Radbruch

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Dieser Artikel beschreibt die Gemeinde Radbruch in Niedersachsen. Für weitere Bedeutungen siehe Radbruch (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Radbruch
Radbruch
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Radbruch hervorgehoben
Koordinaten: 53° 19′ N, 10° 17′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Lüneburg
Samtgemeinde: Bardowick
Höhe: 8 m ü. NHN
Fläche: 22,54 km2
Einwohner: 2047 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 91 Einwohner je km2
Postleitzahl: 21449
Vorwahl: 04178
Kfz-Kennzeichen: LG
Gemeindeschlüssel: 03 3 55 028
Adresse der Verbandsverwaltung: Schulstr. 12
21357 Bardowick
Bürgermeister: Rolf Semrok (CDU)
Lage der Gemeinde Radbruch im Landkreis Lüneburg
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Radbruch ist eine Gemeinde im Landkreis Lüneburg in Niedersachsen. Sie hat etwa gut 2000 Einwohner, eine Größe von 22,54 km² und ist Teil der Samtgemeinde Bardowick.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine erste Erwähnung des Ortes findet sich 1252 im Urkundenbuch des Verdener Domkapitels als „Rotersbrug“. Aus der Abgabe des sog. Schmalzehnten kann auf eine überwiegend forst- und landwirtschaftliche Nutzung geschlossen werden. Eine dauerhafte umfängliche Siedlungsaktivität ist für die Zeit nicht belegt.

Ein weiterer urkundlicher Hinweis auf den Ortsnamen findet sich in der Chronik „Memorabilia Historiae Luneburgicae“ von 1269. Darin auftauchende „Radebrokii“ dürften in der Radbrucher Gegend beheimatet gewesen sein. Der Stammsitz der Familie Radbruch war Anfang des 15. Jahrhunderts möglicherweise befestigt. In den Jahren 1450 und 1451 ist ein zur Vogtei Pattensen zählender Meyerhof erwähnt. Im 16. Jahrhundert entstand die Vogtei Radbruch als Sondergut innerhalb der Vogtei Bardowick. Dies war der Verwaltungssitz der welfischen Besitzungen in diesem Bereich.

Die Vermessung des Kartographen Mellinger von 1592 zeigt „Raarbroock“ als ausgedehntes Wald- und Sumpfgebiet.

Das Atlasblatt „Ducatus Luneburgensis. Adiacentiumq. regionum delineatio“ (1645) von Willem Janszoon Blaeu weist in der Region einen Wald namens „Raarbroeck“ aus. Da Broeck bzw. Brook Sumpfland bezeichnen, dürfte es sich um Bruchwald gehandelt haben. Das eisenhaltige Wasser der Bruchwaldniederung weist oft eine Rotfärbung auf, daher, so die Annahme, der Name roter Bruch (s. a. Roddau – rote Aue), später dann Radbruch. Sollte das "Raar" lateinischen Ursprungs sein, wäre dies ein Hinweis auf sehr lockeren, verstreuten Baumbestand. Das verbreitetere Rad- oder Rade- deutet jedoch eher auf eine Rodung hin.

In der Kurhannoverschen Landesaufnahme, Blatt 67 „Winsen/Luhe“, aufgenommen 1776, ist an der Stelle der heutigen Ortschaft ein „Meierhoff“ als „königl. Stutery“ eingetragen. Die nördlich angrenzende Flur wird als „der Ratth Bruch“ bezeichnet.

Im Jahre 1885 wurde Radbruch Mitglied des Landkreises Winsen/Luhe und dadurch 1932 eine eigenständige Gemeinde im Landkreis Harburg. Im Jahre 1974 wurde es durch die Gemeindereform Mitglied der Samtgemeinde Bardowick und des Landkreises Lüneburg.

Die neuzeitliche Siedlungsentwicklung beginnt erst nach dem Wegzug des kurhannoverschen Pferdegestüts 1778. Die mit der Verkoppelung von 1779 entstandenen Hofstellen sind noch heute prägend im Dorfbild erkennbar. Geradezu berühmt wurde das Dorf im 19. Jahrhundert – und zwar durch den Schäfer Heinrich Ast. Er kam 1873 auf den Hof Ahlers, später Fischer und machte sich einen großen Namen als Heilkundiger. Im Jahre 1894 behandelte er in Radbruch täglich bis zu 1000 Patienten. Möglich wurde dies durch die 1848 eröffnete Eisenbahnlinie Hannover-Harburg. Natürlich profitierten vom Ast´schen Wirken nicht nur die Patienten. Im Dorf gab es eine ganze Reihe von Herbergs- und Gastronomiebetrieben, die Landwirte boten einen Kutschendienst vom Bahnhof zum Ast´schen Anwesen in der heutigen Bardowicker Straße an. Schäfer Ast starb 1921. Die Praxis wurde bis in die 1990er Jahre fortgeführt. Einige der Ast’schen Mittel sind noch heute in der Winsener Ratsapotheke erhältlich.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Radbruch gehört zum Landtagswahlkreis 49 Lüneburg und zum Bundestagswahlkreis 38 Lüchow-Dannenberg – Lüneburg.[2][3]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat hat elf Mitglieder (ab der Kommunalwahl 2016 werden es 13 sein). Ergebnisse der letzten Wahlen:

Partei Ergebnis 2006 [%] Ergebnis 2011 [%] Ergebnis 2016 [%] Veränderung [%]
SPD 41,6 53,8 47,9 - 5,9
CDU 49,5 33,5 41,0 + 7,5
Bündnis 90/Die Grünen 8,9 12,7 11,0 - 1,7

Dabei verteilen sich die Sitze so (± der Sitze im Vergleich zur Wahl 2011):

  • SPD – 6 Sitze (±0)
  • CDU – 5 Sitze (+1)
  • Grüne – 2 Sitze (+1)

Auf der konstituierenden Sitzung des Gemeinderates am 24. November 2016 wurde Rolf Semrok in geheimer Wahl zum Bürgermeister gewählt. Ebenfalls in geheimer Wahl wurde Dirk Boks (Grüne) zum stellvertretenden Bürgermeister gewählt. Als Verwaltungsvertreter wurde mehrheitlich Holger Lütjens (CDU) bestimmt.


Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das alte Forsthaus

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Radbruchs umgebene Wälder sind geprägt von einer Vielfalt an Flora und Fauna, sodass gelegentlich sogar seltene Seeadler zu sichten sind.[4]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eine Sportanlage mit integriertem Fußball und Beach-Volleyballplatz, sowie eine angeschlossene Tennisanlage sind für die Bürger nutzbar.
  • TSV Radbruch, der seit 1948 ortsansässige Sportverein bietet eine Vielzahl an unterschiedlichen Sportarten für Erwachsene und Kinder.

Freiwillige Feuerwehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Jahre 1902 wurde die Freiwillige Feuerwehr in Radbruch gegründet und sie ist eine von 9 Wehren in der Samtgemeinde Bardowick. Derzeit gehören etwa 30 Ehrenamtliche der Feuerwehr und kümmern sich um die Sicherheit des Brandschutzes im Ort und in der Gemeinde.[5]

Ausstellungen und Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Kunstscheune Radbruch für Ausstellungen zeitgenössischer Kunst wurde 2008 vom Künstler Walter Knolle eröffnet.[6] Er selbst arbeitet seit 2000 an seinen Werken in der Kunstscheune. Zwischen dem 10. Juni 2017 bis zum 2. Juli 2017 fand die vorerst letzte Ausstellung „10 Jahre Kunstscheune Radbruch“ statt.[7]
  • Der Country-Club Wild West e. V. wurde 1996 gegründet und im selben Jahr fand das erste Country-Fest mit etwa 400 Besuchern statt. Seit dem findet das Country-Fest jedes Jahr statt und bietet am Pfingstwochenende: Musik, Pferdeshows, ein Oldtimer Treffen sowie ein umfangreiches Rahmenprogramm.2009 besuchten nach Angaben der Veranstalter etwa 5500 Besucher das Fest.[8]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Radbruch liegt an der Bahnstrecke Hannover–Hamburg und wird ungefähr im Stundentakt vom Metronom mit der RB31 mit Hamburg-Harburg und Hamburg Hauptbahnhof sowie mit Lüneburg und Uelzen verbunden.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Kindergärten und eine Grundschule sind in der Gemeinde vorhanden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Radbruch lebte und wirkte der 1848 geborene Heiler Schäfer Philipp Heinrich Ast.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 100 Bevölkerungsfortschreibung – Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. Landtagswahlkreise ab 16. Wahlperiode. Wahlkreiseinteilung für die Wahl zum Niedersächsischen Landtag. Anlage zu § 10 Abs. 1 NLWG, S. 4. (PDF; 87 KB)
  3. Beschreibung der Wahlkreise. Anlage zu § 2 Abs. 2 Bundeswahlgesetz. In: Achtzehntes Gesetz zur Änderung des Bundeswahlgesetzes. Anlage zu Artikel 1. Bonn 18. März 2008, S. 325. (PDF; 200 KB)
  4. Jann Wübenhorst: Landkreis Lüneburg: Ermittlung möglicher artenschutzrechtlicher Restriktionen für unterschiedliche Such- räume des Planungskonzeptes der Regionalplanung im Zusammenhang mit der Teil- fortschreibung Windenergie des RROP LK Lüneburg; Kartierung von Großvogel-Flugrouten im Juni und Juli 2012. August 2012, S. 6, abgerufen am 4. Oktober 2017.
  5. Freiwillige Feuerwehr Radbruch - Über uns. Abgerufen am 4. Oktober 2017 (deutsch).
  6. Kunstscheune Radbruch, kunstscheune-radbruch.de
  7. Letzte Ausstellung in der Radbrucher Kunstscheune - LZonline. In: landeszeitung.de. 9. Juni 2017 (landeszeitung.de [abgerufen am 4. Oktober 2017]).
  8. Über uns. In: Country Club Wild West e. V. (country-club-wild-west.de [abgerufen am 4. Oktober 2017]).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gemeinde Radbruch; Familienverband Radbruch (Hg.): 750 Jahre Radbruch. Lüneburg : UBB Verl. Westphal 1994.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Radbruch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien