Beşiktaş

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Dieser Artikel behandelt den Istanbuler Stadtteil, für den dort beheimateten Sportverein, siehe Beşiktaş Istanbul.

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Beşiktaş
Wappen von Beşiktaş Karte der Türkei, Position von Beşiktaş hervorgehoben
Basisdaten
Provinz (il): İstanbul
Koordinaten: 41° 3′ N, 29° 1′ O41.0529.016666666667Koordinaten: 41° 3′ 0″ N, 29° 1′ 0″ O
Fläche: 18,04 km²
Einwohner: 188.793[1] (2014)
Bevölkerungsdichte: 10.465 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+90) 212 (europäischer Teil)
(+90) 216 (asiatischer Teil)
Postleitzahl: 34 xxx
Kfz-Kennzeichen: 34
Struktur und Verwaltung (Stand: 2009)
Bürgermeister: İsmail Ünal (CHP)
Webpräsenz:
Landkreis Beşiktaş
Kaymakam: Sedattin Yücel
Webpräsenz (Kaymakam):

Beşiktaş ist ein Landkreis der türkischen Provinz İstanbul und gleichzeitig ein Stadtteil auf der europäischen Seite von İstanbul. Beşiktaş hat 188.793 Einwohner (Stand 2014).

Geographie[Bearbeiten]

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die 23 Mahalle von Beşiktaş

Beşiktaş gliedert sich in 23 Stadtviertel (türk. Mahalle), darunter die bedeutenderen Viertel Arnavutköy, Bebek, Etiler, Levent und Ortaköy.

Etiler gehört zu den teuersten Wohn- und Bürovierteln der Stadt. Hier befindet sich Akmerkez, eine der größten Shopping-Malls İstanbuls. Das benachbarte Levent im Nordwesten von Beşiktaş hat sich seit den 1990er Jahren zu einem Zentrum für Konzern- und Bankzentralen entwickelt. Das Stadtbild wird von Hochhäusern bestimmt. Ortaköy („mittleres Dorf“), nördlich des Yıldız-Parks direkt an der ersten Bosporus-Brücke, gehört zu den Kneipen- und Restaurantvierteln İstanbuls. Noch in den 1950er Jahren lebten dort fast nur armenische Familien. Es gab dort zahlreiche armenische Kirchen und viele armenische Schulen. Die Armenier wurden Zug um Zug mit bürokratischen Schikanen zur Ausreise veranlasst.

Geschichte[Bearbeiten]

In dem späteren Quartier befanden sich der Ayios-Mamas-Palast (Hagios Mamas, der kaiserliche Sommerpalast), das Phokaskloster und die Kirche des Heiligen Michael, die wohl schon unter Konstantin I. entstanden war. Damit wurde die Gegend ein wichtiges Ziel für griechische, armenische und georgische Pilger. Das Kloster des heiligen Phokas wurde oftmals an Feiertagen aufgesucht, wie Gregorios Palamas noch für das 13. Jahrhundert berichtet.[2]

Zu einem Stadtteil der osmanischen Hauptstadt Istanbul wurde das Gebiet erst im 17. Jahrhundert. Die Beşiktaş-Bucht war für eine Hafenanlage geeignet, eine natürliche Anlage, die schon Hayreddin Barbarossa im 16. Jahrhundert für seine Flotte genutzt hatte. Auch besaß er dort ein Haus, in dem er sich aufhielt, wenn er in Istanbul war. Doch bald verwandelte sich die Bucht in einen Sumpf, in dem bald Gartenanlagen entstanden, ebenso wie Paläste der Sultane. Mahmud II. (1808-39) hielt sich überwiegend in seinen Palästen in Beşiktaş auf. Dort entstand 1855 auf den Ruinen des Hagios-Mamas-Palastes[3] durch seinen Sohn Abdülmecid I. der Dolmabahçe-Palast auf einer Fläche von 45.000 m².

Das pathetische Denkmal für Hayreddin Barbarossa, einen Piraten des 16. Jahrhunderts in Diensten des Sultans
Eingang der Etz-Ahayim-Synagoge

Bereits im 17. Jahrhundert entstand in Ortaköy die Etz-Ahayim-Synagoge (Baum des Lebens). Sie wurde von Opfern des Stadtbrandes von 1618 errichtet, die aus dem Gebiet des Großen Basars geflohen waren.[4] Ab 1707, nach einem erneuten Großbrand, wurde sie restauriert, desgleichen nach einem Brand 1825. Daneben entstand die Yeni-Mahalle-Synagoge.[5] 1936 lebten etwa 700 jüdische Familien in Ortaköy.[6]

