Eyüp

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Eyüp
Wappen fehlt
Hilfe zu Wappen
Karte der Türkei, Position von Eyüp hervorgehoben
Istanbul - Pierre Loti Cafe - 01.jpg
Blick auf das Goldene Horn vom Pierre Loti Café
Basisdaten
Provinz (il): İstanbul
Koordinaten: 41° 3′ N, 28° 54′ OKoordinaten: 41° 3′ 18″ N, 28° 54′ 30″ O
Einwohner: 349.470[1] (2012)
Telefonvorwahl: (+90) 212 (europäischer Teil)
(+90) 216 (asiatischer Teil)
Postleitzahl: 34 xxx
Kfz-Kennzeichen: 34
Struktur und Verwaltung (Stand: 2014)
Bürgermeister: Remzi Aydın (AKP)
Webpräsenz:
Landkreis Eyüp
Einwohner: 367.824[2] (2014)
Fläche: 224 km²
Bevölkerungsdichte: 1.642 Einwohner je km²
Kaymakam: Abdullah Dölek
Webpräsenz (Kaymakam):

Eyüp, seit 2017 Eyüpsultan (griechisch Κοσμίδιον Kosmidion, davor altgriechisch τα Παυλίνης ta Paoulines), ist die Hauptstadt des gleichnamigen Landkreises der türkischen Provinz İstanbul sowie ein Stadtteil auf der europäischen Seite von İstanbul. Der Landkreis Eyüp hatte laut der letzten Volkszählung 367.824 Einwohner (Stand 2014).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das moderne Eyüp wurde bereits in der byzantinischen Epoche besiedelt, damals bekannt als Kosmidion. Der Name stammt vom Kloster der Anargyri (die Heiligen Kosmas und Damian), welches im 5. Jahrhundert gegründet wurde. Laut einer späteren Legende soll der Stifter der magister Paulinus, der von Theodosius II. (regierte 408–450) hingerichtet wurde, da er fälschlicherweise für einen Liebhaber der Kaiserin Aelia Eudocia gehalten wurde. In Wirklichkeit stammt es aus der Zeit um 480 und wurde von Paulina, der Mutter des Generals und erfolglosen Usurpators Leontius, gegründet. Nach ihr wurde das Quartier, das sich um den Stift bildete, τα Παυλίνης ta Paoulines (Paulinas [Viertel]) genannt.[3] Das Kloster war ein bedeutendes religiöses Zentrum im Konstantinopel des 6. Jahrhunderts: Die Äbte nahmen an den Synoden von 518 und 536 teil, mehrere Wunder in Verbindung mit seinen beiden Patronen tauchten auf und die Abtei wurde im Rahmen des Bauprogramms Kaiser Justinians I. (regierte 527–565) umfassend renoviert[3]. 623 und 626 belagerten und plünderten die Awaren das Gebäude.

Seit Anfang des 10. Jahrhunderts wurde die Siedlung Kosmidion genannt und war eine Art Vorstadt von Konstantinopel. Es ist unwahrscheinlich, dass Kosmidion und ta Paoulines angrenzende, aber verschiedene Orte waren[3]. 924 traf sich Kaiser Romanos I. Lakapenos (regierte 920–944) mit dem bulgarischen Zar Simeon I. an einem Pier in Kosmidion während des byzantinisch-bulgarischen Krieges von 913–927[3]. Theophylaktos Lakapenos, Romanos' Sohn und Patriarch von Konstantinopel von 933–956 hatte seine Ställe in Kosmidion[3].

Kaiser Michael IV. (regierte 1034–41) renovierte den Klosterkomplex und lebte nach seiner Abdankung dort. Er starb kurz darauf als Mönch[3]. Aufgrund ihrer Nähe zu Konstantinopel spielte die Stätte auch während der Bürgerkriege jener Periode eine Rolle. Es war das Hauptquartier des Rebellen Leon Tornikios (nach anderen Quellen war dies Thermopolis) während seiner misslungenen Belagerung der imperialen Hauptstadt 1047. Ebenso war es die Basis Johannes Bryennios', eines anderen Usurpators und Bruder des aufständischen Generals Nikephoros Bryennios der Ältere, im Jahr 1077 und war vier Jahre später einer der ersten Orte, den die Komnenen in deren erfolgreichem Putsch gegen Nikephoros III. Botaneiates (regierte 1078–81) einnahmen. 1096 durfte die Armee des Ersten Kreuzzugs zwischen Kosmidion und Hagios Phokas lagern[3].

Im Rahmen des Vierten Kreuzzugs war Kosmidion Austragungsort eines frühen Geplänkels zwischen den lateinern und den Griechen im Juli 1203, welches die Kreuzfahrer für sich entschieden. Im April 1204, kurz vor dem Fall Konstantinopels, verhandelte hier der venezianische Doge Enrico Dandolo mit dem neuen Kaiser Alexios V. Dukas Murtzuphlos[3].

Unter fränkischer Herrschaft scheint das Kloster weitgehend in Ruhe gelassen worden zu sein; denn dort nächtigte Kaiser Michael VIII. Palaiologos (regierte 1259–82) in der Nacht auf den 14. August 1261, vor seinem triumphalen Einzug in die zurückeroberte Stadt am Tag darauf[3]. Für die nächsten Jahrzehnte wurde das Kloster zum Rückzugsort zweier exilierter Patriarchen, Joseph I. von 1280–82 sowie Johannes XI. Bekkos 1285, während er das Urteil der Synode abwartete, und schließlich Athanasios' I. für die Zeit unmittelbar vor seiner Abdankung 1293. Ab 1261 wurde von weiteren Wundern berichtet, eine Zusammenstellung erfolgte ca. 1300 von einem gewissen Diakon Maximos[3].

Im Jahr 1303 übernahmen und befestigten katalanische Söldner im Dienst des Reiches unter Führung des Roger de Flor das Kloster als Operationsbasis gegen die genuesische Kolonie Galata. Nach dem Bruch des Kaisers mit der Katalanischen Kompanie und dem Tod Rogers im April 1305 evakuierten die Byzantiner das Areal[3]. Im Jahr 1348 zerstörten die Genuesen in einer Revolte gegen die Byzantiner sämtliche Schiffe im Goldenen Horn, bis auf die drei, die in der Werft von Kosmidion gebaut wurden[3]. Um 1350 besuchte der russische Pilger Stepan von Nowgorod die Abtei. Zu dieser Zeit ist die Existenz einer St. Theodor geweihten Kirche und eine Kapelle, den Märtyrern Thalelaios und Artemidoros gewidmet, belegt, ohne dass weitere Informationen bekannt sind.

1410, während des osmanischen Interregnums kam es in Kosmidion zu einer Schlacht zwischen zwei von drei Thronprätendenten, Musa und Süleyman Çelebi, aus welchem Letzterer siegreich hervorging[3].

Nach der osmanischen Eroberung von Konstantinopel wurde das Quartier nach Abu Ayyub al-Ansari (türkisch Eyüp), eines Gefährten (Ansarı) und Bannerträger Mohammeds, der bei der ersten arabischen Belagerung Konstantinopels von 674 bis 678 vor den Mauern starb. 1581 erließ Sultan Murad III. ein Verbot für Christen, in Eyüp zu wohnen[3].

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eyüp-Sultan-Moschee

Von Eyüp führt die Autobahn über die Haliç-Brücke über das Goldene Horn in den Norden des Stadtteils. Pierre Loti, ein turkophiler französischer Schriftsteller, lebte gegen Ende des 19. Jahrhunderts einige Jahre in Eyüp und besuchte das heute nach ihm benannte Café auf dem Hügel über dem Eyüp-Friedhof. Der Platz ist auch über eine Luftseilbahn zu erreichen und bietet einen Ausblick auf die İstanbuler Stadtteile am Goldenen Horn.

Das Gebiet wird schon seit Langem für Begräbnisse genutzt, vor allem aufgrund seiner Nähe zu Konstantinopel/Istanbul. Es gibt dort sowohl christliche als auch muslimische Nekropolen, die bekannteste ist der Eyüp-Friedhof.

Das Grab Abu Ayyub al-Ansaris, das der Legende nach durch wundersame Träume kurz nach der osmanischen Eroberung wiedergefunden wurde, befindet sich heute in der Eyüp-Sultan-Moschee und wird von zahlreichen Pilgern besucht. Hier fand auch die traditionelle Schwertumgürtung neuer Sultane statt.

Im Mai 2013 eröffnete der erste Freizeitpark- und Vergnügungspark der Türkei im Istanbuler Stadtteil Eyüp, der Vialand Theme Park.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Eyüp – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Türkisches Institut für Statistik, 2012 (Memento vom 20. Februar 2013 auf WebCite), abgerufen 2. Mai 2015
  2. Türkisches Institut für Statistik, 2014 (Memento vom 10. Februar 2015 auf WebCite), abgerufen 2. Mai 2015
  3. a b c d e f g h i j k l m n Külzer, Andreas, 1962-: Ostthrakien (Eurōpē). Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2008, ISBN 978-3-7001-3945-4.