erst im Mai 1949 siedelte die Augustana-Hochschule in ein ehemaliges Kasernengelände über, wo sie sich heute noch befindet.

Im Mai 1947 kam es zur Gründung der Hochschule (damals noch Theologische Hochschule in Neuendettelsau – Heilsbronn genannt) mit Georg Merz als Gründungsrektor. Aus seiner Feder stammt der bis heute noch geltende Immatrikulationsspruch:

Wir wollen mit Eifer die Heilige Schrift lesen,
uns in ihrem Verständnis üben
und brüderliche (geschwisterliche) Gemeinschaft
unter dem Worte Gottes halten und bewahren.

Dem Gründungskollegium gehörten an: Georg Merz (Rektor bis 1957, Praktische Theologie), Ernst Kinder (Systematische Theologie), Rudolf Stählin (Neues Testament und Alte Kirchengeschichte) und Hans Lauerer als nebenamtlicher Dozent (Systematische Theologie). 1948 wurde dieses Kollegium durch Eduard Ellwein (Neues Testament) und Wilhelm Zillinger (Altphilologie) und 1950 durch Martin Wittenberg (Altes Testament) ergänzt.

Seit 1950 halten in der Christuskirche (Unterrottmannsdorf) Professoren und Dozenten der Augustana-Hochschule abwechselnd mit dem Sachsener Pfarrer Sonntagsgottesdienste. Im Gegenzug erhält die Hochschule alljährlich Erntedankgaben des Dorfes.

1956 kam ein ordentlicher Lehrstuhl für „Missionstheologie und Religionswissenschaft“ hinzu, der von dem damaligen Missionsinspektor Georg Vicedom übernommen wurde. Dies war der erste evangelische missionswissenschaftliche Lehrstuhl in Bayern.

Im Dezember 1973 wurde der Hochschule auf Grundlage des Bayerischen Hochschulgesetzes das Promotionsrecht in Kooperation mit den Fakultäten Erlangen und München verliehen. Seit Juli 1974 ist die Hochschule Mitglied der Hochschulrektorenkonferenz (damals noch Westdeutsche Rektorenkonferenz).

Seit Dezember 1990 ist die Hochschule den theologischen Fakultäten an den Universitäten rechtlich gleichgestellt und verfügt über das eigenständige Promotionsrecht und Habilitationsrecht. Im September 1992 wurde eine zweite Dozentur für Klassische Philologie und ein Lehrstuhl für Philosophie eingerichtet. Seit dem Wintersemester 1997/98 gibt es eine Dozentur für Theologische Frauenforschung/Feministische Theologie, die im Wintersemester 2003/04 in eine Professur umgewandelt wurde.

1998 wurde das bis dato keinen eigenen Namen tragende Vorlesungsgebäude auf dem Campus nach Wilhelm Freiherr von Pechmann (1859–1948) benannt, der zu den Kritikern Meisers in der Zeit des Nationalsozialismus gehörte.

Am 3. Mai 2003 wurde in der SZ ein Artikel des Theologieprofessors Friedrich Wilhelm Graf veröffentlicht, in dem unter anderem auch die Augustana-Hochschule scharf angegriffen wurde („Unkulturprotestantismus – Die bayerische Landeskirche ist auf dem Weg zur Sekte“). Der sehr polemisch gehaltene Artikel löste eine über Monate andauernde öffentliche Debatte aus.[3]

Bis Juli 2006 war ein Gebäude der Hochschule nach dem Bayerischen Landesbischof Hans Meiser (1881–1956) benannt, dem der Vorwurf gemacht wird, der Ideologie des Nationalsozialismus nicht genug entgegengesetzt zu haben.[4]

Hochschullehrer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühere Hochschullehrer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Lauerer, Dozent für Systematische Theologie (1947–1953)
  • Ernst Kinder, Professor für Systematische Theologie (1947–1953)
  • Rudolf Stählin, Professor für Neues Testament und Alte Kirchengeschichte mit Schwerpunkt Liturgiegeschichte (1947–1956)
  • Eduard Ellwein, Professor für Neues Testament (1949–1965)
  • Georg Merz, Professor für Praktische Theologie, Reformationsgeschichte und Kirchengeschichte der Neuzeit (1947–1957)
  • Martin Wittenberg, Professor für Altes Testament und Liturgik (1950–1973)
  • Georg Friedrich Vicedom, Professor für Missionswissenschaft (1956–1972)
  • Wilhelm Andersen, Professor für Systematische Theologie (1956–1976)
  • Friedrich Wilhelm Kantzenbach, Professor für Kirchengeschichte (1958–1965 und 1968–1982)
  • Walter Rupprecht, Professor für Praktische Theologie (1960–1967)
  • August Strobel, Professor für Neues Testament (1965–1983)
  • Herwig Wagner, Professor für Missions- und Religionswissenschaft (1972–1992)
  • Horst Dietrich Preuß, Professor für Altes Testament (1973–1992)
  • Joachim Track, Professor für Systematische Theologie (1976–2005)
  • Richard Riess, Professor für Praktische Theologie (1979–2003)
  • Wolfgang Stegemann, Professor für Neues Testament (1984–2010)
  • Wolfgang Sommer, Professor für Kirchengeschichte (1988–2004)
  • Helmut Utzschneider, Professor für Altes Testament (1992–2014)
  • Dieter Becker, Professor für Interkulturelle Theologie, Missions- und Religionswissenschaft (1993–2016)

Gegenwärtige Hochschullehrer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hochschule verfügt über eine Präsenz- und Leihbibliothek mit einem Buchbestand von mehr als 150.000 Bänden vorwiegend aus dem 19. bis 21. Jahrhundert, zum kleinen Teil bis aus dem 16. Jahrhundert, darunter auch eine Sammlung von Flugschriften aus der Reformationszeit. Die Bibliothek gehört dem Verband kirchlich-wissenschaftlicher Bibliotheken an.

Partnerhochschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmut Utzschneider (Hrsg.): 60 Jahre augustana in neuendettelsau: Dokumentation der Beiträge und Reden zum Jubiläumsjahr. Neuendettelsau 2008, online (PDF; 5,8 MB).
  • Jörg Dittmer (Hrsg.): Theologie auf dem Campus. 50 Jahre Augustana-Hochschule. Neuendettelsau 1997, online (PDF; 5,6 MB).
  • Gerhard Monninger (Hrsg.): Eine Denkwerkstatt der Kirche. Augustana-Hochschule 1947–1987, Claudius, München 1987.
  • Gerhard Monninger (Hrsg.): 30 Jahre Augustana-Hochschule – einen Augenblick innehalten. Freimund, Neuendettelsau 1977.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 49° 17′ 0″ N, 10° 46′ 39″ O