Atatürks aufgebahrter Leichnam im Dolmabahçe-Palast

Die Residenz der Sultane, die damit entstanden war, sorgte für weitere Ansiedlungen, so dass die Verkehrsanbindung verbessert werden musste. Die erste Straßenbahn Istanbuls wurde 1869 eröffnet. Ihre ersten, von Pferden gezogenen Wagen verbanden Beşiktaş mit Tophane.[7] Obwohl die Republik unter Atatürk die Hauptstadt stark vernachlässigte, war der Palast davon wenig berührt, denn der Gründer der Republik hielt sich, wenn er die einstige Hauptstadt besuchte, meist im Dolmabahçe-Palast auf, wo er auch 1938 starb; dort sind Atatürks Arbeits- und Sterbezimmer Teil des Museums. Den Koran ließ Atatürk ins Türkische übertragen und las im Dolmabahçe-Palast als Erster aus der Übersetzung vor.

Als der Premierminister Adnan Menderes 1960 vor Gericht stand, warf man ihm vor, er habe die Gebäude der Zirai Donatım Kurumu, der landwirtschaftlichen Ausrüstungsagentur, illegal abreißen lassen.[8] Im führenden Architekturblatt Arhitekt wurde ihm vorgeworfen, planlos vorgegangen und durch seine brachialen Abrissmaßnahmen zugunsten von breiten Straßen konturlose Bereiche, insbesondere in Beşiktaş hinerlassen zu haben.[9]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Moschee von Ortaköy, die Büyük Mecidiye Camii

Im 19. Jahrhundert wurde auf dem Gelände der verlandeten Dolmabahçe-Bucht der Dolmabahçe-Palast erbaut, er war bis 1923 der Palast des Sultans. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Dolmabahçe-Moschee, die St. Fokas-Kirche, die Etz-Ahayim-Synagoge und die Ortaköy-Moschee. In Beşiktaş befinden sich der Fisch- und Gemüsemarkt (Balık Çarşısı), die Technische Universität İstanbul, internationale Hotels und die Landungsbrücken Beşiktaş und Ortaköy für den Fährverkehr.

Sport[Bearbeiten]

Der Fußballclub Beşiktaş Istanbul entstand in diesem Stadtteil und trägt seinen Namen. Der offizielle Name dieses Klubs ist der Gymnastikklub Beşiktaş (Beşiktaş Jimnastik Kulübü) und wird abgekürzt mit BJK. Es handelte sich um den ersten Sportclub der Türkei und den dritten Fußballverein. Auch das Inönü-Stadion befindet sich in Beşiktaş. Eine weitere, aber eher seltene Bezeichnung für das Stadion ist das Dolmabahçe-Stadion, weil der Dolmabahçe-Palast in unmittelbarer Nähe liegt.

Partnerstädte[Bearbeiten]

Bekannte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Beşiktaş – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Türkisches Institut für Statistik, 2014, abgerufen 25. April 2015
  2. Alice-Mary Talbot: A Monastic World, in: John Haldon (Hrsg.): A Social History of Byzantium, John Wiley & Sons, 2009, S. 264.
  3. Eugenia Bolognesi Recchi-Franceschini: Palatia. Kaiserpaläste in Konstantinopel, Ravenna und Trier, Rheinisches Landesmuseum, 2003, S. 58.
  4. Jak Deleon: The Bosphorus. A Historical Guide, Inter Media, 1999, S. 48.
  5. Okşan Svastics, Monika Demirel: Jüdisches Istanbul, Mandelbaum, 2010, S. 154.
  6. Gönul Öney: The Ortaköy district: a living example of sharing in harmony the rich and varied cultural heritage of Istanbul, in: Cultural Heritage and Its Educational Implications. A Factor for Tolerance, Good Citizenship and Social Integration : Proceedings, Seminar Organized by the Council of Europe [...], Brussels (Belgium), 28-30 August 1995, Brüssel 1998, S. 59-62, hier: S. 60.
  7. Murat Gül: The Emergence of Modern Istanbul. Transformation and Modernisation of a City, Tauris Academic Studies, 2009, Paperback, I.B. Tauris 2012, S. 53.
  8. Murat Gül: The Emergence of Modern Istanbul. Transformation and Modernisation of a City, Tauris Academic Studies, 2009, Paperback, I.B. Tauris 2012, S. 143.
  9. Murat Gül: The Emergence of Modern Istanbul. Transformation and Modernisation of a City, Tauris Academic Studies, 2009, Paperback, I.B. Tauris 2012, S. 164.