Humane Noroviren

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3D-Modelle von Norovirus-Virionen

Die Spezies der humanpathogenen Noroviren sind unbehüllte, einzelsträngige RNA-Viren mit positiver Polarität aus der Familie Caliciviridae und der gleichnamigen Gattung Norovirus. Noro- ist ein künstlich gebildetes Präfix aus Norwalk, das 2004 offizielle taxonomische Bezeichnung wurde. Die hochkontagiösen (hochansteckenden) Noroviren verursachen beim Menschen neben zahlreichen weiteren Viren die viralen Gastroenteritiden (viraler Brechdurchfall, auch umgangssprachlich als Magen-Darm-Grippe bezeichnet). Sie sind neben den Rotaviren aus der Familie der Reoviridae für die Mehrzahl der nicht bakteriell verursachten Durchfallerkrankungen beim Menschen verantwortlich. Der Nachweis von humanen Noroviren ist in Deutschland nach § 7 Infektionsschutzgesetz namentlich meldepflichtig.

Erstbeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als erstes humanes Norovirus wurde das Norwalk-Virus in Stuhlproben eines viralen Gastroenteritis-Ausbruchs von 1968 in Norwalk, Ohio, durch Immunelektronenmikroskopie 1972 erstmals morphologisch charakterisiert.[1] Um den Zusammenhang zwischen dem gefundenen Virus und einer Gastroenteritis-Erkrankung beweisen zu können, wurde gereinigtes Stuhl-Ultrafiltrat (gewonnen aus menschlichem Kot erkrankter Patienten) an Freiwillige oral verabreicht, welche anschließend ebenfalls erkrankten.

Morphologie und Einteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noroviren haben einen Durchmesser von 35 bis 39 nm. Sie weisen im elektronenmikroskopischen Bild eine sehr unscharfe, runde Struktur auf. Sie besitzen ein ikosaedrisches (zwanzigflächiges) Kapsid (T=3-Symmetrie) und ein ca. 7,3 bis 7,7 kB großes Genom. Wie die meisten einzelsträngigen RNA-Viren sind Noroviren sehr variabel in ihrer Genomsequenz, weshalb zahlreiche verschiedene Subtypen und Isolate bekannt sind. Sie zeigen Antigendrift und auch eine saisonale Antigenshift durch genetische Rekombination zwischen unterschiedlichen Norovirusstämmen.[2]

Derzeit werden drei humanpathogene Norovirus-Spezies, nämlich die Spezies Norwalk-Virus und die selteneren Spezies Humanes Norovirus Alphatron und Humanes Norovirus Saitama, innerhalb der Gattung Norovirus vorläufig unterschieden. Die Spezies Norwalk-Virus wird derzeit in 7 Subtypen unterteilt, wobei vier dieser Subtypen wiederum zu sehr umfangreichen Genogruppen 1–4 (GGI bis GGIV) zusammengefasst werden können. Die Isolate und Subtypen werden nach einem internationalen Schema benannt und klassifiziert:[3]

  • Subtyp Desert-Shield-Virus (Hu/NV/DSV395/1990/SR)
  • Subtyp Hawaii-Virus (Hu/NV/HV/1971/US)
  • Subtyp Lordsdale-Virus (Hu/NV/LD/1993/UK)
  • Subtyp Mexiko-Virus (Hu/NV/MX/1989/MX)
  • Subtyp Norwalk-Virus (Hu/NV/NV/1968/US)
  • Subtyp Snow-Mountain-Virus (Hu/NV/SMV/1976/US)
  • Subtyp Southampton-Virus (Hu/NV/SHV/1991/UK)

Epidemiologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noroviren sind weltweit verbreitet und weisen die für unbehüllte Viren typische Resistenz gegenüber Umwelteinflüssen auf. Sie überstehen Temperaturschwankungen von −20 bis +60 °C und zeigten ihre „Überlebensfähigkeit“ auf einem kontaminierten Teppich noch nach zwölf Tagen. Für die humanen Noroviren gilt der Mensch als einziger Reservoirwirt.

Norovirusinfektionen treten in Mitteleuropa saisonal gehäuft in den Monaten November bis März auf, die Aktivität ist in den Sommermonaten nur etwa ein Zehntel so groß wie im Winter. Die durch eine Infektion erworbene Immunität gegen einen Virenstamm hält länger an als bis zur nächsten Saison, sodass der Erreger einem hohen Selektionsdruck durch Herdenimmunität ausgesetzt ist. Diesem weicht er durch Gendrift und -Shift aus.[4]

In einer Studie bildeten 29 % der Personen nicht das Oligosaccharid, an das das Norovirus andockt, und sind daher nicht anfällig für eine Infektion. Von den anderen untersuchten Personen (kaukasischer Abstammung) waren etwa 40 % dauerhaft unanfällig, womöglich aufgrund einer erworbenen Immunität.[5] Auch ein Einfluss der Blutgruppe wird diskutiert.[6]

Endemische Norovirusinfektionen wurden bislang v. a. in Krankenhäusern (gehäuft in geriatrischen Abteilungen) und Alten- oder Pflegeheimen nachgewiesen. In der Schweiz muss Schätzungen zufolge jährlich mit 400.000 bis 600.000 Infektionen durch diese Viren gerechnet werden. In Deutschland wurden für das Meldejahr 2013 89.322 labordiagnostisch bestätigte Fälle (Referenzdefinition seit 2011) an das Robert-Koch-Institut übermittelt. 19 % davon wurden im Rahmen von Ausbrüchen registriert, davon etwa 2/3 in Krankenhäusern oder Alten- und Pflegeheimen, 1/7 in Kindergärten und Kindertagesstätten.[7] Bis in die 1990er Jahre war die Norovirus-Diagnostik wenigen Speziallaboratorien vorbehalten. Seit käufliche Immuntests zur Verfügung stehen, kann auch häufiger eine spezifische Infektion mit Noroviren nachgewiesen werden.

Im Herbst 2012 haben sich in Ostdeutschland fast elftausend Menschen durch aus China importierte Erdbeeren mit dem Norovirus infiziert. Der Norovirus-Ausbruch 2012 sorgte für große Medienaufmerksamkeit.[8]

Übertragung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit einer minimalen Infektionsdosis von nur 10 bis 100 Viruspartikeln ist die Kontagiosität der Noroviren außerordentlich hoch. Die Übertragung erfolgt von Mensch zu Mensch über eine Kontakt- bzw. Schmierinfektion. Die Viren werden über den Stuhl oder Erbrochenes ausgeschieden und auf fäkal-oralem Weg oder beim Einatmen des beim Erbrechen entstehenden Aerosols oral übertragen. Die Ansteckung mit Viren kann über kontaminierte Gegenstände erfolgen. Ferner ist eine Aufnahme der Erreger über kontaminiertes Wasser möglich, dies kann zum einen über Speisen und Getränke, welche mit kontaminiertem Wasser zubereitet wurden, aber auch durch das Trinken von Leitungswasser erfolgen.[9] Humane Noroviren sind im Vergleich zu anderen Viren relativ umweltstabil und können in Wasser mehrere Tage bis Wochen bei 25 °C überstehen.[10]

Eine direkte Zoonose über Schweine und Rinder konnte ebenfalls gezeigt werden.[11]

Besonders gefährdet sind die Bewohner sowie das Personal von Gemeinschaftseinrichtungen aller Art, da durch Benutzung z. B. gemeinsamer Toiletten ein lokaler Ausbruch gefördert wird. In den letzten Jahren waren häufig auch Kreuzfahrtschiffe betroffen.[12]

In der Regel werden die Viren von erkrankten Personen während der akuten Erkrankung, aber auch nach Abklingen der klinischen Symptome ausgeschieden. Der Höhepunkt der Ausscheidung ist üblicherweise 4 Tage nach der Infektion, also meist nach dem Abklingen der Symptome. Auch symptomlose Infizierte können Virusausscheider sein. In einer Studie mit absichtlicher Infektion konnte das Virus im Median 4 Wochen nach Infektion im Stuhl nachgewiesen werden.[13] Daher ist die sorgfältige Beachtung üblicher Hygieneregeln auch im Anschluss an die Erkrankung von sehr großer Bedeutung.

Symptome und Beschwerden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Inkubationszeit der von den humanen Noroviren beim Menschen ausgelösten Erkrankung beträgt ca. 10–50 Stunden. Krankheitssymptome entwickeln sich innerhalb weniger Stunden bis Tage und bestehen in erster Linie aus einer Gastroenteritis mit plötzlich auftretendem Durchfall und Erbrechen, die zu erheblichen Flüssigkeitsverlusten (siehe Exsikkose) führen können. Daher sind besonders Kinder und ältere Menschen gefährdet. Meist besteht ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl mit Bauchschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen.

Die Erkrankung verläuft meist kurz und heftig und klingt nach ein bis drei Tagen wieder ab. Erbrechen kommt bei mehr als 50 % der Patienten vor, wobei Jugendliche mehr an Erbrechen, Erwachsene mehr an Durchfall leiden.

Folgen und Komplikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Je nach Schwere der Erkrankung kann der Wasserverlust durch die Norovirusinfektion ohne Behandlung auch zum Tod führen. Die Mortalitätsrate liegt deutlich unter 0,1 %, betroffen sind mit 70 bis 80 % ältere Menschen ab 80 Jahren. Seit 2001 besteht in Deutschland Meldepflicht für die Erkrankung. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) starben im Jahr 2005 12 Menschen an den Noroviren, 2006 16, 2007 76, 2008 67, 2009 30, 2010 56 und 2011 43.[14]

Nachweis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der medizinischen Diagnostik ist es möglich, jedoch nicht immer sinnvoll, Noroviren in Stuhlproben nachzuweisen. Die am häufigsten angewandte, jedoch auch teuerste Methode ist die RT-PCR (Nachweis über Reverse Transkription mit anschließender Polymerase-Kettenreaktion). Sie verfügt über eine hohe Sensitivität und Spezifität. Weitere verfügbare Nachweismethoden sind der ELISA (geringere Spezifität) und die Elektronenmikroskopie (aufwändig). Eine Virusisolierung in Zellkultur kann durch Zugabe von bestimmten Darmbakterien erreicht werden.[15]

Besondere Bedeutung kommt dem Erregernachweis im Rahmen von Ausbrüchen zu, da diese besondere hygienische Maßnahmen erforderlich machen. Allerdings wird nicht jede Erkrankung auf den Erreger hin untersucht, daher entsprechen die Meldezahlen nicht dem wahren Ausmaß der Erkrankung. Auch aufgrund einer fehlenden spezifischen Therapie wird die Notwendigkeit einer teuren Stuhldiagnostik von Fachleuten bezweifelt, wenn im Umfeld bereits Gastroenteritiden durch Noroviren nachgewiesen wurden. Eine Untersuchung auf Noroviren bei jedem einzelnen Patienten ist daher medizinisch unnötig und wenig wirtschaftlich, wenn Erkrankungsfälle in der Umgebung bekannt sind und die klassischen klinischen Symptome vorhanden sind.

Lebensmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Problematisch für die Lebensmittelanalytik ist die Tatsache, dass Noroviren der Genogruppe I und II auf den Menschen wirtsspezifisch sind und bislang noch keine Zellkultur erhältlich ist, die eine Vermehrung ermöglicht.[16] Daher muss für die Untersuchung von Lebensmitteln stets eine Extraktion und Aufkonzentrierung erfolgen. Gemäß der amtlichen Methodensammlung § 64 LFGB L 00.00-147/2 (Übernahme der gleichlautenden Norm DIN CEN ISO/TS 15216-2) sind Wiederfindungsraten von 1 % bezogen auf weiche Lebensmittel mit rauer Oberfläche (wie Erdbeeren) bereits als akzeptabel zu bewerten. Die Infektiösität der Viruspartikel ist sehr hoch. Die analytische Nachweisgrenze ist in dem Hinblick in Lebensmitteln methodisch bedingt sehr niedrig. Aufgrund labortechnischer Limitierungen ist daher stets mit Unterbefunden zu rechnen, die zu einer nicht unerheblichen Dunkelziffer bei der Aufklärung von Norovirus-assoziierten Lebensmittelinfektionen führt.[17] Insbesondere TK-Früchte, die aus Regenmangelgebieten und hygienisch unterentwickelten Ländern eingeführt werden, sind daher stets mit einem nicht unerheblichen Risiko behaftet, das durch Analysen im Labor nicht vollständig ausgeschlossen werden kann.[18]

Behandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine ursächliche antivirale Therapie ist nicht bekannt; die Behandlung ist rein symptomatisch und besteht lediglich im Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes (z. B. Natrium, Magnesium, Kalium, Kalzium, …). Bei starkem Erbrechen kann der Einsatz von übelkeitsmindernden Medikamenten (Antiemetika) erwogen werden. Insbesondere bei älteren Patienten oder Kleinkindern kann ein kurzer Krankenhausaufenthalt notwendig sein.

Vorbeugung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine vorbeugende Impfung ist bislang nicht verfügbar. Erste experimentelle Impfstoffe sind in Entwicklung.[19]

Durch die Einhaltung von Hygienemaßnahmen sowie eine Einzel- oder Kohortenisolierung kann die Übertragung der Erreger begrenzt werden.[20] Dazu gehören vor allem die sorgfältige hygienische Händedesinfektion mit einem Viren-wirksamen Händedesinfektionsmittel und gegebenenfalls die Verwendung von FFP3-Mundschutzmasken. Gegen Noroviren wirksame Händedesinfektionsmittel enthalten neben Ethanol (ab 80 Vol%) noch weitere wirksame Bestandteile. Diese wirksamen Bestandteile umfassen 85-%tige Ortho-Phosphorsäure zwischen 0,3 - 1,5 % wt/vol, oder Zitronensäure bis zu 5 Gew-% ( F v Rheinbaben, Handbuch viruswirksamer Desinfektionsmittel, 2002, S 113ff; Koromyslova AD, White PA, Hansman GS, 2015, Treatment of norovirus particles with citrate, Virology, 2015 Nov, 485, Seite 199-204; Nims R, & Plavsic, M (2013) Pharmaceuticals, Inactivation of Caliciviruses: Review, mit 123 Referenzen über chemische - physikalische Inaktivierung von Caliciviren-Noroviren; Europäische Patentanmeldung der Firma B Braun EP 1 685 854 A1 "A virucidal disinfectant with broad spectrum action, which is based on alcohol, acidic phosphorus compounds and polyalkylene glycols"; Deutsche Patentveröffentlichung DE-C1-4424325 "Phosphorsäure bis 3% und butanon in viruziden Desinfektionsmitteln".F v Rheinbaben (2002) hat experimentelle Lösungungen von 80 % Ethanol mit Milchsäure hinsichtlich der Viruzidie gegenüber Noroviren-Surrogate (murines Norovirus) erfolgreich getestet. Kramer (Greifswald) und Wolff (Witten-Herdecke) weisen darauf hin, dass Peressigsäure innerhalb von 10 min und Glutaraldehyd 1 % innerhalb von 1 min bei Raumtemperatur wirksam war auf mit Noroviren kontaminierten Arbeitsflächen und Oberflächen von Gemüse, Tomaten, Salat, Erdbeere (Gulati BR, Allwood PB et al, 2001, Efficialy of commonly used disinfecttants for the inactivation of calicivirus on strawberry, lettuce, and food-contact surface. J Food Prot 64, Seite 1430-1434). Nims (2013) weist in seiner Metaanalyse über die Inaktivierung von Caliciviren darauf hin, dass angesäuerte 0,1 Gew-% Natrium-Hypochlorit Lösung (pH 2 bis 4) innerhalb von 5 mim eine vollständigen Virustiterreduktion bewirkt. Experimentelle Testungen haben gezeigt, dass Natrium-Hypochlorit-Lösungen mit die wirksamsten Flächendesinfektionsmittel gegen Noroviren sind. (David H. Kingsleya; Emily M. Vincentb, Gloria K. Meadea, Clytrice L. Watsonb, Xuetong Fanc, 2014, Inactivation of human norovirus using chemical sanitizers; International Journal of Food Microbiology, Volume 171, 3 Februar, Seite 94–99).Natrium-Hypochlorit ist der Wirkstoff des Haushaltsreiniger DOMESTOS, und darin mit 4,5 g/ 100 mL enthalten. Quarternäre Ammoniumverbindungen, die baterizid sind, zeigten widersprüchliche Ergebnisse in der Noro-Virusinaktiverung. F v Rheinbaben berichtet (Handbuch Virus wirksamer Desinfektionsmittel, ISBN 978-3-642-63179-5; Seite 69) über die Virus inaktivierende Wirkung von angesäuerter (pH 3) 0,1 % bis 05 % Kaliumpermanganat-Lösung innerhalb von 5 min - 60 min. Es muss ein Farbumschlag von violett nach farblos erfolgen, dann ist die Virus inaktivierende Oxidationsreaktion abgeschlossen, die allerdings auch Bakterien abtötet.1osecampo (Diskussion) 15:19, 22. Apr. 2017 (CEST)

Seifen und Handtücher sollten nicht gemeinsam benutzt werden, da die Noroviren gegen übliche Seifen und haushaltsübliche Desinfektionsmittel resistent sind. Häufiges Händewaschen reduziert jedoch durch reine Entfernung der Viren eine Übertragung erheblich. Die Verwendung von 1 %tiger Zitronensäurelösung nach dem Händewaschen blockiert die Capsid-Oberflächenrezeptoren von Noroviren, die dann nicht mehr an menschliche Zellen binden können (Koromyslowa, 2015).

Nach dem Norovirus-Ausbruch 2012 in Ostdeutschland, bei dem roh verzehrte Erdbeeren zu verstärkten Infektionen führten, wurde diskutiert, ob ein Durcherhitzen Noroviren sicher inaktivieren kann. Da Zellkultursysteme bisher nicht verfügbar sind, kann die Infektiösität nach Erhitzung und pH-Wert Einflüssen nicht gemessen werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung geht aufgrund der wissenschaftlichen Datenlage davon aus, dass ein kurzes Aufkochen bei der Herstellung von Kompottspeisen nicht ausreicht, um Noroviren in kontaminierten tiefgefrorenen Früchten sicher unschädlich zu machen.[21] Eine wesentliche Reduktion kann nur durch Erhitzen (200 °C für 12 Minuten) oder Kochen (100 °C für 30 Minuten) erfolgen. Das Tiefgefrieren (−18 °C) von kontaminierten Lebensmitteln hat keinen wesentlichen Effekt.[22]

