Pamela Rendi-Wagner

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Pamela Rendi-Wagner (2019)
Unterschrift von Pamela Rendi-Wagner

Joy Pamela Rendi-Wagner[1] (* 7. Mai 1971 in Wien als Joy Pamela Wagner) ist eine österreichische Infektiologin, Epidemiologin, Tropenmedizinerin und Politikerin (SPÖ). Seit 24. November 2018 ist sie die Bundesparteivorsitzende der SPÖ[2] und damit die erste Frau an der Spitze der österreichischen Sozialdemokratie.[3]

Vom 8. März 2017 bis zum 18. Dezember 2017 war sie Bundesministerin für Gesundheit und Frauen. Seit 9. November 2017 ist sie Abgeordnete zum österreichischen Nationalrat, seit 8. Oktober 2018 dort auch Klubobfrau ihrer Partei.[4] Bei der Nationalratswahl in Österreich 2019 war sie die Spitzenkandidatin der SPÖ.[5]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wagner wuchs im 10. Wiener Gemeindebezirk Favoriten in der Per-Albin-Hansson-Siedlung als Tochter einer jungen allein erziehenden Mutter auf. Sie besuchte das GRG 12 Erlgasse in Meidling[6] und studierte nach der Matura ab 1989 an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien, wo sie 1996 promoviert wurde. Während der Wartezeit auf einen Ausbildungsplatz studierte sie an der London School of Hygiene and Tropical Medicine, wo sie 1996/97 einen Masterstudiengang in „Infection and Health“ absolvierte[7]. 1997 erlangte sie das „Diploma of Hygiene and Tropical Medicine“, den Master of Science (MSc) am Royal College of Physicians.[8]

1998 kehrte Wagner an die Universität Wien zurück und arbeitete zwischen 1998 und 2002 in der Abteilung für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin; 2002–2003 in der Abteilung für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin im Kaiser-Franz-Josef-Spital und von 2003 bis 2007 wieder an der Medizinischen Universität Wien in der Abteilung für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin und Zentrum für Reisemedizin. Als Projektleiterin etablierte Rendi-Wagner unter anderem ein Netzwerk zur flächendeckenden epidemiologischen Überwachung wichtiger Infektionskrankheiten. Im Zuge ihrer Forschungen wurde auch das empfohlene Intervall für Zeckenschutzimpfungen von drei auf fünf Jahre hinaufgesetzt.[8] 2008 habilitierte sie zum Thema „Prävention durch Impfungen“ in Wien. Anschließend war sie international als Wissenschaftlerin in den Bereichen Infektionsepidemiologie, Vakzinprävention und Reisemedizin tätig. Zwischen 2008 und 2011 war sie Gastprofessorin im Department of Epidemiology and Preventive Medicine an der Tel Aviv University in Israel. Zwischen 2012 und 2017 war sie als Gastprofessorin am Zentrum für Public Health an der Medizinischen Universität Wien tätig.[9][10] Von 2011 bis 2017 übernahm Rendi-Wagner die Leitung der Sektion III, „Öffentliche Gesundheit und medizinische Angelegenheiten“ im Bundesministerium für Gesundheit, war Vorsitzende des Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) und Mitglied der Bundesgesundheitskommission.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nachfolge der verstorbenen Sabine Oberhauser und des interimistisch das Ministerium leitenden Alois Stöger wurde sie am 8. März 2017 von Bundespräsident Alexander Van der Bellen zur Bundesministerin für Gesundheit und Frauen in der Bundesregierung Kern (SPÖ-ÖVP-Koalition) ernannt. Erst kurz vor der Angelobung wurde sie Mitglied der SPÖ; allerdings war sie bereits 2012 dem Sozialdemokratischen Akademikerbund beigetreten.[11][12] Mit dem Regierungswechsel nach der Nationalratswahl in Österreich 2017 schied sie am 18. Dezember 2017 aus der Bundesregierung aus. Von ihrem Rückkehrrecht als Beamtin einen Posten im Gesundheitsministerium zu übernehmen machte sie keinen Gebrauch, sondern gehört als Abgeordnete seither dem Nationalrat der XXVI. Gesetzgebungsperiode an und ist dort Gesundheitssprecherin der SPÖ.

Pamela Rendi-Wagner beim SPÖ-Bundesparteitag 2018

Nach der Ankündigung von Christian Kern, als Spitzenkandidat der SPÖ zur Europawahl im Mai 2019 anzutreten und davor im November 2018 vom Parteivorsitz zurückzutreten, wurde Rendi-Wagner als dessen Wunschkandidatin am 22. September 2018 vom SPÖ-Parteipräsidium zu seiner Nachfolgerin designiert und übernahm geschäftsführend den Parteivorsitz.[13][14] Auf dem 44. ordentlichen Bundesparteitag in Wels wurde Rendi-Wagner am 24. November 2018 mit 97,81 Prozent der Delegiertenstimmen als erste Frau in der Geschichte der 1888 gegründeten Partei zur Parteivorsitzenden der SPÖ gewählt.[15] Als ihr Ziel nannte die neue SPÖ-Chefin, sie wolle „die erste Bundeskanzlerin dieser Republik werden“.[16]

Schon vor ihrer Wahl zur Vorsitzenden war Nichtraucherschutz ein politischer Schwerpunkt von Pamela Rendi-Wagner.[17] 2019 stellte sie gemeinsam mit Gerald Loacker (NEOS – Das Neue Österreich und Liberales Forum) und Daniela Holzinger-Vogtenhuber (Jetzt – Liste Pilz) den Antrag im Nationalrat, mit dem das Gesetz zum Rauchverbot in der Gastronomie beschlossen wurde.[18]

Am 28. Mai 2019 wurde Rendi-Wagner als Spitzenkandidatin für die Nationalratswahl in Österreich 2019 vom Parteipräsidium einstimmig bestätigt.[19] Ihre Partei erreichte mit 21,18 Prozent (minus 5,7 Prozentpunkte) das historisch schlechteste Ergebnis bei einer Nationalratswahl.

Mitte Februar 2020 gab sie bekannt, den Parteimitgliedern die Vertrauensfrage zusammen mit einer Reihe Fragen zu Schwerpunktthemen der Sozialdemokratie stellen zu wollen.[20] Am 2. April war die Umfrage abgeschlossen, die Auszählung ruhte danach wegen der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie in Österreich. Am 6. Mai erfolgte die Bekanntgabe der Ergebnisse: Bei einer Beteiligung von 41,3 % der Mitglieder erhielt Rendi-Wagner 71,4 % Zustimmung. Sie kündigte daher an, Parteichefin zu bleiben und präsentierte ein politisches Konzept „Neue Solidarität für Österreich“, das die Stärkung des Sozialstaats mit Fokus auf Gesundheit und Pflege sowie Investitionen in Beschäftigung und Steuergerechtigkeit zum Inhalt hat.[21]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pamela Wagners Mutter war Kindergärtnerin, ihr Vater Sozialpsychologe. Sie hat vier Halbbrüder.[7] Rendi-Wagner ist mit dem ehemaligen österreichischen Botschafter in Israel und früheren Kabinettschef des ehemaligen Kanzleramtsministers Thomas Drozda (SPÖ), Michael Rendi (* 1964), verheiratet und hat mit ihm zwei Töchter.[22][23]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2019 wurde bekannt, dass Rendi-Wagner insgesamt 16 Monate lang ihre Mandatsabgabe schuldig geblieben war und die Außenstände ihrer Parteisteuer zwischenzeitlich über 13.000 Euro betragen hatten. Das für die Sozialdemokratie beispiellose Bekanntwerden dieser Information wurde als Indiz für den heftigen Unmut innerhalb der SPÖ über die Parteivorsitzende gewertet.[24] Ende des ersten Halbjahres 2019 beglich Rendi-Wagner ihre Zahlungsverpflichtung.

Wissenschaftliche Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die sieben meist zitierten wissenschaftlichen Arbeiten nach Google Scholar:

  • Tauber E.; Korinek M.; Rendi-Wagner P. et al.: Safety and immunogenicity of a Vero-cell-derived, inactivated Japanese encephalitis vaccine: a non-inferiority, phase III, randomised controlled trial. In: The Lancet. 370, Nr. 9602, 2007, S. 1847–1853. doi:10.1016/S0140-6736(07)61780-2.
  • Rendi-Wagner P.; Kundi M.; Stemberger H. et al.: Antibody-response to three recombinant hepatitis B vaccines: comparative evaluation of multicenter travel-clinic based experience. In: Vaccine. 19, Nr. 15–16, 2001, S. 2055–2060. doi:10.1016/S0264-410X(00)00410-2.
  • Rendi-Wagner P.; Shouval D.; Genton B. et al.: Comparative immunogenicity of a PreS/S hepatitis B vaccine in non-and low responders to conventional vaccine. In: Vaccine. 24, Nr. 15, 2006, S. 2781–2789. doi:10.1016/j.vaccine.2006.01.007.
  • Paulke-Korinek M.; Rendi-Wagner P.; Kundi M. et al.: Universal Mass Vaccination Against Rotavirus Gastroenteritis: Impact on Hospitalization Rates in Austrian Children. In: The Pediatric Infectious Disease Journal. 29, Nr. 4, 2010, S. 319–323. doi:10.1097/INF.0b013e3181c18434.
  • Paulke-Korineka M.; Kundi M.; Rendi-Wagner P. et al.: Herd immunity after two years of the universal mass vaccination program against rotavirus gastroenteritis in Austria. In: Vaccine. 29, Nr. 15, 2011, S. 2791–2796. doi:10.1016/j.vaccine.2011.01.104.
  • Rendi-Wagner P.: Risk and prevention of tick-borne encephalitis in travelers. In: Journal of Travel Medicine. 11, Nr. 5, 2004, S. 307–312. doi:10.2310/7060.2004.19107.
  • Rendi-Wagner P.; Kollaritsch H.; Ericsson C.D. et al.: Drug Prophylaxis for Travelers' Diarrhea. In: Clinical Infectious Diseases. 34, Nr. 5, 2002, S. 628–633. doi:10.1086/338640.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Pamela Rendi-Wagner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundeswahlvorschlag SPÖ. In: bmi.gv.at. Abgerufen am 27. September 2018.
  2. Rendi-Wagner zur SPÖ-Parteichefin gewählt. In: ORF. 24. November 2018, abgerufen am 24. November 2018.
  3. Schieder geht, Drozda kommt: Rendi-Wagner baut SPÖ-Spitze um. In: news.ORF.at. 25. September 2018, abgerufen am 26. September 2018.
  4. Personalkarussell: Rendi-Wagner nun auch SPÖ-Klubchefin. In: news.ORF.at. 8. Oktober 2018, abgerufen am 8. Oktober 2018.
  5. Bundeswahlvorschlag SPÖ. Abgerufen am 21. Januar 2020.
  6. Daniela Kittner: Die Schule von Kurz und Rendi-Wagner: Eliteschmiede Erlgasse. In: kurier.at. 7. Oktober 2018, abgerufen am 7. Oktober 2018.
  7. a b Marie-Theres Egyed, Karin Riss: Rendi-Wagner: Plan P wie Pamela. In: derStandard.at. 7. Oktober 2017, abgerufen am 25. November 2018.
  8. a b Impf-Expertin und Tropenmedizinerin für das Gesundheitsressort. In: DiePresse.com. 7. März 2017, abgerufen am 7. März 2017.
  9. Lebenslauf Ministerin Pamela Rendi-Wagner. In: bmgf.gv.at (Memento vom 29. April 2017 im Internet Archive)
  10. European Centre for Disease Prevention and ControlAnnual Declaration of Interests for 2016. (PDF; 38 kB) In: ecdc.europa.eu. 22. Februar 2016, archiviert vom Original am 8. März 2017; abgerufen am 26. Oktober 2019.
  11. Nina Weißensteiner: Ministerin Rendi-Wagner: Inakzeptabel, dass Frauen weniger verdienen. In: DerStandard.at. 8. März 2017, abgerufen am 26. Oktober 2019.
  12. Lou Lorenz-Dittlbacher, Dieter Zirnig: Pamela Rendi-Wagner bei Lou Lorenz-Dittlbacher (Transkript). In: ZIB2/neuwal.com. 10. März 2017, abgerufen am 12. März 2017.
  13. Katharina Mittelstaedt, Maria Sterkl: SPÖ-Präsidium designiert Rendi-Wagner als Parteichefin. In: Der Standard. 22. September 2018, abgerufen am 25. November 2018.
  14. Die SPÖ bekommt ihre erste Bundesparteivorsitzende. In: salzburg24.at. 22. September 2018, abgerufen am 26. November 2018.
  15. 97,8 Prozent für Pamela Rendi-Wagner! In: spoe.at. 24. November 2018, abgerufen am 25. November 2018.
  16. Julia Neuhauser: Rote Kampfansage: Rendi Wagner will erste Kanzlerin werden. In: Die Presse. 24. November 2018, abgerufen am 24. November 2018.
  17. Pamela Rendi-Wagner, Harald Vilimsky: "Die Raucher können gar nirgends mehr hingehen!" In: Der Standard. 20. März 2018, abgerufen am 20. März 2020.
  18. Pamela Rendi-Wagner, Gerald Loacker, Daniela Holzinger-Vogtenhuber: "Tabak- und Nichtraucherinnen- bzw. Nichtraucherschutzgesetz – TNRSG, Änderung (859/A)". In: www.parlament.gv.at. 12. Juni 2019, abgerufen am 20. März 2020.
  19. „Keine Personaldebatte“: Rendi-Wagner wird SPÖ-Spitzenkandidatin. In: ORF.at. 28. Mai 2019, abgerufen am 28. Mai 2019.
  20. Rendi-Wagner stellt SPÖ-Mitgliedern Vertrauensfrage - derStandard.at. Abgerufen am 28. April 2020 (österreichisches Deutsch).
  21. Rendi-Wagner bleibt SPÖ-Chefin. Abgerufen am 6. Mai 2020 (österreichisches Deutsch).
  22. Pamela Rendi-Wagner: Viel mehr als die bessere Hälfte. In: Oberösterreichische Nachrichten. 4. Juni 2011, abgerufen am 7. März 2017.
  23. Drozda holt Top-Diplomat ins Team. In: Kurier. 19. Mai 2016, abgerufen am 7. März 2017.
  24. Rendi-Wagners rote Zahlen. In: profil.at. 28. November 2019, abgerufen am 6. Dezember 2019.