Gradoli

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Gradoli
Wappen
Gradoli (Italien)
Gradoli
Staat Italien
Region Latium
Provinz Viterbo (VT)
Koordinaten 42° 39′ N, 11° 51′ OKoordinaten: 42° 38′ 40″ N, 11° 51′ 20″ O
Höhe 470 m s.l.m.
Fläche 37 km²
Einwohner 1.348 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte 36 Einw./km²
Postleitzahl 01010
Vorwahl 0761
ISTAT-Nummer 056028
Volksbezeichnung Gradolesi
Schutzpatron San Magno
Website Gradoli

Gradoli ist eine Gemeinde mit 1348 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2017) in der Provinz Viterbo in der italienischen Region Latium.

Gradoli

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gradoli liegt 120 km nordwestlich von Rom, 44 km nordwestlich von Viterbo und 12 km westlich von Bolsena. Es liegt in den Monti Volsini oberhalb des Bolsenasees. Die Gemeinde ist Mitglied der Comunità Montana Alta Tuscia Laziale.

Die Nachbargemeinden sind Bolsena, Capodimonte, Grotte di Castro, Latera, Onano und Valentano.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gradoli liegt an der Staatsstraße SS 489, einer Nebenstraße der Via Cassia.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstanden wohl in der späten Völkerwanderungszeit als Rückzugssiedlung vor Langobarden, Arabern und Ungarn, tritt das Castellum Gradolarum im Jahr 1114 in der Schenkung der Mathilde von Canossa in Erscheinung, mit der diese ihren Landbesitz den Päpsten übereignete. Nach verschiedenen Besitzerwechseln, darunter auch die Stadt Orvieto, unterstellte Kardinal Egidio Albornoz den Ort um 1360 wieder der direkten päpstlichen Herrschaft. Im Jahre 1445 ernannte Papst Eugen IV. Ranuccio V. aus der Familie Farnese zum päpstlichen Vikar für Gradoli, was Leo X. 1513 unbegrenzt ausweitete. 1537 kam der Ort zum Herzogtum Castro und diente als Sommerresidenz der Herzöge. Nach dem zweiten Castro-Krieg von 1649 wurde er wieder direkt dem Kirchenstaat eingegliedert, bis dieser im Herbst 1870 im Königreich Italien aufging. Das Ortsbild dominieren der Palazzo Farnese und die Pfarrkirche Santa Maria Maddalena.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1881 1901 1921 1936 1951 1971 1991 2001 2011
Einwohner 1.832 2.048 2.096 2.303 2.358 1.849 1.548 1.496 1.479

Quelle ISTAT[2]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luigi Buzi (PD) wurde im Juni 2009 zum Bürgermeister gewählt[3] und bei den Wahlen am 25. und 26. Mai 2014 ohne Gegenkandidaten im Amt bestätigt. Seine Mitte-links-Liste besetzt daher auch alle 10 Sitze im Gemeinderat.[4] Buzi löste Gerardo Naddeo (Mitte-rechts-Bündnis) ab, der von 2004 bis 2009 als Bürgermeister amtierte und ihm bei der Wahl 2009 unterlag.[5]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Palazzo Farnese, erbaut an der Stelle einer Vorgängerburg von 1515 bis 1534 durch Antonio da Sangallo, den Hofarchitekten der Farnese im Auftrag von Kardinal Alessandro Farnese, seit 1534 Papst Paul III. Nach 1649 wurde er als Kloster benutzt, ging 1874 in Staatsbesitz über, um schon 1878 in Privathand zu gelangen; Papst Benedikt XV. schenkte den von ihm zurückgekauften Palast 1922 der Gemeinde Gradoli. Im Jahre 1997 wurde eine umfassende Renovierung weitgehend abgeschlossen. Außen bestimmt durch große Bastionsmauern an drei Ecken in Gestalt von Turmanbauten, erhebt sich das Gebäude mit seiner Hauptfassade von sieben Achsen und dem Unter- und drei hohen Obergeschossen; die Rückfassade ist ähnlich gestaltet. Im Inneren sind drei Treppenanlagen vorhanden, die in die Repräsentationsgeschosse führen: Im ersten ist die Sala Ducale mit manieristischen Wandfresken im Groteskenstil und einem Kamin versehen. Im zweiten Stockwerk sind weitere Repräsentationsräume mit Fresken mythologischen Inhalts verziert; in ihnen ist das Museo del Costume Farnesiano untergebracht, das Kostüme des 16. Jahrhunderts in Nachbildungen ausstellt.
  • Kollegiatkirche S. Maria Maddalena links des Palazzo Farnese als Neubau mit Barockfassade nach Brand der mittelalterlichen Vorgängerkirche, am 25. April 1705 durch Kardinal Marcantonio Barbarigo geweiht. Dreischiffiger Innenraum mit sechs Seitenkapellen und Hochaltar mit Madonnenstatue. In der ersten linken Kapelle Taufstein der Renaissance von Isaia da Pisa, im Kirchenmuseum Freskenzyklus mit Szenen der Passion Christi.
  • Kapelle San Michele Arcangelo mit Fresko der Kreuzigung, begleitet von Maria und Johannes dem Evangelisten.
  • Landkirche San Vittore im Südwesten außerhalb Gradolis mit Gemälde der Madonna della Vittoria.
  • Landkirche San Magno östlich des Ortes nahe dem Bolsenasee aus der Frührenaissance, einst im Besitz des Malteserordens, mit großem Portal und Wappen sowie drei Altären im Inneren. Nahe der Kirche Ausgrabungsgelände einer römischen Landvilla.
  • Zwei Brunnen auf dem Platz vor dem westlichen Tor zum Ortszentrum und auf dem Hauptplatz vor dem Palazzo Farnese.

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Gradoli und den angrenzenden Gemeinden wird der rote Dessertwein Aleatico di Gradoli in drei Sorten angebaut. Eine Spezialität ist auch die Grappa di Aleatico di Gradoli. Außerdem wird ein Grechetto Bianco und Rosso produziert.

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Frühjahr findet am Fastnachtsdienstag der Pranzo del Purgatorio statt, ein „Armeleuteessen“ zur Vorbereitung auf die Fastenzeit. Dem lokalen Dessertwein gilt Ende Juli/Anfang August di Sagra dell’Aleatico, ein Volksfest mit Weinverkostung, Essen und Spielen.

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Les Mémoires du Cardinal Dominique Ferrata, 3 Bde. Rom 1920.
  • I Farnese: trecento anni di storia, Rom 1990.
  • Flaminia Gennari Santori: La decorazione del Palazzo Farnese di Gradoli, in: Storia dell'arte 83, 1995, S. 82–110.
  • Dies. – Sabina Robert – Francesca Vicarelli: Decorazioni farnesiane nei palazzi di Valentano, Capodimonte e Gradoli, Rom 1996 ISBN 978-88-8016-166-0
  • Elena Agostini: Gradoli, storia e territorio, Viterbo 1998.
  • Paolo Cirigliano: Territorio della doc Aleatico di Gradoli e definizione di sottozone, in: L'Informatore agrario 61, 2005, S. 59–62.
  • Salvatore Enrico Anselmi: La decorazione pittorica nelle residenze farnesiane di Capodimonte e Gradoli. Due esempi di vulgata raffaellesca, in: Laura und Massimo G. Bonelli (Hrsg.): L’età di Michelangelo e la Tuscia, Viterbo 2007, S. 28–41.
  • Georg Henke – Frank Schwarz: Latium mit Rom, 2. Aufl. Bielefeld 2009, ISBN 978-3-8317-1714-9, S. 134 f.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2017.
  2. Statistiche demografiche ISTAT. Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2011.
  3. Information des Innenministeriums
  4. Information des Innenministeriums
  5. Speciale elezioni 2009. In: La Repubblica. 8. Juni 2009, abgerufen am 26. Januar 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gradoli – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien