Unterseen

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Unterseen
Wappen von Unterseen
Staat: Schweiz
Kanton: Bern (BE)
Verwaltungskreis: Interlaken-Oberhasli
BFS-Nr.: 0593i1f3f4
Postleitzahl: 3800
UN/LOCODE: CH UTS
Koordinaten: 631471 / 170316Koordinaten: 46° 41′ 0″ N, 7° 51′ 0″ O; CH1903: 631471 / 170316
Höhe: 567 m ü. M.
Fläche: 14,1 km²
Einwohner: 5757 (31. Dezember 2016)[1]
Einwohnerdichte: 408 Einw. pro km²
Website: www.unterseen.ch
Unterseen, Stedtli

Unterseen, Stedtli

Karte
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Unterseen ist eine politische Gemeinde im Verwaltungskreis Interlaken-Oberhasli des Kantons Bern in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterseen an der Aare liegt wie Interlaken und Matten auf der Bödeli genannten Schwemmebene zwischen Thunersee und Brienzersee. Von Unterseen aus bietet sich eine freie Sicht auf die Berner Oberländer Berge Eiger, Mönch und Jungfrau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. Juli 1279 erteilte König Rudolf I. von Habsburg dem Freiherrn Berchtold III. von Eschenbach-Oberhofen die Erlaubnis, zwischen (mittelhochdeutsch: unter) den beiden Seen eine Feste zu bauen. Die neue Befestigung erhielt dabei auch das Stadtrecht.

Aufgrund der strategisch wichtigen Lage (die Weissenau, später das Neuhaus sowie Unterseen selbst waren Umschlagplätze im Alptransit) sowie der komplizierten Herrschaftsverhältnisse gab es immer wieder Auseinandersetzungen. Die drei lokalen Hauptakteure waren dabei neben Unterseen das 1130 gestiftete Kloster Interlaken und die Herrschaft Unspunnen mit Sitz in der Burg Unspunnen. Zentrale externe Akteure wiederum waren zuerst die Habsburger, sprich Schillers «Österreicher», später die Bernburger, sprich die Eidgenossen. In den Auseinandersetzungen ging es mal um Fischfang, mal um Durchgangsrechte; mal waren Kirchensatz und Zehnten umstritten, mal die Heerfolge.

1470 brannte Unterseen zum zweiten Male nieder, Bern befahl daraufhin den Wiederaufbau mit einem Stadthaus in der Mitte.

Während der Reformation setzte sich Unterseen an die Seite von Bern, das seinen Einflussbereich seit der Gründung 1191 stetig ausweitete und vom Papst erst nach jahrzehntelangen Diskussionen und Auseinandersetzungen abfiel. Im Zuge der Reformation wurde Bern Obrigkeit im Herrschaftsbereich des Klosters Interlaken. Die «Gotteshausleute», die dem Kloster untertan waren, begrüssten teils die neue Obrigkeit, teils lehnten sie sie ab - besonders als sie merkten, dass auch Bern Tribut forderte. In der Folge kam es 1528 zum «Inderlappischen Krieg», bei dem auf der einen Seite Altgläubige mit Freischaren vorab aus dem Haslital und Unterwalden standen, auf der anderen Seite bernische Truppen, dazwischen Unterseen. Am 29. Oktober wurde das Städtchen von den Altgläubigen besetzt, doch als reformierte Truppen oben am Thunersee landeten und die Besatzer die fehlende Kampfmoral der lokalen Bevölkerung erkannten, zogen sich die Altgläubigen in der Nacht auf den 30. Oktober aus Unterseen und dem Bödeli zurück. Für seine Unterstützung Berns wurde Unterseen in der Folge belohnt: Die Alp Sefinen kam aus dem Herrschaftsbereich des Klosters in denjenigen Unterseens - und ist bis heute dort geblieben.

Nach der Helvetik war Unterseen ein Zentrum des Widerstandes gegen die wiederhergestellte Berner Feudalherrschaft. Das Unspunnenfest 1805 und 1808 sollte gemäss den Stiftern eine Versöhnung zwischen Stadt und Land herstellen. Der Versuch misslang und die Regierung verbot fortan solche Volksfeste. Im Jahre 1815 kam es zu den Interlakner Wirren, in denen Bürger von Unterseen eine wichtige Rolle spielten.

Im aufkommenden Tourismus ab 1750 spielte Unterseen eine wichtige Rolle, noch vor Interlaken, die es erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts einbüsste.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1914 war Unterseen an die Strassenbahn Steffisburg–Thun–Interlaken der heutigen Verkehrsbetriebe STI angebunden, die Verbindung wurde wegen mangelnder Nachfrage 1939/40 zwischen Beatenbucht und Interlaken auf Autobusbetrieb umgestellt, heute verkehrt auf dem Abschnitt die Linie 21 der STI.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Stadthaus befindet sich im Dachgeschoss die Galerie Kunstsammlung Unterseen. Sie wird vom Verein Kunstsammlung Unterseen (KSU) seit 1986 betrieben und war seither Ausstellungsort für zahlreiche Maler, Grafiker und Plastiker aus Unterseen oder der Umgebung. Auch Bendicht Friedli oder Künstlervereinigungen wie die Gilde Schweizer Bergmaler stellten dort aus.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[2]
Jahr 1764 1850 1880 1900 1930 1950 1980 1990 2000 2010 2015
Einwohner 1'361 1'995 2'607 3'119 3'448 4'568 4'890 5'201 5'492 5'690

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schläppi Ernst: Vom Freiheitstraum zum Glaubensstreit, Schläfli 2000
  • Schläppi Ernst: Unterseen, 2 Bände; Schläfli 2008
  • Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen, II. Abteilung: Die Rechtsquellen des Kantons Bern, Zweiter Teil: Rechte der Landschaft, Band 6: Das Recht der Ämter Interlaken und Unterseen von Margret Graf-Fuchs, Aarau 1957. (Online-Version)
  • Ernst Schläppi: Eine Bödeli Fusionsgeschichte, Unterseen 2009

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Unterseen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 29. August 2017; abgerufen am 20. September 2017.
  2. Mitarbeiter: Gemeindesuche. Bevölkerung. In: Offizielle Webpräsenz. Bundesamt für Statistik; abgerufen am 27. August 2017 (Eingabe Unterseen. Jahresdurchschnitt).