Dana Grigorcea

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Dana Grigorcea bei einer Lesung auf dem Erlanger Poetenfest 2021

Dana Grigorcea (* 11. November 1979 in Bukarest, Rumänien; eigentlich Caudia Dana von Grigorcea) ist eine schweizerisch-rumänische Schriftstellerin, Germanistin und Nederlandistin.

Jugend und Studien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dana Grigorcea studierte von 1998 bis 2002 an der Universität Bukarest Germanistik und Nederlandistik (M.A. in Deutscher und Niederländischer Philologie). Anschließend absolvierte sie ein Postgraduate-Auslandssemester an der Universität Gent und studierte später Theater- und Filmregie an der Erasmus-Hochschule Brüssel. Außerdem absolvierte sie 2004 an der Donau-Universität Krems den Masterstudiengang in Qualitätsjournalismus.

Danach arbeitete sie bei der österreichischen Tageszeitung Kurier in Wien, bei der Deutschen Welle (DW-Radio) in Bonn und beim Fernsehsender Arte in Strassburg. Grigorcea ist Produzentin von Fernsehbeiträgen und Radiosendungen und hat als Deutschland-Korrespondentin für das rumänische Fernsehen und Radio gearbeitet. Von 2009 bis 2011 verantwortete sie den Bereich TV/Film in den Medieningenieurwissenschaften an der HTW Chur. Von 2011 bis 2013 war sie Dozentin für Film an der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK.

Literarische Werke und Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dana Grigorcea veröffentlichte 2002 in der Zeitschrift des rumänischen Schriftstellerverbands Reiseerzählungen aus dem Heiligen Land, wo sie ein paar Monate in einem rumänischen Frauenkloster verbracht hatte. Sie galt mit dieser Veröffentlichung als beachtliches Talent. Nicolae Manolescu, Präsident der rumänischen Schriftstellerunion und Chefredakteur von România Literară, stellte fest, Grigorcea sei mit 23 Jahren schon «ein funkelnder Stern am Firmament der rumänischen Literatur».

2003 begann Dana Grigorcea, ausschließlich auf Deutsch zu schreiben. Ihr erster Roman, der Schelmenroman Baba Rada, der im Donaudelta spielt, erschien 2011. «Achtung. Das ist Literatur!» sagte Felix Schneider im SRF. «Wie Dana Grigorcea Feste beschreibt, hat eine beklemmend-betörende Fülle», schrieb Carlo Bernasconi im Schweizer Buchhandel. Der Roman strotze vor «sinnlich aufgeladener Fabulierlust» schrieb Roman Bucheli in der Neuen Zürcher Zeitung, die Hauptfigur sei «eine Mutter Courage, die überdies die magische Kraft des Erzählens verkörpert». Die Basler Zeitung lobte die «überwältigend bildhafte Sprache», der Literaturkritiker Beat Mazenauer «die eigenwillige Handschrift». Für Baba Rada erhielt Grigorcea die Schweizer Literaturperle.

Dana Grigorcea (r.) mit der Literaturkritikerin Verena Auffermann beim Erlanger Poetenfest 2015.
Dana Grigorcea (r.) mit der Literaturkritikerin Verena Auffermann beim Erlanger Poetenfest 2015

Dana Grigorcea nahm am Ingeborg-Bachmann-Preis 2015 teil[1] und gewann, nachdem sie am Vorabend in den Medien als aussichtsreichste Anwärterin auf den Bachmann-Preis gehandelt worden war, den 3sat-Preis.[2]

Im selben Jahr erschien ihr zweiter Roman, Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit, im Dörlemann Verlag. Der Bukarest-Roman wurde im deutschsprachigen Raum breit und durchgehend positiv rezensiert: «Ein rasanter Roman voll überschäumender Erzählkunst» hieß es etwa im MDR. «Ein existentieller Roman, der nicht zuletzt durch Poesie und feinen Humor besticht», lobte Wiebke Porombka in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. «Das Buch hat eine so schöne Sprache! Wie ein funkelndes, glitzerndes Gebilde. Immer wieder fallen Dana Grigorcea neue Bilder, neue Sätze, unerhörte Wörter ein», lobte Elke Heidenreich im SRF-Literaturclub des Schweizer Fernsehens. «Es ist ein hinreißendes Rumänien-Porträt, das in der Erregung des rumänischen Volkes kulminiert, das sich nach Freiheit und Veränderung sehnt», schreibt Ijoma Mangold in Die Zeit. Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit wurde in mehreren Sprachen übersetzt und kam auf die Shortlist zum Schweizer Buchpreis.

