Halbturn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Halbturn
Wappen Österreichkarte
Wappen von Halbturn
Halbturn (Österreich)
Halbturn
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Neusiedl am See
Kfz-Kennzeichen: ND
Fläche: 55,15 km²
Koordinaten: 47° 52′ N, 16° 58′ OKoordinaten: 47° 52′ 16″ N, 16° 58′ 28″ O
Einwohner: 1.922 (1. Jän. 2019)
Bevölkerungsdichte: 35 Einw. pro km²
Postleitzahl: 7131
Gemeindekennziffer: 1 07 08
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Wiener Straße 3
7131 Halbturn
Website: www.halbturn.at
Politik
Bürgermeister: Markus Ulram (ÖVP)
Gemeinderat: (2017)
(21 Mitglieder)
14
5
2
14 
Insgesamt 21 Sitze
Lage von Halbturn im Bezirk Neusiedl am See
AndauApetlonBruckneudorfDeutsch JahrndorfEdelstalFrauenkirchenGattendorfGolsHalbturnIllmitzJoisKittseeMönchhofNeudorf bei ParndorfNeusiedl am SeeNeusiedl am SeeNickelsdorfPamaPamhagenParndorfPodersdorf am SeePotzneusiedlSankt Andrä am ZickseeTadtenWallern im BurgenlandWeiden am SeeWinden am SeeZurndorfBezirk Neusiedl am SeeLage der Gemeinde Halbturn im Bezirk Neusiedl am See (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Schloss Halbturn
Schloss Halbturn
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Halbturn ist eine Gemeinde mit 1922 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2019) im Burgenland im Bezirk Neusiedl am See in Österreich. Der ungarische Ortsname der Gemeinde ist Féltorony.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Halbturn (burgenländisch „Hoibtuan“) liegt nahe der ungarischen Grenze. Weiterer Ortsteil ist Wittmannshof.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nachbarorte in Österreich sind Frauenkirchen, Mönchhof, Nickelsdorf, St. Andrä am Zicksee und Andau, in Ungarn Albertkázmérpuszta, Hegyeshalom und Mosonszolnok.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gegend um Halbturn war bereits in römischer Zeit besiedelt. Bei archäologischen Grabungen wurden ein Gräberfeld aus der Kaiserzeit sowie eine römische Villa gefunden.[1][2]

Die erste urkundliche Erwähnung Halbturns war im Jahre 1466, eine Urkunde berichtet über einen langjährigen Grenzstreit zwischen dem Konvent des Stiftes Heiligenkreuz, Grundherr in Mönchhof, und den Grafen von Bazin, den Besitzern von Halbturn, die eine Vergrößerung ihres Besitzes anstrebten. König Matthias Corvinus wurde gebeten, als oberster Richter zu fungieren. Am Feste des Hl. Georg trafen sich die streitenden Parteien. Ein Kommissär des Königs sprach an Ort und Stelle die Grundstücke und Weingärten dem Stift Heiligenkreuz zu.

In der genannten Urkunde von 1466 wird Halbturn zwar erstmals namentlich erwähnt, doch wurde der Ort vermutlich früher gegründet. Vom „alten, ersten Halbturn“ ist bis heute über Aussehen, Größe, Bewohner etc. nichts bekannt.

Weitere urkundliche Erwähnungen sind 1487/88 „villa Felthorom, Felthoron“ und 1493 „poss. Holbenthurm“.[3]

Namensdeutung
Der „Halbe Turm“ auf einem Plan aus dem Jahre 1650. Im Norden (E) ist Mönchhof und im Südosten (O) Frauenkirchen eingezeichnet.

Halbturn leitet sich wahrscheinlich von einem halbverfallenen Turm eines alten Kastells ab. Dieser halbe Turm ist im „Mönchhofer Hotterbüchl“ abgebildet. Ob der Zeichner nur zur besseren Erklärung des Gebietes diesen Turm gezeichnet hat, oder er tatsächlich bestanden hat, konnte bisher nicht geklärt werden. Der Turm könnte jedoch zur Verteidigung der wichtigen Straßenkreuzung von Neusiedl nach Altenburg (Magyaróvár) und von Ödenburg (Sopron) nach Preßburg (Bratislava) gedient haben. Der Standort dieses Turmes könnte im Bereich des Schlosses gewesen sein und auch die Grundrissform des dritten Schlosshofes entspräche der eines Turmes. Bildliche oder schriftliche Beweise dafür gibt es jedoch nicht.[3]

Herrschaft und Besitzer

Halbturn gehörte zur Herrschaft Ungarisch-Altenburg (Magyaróvár), die damals im Besitz der Grafen von Bösing (Bazin) und St. Georgen (bei Preßburg) war und zum Königreich Ungarn gehörte. 1516 nach dem Aussterben der Familie kam die Herrschaft wieder an die ungarische Krone zurück als unmittelbares ungarisches Krongut. Der ungarische König Ludwig II. schenkte die Herrschaft seiner Gemahlin Maria (1505–1558), der Schwester des Habsburgers Ferdinand I., als Witwengut. 1526, nach dem Tode Ludwigs II., übernahm Maria ihren Witwensitz und hielt sich bis 1528 im Komitat auf. Auf dem Gelände des zerstörten Halbturn fand nach der Eroberung Budapests durch die Türken im Jahre 1540 das Gestüt der ungarischen Königinwitwe Maria eine neue Heimstätte. König Ferdinand I. gestattete hierbei seinem Höfling Eizinger die Errichtung eines Gestüts auf dem Halbturner Gelände. Nach dem Ableben Marias kam der Besitz wieder in die direkte Verwaltung der Habsburger zurück, da durch das Aussterben der ungarischen Könige die Habsburger deren Stellung übernahmen.[4]

Der Ort gehörte, wie das gesamte Burgenland, bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Féltorony verwendet werden.

Das westseitige Portal und der Hauptbau des Schlosses Halbturn
Tschardaken („kleine Holzhäuschen“) sind in Halbturn noch zahlreich vorhanden

Historische Landkarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2017
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
63,72
(+11,59)
24,96
(-11,56)
11,32
(-0,03)

Bürgermeister Markus Ulram

Der Gemeinderat umfasst aufgrund der Einwohnerzahl insgesamt 21 Mitglieder.

Ergebnisse der Gemeinderatswahlen seit 1997
Partei 2017[5] 2012[6] 2007[7] 2002[8] 1997[8]
Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M.
ÖVP 850 63,72 14 698 52,13 11 637 46,60 10 566 40,72 9 460 34,80 7
SPÖ 333 24,96 5 489 36,52 8 427 31,24 7 373 26,83 5 287 21,71 4
FPÖ 151 11,32 2 152 11,35 2 nicht kandidiert 451 32,45 7 575 43,49 10
BLH nicht kandidiert nicht kandidiert 303 22,17 4 nicht kandidiert nicht kandidiert
Wahlberechtigte 1709 1751 1747 1681 1615
Wahlbeteiligung 86,37 % 85,89 % 85,35 % 89,17 % 90,15 %

Gemeindevorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Gemeindevorstand gehören nebne Bürgermeister Markus Ulram (ÖVP) und dem Vizebürgermeister Paul Brunner (ÖVP) weiters die geschäftsführenden Gemeinderäte Friedrich Heider (SPÖ), Anita Rongitsch (ÖVP), Gerald Knöbl (ÖVP), Josef Thury (ÖVP) und Roland Ziniel (SPÖ) dem Gemeindevorstand an.[9]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister ist Markus Ulram (ÖVP), der 2011 die Nachfolge von Peter Nachtnebel (ÖVP) antrat.

Vizebürgermeister ist Paul Brunner (ÖVP).[9]

Amtsleiterin ist Johanna Knöbl.[10]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Halbturn sowie der Nachbargemeinde Andau wird derzeit der Windpark Andau/Halbturn errichtet. Nachdem die Baugenehmigung 2010 erteilt wurde, befindet sich der Windpark mit insgesamt 79 Windkraftanlagen seit Mai 2012 in Bau.[11]

Durch Halbturn führt der von Frauenkirchen kommende und bis zur Einbindung in den Jakobsweg Österreich in Haslau-Maria Ellend überwiegend im Burgenland verlaufenden Jakobsweg Burgenland. Der Jakobsweg Ungarn knüpft in einer Variante in Halbturn an den Jakobsweg Burgenland an.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche hl. Joseph von Nazaret
Hochaltar und Innenraum der Pfarrkirche
Pfarrhof in Halbturn
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Halbturn
Regelmäßige Veranstaltungen
  • Die Halbturner Schlosskonzerte finden seit 1973 jährlich an den Samstagen in den Monaten Juli und August statt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herbert Brettl: Halbturn im Wandel der Zeiten. Gemeinde Halbturn, Halbturn 1999
  • Marietheres Waldbott: Halbturn. Roetzer, Eisenstadt 1975
  • Abschnitt „Die Partnergemeinden“ in „TÜPL Bruckneudorf – 150 Jahre Brucker Lager“ von Petra Weiß, Hrsg. Stadtgemeinde Bruck an der Leitha, April 2017, S. 432/433

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Halbturn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Falko Daim, Nives Doneus (Hrsg.): Halbturn: Das kaiserzeitliche Gräberfeld und die Villa von Halbturn, Burgenland: Naturräumliche Voraussetzungen, Prospektion und Vorbericht (= Monographien zur Frühgeschichte und Mittelalterarchäologie. Band 10). Innsbruck 2004, ISBN 3-7030-0391-X.
  2. Nives Doneus (Hrsg.): Das kaiserzeitliche Gräberfeld von Halbturn, Burgenland (= Monographien des Römisch-Germanischen Zentralmuseums. Band 122). 4 Bände, Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Mainz 2014, ISBN 978-3-88467-233-4 (Online-Fassung).
  3. a b Herbert Brettl: Halbturn im Wandel der Zeiten. Gemeinde Halbturn, Halbturn 1999
  4. Harald Prickler: Das kaiserliche Gestüt in Mönchhof. In: Burgenländisches Leben, 1977, 1/2
  5. Land Burgenland: Wahlergebnis Halbturn 2017 (abgerufen am 28. November 2017)
  6. Land Burgenland: Wahlergebnis Halbturn 2012 (abgerufen am 28. November 2017)
  7. Land Burgenland: Wahlergebnis Halbturn 2007 (abgerufen am 28. November 2017)
  8. a b Land Burgenland: Wahlergebnis Halbturn 2002 (abgerufen am 28. November 2017)
  9. a b Gemeinde Halbturn: Gemeindevorstand und Gemeinderäte (abgerufen am 28. November 2017)
  10. Gemeinde Halbturn: Gemeindeamt (abgerufen am 28. November 2017)
  11. Halbturn & Andau: 79 neue Windräder. In: ORF, 4. Mai 2012. Abgerufen am 5. Mai 2012.