Bahnstrecke St. Gallen–Winterthur

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St. Gallen–Winterthur
Thur­brücke Schwarzenbach mit RABe 511 als Rheintal-Express Wil–St. Gallen–Chur
Thur­brücke Schwarzenbach mit RABe 511 als Rheintal-Express Wil–St. Gallen–Chur
Fahrplanfeld: 850
Streckenlänge: 57.1 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem: 15 kV 16.7 Hz ~
Maximale Neigung: 16 
Strecke – geradeaus
SBB von Rorschach und SOB von Romanshorn
BSicon .svgBSicon STR.svgBSicon uSTR+l.svg
AB von Trogen
BSicon .svgBSicon BHF.svgBSicon mBHFa.svg
80,46 St. Gallen Endpunkt S 1 S 5 669,6 m ü. M.
BSicon STR+l.svgBSicon ABZgr.svgBSicon STRl.svg
AB nach Appenzell
BSicon STR.svgBSicon GIPl.svgBSicon .svg
Kulminationspunkt 676,5 m ü. M.
BSicon STRl.svgBSicon KRZu.svgBSicon .svg
SOB nach Herisau–Wattwil
Haltepunkt, Haltestelle
84,05 St. Gallen Bruggen 651,6 m ü. M.
Brücke über Wasserlauf (groß)
Sitter (190 m)
BSicon .svgBSicon STR.svgBSicon exSTR+l.svg
AB von Herisau–Appenzell bis 1913
BSicon .svgBSicon BHF.svgBSicon exKBHFe.svg
86,38 St. Gallen Winkeln 654,7 m ü. M.
BSicon .svgBSicon STR.svgBSicon STR+l.svg
AB von Herisau–Appenzell seit 1913
BSicon .svgBSicon BHF.svgBSicon KBHFe.svg
90,13 Gossau SG 637,9 m ü. M.
   
SBB nach Sulgen S 5
Brücke über Wasserlauf (groß)
Glatt Gossau (110 m)
   
93,22 Anschlussgleis 623.6 m ü. M.
Kilometer-Wechsel
Fehlerprofil -0.01
Bahnhof, Station
95,33 Flawil 610,7 m ü. M.
Brücke über Wasserlauf (groß)
Uze (122 m)
Bahnhof, Station
100,94 Uzwil 563,8 m ü. M.
BSicon .svgBSicon ABZgl.svgBSicon STR+r.svg
Werkbahn Bühler AG
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103,23 Algetshausen-Henau 1927–2013 555,4 m ü. M.
Bahnhof ohne Personenverkehr
106,72 Schwarzenbach SG ehemaliger Bahnhof 540,1 m ü. M.
Brücke über Wasserlauf (groß)
Thur Schwarzenbach (166 m)
Kilometer-Wechsel
Fehlerprofil -0.21
   
SBB von Wattwil
BSicon KBHFa.svgBSicon BHF.svgBSicon .svg
110,62 Wil Endpunkt S 1 S 35 570,8 m ü. M.
BSicon STR.svgBSicon ABZgl.svgBSicon STR+r.svg
Thurbo nach Weinfelden
BSicon KRZo.svgBSicon KRZo.svgBSicon STRr.svg
FW nach Frauenfeld
Bahnhof, Station
113,83 Sirnach 549,4 m ü. M.
Bahnhof, Station
117,45 Eschlikon 566,8 m ü. M.
Haltepunkt, Haltestelle
120,95 Guntershausen seit 1927 546,2 m ü. M.
Bahnhof, Station
122,90 Aadorf 527,6 m ü. M.
Bahnhof, Station
126,15 Elgg 507,0 m ü. M.
Haltepunkt, Haltestelle
130,51 Schottikon seit 1930 486,1 m ü. M.
Haltepunkt, Haltestelle
131,84 Räterschen 475,7 m ü. M.
Haltepunkt, Haltestelle
133,92 Winterthur Hegi 460,9 m ü. M.
   
SBB von Rapperswil
Bahnhof, Station
135,29 Winterthur-Grüze 452,1 m ü. M.
   
SBB von Romanshorn S 8 S 30
Bahnhof ohne Personenverkehr
136,48 Schwalmenacker seit 2015 445,9 m ü. M.
   
SBB von Schaffhausen
Bahnhof, Station
137,81 Winterthur Endpunkt S 30 S 35 438,9 m ü. M.
   
SBB nach Koblenz und nach Zürich S 8

Die Bahnstrecke St. Gallen–Winterthur ist eine normalspurige Eisenbahnstrecke in den Schweizer Kantonen St. Gallen, Thurgau und Zürich und gehört den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB). Die 57,1 Kilometer lange Strecke wurde zwischen 1855 und 1856 in vier Etappen von der Sankt Gallisch-Appenzellischen Eisenbahn (SGAE) eröffnet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bau und Eröffnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprüngliche Brücke über die Sitter mit einem Gitterträger. Die Brücken über die Glatt, Uze und Thur wurden nach den gleichen Konstruktions­prinzipien errichtet.

Der Kanton Thurgau wollte die Konzession auf seinem Hoheitsgebiet anfänglich verweigern, da der Streckenverlauf den Thurgau nicht begünstigt hätte. So stand in einem Bericht: «Die Anstände mit Thurgau, welche die Collaudation der Strecke zwischen Rickenbach und Aadorf ohne hinreichende Gründe hinauszögern, sind wesentlich Schuld, dass die Probefahrten auf der St.Galler-Appenzeller-Bahn zwischen Winterthur und Wyl erst nach beiläufig 10 Tagen beginnen können.» Deutlich wird es am 27. September 1855: «...traf die Lokomotive St. Gallen in Wyl ein und wurde mit Böllerschüssen begrüßt. Dieselbe ist von neuester, sehr schöner Konstruktion und wesentlich verschieden von denjenigen der Nordostbahn.» Die Schweizerische Nordostbahn betrieb die durch den Thurgau verlaufende Konkurrenzstrecke Winterthur–Frauenfeld–Romanshorn.

Der Abschnitt Winterthur–WilThur­brücke Schwarzenbach wurde unter der Leitung von Julius Herz erbaut.[1] Das Teilstück Winterthur–Wil wurde am 14. Oktober 1855 eröffnet. Die Fahrzeit betrug damals 40 Minuten.

Der Streckenverlauf zwischen Wil und Flawil wurde heftig diskutiert. Die SGAE beantragte die Konzession für den leicht trassierbaren Streckenverlauf von Schwarzenbach aus südlich des Uzwiler Hausbergs Vogelsberg über den Bettenauer Weiher und Oberuzwil nach Flawil. Mit Blick auf die Industrie wurde ein Streckenverlauf nördlich des Vogelsbergs bevorzugt, damit Uzwil einen Bahnhof erhalten konnte. So musste eine enge S-Kurve am Rande des Vogelsberges, wo der spätere Bahnhof Uzwil zu liegen kam, angelegt werden. Das hatte zur Folge, dass diese S-Kurve heute einer der langsamsten Abschnitte der ganzen Strecke sowie die engste Kurve des Hochgeschwindigkeitsverkehrs in der Schweiz ist.[2] Am 25. Dezember 1855 wurde der Streckenabschnitt Wil–Flawil eingeweiht.

Nach dem Bau der Glattbrücke bei Egg zwischen Flawil und Gossau SG wurde am 15. Februar 1856 Gossau und Winkeln erreicht. Am 24. März 1856 schliesslich konnte die Strecke bis in die Stadt St. Gallen erweitert werden. Dazu wurde die von Karl Etzel entworfene eiserne Gitterbrücke über die Sitter gebaut, das erste Sitterviadukt.

Weitere Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eröffnungszug des elektrischen Betriebs 1927 mit einer Ae 3/6 I in Flawil

Am 31. Dezember 1879 entgleiste in Vonwil bei St. Gallen ein aus Winterthur kommender Zug. Die beiden Lokomotiven kamen links und rechts des Bahngleises zu liegen, die Wagen schoben sich ineinander. Das Unglück forderte zwei Todesopfer und mehrere, teils schwer Verletzte.
→ Hauptartikel: Eisenbahnunfall in Vonwil

Die Strecke wurde bei der Verstaatlichung der Eisenbahnen am 1. Juli 1902 ein Bestandteil der Schweizerischen Bundesbahnen. Ab 1903 bauten die SBB die Strecke etappenweise auf Doppelspur aus und elektrifizierten sie im Jahr 1927 mit 15'000 Volt 16 ⅔ Hz. Zur gleichen Zeit wurde die Haltestelle Algetshausen-Henau eingeweiht und in Uzwil die Werkbahn der Gebrüder Bühler dem Betrieb übergeben.

Im Dezember 2006 wurde als Teil der dritten Ausbauetappe der S-Bahn Zürich die Haltestelle Winterthur Hegi eröffnet.

Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Fernverkehr gehört die Strecke zur West-Ost-Achse St. Gallen–Genf. Auf dem St. Galler Teilstück verkehrt der Rheintal-Express (REX) von Chur über St. Gallen nach Wil. Im Nahverkehr wird die Strecke von der S 1 (Altstätten–St. Gallen–Wil), der Verstärkungslinie S 11 (St. Gallen–Wil) und der S 5 (St. Gallen–Gossau–Weinfelden) der S-Bahn St. Gallen befahren. Der Abschnitt westlich von Wil wird von der Linie S 35 Winterthur–Wil der S-Bahn Zürich bedient.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anton Heer: Rorschach-St.Gallen-Winterthur: zwischen 170-jähriger Eisenbahngeschichte und Zukunft. Sabon-Verlag GmbH, St. Gallen 2006, ISBN 978-3907928554 (PDF; 14,2 MB).
  • Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz. AS Verlag, Zürich 1998, ISBN 3-905111-21-7.
  • Hans G. Wägli: Bahnprofil Schweiz 2005. Diplory Verlag, Grafenried 2004.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anton Heer: Rorschach-St.Gallen-Winterthur: zwischen 170-jähriger Eisenbahngeschichte und Zukunft. Enthält ausführliche Quellen- und Personen-Register
  2. Die engste Kurve im Bahnnetz. In: Homepage der Gemeinde Uzwil. Abgerufen am 15. Mai 2017.