2018 erschien Grigorceas Novelle Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen, eine Zürcher Liebesgeschichte einer Balletttänzerin am Ende ihrer Karriere mit einem kurdischen Gärtner. «Eine auch sprachlich bezaubernde Hommage an Tschechow. Ein Pas de deux von Poetik und Poesie, voller Anmut», schrieb Volker Breidecker in der Süddeutschen Zeitung. «Ein literarisches Virtuosenstück», befand Judith von Sternburg in der Frankfurter Rundschau. «Eine Hommage an die Künste, die Literatur, die Körper … Die klare und anmutige Sprache Grigorceas macht die Lektüre zu einem Genuss», sagte Carola Wiemers im Deutschlandfunk. «Dana Grigorcea findet eine sehr eigene Stimme, eine eigene Poesie – wieder einmal,» verkündete Nicola Steiner im SRF-Literaturclub des Schweizer Fernsehens. In Frankreich gelangte das Buch, verlegt von Albin Michel in Paris unter dem Titel La Dame au petit chien arabe, auf die Shortlist des Grand prix de l’héroïne der Zeitschrift Madame Figaro.  

Im März 2021 veröffentlichte Dana Grigorcea den Roman Die nicht sterben, der von der Kritik begeistert aufgenommen wurde. Der Roman schaffte es im Mai 2021 auf Platz 4 der SWR-Bestenliste, wurde für den Deutschen Buchpreis nominiert (Longlist) und mit dem Schweizer Literaturpreis 2022 des Bundesamtes für Kultur ausgezeichnet. „Für ihren Roman über Rumänien schöpft Dana Grigorcea aus einem tiefen Erfahrungs- und Geschichtenfundus. Ihr glückt damit ein großer Wurf“, so Jörg Magenau in Deutschlandfunk Kultur (7. April 2021). „Ein starker Roman, der das Narrativ der politischen orientierten Schauergeschichte auf seine Weise auffrischt und aktualisiert. Ganz abgesehen von seiner sprachlichen Klasse“, äußerte sich Ulrich Noller in WDR 1 (24. März 2021). Jutta Person schreibt in der Literaturbeilage von Die Zeit (18. März 2021): „Schillernde Anspielungen, klug inszeniertes Gelächter (…) Eine Komik, die Grigorcea fabelhaft zum Funkeln bringt.“ „Und im Vorübergehen zaubert sie eine neue literarische Gattung aus dem Hut, wobei es einen lediglich wundert, dass es sie noch nicht längst gibt: den politischen Schauerroman“, so Roman Bucheli in der Neue Zürcher Zeitung (19. März 2021). Die FAZ-Literaturchefin Sandra Kegel in der 3sat-Sendung Buchzeit: „Die nicht sterben ist faszinierend beunruhigend.“ (20. Juni 2021)

„Es ist eine kunstvolle Dracula-Geschichte, ein Künstlerinnen-Roman, eine Farce, und das alles erzählt mit großer Sprachkraft. (…) Farben, Formen, Stimmungen: In Grigorceas Literatur gibt es all das im Überfluss. Und das ist besonders erstaunlich, weil sie aus dem Dunklen und dem Grausigen schöpft“, so Ulrich Rüdenauer in SWR 2 (8. März 2021). „Ein tolles Buch“, sagte Denis Scheck in der ARD-Sendung „druckfrisch“, „für mich war es Liebe auf den ersten Biss.“ (31. Mai 2021). In dieselbe Kerbe schlägt Simone Hamm in WDR 3: „Die nicht sterben ist Groteske und Burleske zugleich. Mitreißende Lektüre.“ (4. Mai 2021)

„Diese Schriftstellerin hat Wichtiges zu erzählen, stochert nicht im Befindlichkeitsnebel der eigenen Identität herum“, schreibt Carsten Otte im Tagesspiegel (21. März 2021). Und Judith von Sternburg bringt es in der Berliner Zeitung (18. März 2021) auf den Punkt: „Literarische wie menschliche Tollkühnheit steckt in den Büchern von Dana Grigorcea.“

Mit den übersetzten Ausgaben ihrer Bücher nahm Dana Grigorcea Einladungen in zahlreiche Länder an, wo sie Lesereisen im Buchhandel sowie Seminarien und Vorträge an Universitäten und Schulen gab, so in Deutschland, Österreich und Liechtenstein sowie in Indien, Italien, Frankreich, Griechenland, den Niederlanden, Polen, Rumänien, der Ukraine, Schweden, Serbien, Slowakei, Slowenien, Russland und den USA.

Grigorcea schreibt Kolumnen für Die Zeit und die Deutsche Welle. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Perikles Monioudis, betreibt sie seit Mai 2016 das Literatur-E-Magazin Telegramme, seit Januar 2019 auch den Telegramme Verlag für Literatur und Sachbuch.[3] Dana Grigorcea lebt mit ihrem Mann und ihren beiden gemeinsamen Kindern in Zürich.

Werthaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2015 organisiert Dana Grigorcea in Zürich monatliche Benefiz-Lesungen, bei denen Schriftsteller unentgeltlich aus ihren neusten Büchern lesen. Der Erlös der Abende wird vollumfänglich Flüchtlingshilfsprojekten in Griechenland gespendet. «In dieser prekären Zeit wollen wir ein Zeichen setzen, ein Zeichen, dass am Anfang der Kunst der Mensch steht und die Menschlichkeit», steht auf der Facebook-Seite der Benefiz-Lesungen.

Dana Grigorcea (r.) mit ihrer US-Übersetzerin Alta Price (l.) in San Francisco, CA, USA (März 2019).
Dana Grigorcea (r.) mit ihrer US-Übersetzerin Alta Price (l.) in San Francisco, CA, USA (März 2019)

Grigorcea engagiert sich in der rumänischen Bewegung «Rezist» gegen die Korruption in Rumänien und für die Unterstützung der Zivilgesellschaft. Auf große Aufmerksamkeit stieß auch die diesbezügliche Aktion auf der Leipziger Buchmesse 2018.[4]

In ihren Auftritten äußert sie sich überdies für ein starkes demokratisches Europa. In der Schweiz ist sie als Unterstützerin mehrerer Bürgerinitiativen hervorgetreten, etwa gegen die Abschaffung der öffentlichen Radio- und Fernsehgebühren, für Toleranz und gegen die Privatisierung des öffentlichen Raums.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Romane, Novellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die nicht sterben. Roman. Penguin Verlag, Penguin Random House, München 2021, ISBN 978-3-328-60153-1.
  • Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit. Roman. Dörlemann Verlag, Zürich 2015, ISBN 978-3-03820-021-5; Ullstein, Berlin 2017. ISBN 978-3-548-28903-8.
    • Übersetzungen: Englisch (Seagull Books), Rumänisch (Humanitas), Italienisch (Nuova Editrice Berti), Bulgarisch (Black Flamingo), Niederländisch (Atlas).
  • Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen. Novelle. Dörlemann Verlag, Zürich 2018, ISBN 978-3-03820-055-0.
  • Baba Rada. Das Leben ist vergänglich wie die Kopfhaare. Roman. KaMeRu Verlag, Zürich 2011; Dörlemann Verlag, Zürich 2015. ISBN 978-3-03820-024-6.

Essayistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Kinder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Textbeiträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kolumnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Essays (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Liebe, Kunst und grosse Not. Corona, Wohnungssuche und die Kunst. In: NZZ am Sonntag vom 18. April 2020.
  • Mein liebstes Kinderbuch. Zu Otfried Preußlers «Die kleine Hexe». In: Neue Zürcher Zeitung vom 6. Februar 2019.
  • «Lass uns hier bleiben». Festliche Ansprache an die Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt Zürich, die 2015 das Schweizer Bürgerrecht erworben haben. In: Aargauer Zeitung vom 5. März 2016.
  • Der Peugeot. Über Väter. In: NZZ Folio, September 2016, sowie in Väter, Ausgewählt von Martha Schoknecht und Shelagh Armit, Diogenes Verlag, Zürich 2022, ISBN 978-3-257-24515-8.
  • Mein Zürcher Spaziergang. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27. Oktober 2016.
  • Araber in Rumänien – eine Liebesgeschichte. In: Neue Zürcher Zeitung vom 8. Dezember 2016.
  • «Gott hat mir in allem geholfen». Ein Friseur in Palästina. In: NZZ Folio, Juli 2012.
  • Was die Sterne bewirken. In: Die WochenZeitung WOZ vom 4. Januar 2007.

Literarische Beiträge (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tagebuch aus der Wachau. In: Walter Grond (Hrsg.): Draussen in der Wachau. Haymon Verlag, Innsbruck 2012, ISBN 978-3-85218-738-9, S. 52 ff.
  • Aus dem Leben der rumänischen Dichterin Mara B. Erzählung. In: Akzente. Zeitschrift für Literatur. Nr. 3/2016. Thema «Europa». Hrsg. von Robert Menasse und Jo Lendle. Carl Hanser Verlag, München 2016, ISBN 978-3-446-25179-3, S. 11 ff.
    • Integraler Nachdruck in: Die Welt vom 10. März 2018.
  • Vita. Erzählung. In: Akzente. Zeitschrift für Literatur. Nr. 4/2017. Thema «Legenden». Hrsg. von Felicitas Hoppe und Jo Lendle. Carl Hanser Verlag, München 2017, ISBN 978-3-446-25565-4, S. 46 ff.
  • Marieta. Erzählung. In: Poet, Literaturmagazin, Nr. 22. Poetenladen, Leipzig 2017, ISBN 978-3-940691-83-5, S. 15 ff.
    • Marieta. Erzählung. Ins Französische übertragen von Dominique Autrand. In: Literall. Nr. 26, Paris 2020, ISSN 02 097-69-20, S. 57 ff.
  • Mein Freund Cristi. Erzählung. In: Viceversa Literatur. 11. Rotpunktverlag, Zürich 2017, ISBN 978-3-85869-738-7, S. 95 ff.
  • Die Frau des Zwergs. Erzählung. In: Cinema. Nr. 62. Schüren Verlag, Marburg 2017, ISBN 978-3-89472-613-3, S. 74 ff.
  • Rumänische Frauen. Erzählungen. In: Michaela Nowotnick, Florian Kührer-Wielach (Hrsg.): Wohnblockblues und Hirtenflöte. Wagenbach Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-85869-738-7, S. 180 ff.
  • Frau Roscas Unterweisungen. Erzählung. In: Schreiben. 19/20. Papeteriekatalog Landolt-Arbenz, Zürich 2019, S. 4ff.
  • Im Schlamm der Gosse. In: Schweizerische Bibliophilen-Gesellschaft, Schneider-Lastin, Wolfram (Hrsg.): Bibliophilie – 33 Essays über die Faszination Buch. Wolfau Druck, Weinfelden 2021, ISBN 978-3-033-08479-7. S. 105 ff.
  • Ana-Mia in den Tälern. Erzählung. In: Spiegelungen. Zeitschrift für Deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas, Heft 1/2021, 16. Jahrgang. Pustet, Regensburg 2021. ISBN 978-3-7917-3234-3, S. 109 ff.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Dana Grigorcea – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dana Grigorcea bachmannpreis.orf.at, 28. Mai 2015. Präsentation der Teilnehmerin mit Videos (Porträt, Lesung, Jurydiskussion).
  2. a b Bachmannpreis für Nora Gomringer. bachmannpreis.orf.at, 5. Juli 2015. Siehe Abschnitt 3sat-Preis für Dana Grigorcea.
  3. Impressum des Telegramme Verlags. Abgerufen am 7. Oktober 2020.
  4. Aktion gegen die Korruption in Rumänien
  5. Laudatio von Corina Caduff bei der Nomination zum Schweizer Buchpreis