Landtag des Saarlandes

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Landtag des Saarlandes
Logo Parlamentsgebäude
Logo Landtagsgebäude in Saarbrücken
Basisdaten
Sitz: Saarbrücken
Legislaturperiode: 5 Jahre
Erste Sitzung: Oktober 1947
Abgeordnete: 51
Aktuelle Legislaturperiode
Letzte Wahl: 25. März 2012
Vorsitz: Landtagspräsidentin
Isolde Ries (SPD) (kommissarisch)
     
Sitzverteilung:
Website
www.landtag-saar.de
Landtag des Saarlandes

Der Landtag des Saarlandes ist das saarländische Landesparlament mit Sitz in Saarbrücken.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Saargebiet aus dem Deutschen Reich herausgelöst. Zwischen 1920 und 1935 bestand der Landesrat als Volksvertretung und damit als Vorgänger des Landtags des Saarlandes. Während der Zeit des Nationalsozialismus bestand keine Volksvertretung. Nach der deutschen Niederlage im Zweiten Weltkrieg wurde das Saarland französisches Protektorat. Am 23. Mai 1947 wurde eine aus 20 Personen bestehende Verfassungskommission eingesetzt. Diese Kommission stand in der Tradition der Ernannten Landtage der anderen Bundesländer. Am 5. Oktober 1947 wurde eine Verfassunggebende Versammlung gewählt. Diese trat nach der Annahme der Verfassung in die Rolle des ersten Landtags ein.

Der Landtag des Saarlandes tagt im 1865/1866 für die Saarbrücker Casino-Gesellschaft erbauten Gebäude in der heutigen Franz-Josef-Röder-Straße. Das Gebäude wurde durch den Architekten Julius Carl Raschdorff errichtet, der unter anderem auch den Berliner Dom erbaute.[2]

Sitzverteilung seit 1947[Bearbeiten]

Wahldatum Sitze Sitze nach Parteien Liste der Mitglieder
CDU SPD LINKE PIRATEN GRÜNE FDP/DPS CVP/SVP DDU SPS KPS
5. Oktober 1947 50 3 28 17 2 1. Landtag
30. November 1952 50 29 17 4 2. Landtag
18. Dezember 1955 50 14 7 12/13[a 1] 13/12[a 2] 2 2 3. Landtag
4. Dezember 1960 50 19 16 7 6 2 4. Landtag
27. Juni 1965 50 23 21 4 2 5. Landtag
14. Juni 1970 50 27 23 6. Landtag
4. Mai 1975 50 25 22 3 7. Landtag
27. April 1980 51 23 24[a 3] 4 8. Landtag
10. März 1985 51 20 26 5 9. Landtag
28. Januar 1990 51 18 30 3 10. Landtag
16. Oktober 1994 51 21 27 3 11. Landtag
5. September 1999 51 26 25 12. Landtag
5. September 2004 51 27 18 [a 4] 3[a 4] 3 13. Landtag
30. August 2009 51 19[a 5] 13 11 3 5[a 5] 14. Landtag
25. März 2012 51 19 17[a 6] 9[a 6] 4[a 7] 2[a 7] 15. Landtag

Fußnoten

  1. Durch eine Entscheidung der Verfassungskommission vom 19. April 1956 erhielt die DPS 1956 einen der bisherigen CVP-Sitze.
  2. Durch eine Entscheidung der Verfassungskommission vom 19. April 1956 erhielt die DPS 1956 einen der bisherigen CVP-Sitze. Ab 1957 nannte sich die Fraktion CSU (ohne Billigung der CSU in Bayern), 1959 schloss sie sich der CDU an.
  3. 1984 schied SPD-Abgeordneter aus der Fraktion aus.
  4. a b 2007 trat Barbara Spaniol von den Grünen zur Linken über und gehörte dem Landtag in der Folge als fraktionsloses Mitglied an.
  5. a b Im Dezember 2011 trat der bisherige FDP-Fraktionsvorsitzende Christian Schmitt zur CDU-Fraktion über.
  6. a b Im April 2012 (noch vor der Konstituierung des neuen Landtages) trat Pia Döring von den Linken zur SPD über.
  7. a b Am 26. Januar 2015 erklärte Michael Neyses seinen Austritt aus der Fraktion der Piraten und wechselte zur Fraktion B'90/Die Grünen.

Wahlergebnisse[Bearbeiten]

Landtagswahl 2012
in Prozent
 %
40
30
20
10
0
35,2
30,6
16,1
7,4
5,0
1,7
1,2
1,2
1,5
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
+0,7
+6,1
-5,2
+7,4
-0,9
-0,3
-8,0
-0,3
+0,4
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Hauptartikel: Landtagswahlen im Saarland
Landtagswahlen im Saarland 1947–2012
CDU SPD LINKE[b 1] PIRATEN GRÜNE FDP/DPS[b 2] NPD FAMILIE CVP[b 3] DDU KP SPS[b 4] Sonstige
1947 7,6 % 51,2 % 8,4 % 32,8 %
1952 54,7 % 9,5 % 32,4 % 3,4 %
1955 25,4 % 14,3 %[b 5] 24,2 % 21,8 % 0,9 % 6,8 % 5,8 % 0,8 %
1960 36,6 % 30,0 % 13,6 % 11,4 % 5,0 % 3,4 %
1965 42,7 % 40,7 % 8,3 % 5,2 % 3,1 %
1970 47,8 % 40,8 % 4,4 % 3,4 % 0,9 % 2,7 %
1975 49,1 % 41,8 % 7,4 % 0,7 % 1,0 %
1980 44,0 % 45,4 % 2,9 % 6,9 % 0,8 %
1985 37,3 % 49,2 % 2,5 % 10,0 % 0,7 % 0,3 %
1990 33,4 % 54,4 % 2,6 % 5,6 % 0,2 % 0,2 % 3,4 %
1994 38,6 % 49,4 % 5,5 % 2,1 % 0,5 % 3,9 %
1999 45,5 % 44,4 % 0,8 % 3,2 % 2,6 % 1,0 % 2,5 %
2004 47,5 % 30,8 % 2,3 % 5,6 % 5,2 % 4,0 % 3,0 % 1,6 %
2009 34,5 % 24,5 % 21,3 % 5,9 % 9,2 % 1,5 % 2,0 % 1,1 %
2012 35,2 % 30,6 % 16,1 % 7,4 % 5,0 % 1,2 % 1,2 % 1,7 % 1,5 %

Regierungsparteien fett gedruckt; Parteien außerhalb des Landtags kursiv gedruckt.

Fußnoten

  1. bis 2007 Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS)
  2. Bis 1957 DPS (1951 bis 1955 verboten), danach Teil der FDP
  3. 1959 (Teil-)Fusion mit CDU Saar; Ergebnisse ab 1960 Saarländische Volkspartei (SVP) bzw. SVP/CVP
  4. 1956 Fusion mit DSP zur SPD Saarland
  5. Deutsche Sozialdemokratische Partei (DSP)

Präsidenten[Bearbeiten]

Gesetzgebende Versammlung des Saarlandes[Bearbeiten]

Landtag des Saarlandes[Bearbeiten]

Ausschüsse der 13. Wahlperiode[Bearbeiten]

  • Ausschuss für Bildung, Kultur und Wissenschaft
  • Ausschuss für Eingaben
  • Ausschuss für Europaangelegenheiten sowie für Fragen des Interregionalen Parlamentarierrates
  • Ausschuss für Finanzen und Haushaltsfragen
  • Ausschuss für Fragen des Verfassungsschutzes
  • Ausschuss für Gesundheit und Soziales
  • Ausschuss für Inneres, Datenschutz, Familie, Frauen und Sport
  • Ausschuss für Justiz, Verfassungs- und Rechtsfragen sowie Wahlprüfung
  • Ausschuss für Umwelt
  • Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit und Grubensicherheit
  • Enquêtekommission „Demografischer Wandel“
  • Interregionaler Parlamentarierrat

Bezahlung[Bearbeiten]

Die Mitglieder des Landtages erhalten eine Abgeordnetenentschädigung. Im Februar 2013 stellte der Landesrechnungshof fest, dass „mehr als 70 Prozent“ der Abgeordneten verfassungswidrige Zulagen erhielten, für die keine gesetzliche Grundlage existiere.[3] Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler stehen die saarländischen Abgeordneten mit 3,13 € pro Einwohner auf Rang 14 aller deutschen Parlamente. Nur die Abgeordneten von Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen kosten den Steuerzahler noch mehr.[4]

Baugeschichte des Landtagsgebäudes[Bearbeiten]

Saarbrücker Casino-Gesellschaft[Bearbeiten]

Saarbrücker Casino-Gesellschafts-Haus, Eintrittskarte zur großen Fasnachts-Redoute der Saarbrücker Fasnachtsvereinigung "Momus" am 26. Februar 1848 im alten Casino-Saal in der Wilhelm-Heinrich-Straße (Stadtarchiv Saarbrücken)

Der heutige Landtag des Saarlandes war ursprünglich das Gesellschaftshaus der Alt-Saarbrücker und St. Johanner Casino-Gesellschaft. Die Casino-Gesellschaft geht auf einen in den Jahren zwischen 1770 und 1780 entstandenen Abendgesellschaftsverein der Saarbrücker Beamten- und Kaufmannschaft zurück. Bereits im Jahr 1796 hatten 19 ihrer Mitglieder eine Geselligkeitsvereinigung gegründet. Zunächst bezog der Verein ein erstes „Casino“ in der Wilhelmstraße, übersiedelte dann in die Altneugasse und fand etwa ab 1817 ein Veranstaltungshaus in der heutigen Wilhelm-Heinrich-Straße.

Bau des Casino-Gebäudes durch Raschdorff[Bearbeiten]

Casino in Saarbrücken, Fassade an der Herrengarten-Allee, Zeitschrift für Bauwesen 1869
Casino in Saarbrücken, Nordwestfront und Grundrisse, Zeitschrift für Bauwesen 1869
Casino in Saarbrücken, Südostfront und Längendurchschnitt, Zeitschrift für Bauwesen 1869

Nachdem die Gesellschaft in den 1850er Jahren zahlenmäßig angewachsen war, beschloss man am 7. Mai 1864, an der Herrengartenallee über dem Saarufer einen Neubau zu errichten. Die „Herrengärthen“ waren die Fläche der von Hofgärtner Köllner im 18. Jahrhundert angelegten Gärten hinter dem Saarbrücker Schloss. In einem zum Bau eines neuen Gesellschaftshauses ausgeschriebenen Architektenwettbewerb erhielt Julius Carl Raschdorff, damals Stadtbaumeister von Köln, den ersten Preis. Die Grundfläche des Gebäudes sollte 4.300-4.500 Quadratfuß (425-450 qm) nicht übersteigen, ebenso sollten die Baukosten nicht mehr als 6 1/2 Reichstaler pro Quadratfuß betragen. Im Erdgeschoss waren an Räumen verlangt:

  • Ein größeres und ein kleineres Gesellschaftszimmer. Dabei sollte das größere Gesellschaftszimmer einen Ausgang auf die Gartenterrasse haben.
  • Ein Billard- und ein Spielzimmer
  • Ein Lese- und ein Bücherzimmer
  • Eine Portierloge
  • Ein Buffetraum mit Speiseaufzug
  • Eine Herrengarderobe
  • Ein Zimmer für den Ökonomen

Das obere Stockwerk sollte folgende Räume umfassen:

  • Einen Tanzsaal mit Musikergalerie von ca. 2.000 Quadratfuß (200 qm) (heute der Plenarsaal des Saarländischen Landtages)
  • Einen Damensalon mit Toilettenzimmer und Zubehör
  • Einen Speisesaal oder auch zwei Speisesäle mit Buffetzimmer und Speiseaufzug in der Nähe des Tanzsaales.

Für das ganze Gebäude war ein Untergeschoss verlangt. Dort sollten Küche und Hauswirtschaftsräume sowie der Weinkeller eingerichtet werden. Auch sollten hier oder in einem Obergeschoss die Dienstwohnung für den Ökonomen sowie mehrerer Stuben für das Gesinde eingerichtet werden.[5] Die Bauausführung leitete Baumeister Julius Emmerich aus Trier. Das Gebäude wurde von Februar 1865 bis zum 1. Oktober 1866 errichtet und kostete zusammen mit einer Kegelbahn und der umfangreichen Möblierung 66.000 Reichstaler. Zunächst erfolgte im Oktober 1866 der Bezug der unteren Räume, im Dezember waren auch die oberen fertiggestellt.

Durch die städtebaulichen Veränderungen, insbesondere durch den Straßenbau nach dem Zweiten Weltkrieg und den Bau der Stadtautobahn im Jahr 1963, nimmt man heute das Gebäude aus wesentlich veränderter Perspektive wahr. Raschdorffs Entwurf eines „40 Fuß“ tiefen Zugangs durch einen gestalteten Vorgarten mit großzügiger Freitreppe und zentralem Springbrunnen sowie seitlichen Pergolen (Raschdorff nennt sie „Veranden“) wurde nicht vollständig ausgeführt, ist aber für die Vermittlung der Grundidee des Gebäudes aufschlussreich. Die Terrassenanlage, so Raschdorff, „...erhebt sich 3 Fuß über das Straßenniveau, ist von der Herrengartenallee vermittelst einer Freitreppe erreichbar; enthält in der Mittelaxe eine kleine, durch ein Blumenbosquet eingeschlossene Fontaine, rechts und links Veranden. Der Raum, ohne Pflanzungen, nur mit einigen Orangen- und Lorbeerbäumen besetzt, ist möglichst frei gehalten für Sitzplätze und den Aufenthalt im Freien.“[6][7] Raschdorffs Vorstellung von einem Einzelgebäudes in mediterran-arkadischer Landschaft lehnt sich an ländliche Villenbauten der italienischen Renaissance an, wie sie etwa Andrea Palladio im 16. Jahrhundert z. B. bei der Villa Emo in Vedelago geschaffen hatte. Für die Lage einer von Pergolen gesäumten Villa am Wasser könnte Carl Friedrich Schinkels in den Jahren 1824/1825 errichtetes Casinogebäude im Park Klein-Glienicke Inspirationsquelle gewesen sein. Die ursprüngliche Ansicht des Saarbrücker Casino-Gebäudes, das bald Teil eines herrschaftlichen Villenviertels am linken Saarufer wurde, erschließt sich am ehesten noch vom Beginn der Alten Brücke in St. Johann oder von der gegenüberliegenden Saarseite, wobei das mittlerweile erhöhte Straßenniveau der heutigen Franz-Josef-Röder-Straße den ursprünglichen Eindruck stark schmälert. Auch fehlen die zwischen Saarufer und Casino vermittelnden Alleebäume und die Gartenanlagen.

Raschdorffs zeitnah veröffentlichter Wettbewerbsentwurf wurde in einigen Punkten nicht umgesetzt, sodass die gestalterischen Änderungen den Baukörper sachlicher erscheinen lassen. Der Haupteingang im Erdgeschoss ist als Vorhalle mit zwei dorischen Säulen gestaltet, die von zwei Pfeilern flankiert werden. Für die dahinter liegende Tür und die beiden Fenster verwendet Raschdorff eine antikisierende Wandöffnung mit schräg nach oben sich verjüngenden Seitengewänden. Dieses Architekturelement wurde bei Renovierungsmaßnahmen in den 1980er Jahren im Inneren wieder aufgegriffen, indem man die Türgewände der Innenräume ähnlich gestaltete. Bei den Umbauarbeiten der Jahre 2004/2008 kam hinter der Mauer eines Versorgungsschachtes eine bauzeitliche Dekorationsmalerei zum Vorschein. In diesem Bereich des Obergeschosses befand sich ursprünglich das Buffetzimmer mit Speiseaufzug und ein Speisesaal. Daran schloss sich der große Tanzsaal der Casino-Gesellschaft, der heutige Plenarsaal des Landtags, an. Die gemalte Wanddekoration in Ölmalerei auf Gipsgrund misst ca. 4 m x 1,5 m und besteht aus einem zentralen Bildmotiv, einem herbstlichen Stillleben, flankiert von Rahmengemälden. Der erste Rahmen ist ein perspektivisch angelegter Architekturrahmen mit marmoriertem renaissancehaftem Sockel. Der zweiten Rahmen beinhaltet eine frei schwebende Groteske im Stile antik-römischer Wandmalereien, die von einem gemalten Phantasie-Rahmen umgeben ist. Das zentrale Stillleben im Stil des 17. Jahrhunderts thematisiert innerhalb der vier Jahreszeiten den Herbst mit Früchten und Jagdbeute. So darf vermutet werden, dass im Raum auch die übrigen Jahreszeiten dargestellt waren. Julius Carl Raschdorff hatte in seinen ursprünglichen Aufrisszeichnungen eine divergierende Wanddekoration vorgesehen. Die ausgeführten Wandmalereien wurden schließlich von dem aus Trier gebürtige Baumeister Julius Emmerich entworfen.[8]

Anbau eines Wirtschaftstraktes[Bearbeiten]

Im Deutsch-Französischen Krieg diente das Casino-Gebäude in den Jahren 1870–1871 als Lazarett. Im Jahr 1881 entstanden der östliche Anbau parallel zur Hauptfassade und die rückwärtige Gartenhalle nach Entwürfen des Saarbrücker Architekten Hugo Dihm.

Zu Beginn der 1890er Jahre entschloss man sich zu einem größeren Neu- und Umbau des Casino-Gebäudes. Die diesbezüglichen Pläne hatte der St. Johanner Architekt Karl Brugger im Jahr 1891 gefertigt. Die Erweiterungsbauten wurden im Folgejahr 1892 ausgeführt. Im Inneren veränderte man die Raumaufteilung und an der Ostseite wurde ein zweigeschossiger Küchentrakt mit drei Fensterachsen hinzugefügt.

Erster Weltkrieg und Völkerbundszeit[Bearbeiten]

Während des Ersten Weltkrieges wurden die Räume des Casinos wiederum als Lazarett genutzt. In der Zeit nach dem Krieg bis zur ersten Saarabstimmung am 13. Januar 1935, als das Saargebiet unter der Verwaltung des Völkerbundes stand, wurde der Casinobetrieb wieder aufgenommen.

Enteignung und Zwangsauflösung der Casino-Gesellschaft durch die NSDAP[Bearbeiten]

Nach der Rückgliederung des Saargebietes an das Deutsche Reich am 1. März 1935 sah sich die Casino-Gesellschaft unter dem Druck des NS-Regimes gezwungen, sich am 19. März 1938 aufzulösen und ihr Haus und das sonstige Vereinsvermögen dem „Nationalsozialistischen Bund deutscher Technik“ (NSBDT) ohne Entschädigungszahlungen zu überschreiben. Das Casino firmierte nun unter dem Titel „Haus der Technik“. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde es in seinem östlichen Anbau von einer Bombe getroffen und schwer beschädigt.

Unmittelbare Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Nach dem Krieg trafen sich im Jahr 1948 eine Reihe früherer Casinomitglieder, um über die Fortsetzung der Casino-Gesellschaft zu beraten und die Rückgabe ihres Vermögens zu betreiben. Bereits im April 1945 hatte die Firma E. Heckel-Förderanlagen, in Saarbrücken ihre Büros in das ehemalige Haus des Casinos verlegt und es für diesen Zweck notdürftig wieder instand gesetzt. Durch das alliierte Kontrollratsgesetz galt das gesamte Vermögen der ehemaligen NSDAP, ihrer Gliederungen und der ihr angeschlossenen Verbände als beschlagnahmt und unter Zwangsverwaltung gestellt.

Das Casino-Gebäude als Sitz des Landtages des Saarlandes[Bearbeiten]

Der Zwangsverwalter kündigte im Jahr 1947 der Firma Heckel das Mietverhältnis und wies das Haus dem Landtag des Saarlandes als Plenargebäude zu. Der Umbau des Gesellschaftshauses für die Zwecke des Landesparlamentes lag in den Händen des französischen Architekten und Städteplaners Pierre Lefèvre, den der französische Militärgouverneur Gilbert Grandval nach der französischen Besetzung des Saarlandes im Jahr 1945 zum Wiederaufbau an die Saar beordert hatte. Im Zuge der Wiederherstellungsarbeiten am Casino-Gebäude wurden dem bestehenden Küchentrakt zwei weitere Fensterachsen hinzugefügt. Anfang der 1950er Jahre wurde der Trakt mit dem sogenannten „Großem Restaurant“ und der darüber liegenden Präsidentensuite errichtet. Im Jahr 1960 ließ die Landtagsverwaltung einen weiteren Anbau südöstlich des Küchentraktes von 1892 errichten sowie im Bereich der ehemaligen Kegelbahn einen umfangreichen Autogaragentrakt anfügen. Wann genau die reiche Innenausstattung der Erbauungszeit mit Stuck, Tapisserien, Malereien und Wandverkleidungen zerstört worden ist, konnte bisher nicht genau datiert werden.

