BSG Chemie Leipzig (1997)

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BSG Chemie Leipzig
Vereinswappen der BSG Chemie Leipzig
Basisdaten
Name Betriebssportgemeinschaft Chemie Leipzig e. V.
Sitz Leipzig, Sachsen
Gründung 16. Juli 1997
Farben grün-weiß
Vorstandsvorsitzender Frank Kühne
Website chemie-leipzig.de
Erste Mannschaft
Cheftrainer Dietmar Demuth
Spielstätte Alfred-Kunze-Sportpark
Plätze 10.500
Liga NOFV-Oberliga
Pokal DFB-Pokal
Sachsenpokal
2017/18 Liga: 16. Platz (Regionalliga Nordost)
Sachsenpokal: Sieger

Die BSG Chemie Leipzig (voller Name: Betriebssportgemeinschaft Chemie Leipzig) ist ein 1997 gegründeter Sportverein aus Leipzig. Der Verein sieht sich als legitimer Nachfolger der in der DDR bestehenden BSG Chemie Leipzig,[1] die nach Fusion im FC Sachsen Leipzig aufgegangen war.[2] In der Saison 2018/19 spielt die erste Fußball-Herrenmannschaft des Vereins in der fünftklassigen NOFV-Oberliga.

Historie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der DDR-Meister von 1951 und 1964 Chemie Leipzig hatte sich nach der friedlichen Revolution und im Zuge der Umstellung auf ein marktwirtschaftliches Wirtschaftssystem, was zum Zusammenbruch des BSG-Systems führte, 1990 mit Chemie Böhlen zum FC Sachsen Leipzig zusammengeschlossen und spielte fortan im traditionellen Chemie-Stadion, dem Alfred-Kunze-Sportpark.

Die BSG Chemie als Förderverein des FC Sachsen Leipzig (1997–2008)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „neue“ BSG Chemie Leipzig wurde am 16. Juli 1997 von Anhängern des FC Sachsen Leipzig als Ballsportfördergemeinschaft Chemie Leipzig zum Schutz des Namens und der Marke „BSG Chemie Leipzig“ sowie zur Förderung des FC Sachsen Leipzig gegründet.[3] Dies wurde unter anderem dadurch verwirklicht, dass Vereinsmitglieder das hintere Vereinszimmer in der Vereinsgaststätte „Sachsenstube“ neu gestalteten und in ein Traditionszimmer umwandelten oder dass „Care-Pakete“ – Unterstützungspakete zur finanziellen Absicherung der Nachwuchsabteilung des FC Sachsen Leipzig während der Insolvenz 2001 – verkauft wurden.[4][5]

Um eine Weiterführung des Spielbetriebes auch im Falle der Liquidation des FC Sachsen Leipzig zu ermöglichen, wurde im Jahre 2004 die Vereinssatzung entsprechend geändert. Im gleichen Zuge benannte sich der Verein in Ballsportgemeinschaft Chemie Leipzig um. Seitdem sah sich der Verein laut Vereinsleitbild als „Option für den Fall [...], dass der legitime Nachfolger der BSG Chemie Leipzig den wertebasierten Weg verlässt oder in anderweitige existenzielle Schwierigkeiten gerät“.[6]

In den Folgejahren verschärften sich Spannungen innerhalb der Anhänger des FC Sachsen Leipzig in Bezug auf Uneinigkeit über den weiteren Weg des Vereines immer weiter. Besonders der Umzug des Spielbetriebes der 1. Fußballmännermannschaft aus dem Alfred-Kunze-Sportpark in das Zentralstadion, die fehlende Kommunikation mit den Fans, das Verbot von sich auf die Tradition beziehenden Fahnen oder das Unterdrücken des Namens „Chemie“ wurden kritisiert.[7][8] Parallel dazu eskalierten politische Streitereien innerhalb der Anhängerschaft des FC Sachsen Leipzig, die am 11. November 2007 in einer körperlichen Auseinandersetzung beim Auswärtsspiel gegen den VfB Sangerhausen gipfelten.[9] Infolgedessen sahen die Vereinsmitglieder den im Vereinsleitbild genannten Fall, dass der FC Sachsen Leipzig „den wertebasierten Weg verlässt“ als eingetroffen an.

„Neuanfang“ und Stagnation (2008–2013)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein nahm deshalb in der Saison 2008/09 in der 3. Kreisklasse, Staffel 1 (12. Liga) erstmals mit einer eigenen Herren-Fußballmannschaft am Spielbetrieb des DFB teil.[10] Nach drei Aufstiegen in Folge erreichte diese Mannschaft die Stadtklasse Leipzig. Nach der Saison 2010/11 übernahm der Verein das Spielrecht der ersten Herren-Fußballmannschaft des VfK Blau-Weiß Leipzig und konnte deshalb ab der Saison 2011/12 im Alfred-Kunze-Sportpark bereits in der Sachsenliga antreten. Zudem wurde am 12. August 2011 die Umbenennung des Vereins in den heutigen Namen Betriebssportgemeinschaft Chemie Leipzig beschlossen.[11] Ebenfalls 2011 wurde der FC Sachsen Leipzig aufgelöst. Nach Abschluss der Saison 2012/13 stieg die BSG Chemie Leipzig aus der Sachsenliga in die Bezirksliga Nord ab.[12]

Drei Aufstiege in vier Jahren (2013–2017)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende August 2013 wurde ein Lokalderby mit dem 1. FC Lokomotive Leipzig II in der Bezirksliga Nord aus Angst vor Fankrawallen abgesagt.[13] Im Herbst 2013 gab es einen Polizei-Einsatz bei einem Auswärtsspiel in Zwenkau, bei dem 500 Anhänger der BSG Chemie Leipzig den Verein unterstützten.[14] Im Februar 2016 verurteilte das Amtsgericht Leipzig einen beteiligten Polizeibeamten wegen Körperverletzung im Amt zu einer Geldstrafe, ein weiterer angeklagter Polizist wurde freigesprochen.[15] Nach Beendigung der Saison 2013/2014 stieg die BSG Chemie Leipzig von der Bezirksliga Nord wieder in die Sachsenliga auf.[16] Nach der Insolvenz der SG Sachsen Leipzig wurde die BSG Chemie Leipzig alleiniger Pächter des Alfred-Kunze-Sportparks. Die "Alten Herren" sowie die Kegelabteilung der SG Sachsen traten der BSG Chemie Leipzig bei.[17] Im Frühjahr 2015 gehörte die BSG Chemie Leipzig als zeitweiliger Spitzenreiter der Sachsenliga zu den Favoriten für den Aufstieg in die Oberliga Nordost,[18][19] beendete die Saison aber als Tabellendritter.[20] Ein Jahr später am 18. Juni 2016 gelang der Mannschaft die Meisterschaft in der Fußball-Sachsenliga vor dem punktgleichen SV Einheit Kamenz und dem ebenso punktgleichen FC Grimma und damit der Aufstieg in die Oberliga.[21]

Am dritten Spieltag der Oberligasaison 2016/17 absolvierte die neugegründete BSG Chemie im Heimspiel gegen den VfL Halle 1896 ihr erstes Pflichtspiel gegen eine nicht aus dem Freistaat Sachsen stammende Mannschaft und gewann 2:0 (2:0).[22] Am Ende der Saison gelang der BSG Chemie die Meisterschaft in der NOFV-Oberliga (Süd) und damit der Aufstieg in die Regionalliga Nordost.

Jüngere Entwicklung (seit 2017)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am dritten Spieltag der Regionalligasaison 2017/18 gelang der neugegründeten BSG Chemie mit einem 1:0-Heimsieg gegen den SV Babelsberg 03 ihr erster Sieg in der vierthöchsten deutschen Spielklasse.[23] In der Folge spielte Chemie eine enttäuschende Hinrunde, während der in 17 Spielen lediglich 12 Punkte erspielt werden konnten, was zur Winterpause Platz 17 bedeutete. Nach der Winterpause zeigten sich die Chemiker deutlich verbessert und erspielten in 17 Rückrundenpartien 23 Punkte. Dennoch stand nach einer 5:0 (2:0)-Auswärtsniederlage gegen die Zweitvertretung von Hertha BSC am 33. und vorletzten Spieltag der 16. Tabellenplatz rechnerisch fest, der in dieser Saison aufgrund der gleichzeitigen Abstiege zweier Vereine aus dem Gebiet des Regionalverbandes Nordost (Chemnitzer FC und FC Rot-Weiß Erfurt) aus der 3. Liga in die Regionalliga Nordost nicht für den Klassenerhalt genügte und somit den Abstieg in die NOFV-Oberliga bedeutete.

Im Sächsischen Landespokal war die BSG hingegen deutlich erfolgreicher und gewann dort am 21. Mai 2018 im Finale gegen den FC Oberlausitz Neugersdorf zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte den Landespokal mit 1:0 (1:0), womit sie sich für den DFB-Pokal 2018/19 qualifizierte. Dort setzte sie sich in der 1. Hauptrunde gegen den SSV Jahn Regensburg mit 2:1 (0:1) durch.

Sportlicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saison Liga Kl. Platz Tore Punkte Zuschauerschnitt Stadtpokal Leipzig Sachsenpokal DFB-Pokal
2008/09 3. Kreisklasse 12 01. Platz 158:18 76 0378 Zuschauer 2. Runde
2009/10 2. Kreisklasse 11 01. Platz 105:19 74 0289 Zuschauer 3. Runde
2010/11 1. Kreisklasse 10 01. Platz 099:27 79 0312 Zuschauer 3. Runde
2011/12 Sachsenliga 06 07. Platz 054:33 47 1033 Zuschauer Achtelfinale (II.) 3. Hauptrunde
2012/13 Sachsenliga 06 14. Platz 036:46 29 0677 Zuschauer 1. Runde (II.) 2. Hauptrunde
2013/14 Bezirksliga Sachsen Nord 07 01. Platz 056:17 60 0856 Zuschauer Achtelfinale (II.) Achtelfinale
2014/15 Sachsenliga 06 03. Platz 054:29 56 1237 Zuschauer 3. Runde (II.) 3. Hauptrunde
2015/16 Sachsenliga 06 01. Platz 068:30 60 1393 Zuschauer 3. Runde (II.) 3. Hauptrunde
2016/17 NOFV-Oberliga 05 01. Platz 069:21 71 1819 Zuschauer 3. Runde (II.) Viertelfinale
2017/18 Regionalliga Nordost 04 16. Platz 021:51 35 2691 Zuschauer 2. Runde (II.) Pokalsieger
2018/19 NOFV-Oberliga 05 0 0 0 0

(II.) bezieht sich auf die zweite Herrenmannschaft.

Kader der Saison 2018/19[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand 22. August 2018[24]

Tor Abwehr Mittelfeld Angriff
16 DeutschlandDeutschland Dominic Heine 12.09.1995
31 KanadaKanada Julien Latendresse-L. 27.02.1991
02 DeutschlandDeutschland Sascha Rode 05.06.1988
03 DeutschlandDeutschland Stefan Karau 09.02.1986
04 DeutschlandDeutschland Manuel Wajer 27.12.1994
08 Bosnien und HerzegowinaBosnien und Herzegowina Marko Trogrlic 04.06.1991
13 DeutschlandDeutschland Benjamin Schmidt 14.01.1990
15 DeutschlandDeutschland Sebastian Berg 11.12.1990
05 DeutschlandDeutschland Niklas Opolka 06.07.1998
06 DeutschlandDeutschland Andy Wendschuch 11.04.1988
07 DeutschlandDeutschland Alexander Bury 22.11.1991
10 DeutschlandDeutschland Daniel Heinze 17.10.1987
11 DeutschlandDeutschland Marc Böttger 26.04.1994
18 DeutschlandDeutschland Philipp Wendt 28.02.1997
20 JapanJapan Ryutaro Omote 03.09.1991
21 DeutschlandDeutschland Florian Kirstein 03.08.1995
27 DeutschlandDeutschland Florian Schmidt 04.03.1990
39 DeutschlandDeutschland Lars Schmidt 07.06.1995
09 DeutschlandDeutschland Eric Berger 25.02.1998
19 DeutschlandDeutschland Max Keßler 20.01.1999
23 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Branden Stelmak 22.06.1989
77 DeutschlandDeutschland Kai Druschky 19.04.1993

Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erfolge der Vorgängervereine BSG Chemie Leipzig (1950–1990) und FC Sachsen Leipzig (1990–2011)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Meisterelf von 1964 im Alfred-Kunze-Sportpark
Wandgemälde am Eingang des Bruno-Plache-Stadions, der Heimspielstätte des 1. FC Lokomotive Leipzig (2013). Die Jahreszahl 1964 wurde offensichtlich von Chemie-Fans in Erinnerung an den sensationellen Meistertitel desselben Jahres und zur Provokation des Stadtrivalen angebracht.

Die neugegründete BSG Chemie Leipzig ist nicht in vereinsrechtlichem Sinne mit ihrem gleichnamigen Vorgängerverein und dem FC Sachsen Leipzig identisch, allerdings spielen deren Erfolge, insbesondere die DDR-Meisterschaft 1964, für die Fankultur und Tradition des Vereins eine große Rolle.

Trainer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alexander Mennicke: BSG Chemie Leipzig, Berlin 2016, ISBN 978-3-944068-49-7 (= Bibliothek des deutschen Fußballs, Band 6)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BSG Chemie Leipzig e. V.: Leitbild. Website der BSG Chemie Leipzig. Abgerufen am 12. März 2015.
  2. [1]. Website der BSG Chemie Leipzig. Abgerufen am 4. September 2018.
  3. Website der BSG Chemie Leipzig. (Memento vom 25. Juni 2001 im Internet Archive)
  4. Jens Wagner: Kerzen brennen für den Sieg. In: Sachsen Kurier. 31. März 2001.
  5. Unsere Hilfe für Chemie!. In: Sachsen Kurier. 11. August 2001.
  6. Website der BSG Chemie Leipzig. (Memento vom 3. Januar 2008 im Internet Archive)
  7. Bastian Pauly: Herzensangelegenheit Chemie. www.chemieblogger.de. 3. November 2008. Abgerufen am 12. März 2015.
  8. CHEMIE, CHEMIE, NUR NOCH CHEMIE. http://ultrassindia.blogsport.de./ 31. Juli 2008. Abgerufen am 12. März 2015.
  9. Ansgar Spiertz: VfB Sangerhausen vs. Sachsen Leipzig 1:1. Abgerufen am 12. März 2015.
  10. Die Leipziger Fussballszene: Krasses Herzblut, taz, 9. April 2009
  11. BSG Chemie Leipzig Von Ballsport- zu Betriebssportgemeinschaft, Mitteldeutsche Zeitung, 31. Januar 2013
  12. BSC: Alles oder nichts, Freie Presse, 20. September 2014
  13. Leipziger Derby aus Angst vor Randale abgesagt: Freiwillige Kapitulation, 11 Freunde, 30. August 2013
  14. Brutaler Polizeieinsatz nach Fußballspiel: Zeugen unerwünscht, Spiegel Online, 25. Oktober 2013
  15. Leipziger Polizist wegen Körperverletzung im Amt verurteilt, Leipziger Volkszeitung, 11. Februar 2016
  16. Die BSG Chemie Leipzig ist mit einem 3:0-Sieg in Borna wieder in die Landesliga aufgestiegen. 1100 Fans unterstützen die Grün-Weißen bei der Auswärtspartie (Memento des Originals vom 2. April 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lvz-online.de, Leipzig Volkszeitung.
  17. LVZ-Sportbuzzer: BSG Chemie Leipzig ist neuer Betreiber des Alfred-Kunze-Sportparks, abgerufen am 17. Juli 2014
  18. BSG Chemie wieder Spitzenreiter, Leipzig Fernsehen, 3. März 2015
  19. BSG Chemie siegt gegen Tabellenschlusslicht Post Dresden. Oschatzer Allgemeine Zeitung.
  20. Abschlusstabelle 2014/15 auf fussball.de, abgerufen am 11. August 2015
  21. Traditionsverein in der Oberliga. MDR.DE. 18. Juni 2016. Abgerufen am 10. Juli 2016.
  22. sportbuzzer.de: Chemie siegt gegen Halle – VfL mit dritter Niederlage in Folge. 26. August 2016, abgerufen am 26. August 2016.
  23. MDR: Chemie Leipzig - Babelsberg Bericht. 7. August 2017, abgerufen am 30. August 2017.
  24. http://www.chemie-leipzig.de/index.php?id=teams_erste_kader_1819