Bahnstrecke Węgliniec–Roßlau

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Węgliniec–Roßlau (Elbe)[1][2]
Streckennummer: DB 6207
PLK 295
Kursbuchstrecke (DB): 216, 228, 229
Streckenlänge: 233,2 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem: Węgliniec–Staatsgrenze: 3 kV =
Stromsystem: Knappenrode–Roßlau: 15 kV 16,7 Hz ~
Maximale Neigung:
Minimaler Radius: 470 m
Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h
Zweigleisigkeit: Węgliniec–Horka
Knappenrode–Roßlau (Elbe) Abzw Aw
Roßlau Ra–Roßlau (Elbe)
Strecke – geradeaus
von Wrocław
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
von Lubań
Bahnhof, Station
0,523 Węgliniec (früher Kohlfurt) (Inselbahnhof) 189 m
   
nach Czerwona Woda
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
nach Żary
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
nach Görlitz
   
3,32 Bk Hartmannseichen
   
6,623 Szklenice (früher Glaserberg)
   
10,60 Bk Penzighammer
   
12,540 Bielawa Dolna (früher Niederbielau)
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Grenze auf Brücke mit Wasserlauf
Lausitzer Neiße (100 m)
Staatsgrenze Polen / Deutschland (km 13,424)
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15,15 Zentendorf (bis 1930)
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
von Rothenburg (Lausitz)
Bahnhof ohne Personenverkehr
21,31 Horka Gbf 165 m
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
nach Berlin
   
22,81 Horka Hp (Übergang zu Horka Pbf) 171 m
Planfreie Kreuzung – oben
Berlin–Görlitz
Brücke über Wasserlauf (klein)
23,1 Weißer Schöps (12 m)
Brücke über Wasserlauf (klein)
23,7 Neugraben (14 m)
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
Verbindungsbahn von Abzw Mückenhain
Blockstelle, Awanst, Anst etc.
23,745 Abzw Särichen
Bahnhof, Station
27,80 Niesky 171 m
   
31,79 Bk Moholz 170 m
Haltepunkt, Haltestelle
33,82 Petershain 160 m
Bahnhof, Station
36,86 Mücka 148 m
Brücke über Wasserlauf (klein)
37,44 Schwarzer Schöps (10 m)
   
43,3 Bk Tauer 142 m
Bahnhof, Station
45,84 Klitten 131 m
   
49,10 Uhyst Vorbf 132 m
Brücke über Wasserlauf (klein)
51,30 Spree (40 m)
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
von Boxberg
Bahnhof, Station
52,02 Uhyst 132 m
Kilometer-Wechsel
52,56 Beginn der Neutrassierung 1962
Brücke über Wasserlauf (klein)
59,55 Kleine Spree (16 m)
Bahnhof, Station
60,40 Lohsa (seit 1962) 125 m
Kilometer-Wechsel
61,66
60,06
Kilometersprung +1,600 km
   
60,13 Lohsa (bis 1962) 125 m
   
60,8 Lausitzer Grubenbahn
   
63,13 Weißkollm–Königswartha
   
von Abzw Sornoer Buden
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
von Bautzen
   
64,5 Lausitzer Grubenbahn
Bahnhof ohne Personenverkehr
66,17 Knappenrode (früher Werminghoff) 123 m
   
68,75 Bk Groß Zeißig 120 m
Haltepunkt, Haltestelle
70,15 Hoyerswerda-Neustadt 119 m
Brücke über Wasserlauf (klein)
70,9 Schwarzwasser (30 m)
Brücke über Wasserlauf (klein)
71,9 Schwarze Elster (27 m)
   
von Bautzen
Bahnhof, Station
72,76 Hoyerswerda 118 m
   
nach Neupetershain
Bahnhof, Station
79,68 Schwarzkollm 118 m
Haltepunkt, Haltestelle
82,56 Lauta (Niederlausitz) 125 m
Bahnhof ohne Personenverkehr
83,74 Lauta (Niederlausitz) Bbf 126 m
   
