Mernes

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Mernes
Koordinaten: 50° 14′ 22″ N, 9° 28′ 45″ O
Höhe: 274 m ü. NHN
Fläche: 8,37 km²[1]
Einwohner: 800 (ca.)[2]
Bevölkerungsdichte: 96 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 63628
Vorwahl: 06660

Mernes ist der südlichste Stadtteil von Bad Soden-Salmünster im osthessischen Main-Kinzig-Kreis. Das Dorf liegt ungefähr 60 km östlich von Frankfurt, eingebettet im Jossatal im Naturpark Hessischer Spessart am Fuße der Bergkuppe "Stacken" (465 m) und ist ein staatlich anerkannter Erholungsort. Mernes hat knapp unter 900 Einwohner.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wasserwerk Mernes

Die Gegend des Stacken war archäologischen Funden zufolge bereits in der Jungsteinzeit besiedelt. Als „Stegun“ wurde die Erhebung 1059 als Grenzbezeichnung urkundlich erwähnt. Mernolfes ist erst 1267 erstmals genannt, auf einer Karte aus dem 16. Jahrhundert heißt es Merles. Der heute bewaldete Stacken wurde im Mittelalter agrarisch genutzt. Einer der ältesten Grenzsteine im Spessart (datiert 1559) dokumentiert den Stacken als Grenzland zwischen der Grafschaft Hanau, den Herren von Hutten, den Herren von Thüngen und Kurmainz nach Aussterben der Grafen von Rieneck in ebendiesem Jahr. Im 19. Jahrhundert war der Stacken Grenzland zwischen den Königreichen Preußen (vor 1866 Kurhessen) und Bayern.

Ein kurioser Vertrag von 1913 mit dem preußischen Militär gewährt den Bürgern des Dorfes bis in die Gegenwart kostenloses Trinkwasser. Als Rechtsnachfolger ist nun die Stadt Frankfurt am Main in der Verpflichtung. [3]

Mernes wurde am 1. Juli 1974 im Zuge der Gebietsreform in Hessen mit den Städten „Bad Soden bei Salmünster“ und Salmünster zur neuen Stadt Bad Soden-Salmünster zusammengeschlossen.[4][5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1632: 36 Dienstpflichtige
• 1811: 68 Feuerstellen mit 516 Seelen
Mernes: Einwohnerzahlen von 1811 bis 1970
Jahr  Einwohner
1811
  
516
1834
  
637
1840
  
627
1846
  
620
1852
  
616
1858
  
596
1864
  
627
1871
  
609
1875
  
598
1885
  
565
1895
  
570
1905
  
776
1910
  
591
1925
  
596
1939
  
644
1946
  
939
1950
  
871
1956
  
730
1961
  
706
1967
  
751
1970
  
767
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1885: 6 evangelische (= 1,06 %), 559 katholische (= 98,94 %) Einwohner
• 1961: 35 evangelische (= 4,96 %), 667 katholische (= 94,48 %) Einwohner

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Mernes steht die römisch-katholische Pfarrkirche St. Peter. Die Pfarrei Mernes ist im Bistum Fulda gelegen und gehört zum Pastoralverbund "St. Martin im Spessart".

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochaltar St. Peter; Petrusstatue

Neben der Waldlandschaft mit eigenem Wanderwegenetz und einigen Gaststätten ist das Quellschwimmbad ein Anziehungspunkt für Freizeitgestaltung und Tourismus. Vom Stacken (465 m), der neben Streuobstwiesen und Fichtenwald auch natürlich gewachsene Landschaften wie Wacholderheide und Arnika-Wiesen aufweist, besteht an klaren Tagen eine Aussicht bis weit in die Rhön.

  • Kirche St. Peter. Die zwischen 1660 und 1671 errichtete Kirche St. Peter wurde 1934 erweitert; durch den Umbau ist die Kirche heute ungewöhnlicherweise nach Norden statt wie üblich nach Osten ausgerichtet. Der schmucklose Außenbau birgt im Inneren einige Ausstattungsstücke aus der durch Bombenabwurf-Übungen des Fliegerhorsts Gelnhausen-Rothenbergen nach 1935 zerstörten Kirche in Lettgenbrunn, die zuvor – als die Siedlung geräumt wurde – nach Mernes in Sicherheit gebracht worden waren: Einen Hochaltar mit einer Kreuzigungsgruppe aus der Schule Tilman Riemenschneiders, einen Taufstein sowie einen Marienaltar.
  • Das Merneser Wasserwerk ist ein Jugendstil-Industriedenkmal aus den Jahren 1913–14. Im Inneren sind noch Maschinen, Motoren, Pumpen und Werkzeuge aus der Entstehungszeit erhalten, die jedoch nicht mehr genutzt werden. Ursprünglich war das Wasserwerk zur Versorgung des Truppenübungsplatzes an der Wegscheide gebaut worden; der Vertrag von 1913 des damaligen Merneser Bürgermeisters Hieronymus König mit der Militärverwaltung sah im Gegenzug eine kostenlose Belieferung der Gemeinde Mernes mit Trinkwasser vor. Dieser Vertrag wurde nie aufgehoben und gilt deshalb noch. Eigentümerin des Wasserwerks ist heute die Stadt Bad Orb und Pächterin die Stadt Frankfurt; versorgt auf der Wegscheide wird heute statt des nicht mehr vorhandenen Truppenübungsplatzes das Schullandheim. Das Wasserwerk ist sanierungsbedürftig und entspricht nicht mehr den heutigen technischen und hygienischen Vorschriften. Ein lokaler Förderverein versucht, Mittel zur Bestandssicherung zu erheben.
  • Die NABU-Ortsgruppe hat einen Naturlehrpfad im Dorf mit Exponaten und Erklärungen zu verschiedenen Themen angelegt, beispielsweise eine Insektenwand für solitäre Bienen und Wespen und eine Trockenmauer.
  • Von der Kröckelmühle sind noch zwei unterschlächtige Mühlräder erhalten. Das Gebäude selbst - ein Fachwerkbau - musste 1992 einem schlichten Neubau weichen.
  • Am alten Dorfbrunnen liest sich eine Reproduktion der Ersterwähnungsurkunde von 1267: Mitglieder des Burggerichts Gelnhausen geben allgemein bekannt, dass die Söhne des Rudolf genannt von Mernolfes und seine Miterben auf Ansprüche an Gütern zu Neuses verzichten, die Wolfram von Neuses, Bürger zu Gelnhausen, dem Kloster Meerholz auf immer übertragen hatte; es folgen die Namen der Unterzeichner und der Zeugen.
  • Der europäische Kultur-Rad- und Wanderweg "Perlen der Jossa" ("Archäologisches Spessartprojekt") führt durch Mernes und hat dort eine Station mit Erklärungstafel. Der Name bezieht sich auf die in der Vergangenheit in der Jossa vorkommende Flussperlmuschel. Die Trasse deckt sich im Tal der Jossa mit der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute.
  • Auch der Spessartbogen-Fernwanderweg quert Mernes und führt, von den Kämmen unweit der Wegscheide kommend, auf aussichtsreichem Höhenweg hinunter ins Jossatal und jenseits des Flusses über den Stacken oberhalb von Marjoß vorbei. Am Waldrand befindet sich die so genannte "Spessarträuber-Hütte", auf der von lokalen Guides für interessierte Gruppen Räuberspaß-Events und Survival-Kurse veranstaltet werden.
  • 50er Jahre Privatmuseum. Das rund 300 Quadratmeter große 50er-Jahre Privatmuseum bildet eine der attraktivsten Ausflugsziele im hessischen Erholungsort Mernes. Der Museumsgründer Michael Gombert sammelt seit seiner Kindheit alles Technische aus der Zeit des Wirtschaftswunders. Besucher, die Lust auf einen Kurztrip durch die Zeit haben, in der Rama noch mit "h" geschrieben wurde, kommen hier bei einer Führung garantiert auf ihre Kosten. Die gesammelten Objekte weisen eine ganz besondere Geschichte auf, wurden restauriert und alte Geräte wieder voll funktionsfähig gemacht. Die zahlreiche Sammlung des 50er-Jahre Privatmuseums umfasst unter anderem eine kleine Schule, einen Tante-Emma-Laden, diverse Möbel, Fahrzeuge, Waschmaschinen und Kleidung. Jukeboxen aus den USA und Deutschland runden das Bild der behaglichen Zeit ab.
Blick auf Mernes in östlicher Richtung (September 2014)

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entfernung zum Autobahnanschluss Bad Soden-Salmünster der (A 66) beträgt etwa 12 km. Anbindung an den Bahnverkehr bieten der Bahnhof Bad Soden-Salmünster an der an der Kinzigtalbahn sowie der Bahnhof Jossa an der Bahnstrecke Flieden–Gemünden

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Mernes, Main-Kinzig-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 24. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Stadtteil Mernes im Internetauftritt der Stadt Bad Soden-Salmünste, abgerufen im Februar 2016
  3. Frankfurter Rundschau (Hrsg.): Ungeliebter Schatz vom 21.01.14. Frankfurter Rundschau, Frankfurt am Main 2014, S. R8.
  4. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Gelnhausen, Hanau und Schlüchtern und der Stadt Hanau sowie die Rückkreisung der Städte Fulda, Hanau und Marburg (Lahn) betreffende Fragen (GVBl. 330–26) vom 12. März 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 149, § 18 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 377.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mernes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien