Parndorf

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Parndorf
Pandrof
Wappen von ParndorfPandrof
Parndorf (Österreich)
Parndorf
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Neusiedl am See
Kfz-Kennzeichen: ND
Fläche: 59,2 km²
Koordinaten: 48° 0′ N, 16° 51′ OKoordinaten: 47° 59′ 40″ N, 16° 51′ 30″ O
Höhe: 182 m ü. A.
Einwohner: 4.609 (1. Jän. 2017)
Bevölkerungsdichte: 78 Einw. pro km²
Postleitzahl: 7111
Vorwahl: 0 21 66
Gemeindekennziffer: 1 07 17
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 52a
7111 Parndorf
Website: www.gemeinde-parndorf.at
Politik
Bürgermeister: Wolfgang Kovacs (LIPA)
Gemeinderat: (2012)
(25 Mitglieder)
14
9
2
14 
Von 25 Sitzen entfallen auf:
Lage der Gemeinde Parndorf
Pandrof im Bezirk Neusiedl am See
Andau Apetlon Bruckneudorf Deutsch Jahrndorf Edelstal Frauenkirchen Gattendorf Gols Halbturn Illmitz Jois Kittsee Mönchhof Neudorf bei Parndorf Neusiedl am See Neusiedl am See Nickelsdorf Pama Pamhagen Parndorf Podersdorf am See Potzneusiedl Sankt Andrä am Zicksee Tadten Wallern im Burgenland Weiden am See Winden am See Zurndorf Bezirk Neusiedl am SeeLage der Gemeinde Parndorf im Bezirk Neusiedl am See (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Parndorf (kroatisch Pandrof, ungarisch Pándorfalu) ist eine Gemeinde mit 4609 Einwohnern (Stand: 1. Jänner 2017) im Burgenland im Bezirk Neusiedl am See.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parndorf reicht mit dem westlichen Teil in das Leithagebirge hinein und befindet sich auf der Parndorfer Platte. Der Ort liegt 7 km nördlich des Neusiedler Sees.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet war zu römischer Zeit bereits dicht besiedelt, wenige Kilometer westlich des heutigen Ortes liegt mit der römischen Villa Bruckneudorf etwa einer der wichtigsten Villenfundplätze Ostösterreichs.

Der Ort wurde am 25. März 1264 (oder 1268[1]) das erste Mal unter dem Namen „Perun“ erwähnt. Damals schenkte König Béla IV. dem Wieselburger Bürger Leopold Ländereien bei Parndorf. Aus der Zeit davor liegen prähistorische und römerzeitliche Funde sowie keltisch-boische Silbermünzen vor. Parndorf gehörte zum Komitat Wieselburg. Im Jahre 1529 fiel der Ort wie viele andere Dörfer des Gebietes der Türkeninvasion im Zuge der ersten Wiener Türkenbelagerung zum Opfer. Danach wurde das Gebiet durch Kroaten aus dem dalmatinischen Küstengebiet neu besiedelt. Weitere Zerstörungen erfolgten im Rahmen von Türkeneinfällen 1570, 1619/20, 1683 und beim Kuruzzenaufstand 1709 sowie durch einen Brand 1945.

Im Norden des Ortes liegen Reste der Kuruzzenschanze: Sie ist eine alte militärische Befestigung und besteht aus einem Erdwall mit vorgelagertem Graben, in dessen Verlauf sich einige gemauerte Wachtürme befanden. Die Schanze wurde von 1703 bis 1711 während des antihabsburgischen Aufstandes unter Franz Rákóczi gegen dessen Truppen, die Kuruzzen, geschaffen.[1] Die Schanze verlief von Petronell über Parndorf bis zum Tabor bei Neusiedl am See.

1863 bekam der Ort den endgültigen Namen „Parndorf“. Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Pándorfalu verwendet werden.

Der Parndorfer Flughafen wurde 1915 eingerichtet und diente im Zweiten Weltkrieg der Ausbildung von Piloten.[2] und wurde von den Flugstreitkräften der Roten Armee bis 1955 verwendet.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).

Am 27. August 2015 kam Parndorf in die Schlagzeilen der Weltpresse, weil auf einem Pannenstreifen der Autobahn zwischen Neusiedl am See und Parndorf ein LKW voller Leichen von Flüchtlingen gefunden worden war.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Volkszählung von 2001 bekennen sich 66 % der Bevölkerung zur deutschsprachigen und 17 % zur burgenlandkroatischen Volksgruppe. Zusätzlich bezeichnen sich 4 % als Kroaten. 6 % der Gemeindebevölkerung geben Türkisch als ihre vorwiegende Umgangssprache an.

79 % der Gemeindebevölkerung sind Angehörige der römisch-katholischen Kirche. Zum Islam bekennen sich 7 %, ohne Bekenntnis sind ebenfalls 7 % der Bevölkerung.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindevertretung hat seit 2012 insgesamt 25 Sitze.

Bürgermeister
  • bis 2007 Anton Gabriel (SPÖ)
  • seit 2007 Wolfgang Kovacs (LIPA)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: In silbernem Schild eine zweiblätterige natürliche Distel.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1810 wurde Parndorf zum Markt erhoben. 1837 erhielt der Ort ein Postamt.

Einkaufszentrum Parndorf
  • Das von der britischen McArthurGlen Group für 58 Millionen Euro ab 1996 geplante und ab 1997 auf ursprünglich 10.000 m² gebaute Designer Outlet Parndorf ist der größte Arbeitgeber in der Region mit 650 Arbeitsplätzen. Das Factory-Outlet-Center liegt ca. 2,5 km südlich vom Parndorfer Ortskern entfernt auf dem freien Feld. Es war das erste seiner Art in Österreich und wurde gegen den Widerstand der örtlichen Gewerbetreibenden mit zunächst 30 Ladengeschäften im August 1998 eröffnet. Mit Stand 2016 verkaufen um die 140 Markenhersteller preisreduzierte Ware aus vergangenen Saisons in im Center angesiedelten Einzelgeschäften, darunter gehobene und Designer-Modemarken. Bis 2017 soll die Fläche auf 36.500 m² und 165 Anbieter wachsen.
  • 2005 eröffnete mit BIGG ein weiteres, von Signa gebautes Outlet-Center in unmittelbarer Nähe. Signa verkaufte das Center mit um die 25 Einzelhandelsplätzen 2006 an den Hamburger Fondsverwalter Warburg-Henderson, der es wiederum von McArthurGlen als Galerien Parndorf betreiben ließ.
  • Ende März 2012 eröffnete als drittes Outlet-Center das von zwei österreichischen Immobiliengesellschaften betriebene, 9.200 m² große Villaggio Fashion Outlet Parndorf unmittelbar nordöstlich anschließend an die beiden bestehenden Outlet-Center.[3] Villagio übernahm 2014 die 11.600 m² großen Galerien Parndorf von Warburg-Henderson, benannte den Gesamtkomplex in Fashion Outlet Pardorf um, erweiterte die Fläche auf 27.500 m² und setzte als Betreiber die ROS Retail Outlet Shopping ein, welche im September 2016 von der FOP Management GmbH abgelöst wurde. Über 100 Markenhersteller des mittleren und gehobenen Segments bieten im FOP ihre Waren an.
  • Der Windpark Neuhof besteht aus 9 Vestas V80 und 2 Vestas V90. Letztere gingen 2005 in Betrieb und gehörten mit einer Gesamthöhe von 150 Metern bei Inbetriebnahme zu den höchsten Windkraftanlagen Österreichs.[4]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bahn: 1854 durch den Ausbau der Eisenbahnlinie von Wien über Parndorf nach Raab den Bahnanschluss (Ostbahn). Durch den weiteren Bau der Bahnstrecken nach Sopron (Pannoniabahn) und nach Bratislava (Zweigbahn der Ostbahn) wurde Parndorf zum Eisenbahnknotenpunkt. Neben dem Bahnhof Parndorf besteht die Bahnhaltestelle Parndorf Ort mit einem großen Park & Ride Platz von 430 Stellplätzen. Derzeit halten in Parndorf nur Regionalexpress- und Regionalzüge sowie einige Schnellbahnen, die den Ort mit Wien, Bruck an der Leitha, Bratislava, Győr, Eisenstadt, Sopron, Neusiedl am See und Pamhagen verbinden.
  • Straße: Parndorf liegt an der Budapester (B 10) und Burgenland Straße (B 50).
Der Norden von Parndorf mit der Kuruzzenschanze, um 1873 (Aufnahmeblatt der 3.Landesaufnahme)
Der Süden von Parndorf um 1873

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Parndorf
  • Pfarrkirche Parndorf: Die römisch-katholische Kirche ist dem Hl. Ladislaus geweiht und wird als mittelalterliche Pfarre betrachtet, eine dem Hl. Benedikt geweihte Kirche ist 1430 erwähnt. Die Neugründung der Pfarre und der Wechsel des PDie römisch-katholische atroziniums erfolgen nach den Zerstörungen des Jahres 1570 im Jahr 1572. Der Turm der Kirche steht auf romanischen Fundamenten, deren Mauerwerk in das 12.-13. Jahrhundert datiert wird. Das Kirchenschiff wurde 1716–1718 nach Plänen von Lucas von Hildebrandt erbaut. Im Turmuntergeschoß befindet sich eine romanische kreuzgratgewölbte Kapelle. Seit 2008 wird in der Apsis dieser Kirche die um 1990 entdeckte, damals aber noch nicht freigelegte originale Wandmalerei aus der Barockzeit restauriert. Die Fresken werden dem Künstler Johann Gfall zugeschrieben.[5]
  • Östlich neben der Kirche steht die Gruftkapelle der gräflichen Familie Harrach, geweiht dem Hl. Kreuz aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
  • An der Straße nach Bruckneudorf befindet sich bereits außerhalb des Ortsgebietes eine Pestkapelle aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts, jener Zeit, in der die letzten Pestepidemien in Europa grassierten. 1713 wurde Parndorf letztmals von Seuchen wie der Pest heimgesucht. Die Kapelle ist dem Hl. Rochus geweiht.
  • Das Schloss von Parndorf befand sich im Süden des Ortes. Seine Lage ist nur mehr durch historische Landkarten dokumentiert, das Gebäude wurde 1979 abgetragen.[1]
  • Im Sommer gibt es auf dem Kirchenplatz den Theater Sommer Parndorf, der seit 2012 von Christian Spatzek geleitet wird. Er eröffnet mit „Der Talisman“ von Johann Nestroy.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der ansässige Fußballverein SC-ESV Parndorf 1919 spielte von 2006 bis 2008 sowie in der Spielzeit 2013/14 in der zweithöchsten österreichischen Spielklasse – der Ersten Liga. Derzeit (Stand: Saison 2014/15) gehört der Verein der drittklassigen Regionalliga Ost an.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Parndorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Adelheid Schmeller-Kitt: Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Burgenland. Hg. vom Institut für österreichische Kunstforschung des Bundesdenkmalamtes. 2. Auflage 1980. Verlag Anton Schroll Wien. Seiten 230–232. ISBN 3-7031-0493-7.
  2. Leopold Wolfram: 1938 und seine Folgen bis 1945. In: Höfleiner Gemeindezeitung „Gemeindetrommler“, Ausgabe 32, Dezember 2008. Seite 39.
  3. Fashion Outlet VILLAGGIO: Neues Mekka für preisbewusste Fashionistas! Unter dem Motto „Make it yours“ eröffnet das neue österreichische Outlet Center Villaggio in Parndorf. Fashion Outlet VILLAGGIO, 15. März 2012, abgerufen am 5. August 2012 (PDF).
  4. Windräder in Neuhof.
  5. Bericht des Bundesdenkmalamtes, abgerufen 30. Juni 2011.