84,47 Bk Lauta
   
Landesgrenze SachsenBrandenburg
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
von Kamenz (Sachs)
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Turmbahnhof – unten
87,91 Hosena (früher Hohenbocka)
Lübbenau–Kamenz
109 m
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Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
nach Lübbenau
   
Schwarzbach (b Ruhland)
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
von Cottbus
Bahnhof, Station
98,32 Ruhland 99 m
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
nach Großenhain
Planfreie Kreuzung – oben
Cottbus–Großenhain
Brücke über Wasserlauf (klein)
Schwarze Elster
   
Lauchhammer Süd
Bahnhof, Station
109,0 Lauchhammer (früher Lauchhammer West)
Haltepunkt, Haltestelle
117,8 Plessa
   
Kahla (Oberlausitz)
Planfreie Kreuzung – oben
Berlin–Dresden
Bahnhof, Station
124,7 Elsterwerda-Biehla (Keilbahnhof)
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
Verbindungsbahn nach Elsterwerda
   
Haida (Oberlausitz)
   
130,0 Zeischa
Bahnhof, Station
134,6 Bad Liebenwerda
Brücke über Wasserlauf (klein)
Schwarze Elster
   
139,3 Wahrenbrück
Brücke über Wasserlauf (klein)
Landgraben
   
Beiersdorf (b Bad Liebenwerda)
Gleisdreieck – geradeaus, nach rechts, von rechts
nach und von Cottbus
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
von Röderau
Turmbahnhof – unten
148,2 Falkenberg (Elster) Halle–Cottbus
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
nach Jüterbog
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
nach Uckro
Planfreie Kreuzung – oben
Röderau–Jüterbog
   
153,7 Beyern
Straßenbrücke
Bundesstraße 87
Bahnhof, Station
156,5 Fermerswalde
   
Landesgrenze Brandenburg / Sachsen-Anhalt
   
von Prettin
Bahnhof, Station
170,1 Annaburg
Brücke über Wasserlauf (mittel)
Schwarze Elster
Bahnhof, Station
179,1 Jessen (Elster)
   
Firmenanschluss
Bahnhof, Station
189,0 Elster (Elbe)
   
Firmenanschluss
Haltepunkt, Haltestelle
195,1 Mühlanger (früher Prühlitz)
Haltepunkt, Haltestelle
199,2 Lutherstadt Wittenberg-Labetz (früher Wendel)
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
von Berlin
Bahnhof, Station
201,9 Lutherstadt Wittenberg Hbf
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
nach Halle (Saale)
Haltepunkt, Haltestelle
203,7 Lutherstadt Wittenberg Altstadt (früher LW Elbtor)
Straßenbrücke
Bundesstraße 2
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
nach Straach
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206,1 Lutherstadt Wittenberg West
(bis 31. August 2015; früher Klein Wittenberg)
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von Straach
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Haltepunkt, Haltestelle
Lutherstadt Wittenberg-Piesteritz
(seit 1. September 2015)
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Firmenanschluss
   
Anst Hafen der SKW
   
Anst Melamin-Werke
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208,3 Lutherstadt Wittenberg-Piesteritz
(bis 31. August 2015)
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Anst Nordwerk der SKW
   
Anst SKW Stickstoffwerke
   
Anst PCI Augsburg
   
210,3 Apollensdorf
Haltepunkt, Haltestelle
212,1 Griebo
Haltepunkt, Haltestelle
216,7 Coswig (Anh) Hp (ehem. Bf)
Straßenbrücke
Bundesstraße 187a
   
Anst Zündhölzerfabrik
Bahnhof ohne Personenverkehr
217,6 Coswig (Anh) Gbf
   
Anst Hafen Coswig
   
Anst Gewerbegebiet
Brücke (mittel)
Bundesautobahn 9
Haltepunkt, Haltestelle
222,7 Klieken
Blockstelle, Awanst, Anst etc.
229,3 Roßlau (Elbe) Abzw Aw
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
nach Roßlau (Elbe) Gbf
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
von Wiesenburg (Mark)
Blockstelle, Awanst, Anst etc.
Roßlau Ra
Haltepunkt, Haltestelle
231,2 Meinsdorf
Brücke über Wasserlauf (klein)
Rossel
Gleisdreieck – geradeaus, nach rechts, von rechts
nach und von Trebnitz (Magdeburg)
Straßenbrücke
Bundesstraße 184
Bahnhof, Station
233,7 Roßlau (Elbe)
Strecke – geradeaus
nach Leipzig Hbf

Die Bahnstrecke Węgliniec–Roßlau (Elbe) ist eine Hauptbahn in Polen, Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, die ursprünglich durch die Berlin-Anhaltische Eisenbahn-Gesellschaft (BAE) und die Oberlausitzer Eisenbahn-Gesellschaft als Teilstück einer Fernverbindung von Breslau nach Magdeburg erbaut wurde. Sie verläuft von Węgliniec (Kohlfurt) über Niesky, Hoyerswerda, Falkenberg (Elster) und Lutherstadt Wittenberg nach Roßlau (Elbe).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Berlin-Anhaltische Eisenbahn-Gesellschaft (BAE) war im 19. Jahrhundert für mehr als vier Jahrzehnte eines der bedeutendsten Eisenbahnunternehmen Deutschlands. Neben der eigentlichen Anhalter Stammbahnstrecke schuf sie in dieser Zeit ein Netz von wichtigen Eisenbahnverbindungen zwischen Berlin und dem nördlichen Teil des Königreichs Sachsen, der preußischen Provinz Sachsen sowie dem Herzogtum Anhalt, das schließlich eine Länge von rund 430 Kilometern umfasste.

Planung und Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Abschnitt (Berlin–)Wittenberg–Dessau(–Köthen) war Teil der Stammstrecke der Anhalter Bahn. Zwischen Dessau und Coswig (Anhalt) wurde die Strecke am 18. August 1841 eröffnet, der Abschnitt zwischen Wittenberg und Coswig (Anhalt) folgte am 28. August desselben Jahres. Am 10. September 1841 wurde der Verkehr zwischen Berlin und Köthen aufgenommen.

Der Bau neuer Strecken durch die BAE, aber auch das Anwachsen der konkurrierenden Eisenbahngesellschaften erzwang eine ständige Anpassung der Verkehrsangebote an die sich wandelnde Nachfrage. Nach dem Bau der direkten Strecke von Wittenberg nach Bitterfeld sank die Bedeutung der Teilstrecke Wittenberg–Dessau–Köthen.

Die Oberlausitzer Eisenbahn-Gesellschaft eröffnete am 1. Juni 1874 die Strecke zwischen Kohlfurt und Falkenberg. Die noch fehlende Lücke bis Wittenberg ging am 15. Oktober 1875 als Strecke der BAE in Betrieb.

Die Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft übertrug 1878 die Betriebsführung ihres Streckenteils an die BAE. Ab 1. Mai 1882 übernahm die Preußische Staatsbahn den Betrieb.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 20. April 1945 kam es zu einem Luftangriff auf den Bahnhof Piesteritz, bei dem zwei Kesselwagen explodierten, wodurch auch im Stickstoffwerk erhebliche Schäden entstanden. Die Explosion war so stark, dass Räder und Achsen der Kesselwagen 500 Meter weit, bis zur heutigen Bundesstraße 187, geschleudert wurden.[3]

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Strecke durch die Oder-Neiße-Grenze geteilt; der Bahnknotenpunkt Kohlfurt kam zu Polen und bekam den polnischen Namen Węgliniec. Für den grenzüberschreitenden Güterverkehr blieb die Strecke von Bedeutung; öffentlichen Personenverkehr zwischen Horka und Węgliniec gab es jedoch seit 1945 nicht mehr. 1946 erfolgte abschnittsweise die Demontage des zweiten Streckengleises.[4]

Die im sorbischen Sprachgebiet liegenden Bahnhöfe und Haltepunkte erhielten eine zusätzliche Beschilderung in sorbischer Sprache. Diese Namen waren fortan auch im Kursbuch der Deutschen Reichsbahn aufgeführt.

Bahnhofsnamen im sorbischen Sprachgebiet
deutsch sorbisch
Niesky Niska
Mücka Mikow
Klitten Klětno
Uhyst Delni Wujězd
Lohsa Łaz
Knappenrode Hórnikecy
Hoyerswerda-Neustadt Wojerecy-Nowe město
Hoyerswerda Wojerecy
Schwarzkollm Čorny Chołmc
Güterzug mit PKP SU46 bei Horka (2004)

Anfang der 1960er Jahre musste die Strecke wegen des Aufschlusses des Tagebaues Lohsa zwischen Uhyst und Lohsa neu trassiert werden. Am 11. Januar 1962 wurde die neue Strecke eröffnet.

Wegen des starken Kohleverkehrs wurde die Strecke zwischen Knappenrode und Falkenberg/Elster in den 1980er Jahren elektrifiziert. Der elektrische Zugbetrieb wurde am 19. Dezember 1987 (Hohenbocka–Ruhland) bzw. am 1. April 1988 (Knappenrode–Hohenbocka) aufgenommen.

Im Zusammenhang mit dem NATO-Beitritt Polens im Jahre 1999 lag diese Bahnverbindung wieder in einem Korridor mit strategischer Bedeutung zwischen den Nordseehäfen und dem Oberschlesischen Industriegebiet. So wurde ein steigendes Güterverkehrsaufkommen prognostiziert und im Dezember 2001 der vollständige zweigleisige Ausbau und die Elektrifizierung der Strecke auch im Abschnitt zwischen der polnischen Grenze und Knappenrode beschlossen.

Der lokale Personenverkehr zwischen Horka und Niesky, der immer nur von geringer Bedeutung war und zuletzt mit Triebwagen der Baureihe 771 abgewickelt wurde, wurde am 14. Dezember 2002 eingestellt, nachdem er in den letzten Wochen schon im Schienenersatzverkehr durchgeführt worden war.

Seit 2009 erfolgt ein umfassender Umbau einschließlich einer grundlegenden Sanierung der Gleis- und Oberleitungsanlagen des Eisenbahn-Verkehrsknotens Roßlau/Dessau. Im Rahmen dieses Projekts ist in den nächsten Jahren auch eine Modernisierung der Bahnhöfe Roßlau, Coswig, Wittenberg-Piesteritz und Wittenberg-West geplant.[5]

Im Jahr 2010 erfolgte zwischen Horka und Hoyerswerda noch einmal ein regulärer Plandienst mit einer Dampflokomotive der Baureihe 50.[6]

Der Abschnitt Klitten–Hoyerswerda ist seit dem 12. Dezember 2010 gesperrt, da im Bereich des Bahnhofs Lohsa die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) Sicherungsmaßnahmen an der Ostböschung des Silbersees durchführte.[7] Während der Kippenstabilisierungsarbeiten galt eine erhöhte Gefährdung, so dass die Strecke, die direkt entlang des Ostufers verläuft, in dieser Zeit nicht genutzt werden konnte. Nachdem am 8. März 2012 ein rund 200 Meter langer Uferabschnitt während der Sanierungsmaßnahmen abgerutscht war, verschob sich das Ende der Sicherungsarbeiten von Ende 2012[4] auf Anfang 2016.[8] Danach konnte die Deutsche Bahn den laufenden Streckenausbau auch in diesem Abschnitt angehen. Güterzüge werden über Knappenrode, Spremberg und Cottbus umgeleitet. Im Personenverkehr wird die Linie Hoyerswerda–Niesky–Görlitz (OE 64) zwischen Hoyerswerda und Horka mit Bussen im Schienenersatzverkehr bedient, am Bahnhof Horka besteht der Anschluss von und nach Görlitz in den Zügen der ODEG in der Relation Cottbus–Horka–Görlitz–Zittau (OE 65).

Streckenausbau zwischen der polnischen Grenze und Knappenrode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entsprechend der gestiegenen Bedeutung im Güterverkehr wurde der vollständige zweigleisige Ausbau, die Elektrifizierung der Strecke sowie die Anhebung der Höchstgeschwindigkeit auf 120 km/h zwischen der polnischen Grenze und Knappenrode in den Bundesverkehrswegeplan 2003 und den darauf aufbauenden Bedarfsplan Schiene (Anhang zum Bundesschienenwegeausbaugesetz) aufgenommen.

Neißebrücke, Blickrichtung Ost, in Polen ist die Strecke bereits saniert und elektrifiziert (2009)

Im Jahr 2009 begann das Planfeststellungsverfahren für den 52 Kilometer langen Streckenabschnitt. Im Frühjahr 2012 wurde die notwendige Finanzierungsvereinbarung zwischen Bund und Bahn zum Ausbau des ersten Streckenabschnittes unterzeichnet. Der Baubeginn erfolgte im Anschluss mit ersten Vorbereitungsarbeiten für den Umbau des Bahnhofs Knappenrode. Nach der Planfeststellung des Abschnittes Horka – Neißebrücke 2013[9] begannen 2014 die Bauarbeiten mit dem Abbruch der alten Bahnanlagen. Schon vor Abschluss der Planfeststellung für die restlichen Streckenabschnitte entstanden seit Frühjahr 2013 ein Umrichterwerk in Lohsa und ein Schaltposten in Ruhland zur Bahnstromversorgung.

Der erneuerte Bahnhof Knappenrode wurde 2014 in Betrieb genommen, die Wiederaufnahme des Bahnverkehres zwischen Knappenrode und Horka soll Ende 2018[10] erfolgen. Die Bahnhöfe Lohsa, Uhyst, Klitten, Mücka und Petershain werden zu Haltepunkten mit je zwei Bahnsteigen umgebaut, im Bahnhof Niesky werden ebenfalls zwei neue Bahnsteige sowie ein Personentunnel gebaut. Auf 16 Kilometern Länge werden Schallschutzwände installiert.[4]

Fünf elektronische Stellwerke werden errichtet. Durch die grenzüberschreitende Nutzung des europäischen Zugsicherungssystems ETCS soll die volle Leistungsfähigkeit ab Ende 2021 erreicht werden.[11] Durch alle Ausbaumaßnahmen wird sich die Streckenkapazität von 50 auf 180 Züge (davon 160 Güterzüge) pro Tag erhöhen.[12]

Die Finanzierung erfolgt im Rahmen des Bundesschienenwegeausbaugesetzes durch die Bundesrepublik Deutschland mit Kofinanzierung durch die Europäische Union.[12] Das Investitionsvolumen liegt bei rund 420 Millionen Euro.[13] Am 7. Juni 2012 wurde eine weitere Finanzierungsvereinbarung zwischen dem Freistaat Sachsen und der Deutschen Bahn AG unterzeichnet, mit der unter Einsatz von 1,6 Mio. € Landesmitteln und im Einklang mit entsprechenden Festlegungen im Landesentwicklungsplan im Abschnitt Horka–Niesky–Knappenrode als Grundlage attraktiver Personenverkehrsangebote eine Streckengeschwindigkeit von 160 km/h statt nur 120 km/h ermöglicht werden soll.[12][14]

Auf dem deutschen Abschnitt begann der Ausbau im Dezember 2012 mit der Sanierung des Oberbaus und der Umrüstung der Oberleitung auf Deutsche-Bahn-Bauart zwischen Knappenrode und Spreewitz (Grubenbahn). Ab Mitte 2013 konnten Züge nach Spreewitz wieder elektrisch bespannt werden. Durch den Ausbau konnten vier der sieben Gleise sowie zwei Nebengleise im Bahnhof Knappenrode zurückgebaut werden.

Der Streckenausbau auf dem polnischen Abschnitt von Węgliniec bis zur Neißebrücke ist bereits seit dem 23. März 2006 abgeschlossen. Das Sicherungssystem ETCS Level 2 ist von polnischer Seite seit Ende 2015 bis zur Grenze betriebsbereit implementiert, aber einschließlich digitalem Zugfunk GSM-R bis zur Betriebsaufnahme von ETCS auf deutscher Seite in diesem Grenzbereich abgeschaltet.[15][11]

Der sich westlich anschließende acht Kilometer lange deutsche Abschnitt bis Horka, einschließlich der unter polnischer Regie neu gebauten 143,6 Meter langen Neißebrücke, wurde am 7. Dezember 2016 eröffnet. Damit ist der 22 Kilometer lange Abschnitt zwischen Węgliniec und Horka Güterbahnhof wieder zweigleisig befahrbar. Die Elektrifizierung auf deutscher Seite verzögert sich noch bis Ende 2018.[16][11]

Die Inbetriebnahme des gesamten, 55 Kilometer langen Streckenabschnitts zwischen Węgliniec und Knappenrode ist für Dezember 2018 vorgesehen.[16] Der Ausbau auf deutscher Seite hat sich aufgrund des Dammrutsches am Silbersee verzögert.

Der Zweckverband Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien beschloss auf seiner Versammlung am 4. April 2017 die Wiederaufnahme des Schienenpersonennahverkehrs zwischen Görlitz und Hoyerswerda im Dezember 2018.[17]

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Räumungsarbeiten an der Unfallstelle vom 3. Dezember 1988

In der Nacht 15./16. Mai 1987 stießen im Bahnhof Schwarzkollm zwei Güterzüge zusammen. 18 Wagen entgleisten dabei, von denen 15 mit Kohle beladene Waggons umstürzten.[18]

Am 3. Dezember 1988 stießen zwischen der Staatsgrenze und dem Bahnhof Horka Gbf ein aus Polen kommender Güterzug mit einem Dienstzug der Deutschen Reichsbahn frontal zusammen. Dabei kamen fünf deutsche und drei polnische Eisenbahner ums Leben, drei weitere Eisenbahner wurden schwer verletzt.[19]

Im Bahnhof Hosena ereigneten sich in den Jahren 2012 und 2013 zwei weitere Unfälle mit Güterzügen, die jeweils mehrtägige Streckensperrungen nach sich zogen.

Gegenwärtiger Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Stand: Dezember 2013)

Reiseverkehr

Gegenwärtig wird die Strecke im Personenverkehr von Regionalbahnen der DB Regio zwischen Dessau Hbf und Falkenberg (Elster) befahren. Die Züge benötigen für die rund 91 Kilometer lange Strecke rund 80 Minuten und sind aus Halle (Saale) bzw. Leipzig im stündlichen Wechsel durchgebunden. Im Berufsverkehr ergänzen Verstärkerzüge das Angebot, diese verkehren zwischen Dessau Hbf und Lutherstadt Wittenberg und bedienen nur einzelne Verkehrshalte. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2011 enden in nachfrageschwachen Taktzeiten einzelne Züge bereits in Lutherstadt Wittenberg bzw. Annaburg. Auf der Bahnstrecke verkehren Wendezüge der Baureihe 143 mit mindestens zwei Doppelstockwagen (davon ein Doppelstock-Steuerwagen).

Zwischen Falkenberg (Elster) und Hoyerswerda verkehrt seit 15. Dezember 2013 die neue S-Bahn-Linie 4 der S-Bahn Mitteldeutschland mit Triebwagen des Typs Bombardier Talent 2 im Zwei-Stunden-Takt. Darüber hinaus verkehren zwischen Falkenberg und Ruhland Regionalbahnen nach Cottbus sowie zwischen Ruhland und Hoyerswerda Regionalexpress-Züge nach Dresden, welche in Ruhland einen Anschluss untereinander bieten und damit eine annähernd stündliche Bedienung des Abschnittes von Falkenberg nach Hoyerswerda ermöglichen.

Güterverkehr

Für den Güterverkehr ist die Bahnstrecke ebenfalls von Bedeutung. So sorgen unter anderem die Stickstoffwerke Piesteritz für ein reges Verkehrsaufkommen, diese verfügen im Bereich Lutherstadt Wittenberg-Piesteritz über umfangreiche Gütergleisanlagen.

Außerdem besitzt die Strecke eine wichtige Rolle im grenzüberschreitenden Güterverkehr. Nach Abschluss aller Bauarbeiten soll eine der wichtigsten West-Ost-Güterverbindungen entstehen. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer Gütermagistrale.[20][21]

Im Frühjahr 2011 wurde das Anschlussgleis der Firma PCI Augsburg reaktiviert, indem ein neues Gleis verlegt sowie das alte Gleis abgebaut wurde. Der Gleisanschluss befindet sich am westlichen Kopf des Güterbahnhofes der SKW Piesteritz.

Streckenbeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Betriebsstellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Güterzug der Press im Bahnhof Niesky (2013)
  • Horka Gbf ist der östlichste Güterbahnhof im deutschen Teil der Strecke. Westlich davon befindet sich Horka Pbf, der jedoch im Zuge dieser Strecke über keine Bahnsteige mehr verfügt und nicht mehr im Personenverkehr bedient wird.
  • Der Haltepunkt Lutherstadt Wittenberg-Piesteritz lag bis 2015 inmitten der Anlagen des Stickstoffwerkes und hatte zu DDR-Zeiten eine wichtige Aufgabe im Berufsverkehr, da damals bis zu 9000 Menschen in den Stickstoffwerken beschäftigt waren. Für Einwohner des Stadtteiles Piesteritz war dieser Haltepunkt eher von geringer Bedeutung, da der Haltepunkt Wittenberg West verkehrstechnisch besser an den Ortsteil Piesteritz angeschlossen war. Jedoch hatte der Haltepunkt Piesteritz eine große Bedeutung im Berufsschülerverkehr, da in unmittelbarer Nähe das Berufsbildungszentrum Elbe (BBZ Elbe) für ein relativ hohes Passagieraufkommen sorgte. Im Jahr 2015 wurden der Werksbahnhof Piesteritz und der Bahnhof Wittenberg West geschlossen, dafür entstand dazwischen ein neuer Haltepunkt.[22]
  • Der Bahnhof Falkenberg (Elster) ist ein Turmbahnhof. An den oberen Bahnsteigen verbinden Regional-Express-Züge der DB Regio stündlich Hoyerswerda bzw. Cottbus mit Leipzig. An den unteren Bahnsteigen beginnen und enden die Personenzüge der Linie Dessau–Falkenberg/Elster. Die VBB-Linie RE 5 Stralsund–Berlin–Falkenberg/Elster der DB Regio auf der Bahnstrecke Jüterbog–Riesa hat in Falkenberg/Elster ebenso ihren Start- und Endpunkt. Bis 2004 fuhren planmäßig Regionalbahn-Züge weiter nach Riesa.
  • Der Alte Bahnhof Wittenberg von 1841 ist eines der ältesten Bahnhofsgebäude Deutschlands und befindet sich am ursprünglichen Verlauf der Anhalter Bahn, zwischen den jetzigen Haltepunkten Wittenberg West und Wittenberg-Altstadt, jedoch nördlich der heutigen Bahnstrecke.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnstrecke Węgliniec–Roßlau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Atlas linii kolejowych polski. 1. Auflage. Eurosprinter, Rybnik 2011, ISBN 978-83-931006-4-4, S. F2.
  2. Streckendaten (Węgliniec–Ruhland) auf www.sachsenschiene.de
