Lichtenwörth

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Lichtenwörth
Wappen Österreichkarte
Wappen von Lichtenwörth
Lichtenwörth (Österreich)
Lichtenwörth
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Wiener Neustadt-Land
Kfz-Kennzeichen: WB
Fläche: 22,97 km²
Koordinaten: 47° 50′ N, 16° 18′ OKoordinaten: 47° 49′ 55″ N, 16° 17′ 45″ O
Höhe: 254 m ü. A.
Einwohner: 2.727 (1. Jän. 2018)
Bevölkerungsdichte: 119 Einw. pro km²
Postleitzahlen: 2493, 2700, 7202
Vorwahl: 02622
Gemeindekennziffer: 3 23 18
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 1
2493 Lichtenwörth
Website: www.lichtenwoerth.at
Politik
Bürgermeister: Harald Richter (SPÖ)
Gemeinderat: (2015)
(21 Mitglieder)
12
5
2
1
1
12 
Insgesamt 21 Sitze
Lage der Marktgemeinde Lichtenwörth im Bezirk Wiener Neustadt-Land
Bad ErlachBad Fischau-BrunnBad SchönauBrombergEbenfurthEggendorfFelixdorfGutensteinHochneukirchen-GschaidtHochwolkersdorfHohe WandHollenthonKatzelsdorfKirchschlag in der Buckligen WeltKrumbachLanzenkirchenLichteneggLichtenwörthMarkt PiestingMatzendorf-HöllesMiesenbach (Niederösterreich)MuggendorfPernitzRohr im GebirgeSchwarzenbachSollenauTheresienfeldWaidmannsfeldWaldeggWalpersbachWeikersdorf am SteinfeldeWiesmathWinzendorf-MuthmannsdorfWöllersdorf-SteinabrücklZillingdorfWiener NeustadtNiederösterreichLage der Gemeinde Lichtenwörth im Bezirk Wiener Neustadt-Land (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Lichtenwörth von Süden
Lichtenwörth von Süden
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Lichtenwörth ist eine Marktgemeinde mit 2727 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2018) im Industrieviertel von Niederösterreich, östlich von Wiener Neustadt, zwischen Leitha und Warmer Fischa.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

f1Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten: OSM

Einzige Ortschaft ist Lichtenwörth. Zur Ortschaft zählen auch die Ortsteile Alte Siedlung, Am Stampf, Döttelbach, der Meierhof Fondsgut, das Dorf Nadelburg, die Neue Siedlung, das Dorf Waldheim und eine Einzellage.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg, welche Hauptort für das gesamte Nord-Ost-Norikum war.

Später unter den Römern lag das heutige Lichtenwörth dann in der Provinz Pannonia.

Lichtenwörth wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt. Darin überlässt der Salzburger Erzbischof Adalbert III. dem Kloster Vorau 1174 alle Pfarrrechte und einen Teil der Zehnte, die innerhalb der Grenzen des Gebietes „Lutunwerde“ entrichtet werden.

Noch im 12. Jahrhundert wurde in einer Flussbiegung der "warmen Fischa" eine Wasserburg errichtet und mit einem Burggraben versehen, die der Bevölkerung als Schutz vor den Überfällen feindlicher Heerscharen (vor allem Magyaren, Türken und Mongolen) diente. Die Burg, genannt "Feste Lichtenwörth", wurde 1487–1490 durch kriegerische Ereignisse zerstört. Auf der "Insel", wo sich diese Burg befand, wurde später ein bischöflicher Hofgarten angelegt. Heute ist die Insel mit dem so genannten Villateich öffentlich zugänglich und wird sowohl als Veranstaltungsplatz als auch als Naherholungsgebiet genutzt.

1992 verlieh der Niederösterreichische Landtag Lichtenwörth das Marktrecht.

Der Name Lichtenwörth (früher Lutunwerde) bedeutet eine Siedlung auf einer Insel oder auf einer Bodenerhebung inmitten eines Sumpfes, wobei der Waldbestand gelichtet oder überhaupt entfernt worden ist.

Urkundliche Erwähnung: 1240 / 57 Lichtenwerde

Die Ortschaft Nadelburg
Industrie-, Arbeitersiedlung bzw. Gemeinde Nadelburg, Werbeplakat (ca. 1895)

1747 wurde unter der Regentschaft von Maria Theresia die Metallwaren- und Messingnadelfabrik (samt Drahtzug) Nadelburg durch ein zugunsten von Johann Christian Zug, Inhaber eines Kupferhammers zu Liechtenwörth, ausgestelltes landesfürstliches Privileg gegründet. Bereits 1751 ging der Betrieb wegen seiner nachteiligen Finanzlage in das Eigentum des Staates (k.k. Münz- und Bergwerksdirektorium) über. 1767 kam das passiv gebliebene Werk an Theodor Graf Batthyány, nach dessen Tod im Versteigerungswege an den Wiener Großhändler Anton Hainisch, unter dessen Leitung der Betrieb zu hoher Blüte gelangte.[1]

Im Vormärz wurden die Drahtziehereien durch Walzwerke ersetzt und durch eine Baumwollspinnerei ergänzt. Erzeugt wurden über 800 verschiedene Gegenstände wie etwa Bügeleisen, Nadeln, Gewichte oder Mörser. In der Blütezeit der Fabrik entstand im Jahr 1880 ein schlossähnlicher Bau, die Herrschaftsvilla Nadelburg, abgetragen 1954. Die Nadelburger Metallwarenwerke wurden 1930 geschlossen.

Durch mangelndes öffentliches wie privates Verständnis ließ man die Anlage allmählich verfallen. Erst 1986, als das Ensemble unter Denkmalschutz gestellt wurde, begann ein Umdenken. Unter anderem der Privatinitiative des historisch interessierten Lichtenwörthers und Hauseigentümers in Nadelburg, Franz Gehrer (1924–1997), ist es zu verdanken, dass Existenz wie Geschichte der Nadelburg nicht weiter in Vergessenheit geraten sollten. Er gründete Mitte der 1980er-Jahre ein Heimatmuseum, in welchem er die von ihm zusammengetragenen siedlungs- wie werksbezogenen Objekte unterbrachte und in der Folge zur Schau stellte. Im Laufe der Jahre hatten sich hunderte Schaustücke, Fotos und Dokumente angesammelt, welche heute im 1756[2] fertiggestellten Winkelhaus, einem privat geführten Museum[3], aufbewahrt werden.

Die Reste des Gasthofes, des einstigen sozialen Mittelpunkts der Arbeitersiedlung, wurden 1991 trotz Denkmalschutzes abgerissen. Nicht besser erging es der Nähnadelfabrik, einem für die Spätphase der Anlage charakteristischen Bau (sägezahnförmiges Sheddach): Anstatt zu sanieren, wurde geschleift, nur zwei Mauern blieben erhalten.

Die Nadelburg fällt in den Ursprung der Industrialisierung in Österreich und ist für die Industrie-, Kultur- wie Sozialgeschichte entsprechend bedeutsam. Gemäß der von Manfred Wehdorn 1984 publizierten Wertanalyse[4] zählt die Arbeitersiedlung, die nach einem einheitlichen Grundplan in Theresianischer Zeit errichtet wurde, zweifellos zu den ältesten, noch weitgehend einheitlich erhaltenen Anlagen dieser Art in Europa.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Volkszählung 2001 leben derzeit 2.866 Menschen in Lichtenwörth. Das ist eine kontinuierliche Steigerung nach 1971 2.507, 1981 2.525 und 1991 2.723 Einwohnern.

Nach Altersgruppen aufgelistet sind derzeit 18,3 % unter 15 Jahre, 61,8 % zwischen 15 und 60 Jahre und 19,8 % über 60 Jahre alt.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Daten der Volkszählung 2001 sind 70,2 % der Einwohner römisch-katholisch und 3,1 % evangelisch. 10,5 % sind Muslime, 1,5 % gehören orthodoxen Kirchen an. 13,7 % der Bevölkerung haben kein religiöses Bekenntnis.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Marktgemeinderat gibt es bei insgesamt 21 Sitzen nach der Gemeinderatswahl vom 25. Jänner 2015 folgende Mandatsverteilung:

Partei   Mandate     % der Stimmen  
Liste SPÖ 12 55,39
Liste ÖVP 5 21,35
Liste Pro Lichtenwörth 2 9,03
Wolfgang Paar 1 5,97
FPÖ 1 4,32

Bürgermeister

  • bis 2007 Alois Proksch (SPÖ)
  • 2007–2014 Manfred Augusztin (SPÖ)
  • seit 2014 Harald Richter (SPÖ)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: In einem schwarzen Schild ein goldener Reichsapfel mit roter Binde, der vor zwei im Schildesfuß sich kreuzenden grünen Palmzweigen umfasst wird und über dem eine fünfzackige Krone schwebt.

Zur Gestaltung des 1978 verliehenen Wappens wurden die seit dem Ende des 18. Jahrhunderts im Ortssiegel verwendeten Embleme Krone und Reichsapfel herangezogen und mit zwei Palmzweigen zu einer Einheit zusammengefasst.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 80, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 69. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 1284. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 48,22 Prozent.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Lichtenwörth
  • Pfarrkirche Lichtenwörth: Bereits im 14. Jahrhundert wurde mit dem Bau der Kirche in gotischem Stil begonnen. Feindliche Überfälle und Geldmangel verhinderten die Fertigstellung. Erst 1889 wurde der Bau in der heutigen Form fertiggestellt.
  • Nadelburg: eine Arbeitersiedlung, zur Zeit von Kaiserin Maria Theresia errichtet, deren ursprüngliche Baulichkeiten im Wesentlichen erhalten geblieben sind
  • Theresienkirche in der Nadelburg – eine von Nikolaus von Pacassi im barocken Stil erbaute und 1759 der hl. Theresia geweihte Kirche.
  • Adlertor: Das Adlertor ist einer der drei Zugänge zur Arbeitersiedlung; es wird, als ein Wahrzeichen von Lichtenwörth, in gutem Zustand gehalten.
  • Nadelburgmuseum: Die Nadelburg verfügt über ein privates Museum mit historisch wertvoller Sammlung. Das Museum zeigt konkret die Geschichte der Herrschaft und Industrien der Nadelburg.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herbert Matis: Die Manufaktur und frühe Fabrik im Viertel unter dem Wiener Wald. Eine Untersuchung der großbetrieblichen Anfänge vom Zeitalter des Merkantilismus bis 1848. Teil 3: Die Manufakturen und Fabriken nach den einzelnen Produktionszweigen. Wien, Univ., Diss., 1965.[5]
  • Manfred Wehdorn [Übungsleiter]: Arbeitersiedlung „Nadelburg“, Lichtenwörth, NÖ. Denkmalpflege-Übungen am Institut für Kunstgeschichte und Denkmalpflege an der Technischen Universität Wien im Studienjahr 1979/1980. Institut für Kunstgeschichte und Denkmalpflege, TU Wien, Wien 1979.[6]
  • Manfred Wehdorn, Ute Georgeacopol-Winischhofer: Baudenkmäler der Technik und Industrie in Österreich. Band 1, Wien, Niederösterreich, Burgenland. Böhlau, Wien/Graz (u. a.) 1984, ISBN 3-205-07202-2.
  • Adalbert Haider: Die Nadelburg – ein Beitrag zur Zeit- und Wirtschaftsgeschichte. Chronik; Weilburg-Verlag, Wiener Neustadt 1988, ISBN 3-900100-72-1.
  • Robert Bachtrögl: Die Nadelburg – Geschichte ab 1747. Das umfangreichste und informativste Werk über die Nadelburg, Heimatverlag, 2010, 225 S., mit Prachteinband, limitierte Auflage von 1000 Stück.
  • Ilse Huber: ORF Ö1, Radiosendung, Radiokolleg – Von der Manufaktur zur Massenproduktion. Wie die Ökonomie das niederösterreichische Industrieviertel prägt. Serie in 4 Teilen. 10.–13. Oktober 2016. oe1.orf.at – 7 Tage nachhörbar.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lichtenwörth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Matis: Manufaktur, 3. T., S. 367 f.
  2. Spätestens 1756 war der Bau der Arbeitersiedlung abgeschlossen. — In: Wehdorn, Baudenkmäler, S. 188.
  3. In dessen Nahbereich wurde 2009 der sich um die Erhaltung des Areals bemühende Verein Industriedenkmal Nadelburg gegründet
  4. Wehdorn: Baudenkmäler, S. 188.
  5. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  6. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.