Rekonstruktionsarbeiten der 1980er Jahre[Bearbeiten]

In den Raschdorffschen Plänen war im ersten Obergeschoss zur Straßenseite zu (Plenarsaal zur Saar hin) noch eine Loggia dargestellt, die allerdings nicht ausgeführt worden war. Stattdessen wurden Fenster in die Vorderfront eingebaut, die heute noch die ursprüngliche Gliederung haben. Die Mittelrisalite im ersten und zweiten Obergeschoss waren an der Vorder- und Rückfront von gleicher architektonischer Gestaltung. In der Nachkriegszeit hatte man zum Zwecke einer besseren Belichtung des großen Saales auf der Rückseite des Gebäudes die Sandsteinkämpferzone in Höhe der Decke über dem ersten Obergeschoss sowie die Architrave und Schmuckfelder über den Fenstern des zweiten Obergeschosses entfernt. Auch waren die Basis- und Kapitell-Wülste der die Fenster seitlich einrahmenden kleinen Pfeiler abgeschlagen worden. Im Jahre 1981 wurde dieser rückwärtige Mittelrisalit nach dem Vorbild der Vorderfassade rekonstruiert. Man verzichtete aber auf die Nachschöpfung der Schmuckfelder, die musisch-bacchantische Stillleben im Basrelief gezeigt hatten. Stattdessen symbolisieren jetzt stilisierte Reliefs mit den Themen „Volksvertreter“, „Parlamentssitze“ und „Gesetzestafeln“ die heutige Zweckbestimmung des ehemaligen Casino-Gebäudes. Mit dieser Rekonstruktion fand eine in den Jahren 1979/80 begonnene Sanierung der Gebäudefronten ihren Abschluss. Die Erneuerung der Putzflächen, die Reparatur der Buntsandsteinsockel und -gewände, sowie ein Anstrich der Fassaden mit Mineralfarben waren vorausgegangen, ebenso der Einbau des Hauptportals und der Eingangstür auf der Seitenfront in ihrer ursprünglichen Gestalt als zweiflügelige Türen aus Holz und Glas. Nachdem in den Folgejahren fünf Sitzungssäle mit Stuckarbeiten, Türen und Kronleuchtern in Anlehnung an Raschdorffs Konzeption wiederhergestellt worden waren, erfolgte im Jahr 1985 die Rekonstruktion des Vestibüls in originaler Gestalt.

Baumaßnahmen der Jahre 1994–2009[Bearbeiten]

Zunächst erfolgte im Jahr 1994 die Neugestaltung des „Kleinen Restaurants“ nach einem Entwurf des damals in Saarbrücken ansässigen Büros von Miroslav Volf. Das Architekturbüro lieferte auch die Pläne für den östlich an das Haupthaus angrenzenden Erweiterungsbau, der 2004 eingeweiht werden konnte. In Zusammenarbeit mit Miroslav Volf erfolgte die Neugestaltung der Außenanlagen in zwei Bauabschnitten in den Jahren von 2000 bis 2004 durch die Saarbrücker Landschaftsarchitekten Gerhard Hegelmann und Hanno Dutt. An der Spichererbergstraße leitet in Weiterführung der Schlossgartentreppe nun eine zweiläufige Treppe in den neu konzipierten Landtagsgarten über. Darunter befindet sich eine im Jahr 2000 fertiggestellte Tiefgarage. Etwa zeitgleich mit den Arbeiten an dem Erweiterungsbau wurden an dem Raschdorffschen Casino gravierende Schäden im Bereich der Gründung und am Dachstuhl festgestellt. Einerseits hatten Fäulnis und Pilzbefall die Dachkonstruktion so stark geschädigt, dass Einsturzgefahr bestand, andererseits traten breite Setzungsrisse am Gebäude auf, die durch Kriegsschäden, Grundwasserschwankungen, den Bau der Stadtautobahn und die Erschütterung durch den erhöhten Straßenverkehr, An- und Umbauten sowie den Bau der Tiefgarage verursacht worden waren. Eine Gesamtsanierung erwies sich demnach als notwendig. Mit der Erstellung der Planungszeichnungen und der Ausführung der Arbeiten wurde der Architekt Oliver Brünjes, vormals langjähriger Mitarbeiter von Architekt Miroslav Volf, und die Innenarchitektin Vera Burbach-Brünjes, beide Saarbrücken, beauftragt. Die notwendige Erneuerung des niedrigen Dachstuhles und der darunterliegenden Raumdecke zog eine Neuordnung und Neugestaltung aller Räume des zweiten Obergeschosses nach sich. Bei den Sanierungsarbeiten wurde das gesamte historische Hauptgebäude im Inneren gemäß den aktuellen Brandschutz- und Sicherheitsbestimmungen ertüchtigt bzw. erneuert. Die Sanierungsarbeiten betrafen auch den Plenarsaal. Für den Umbau erhielt Oliver Brünjes den Landes- und BDA-Preis für Architektur und Städtebau im Jahr 2008. Ausschlaggebend war für die Jury der zurückhaltende Umgang mit der historischen Bausubstanz der 1860er und der 1950er Jahre, die in dem Konzept der durchgreifenden Sanierung und Erneuerung berücksichtigt wurde. Als wiederkehrendes Leitmotiv diente ein Raster aus Dreierreihen von Lichtöffnungen. Im Jahr 2009 wurde das „Großen Restaurants“ nach Entwürfen des Saarbrücker Architekturbüros von Stefan Krüger und Karin Dalbert-Krüger modernisiert.[9][10][11][12][13][14][15][16]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landtag Saarland Sitzordnung, abgerufen am 10. Februar 2015
  2. Albert Ruppersberg: Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken, Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann 1815–1909, der Stadt Malstatt-Burbach und der vereinigten Stadt Saarbrücken bis zum Jahre 1914, Band III, Teilband 2, 2. Auflage von 1914, Saarbrücken 1914, S. 99.
  3. Saarbrücker Zeitung: Rechnungshof rügt Ausgaben im Saar-Landtag, Sa./So. 23./24. Februar 2013, S. 1
  4. Saarbrücker Zeitung, Nr. 97, 26. April 2013, S. A2
  5. August Krohn: Saarbrücker Kasino-Chronik 1796–1896. Saarbrücken 1896.
  6. Julius Carl Raschdorff: Casinogebäude in Saarbrücken, in: Zeitschrift für Bauwesen, Jahrgang 19, 1869, S. 195.
  7. Julius Carl Raschdorff: Aufzeichnungen aus dem Leben und Schaffen des Architekten Professor J. C. Raschdorff, Königl. Geheimer Regierungsrat, Dombaumeister zu Berlin, Berlin 1903.
  8. August Krohn: Saarbrücker Kasino-Chronik 1796–1896, Saarbrücken 1896, S. 19.
  9. Friedrich Lutz: Der Baumeister Julius Carl Raschdorff (1823–1914) und sein Saarbrücker Werk, das Gebäude der Casino-Gesellschaft (1864–1866), heute Sitz des Saarländischen Landtages, in: 25./26. Bericht der Staatlichen Denkmalpflege im Saarland 1978/1979, Beiträge zur Archäologie und Kunstgeschichte, Abteilung Kunstgeschichte, Saarbrücken 1988, S. 67–81.
  10. Friedrich Lutz: Das Landtagsgebäude, Der Baumeister Julius Carl Raschdorff (1823–1914) und sein Werk, in: 40 Jahre Landtag des Saarlandes, 1947–1987, hrsg. vom Präsident des Landtages des Saarlandes, Saarbrücken 1987, S. 181–194.
  11. Helmut T. Schweer und Bernhard Stollhof: Das Gebäude des Landtags des Saarlandes und seine wechselvolle Geschichte, hrsg. von Hans Ley, Präsident des Landtags des Saarlandes, Saarbrücken 2006.
  12. Oliver Brünjes, Helmut T. Schweer, Benedikt Stollhof: Vom Casino zum Parlament – Dokumentation zur Sicherung und Sanierung des Dienstgebäudes des Landtags des Saarlandes 2004–2007, hrsg. von Hans Ley, Präsident des Landtags des Saarlandes, Saarbrücken 2007.
  13. Landes- und BDA-Preis für Architektur und Städtebau im Saarland 2008, hrsg. vom Ministerium für Umwelt des Saarlandes und Bund Deutscher Architekten BDA Landesverband Saarland, Saarbrücken 2008.
  14. Kristine Marschall: Das Landtagsgebäude in Saarbrücken, Faltblatt zum Tag des offenen Denkmals am 11. September 2011, hrsg. vom Ministerium für Umwelt, Energie und Verkehr, Landesdenkmalamt, Saarbrücken 2011.
  15. http://www.landtag-saar.de/Aktuelles/Seiten/Kunst-im-Landtag.aspx, abgerufen am 24. Dezember 2014.
  16. http://www.saarland.de/dokumente/thema_denkmal/MUEV_Fiche2011_Saarbrucken_LAY3.pdf, abgerufen am 25. Dezember 2014.

Weblinks[Bearbeiten]

49.2294444444446.9944444444444Koordinaten: 49° 13′ 46″ N, 6° 59′ 40″ O