  3. Deutsches Chemie-Museum Merseburg: Wittenberg/Piesteritz. Abgerufen am 10. März 2010.
  4. a b c Knappenrode–Horka–Grenze zu Polen wird endlich ausgebaut. In: Signal. Nr. 3, 2012, S. 5.
  5. Zweiter Realisierungsabschnitt zur Modernisierung des Eisenbahnknotens Roßlau/Dessau beginnt. Deutsche Bahn AG, 27. April 2012, archiviert vom Original am 24. Februar 2013, abgerufen am 3. Dezember 2012.
  6. Private Dampflok darf noch mal. In: Lausitzer Rundschau. 26. Mai 2010, abgerufen am 26. Mai 2010.
  7. Streckensperrung Knappenrode – Uhyst. DB AG, 25. April 2012, archiviert vom Original am 2. Juli 2013, abgerufen am 10. Juli 2012.
  8. LMBV: Geotechnisch gesichertes Ufer am Lohsaer Silbersee für DB-Bahntrasse übergeben. Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft, 1. März 2016, abgerufen am 5. April 2017.
  9. Grünes Licht für weiteren Bauabschnitt beim Ausbau der Bahnstrecke Knappenrode – Horka. Deutsche Bahn AG, 30. August 2013, archiviert vom Original am 4. Januar 2014, abgerufen am 3. September 2013.
  10. Der Zeitplan für den Streckenausbau. Deutsche Bahn AG, 18. Februar 2015, archiviert vom Original am 3. Oktober 2015, abgerufen am 3. Oktober 2015.
  11. a b c Richtlinie 302.2007 - Örtliche Grenzvereinbarung Horka Gbf - Wegliniec. In: Webseite. DB Netz AG, 14. November 2016, abgerufen am 1. Mai 2017 (deutsch).
  12. a b c Ausbau und Elektrifizierung Knappenrode–Horka–Grenze Deutschland/Polen. (Nicht mehr online verfügbar.) DB Projektbau GmbH, Juni 2009, ehemals im Original, abgerufen am 17. August 2010 (PDF; 2,6 MB).@1@2Vorlage:Toter Link/www.dbsimm.de (Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven)
  13. Rund 420 Millionen Euro für Ausbau der Strecke Knappenrode–Horka–Grenze Deutschland/Polen. Deutsche Bahn AG, 13. April 2012, archiviert vom Original am 29. Juli 2012, abgerufen am 16. April 2012.
  14. Rekordinvestitionen im Freistaat Sachsen: DB investiert rund 12 Millionen Euro in neues IC-Werk in Leipzig und 2,3 Milliarden Euro in sächsisches Schienennetz. Deutsche Bahn AG, 7. Juni 2012, abgerufen am 3. September 2013.
  15. 302.2207Z01 Örtliche Grenzvereinbarung Horka Gbf - Wegliniec. DB Netze, 25. November 2016, S. 56, abgerufen am 20. April 2017 (PDF, 6 MB, deutsch).
  16. a b Lückenschluss zwischen Deutschland und Polen: Erster Streckenabschnitt des Ausbauprojekts Knappenrode – Horka - Grenze D/PL geht in Betrieb. Deutsche Bahn AG, 7. Dezember 2016, abgerufen am 7. Dezember 2016.
  17. [1]
  18. Güterzüge stießen zusammen, In: Neues Deutschland, 18. Mai 1987, S. 2
  19. Zugunglück im Kreis Niesky forderte acht Menschenleben. In: Neues Deutschland, 5. Dezember 1988, S. 1
  20. Deutsche Bahn: Internationaler Güterverkehr wird beschleunigt. Archiviert vom Original am 21. Januar 2013, abgerufen am 8. Juni 2012.
  21. Harry Müller: Impulse für die Gütermagistrale Wroclaw-Berlin. In: Lausitzer Rundschau. 19. August 2009, abgerufen am 5. April 2017.
  22. Elektronisches Stellwerk wird in Coswig gebaut. In: Mitteldeutsche Zeitung vom 22. Oktober 2014