Durch verschiedene Studien hat sich herauskristallisiert, dass Kupferlegierungen mit einem hohen Kupferanteil eine toxische Wirkung gegenüber Noroviren zeigen.[23][24]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikinews: Norovirus – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. R. Dolin, N. R. Blacklow u. a.: Biological properties of Norwalk agent of acute infectious nonbacterial gastroenteritis. In: Proceedings of the Society for Experimental Biology and Medicine. Band 140, Nummer 2, Juni 1972, ISSN 0037-9727, S. 578–583, PMID 4624851.
  2. Laborlexikon: Noroviren. In: laborlexikon.de. 25. Januar 2011, abgerufen am 21. Januar 2015. ISSN 1860-966X
  3. Claude M. Fauquet, M. A. Mayo (Hrsg.): Virus Taxonomy: Eighth Report of the International Committee on Taxonomy of Viruses. Academic Press, 2005, ISBN 978-0-08-057548-3, S. 847 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. B. Lopman, M. Zambon, D. W. Brown: The evolution of norovirus, the „gastric flu“. In: PLoS medicine. Band 5, Nummer 2, Februar 2008, S. e42, doi:10.1371/journal.pmed.0050042, PMID 18271623, PMC 2235896 (freier Volltext) (Review).
  5. Lindesmith L1, Moe C, Marionneau S et al.: Human susceptibility and resistance to Norwalk virus infection. In Nature Medicine 2003 May;9(5):548-53. Epub 2003 Apr 14., PMID 12692541.
  6. Reto Krapf: Häufige Krankheiten – modern behandelt: Norovirus-Infektion. In: nzz.ch. 27. März 2013, abgerufen am 21. Januar 2015.
  7. Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten. Robert-Koch-Institut, 2013.
  8. Brechdurchfall in Ostdeutschland: China-Erdbeeren waren mit Noroviren verseucht. In: Spiegel Online. 8. Oktober 2012, abgerufen am 21. Januar 2015.
  9. Leena Maunula, Ilkka T. Miettinen, Carl-Henrik von Bonsdorff: Von Trinkwasser ausgehende Norovirus-Epidemien. In: Umwelt, Medizin, Gesellschaft (2006), Band 19, S. 140–145 (PDF (Memento vom 27. Februar 2012 im Internet Archive), Übersetzung von L. Maunula, I. T. Miettinen, C.-H. von Bonsdorff: Norovirus Outbreaks from Drinking Water. In: Emerging Infectious Diseases (2005), Band 11, Ausgabe 11, S. 1716–1721, PMID 16318723, PMC 3367355 (freier Volltext)).
  10. J. Bae, K. J. Schwab: Evaluation of murine norovirus, feline calicivirus, poliovirus, and MS2 as surrogates for human norovirus in a model of viral persistence in surface water and groundwater. In: Applied Environmental Microbiology (2008), Band 74, Ausgabe 2, S. 477–484, PMID 18065626, PMC 2223264 (freier Volltext).
  11. K. Mattison, A. Shukla u. a.: Human noroviruses in swine and cattle. In: Emerging infectious diseases. Band 13, Nummer 8, August 2007, ISSN 1080-6040, S. 1184–1188, doi:10.3201/eid1308.070005, PMID 17953089, PMC 2828081 (freier Volltext).
  12. „Freedom of the Seas“: Virus wütet erneut auf größtem Kreuzfahrtschiff der Welt. In: Spiegel Online. 12. Dezember 2006, abgerufen am 21. Januar 2015.
  13. Robert L. Atmar, Antone R. Opekun, Mark A. Gilger et al.: Norwalk Virus Shedding after Experimental Human Infection. In: Emerging Infectious Diseases, 2008 Oct;14(10), S. 1553–1557, PMID 18826818 (online).
  14. Infektionsepid. Jahrbuch. In: rki.de. 2011, abgerufen am 21. Januar 2015.
  15. M. K. Jones, M. Watanabe u. a.: Enteric bacteria promote human and mouse norovirus infection of B cells. In: Science. Band 346, Nummer 6210, November 2014, ISSN 1095-9203, S. 755–759, doi:10.1126/science.1257147, PMID 25378626.
  16. B. Schütze: Lebensmittel assoziierte Risiken durch EHEC und Noroviren, Food Science Meets Industry 2013, Hamburg School of Food Science, Universität Hamburg 18.02.2013
  17. Noroviren in Lebensmitteln: Falsch-negative Analysenergebnisse bei Früchten möglich, LABO Online, 11.02.2014
  18. LADR informiert: Noroviren auf Lebensmitteln, November 2012
  19. Lars Fischer: Durchfall: Duell mit dem perfekten Virus. In: spektrum.de. 15. August 2012, abgerufen am 21. Januar 2015.
  20. Christina Berndt: Wie man sich Noroviren am besten vom Leib hält. In: Süddeutsche Zeitung. 21. Februar 2012, abgerufen am 27. Januar 2013.
  21. Tenazität (Widerstandsfähigkeit) von Noroviren in Erdbeerkompott, Stellungnahme Nr. 038/2012 des BfR vom 6. Oktober 2012
  22. Deutscher Ärzteverlag GmbH, Redaktion Deutsches Ärzteblatt: Gastroenteritis-Ausbruch: Noroviren in Tiefkühlkost - Dtsch Arztebl 2012; 109(41). (aerzteblatt.de [abgerufen am 2. April 2017]).
  23. Nigel Cook, Angus Knight, Gary P. Richards: Persistence and Elimination of Human Norovirus in Food and on Food Contact Surfaces: A Critical Review. In: Journal of Food Protection. Band 79, Nr. 7, Juli 2016, ISSN 1944-9097, S. 1273–1294, doi:10.4315/0362-028X.JFP-15-570, PMID 27357051.
  24. Sarah L. Warnes, C. William Keevil: Inactivation of norovirus on dry copper alloy surfaces. In: PloS One. Band 8, Nr. 9, 2013, ISSN 1932-6203, S. e75017, doi:10.1371/journal.pone.0075017, PMID 24040380, PMC 3767632 (freier Volltext).
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