Radbruch

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Dieser Artikel beschreibt die Gemeinde Radbruch in Niedersachsen. Für weitere Bedeutungen siehe Radbruch (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Radbruch
Radbruch
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Radbruch hervorgehoben
Koordinaten: 53° 19′ N, 10° 17′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Lüneburg
Samtgemeinde: Bardowick
Höhe: 8 m ü. NHN
Fläche: 22,54 km²
Einwohner: 2007 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 89 Einwohner je km²
Postleitzahl: 21449
Vorwahl: 04178
Kfz-Kennzeichen: LG
Gemeindeschlüssel: 03 3 55 028
Adresse der Verbandsverwaltung: Schulstr. 12
21357 Bardowick
Bürgermeister: Achim Gründel (SPD)
Lage der Gemeinde Radbruch im Landkreis Lüneburg
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Radbruch ist eine Gemeinde im Landkreis Lüneburg in Niedersachsen. Sie hat etwa 2100 Einwohner, eine Größe von 22,54 km² und ist Teil der Samtgemeinde Bardowick.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine erste Erwähnung des Ortes findet sich 1252 im Urkundenbuch des Verdener Domkapitels als Rotersbrug. Aus der Abgabe des sog. Schmalzehnten kann auf eine überwiegend forst- und landwirtschaftliche Nutzung geschlossen wer-den. Eine dauerhafte umfängliche Siedlungsaktivität ist für die Zeit nicht belegt. Das eisenhaltige Wasser der Bruchwaldniederung weist oft eine Rotfärbung auf, daher der Name roter Bruch (s.a. Roddau – rote Aue), später dann Radbruch. Die Vermessung des Kartographen Mellinger von 1592 zeigt „Raarbroock“ als ausgedehntes Wald- und Sumpfgebiet. Auch in der Kurhannover-schen Landesaufnahme von 1767 ist „der Rath Bruch“ hauptsächlich die Bezeichnung für eine Flur. Einzig der Meierhof ist als „königl. Stutery“ eingetragen. Eine weitere urkundlicher Hinweis auf den Ortsnamen findet sich in der Chronik „Memorabilia Historiae Luneburgicae“ von 1269. Darin auftauchende „Radebrokii“ dürften in der Radbrucher Gegend beheimatet gewesen sein. Der Stammsitz der Familie Radbruch war Anfang des 15. Jahrhunderts möglicherweise befestigt. In den Jahren 1450/51 ist ein zur Vogtei Pattensen zählender Meyerhof erwähnt. Im 16. Jahrhundert entstand die Vogtei Radbruch als Sondergut innerhalb der Vogtei Bardowick. Dies war der Verwaltungssitz der welfischen Besitzungen in diesem Bereich.

Das Atlasblatt „Ducatus Luneburgensis. Adiacentiumq.regionum delineatio“ (1645) von Willem Janszoon Blaeu weist in der Region einen Wald namens „Raarbroeck“ aus. Da Broeck bzw. Brook Sumpfland bezeichnet, dürfte es sich um Bruchwald gehandelt haben. Sollte das "Raar" lateinischen Ursprungs sein, wäre dies ein Hinweis auf sehr lockeren, verstreuten Baumbestand. Das verbreitetere Rad- oder Rade- deutet jedoch eher auf eine Rodung hin. Eine dritte Annahme ist, das "Rad" könnte sich auf die Rotfärbung des erzhaltigen Wassers der Gegend beziehen.

In der Kurhannoverschen Landesaufnahme, Blatt 67 "Winsen/Luhe", aufgenommen 1776, ist an der Stelle der heutigen Ortschaft ein "Meierhoff" verzeichnet. Das nördlich angrenzende Gebiet wird als "der Ratth Bruch" bezeichnet.

1885 wurde Radbruch Mitglied des Landkreises Winsen/Luhe und dadurch 1932 eine eigenständige Gemeinde im Landkreis Harburg. 1974 wurde es durch die Gemeindereform Mitglied der Samtgemeinde Bardowick und des Landkreis Lüneburg.

Die neuzeitliche Siedlungsentwicklung beginnt erst nach dem Wegzug des kurhannoverschen Pferdegestüts 1778. Die mit der Verkoppelung von 1779 entstandenen Hofstellen sind noch heute prägend im Dorfbild erkennbar. Geradezu berühmt wurde das Dorf im 19. Jahr-hundert – und zwar durch den Schäfer Heinrich Ast. Er kam 1873 auf den Hof Ahlers, später Fischer und machte sich einen großen Namen als Heilkundiger. Im Jahre 1894 behandelte er in Radbruch täglich bis zu 1000 Patienten. Möglich wurde dies durch die 1848 eröffnete Eisenbahnlinie Hannover-Harburg. Natürlich profitierten vom Ast´schen Wirken nicht nur die Patienten. Im Dorf gab es eine ganze Reihe von Herbergs- und Gastronomiebetrieben, die Landwirte boten einen Kutschendienst vom Bahnhof zum Ast´schen Anwesen in der heutigen Bardowicker Straße an. Schäfer Ast starb 1921. Die Praxis wurde bis in die 1990er Jahre fortgeführt. Einige der Ast´schen Mittel sind noch heute in der Winsener Ratsapotheke erhältlich.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Radbruch gehört zum Landtagswahlkreis 49 Lüneburg und zum Bundestagswahlkreis 38 Lüchow-Dannenberg – Lüneburg.[2][3]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat hat elf Mitglieder (ab der Kommunalwahl 2016 werden es 13 sein). Ergebnisse der letzten Wahlen:

Partei Ergebnis 2006 [%] Ergebnis 2011 [%] Veränderung [%]
SPD 41,6 53,8 + 12,2
CDU 49,5 33,5 - 16,0
Bündnis 90/Die Grünen 8,9 12,7 + 3,8

Dabei verteilen sich die Sitze so (± der Sitze im Vergleich zur Wahl 2006):

  • SPD – 6 Sitze (+1)
  • CDU – 4 Sitze (−1)
  • Grüne – 1 Sitz (±0)


Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das alte Forsthaus

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Radbruchs umgebene Wälder sind geprägt von einer Vielfalt an Flora und Fauna, sodass gelegentlich sogar seltene Seeadler zu sichten sind.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eine Sportanlage mit integriertem Fußball und Beach-Volleyballplatz, sowie eine angeschlossene Tennisanlage sind für die Bürger nutzbar.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Radbruch liegt an der Bahnstrecke Hannover–Hamburg und wird ungefähr im Stundentakt vom metronom regional mit Hamburg-Harburg und Hamburg Hauptbahnhof sowie mit Lüneburg und Uelzen verbunden.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Kindergärten und eine Grundschule sind in der Gemeinde vorhanden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Radbruch lebte und wirkte der 1848 geborene Heiler Schäfer Philipp Heinrich Ast.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 100 Bevölkerungsfortschreibung – Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2014 (Hilfe dazu).
  2. Landtagswahlkreise ab 16. Wahlperiode. Wahlkreiseinteilung für die Wahl zum Niedersächsischen Landtag. Anlage zu § 10 Abs. 1 NLWG, S. 4. (PDF; 87 KB)
  3. Beschreibung der Wahlkreise. Anlage zu § 2 Abs. 2 Bundeswahlgesetz. In: Achtzehntes Gesetz zur Änderung des Bundeswahlgesetzes. Anlage zu Artikel 1. Bonn 18. März 2008, S. 325. (PDF; 200 KB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Radbruch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien